Hallo,
ich kenne die Spielregeln in der Branche, in der P&G tätig ist, nicht. Aber ich weiß, wie es bei Elektronik läuft.
Als Händler kauft man da bei Distributoren / Großhändlern, nicht direkt bei den Herstellern. Jedenfalls wenn es nicht um kleine Nischenhersteller, sondern die wirklich großen Anbieter geht. Due haben also in der Regel gar kein Interesse daran, mit jedem kleinen Fuzzi in Verhandlungen zu treten, sondern wickeln ihre Geschäfte nur mit etablierten Großhändlern ab.
Und es kommt noch besser: Manchmal musst du als Händler, um überhaupt Partner oder offizieller Händler eines bestimmten Herstellers sein zu dürfen, hohe Anforderungen erfüllen. Wenn du nicht eine gewisse positive Firmengeschichte, Bilanz, Größe des Ladenlokals oder gar Kooperationen mit anderen Herstellern vorweisen kannst, wollen manche gar nicht, dass du ihre Produkte vertreibst weil dein kleiner Krauterladern nicht das Image / Einkaufserlebnis / Umfeld spiegelt, in dem sich dieser Hersteller präsentiert sehen möchte.
Ganz extrem sind da z. B. Autohäuser: die akzeptieren niemanden, der nicht einen riesengroßen Showroom aus Glas- und Stahl-Architektur vorweisen kann, weil ein beschlagenes Schaufenster in einem schäbigen 60er-Jahre-Bau einfach nicht zum Markenimage und zur gewünschten Präsentation passt.
Man kann jetzt sagen, dass P&G-Produkte in einer anderen Kathegorie angesiedelt sind und es da keines solch speziellen Verkaufsumfeldes bedarf.
Aber Hersteller dieser Größenordnung brauchen euch nicht. Der Aufwand, sich mit dir auseinander zu setzen, kostet 3 Mal mehr als der Gewinn, den sie - vielleicht - mit dir erzielen können. UZnd was wäre, wenn die ganze fixe Idee sowieso floppt? Dann ist P&G seine Ware los und rennt möglicherweise dem Geld hinterher. Man würde erstmals nur gegen Vorkasse liefern, aber selbst der Aufwand rechnet sich kaum, wenn der Umsatz bzw. die Gewinnerwartung für P&G zu klein ist.
Obendrein kannst du ja nicht mal die einfachsten konstitutiven Unternehmensentscheidungen darlegen:
- Wie ist euer Konzept?
- In welchem Umfeld sollen die Produkte verkauft werden?
- Wie finanziert ihr das Unternehmen?
- Welche Marge strebt ihr an?
- Welche Ausfallsicherheiten bietet ihr?
Die entscheidende Frage, die es zu beantworten ist, lautet: Warum sollte der Kunde etwas bei dir kaufen, was er im Augenblick problemlos anders kauft? Welchen Mehrwert bietest du? Auch unter dem Aspekt, dass es große Kaufhäuser gibt, die schon zu ganz anderen Einkaufskonditionen an die Ware kommen als du und wahrscheinlich andere Zahlungsziele haben, somit also viel besser kalkulieren können.
Aus Sicht einer Firma wie P&G verschwenden sie Zeit und Geld, wenn sie sich mit eurer Anfrage beschäftigen, weil nicht mal ein Konzept vorliegt und selbst wenn das kommt, verkaufen sie ihr Zeug nach bisheriger Ansicht besser auf den etablierten Wegen zu den dort berhandelten Konditionen, als sich mit kleinen Idealisten zu beschäftigen, die nur Ideen, aber keine Ahnung vom Markt haben und dazu keine gute und sichere Einnahmequelle versprechen können.
Ihr werdet also klein anfangen müssen und könnt euch dann hocharbeiten. Ab einer gewissen Größe und beim Nachweis von Erfolgen wird es für die Anbieter dann interessant, einen Blick auf euren Laden zu werfen. Ob ihr dann aber direkt beim Hersteller kaufen oder doch über den Großhändler gehen müsst, bleibt aber selbst dann fraglich.
Gruß und viel Erfolg,
MecFleih