Nein, nein, mein ARtikel soll gar nicht so bös werden wie der Titel verspricht. Wie du schon weisst, finde ich Konzentration und Themeneingrenzung immer gut. Und es war vielleicht tatsächlich nicht ganz glücklich, quasi einen selbsterfundenen Begriff als Zentrum einer Examensarbeit zu nehmen, klingt doch etwas exclusiv.
Kleine Korrektur: Ich habe mich nach Besprechung mit meinem
Prof dazu entschlossen, mich auf bestimmte „Places of
Pilgrimage“ zu konzentrieren.
Dazu habe ich ja unten bei der Jerusalem-Frage schon meinen Senf gelassen, wobei ja der tatsächlich interessante Aspekt der Kommerzialisierung dazukommt. Den ich allerdings etwas unbefangener sehen würde als du.
Was du über „Konsumismus“ schreibst, hört sich sehr stark nach Erich Fromm an, nach Haben-Modus und Sein-Modus. Natürlich hat Fromm recht, aber gerade in Bezug auf evangelische Religion finde ich solch moralinbelasteten Polarisierungen eine ganz zweischneidige Sache, denn der Leistungs- oder auch eben letztlich Ablaßgedanke kommt dadurch meiner Erfahrung nach sozusagen durch die Hintertür wieder in die gute Stube. Auch wenn die Zusage der Rechtfertigung strukturell dialektisch bleiben muss: ein moralisch hohes Ross (das im Begriff „Konsumismus“ steckt, da kannst du mir erzählen, was du willst) fördert eben nicht den dialektischen Prozess, sondern das Ende desselben.
Beispiel Gottesdienst: Jahrhundertelang wars der evangelischen Kirche ganz recht, dass die Leute schön brav hineingegangen und wieder hinausgegangen sind. Heutzutage gehörts aber immer mehr dazu, dies und das zu tun und sich zu engagieren und gerade im Schulbereich artet das Ganze echt schnell in enorme Anstrengung aus. Und es wurde vergessen, dass Gottesdienst ein Trost sein soll und ein Ausruhen und der Glaube das H ö r e n des Wortes Gottes ist. Ernst, alle findens toll, wenn man im Gottesdienst möglichst viel selber macht, aber ich finds stressig. Zumal, wenn ich mitkriege wie das aussieht, wenn die anderen das alles selber machen und wie es selbst anständigen Leuten unterläuft, dass alles nur noch peinliche Selbstdarstellung ist. Mir ist ein liturgisch fest eingebundener, vom Pfarrer bestimmt geleiteter Gottesdienst echt lieber. Ist das jetzt Konsumismus?
Also, Quintessenz: Fein, dass du jetzt von diesem Begriff abgekommen bist.
Grüße Juliane