Hallo Christoph,
bevor ich zu deinen einzelnen Fragen komme, möchte ich vorab anmerken, dass es uns Menschen mit unserem begrenzten Verstand niemals möglich sein wird, ein allmächtiges, allgegenwärtiges und allwissendes Wesen wie Gott, das den Grenzen von Zeit und Raum nicht unterworfen ist, vollständig zu erfassen bzw. zu verstehen. Wenn wir mit unserem Verstand Gottes Wesen begreifen und alle seine Handlungen verstehen würden, dann wäre Gott ja weniger als wir und damit kein Gott mehr.
Die Bibel sagt uns: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern soviel der Himmel höher ist als die Erde so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ (Jes 55,8.9)
Es gibt daher zwangsläufig Fragen, über die wir zwar alle möglichen Mutmaßungen anstellen können, aber auf die wir letztlich keine definitive Antwort haben. Das ist für mich aber Grund, den christlichen Glauben zu verwerfen.
[…]
- was genau hat die Zeit mit Gott zu tun?
Gott selbst unterliegt nicht den Gesetzen von Zeit und Raum, sondern Gott hat Zeit und Raum erschaffen.
Warum wurde Jesus erst vor 2.000 Jahren geboren und nicht schon
vielfrüher?
Beziehungsweise was machte Gott all die Jahre davor?
Nachdem ich an Schöpfung glaube, hat sich Gott den Menschen schon immer offenbart, seit es Menschen gibt. Im Alten Bund tat er das vorwiegend durch die Propheten, die sein Wort und seinen Willen verkündet haben und im Neuen Bund begegnet uns Gott in Jesus Christus.
Hat er den Menschen durch ebensolche „Zufälle“ geholfen ohne dass sie
es wussten, dass all diese Zufälle von Gott kamen?
Meines Erachtens geschieht nichts ohne dass Gott es zulässt. Aber das schliesst ja Zufälle z.B. im Leben von Menschen, die nicht an den Gott der Bibel glauben, nicht aus.
- gibt es eigentlich mehrere Götter? Schließlich gibt es auch
mehrere Religionen. Einige Religionen bezeichnen sich als
polytheistische Religionen, wie zum Beispiel der Hinduismus.
Etwas kindlich gefragt: machen sich Götter untereinander aus
wem sie helfen?
Gemäß der Bibel gibt es nur einen Gott und dieser Gott hat Himmel und Erde geschaffen. Vor diesem einen, wahren Gott werden sich eines Tages auch alle Menschen verantworten müssen. Die sog. Götter aller anderen Religionen sind aus Sicht der Bibel Götzen.
- Zufälle passieren eigentlich öfters und nicht nur wenn man
betet. Gehen diese Zufälle auch von Gott aus oder nur die
erbetenen?
S.o. Ohne dass Gott es zulässt, geschieht nichts. Das gilt für alle Dinge und nicht nur für die von dir angesprochenen Zufälle. Das heißt aber nicht, dass alles, was geschieht, von Gott verursacht wird. Siehe hierzu z.B. die Geschichte von Hiob. Das Leid, das Hiob widerfahren ist, wurde nicht von Gott verursacht, aber Gott hat es dem Teufel gestattet, den Glauben Hiobs zu prüfen.
- inwiefern hatte Gott seine Finger im Spiel als sich Menschen
- im Namen Gottes (egal ob die jetzt dem Islam, Christentum
oder sonst einer Religion angehörten) - gegenseitig abgemurkst
haben? Oder was tat Gott, als Adolf Hitler davon sprach, dass
Gott ihm zur Seite stand? (wobei ich jetzt keine politische
Diskussion entfachen möchte; primäre geht es mir darum, dass
Leute auch „für Gott“ gemordet haben: Kreuzzüge; im Islam
erleben wir ja das Sterben für Gott ja heute noch)
Viele Menschen haben sich bei ihren Taten auf den Namen Gottes berufen, aber das heißt ja nicht, dass sie tatsächlich Gottes Willen taten. Schreckliche Dinge wie die Inquisition etc. sind menschliche Verirrungen, die fälschlicherweise meinten oder zumindest vorgaben, im Sinne Gottes zu handeln.
- ich persönlich habe über zehn Jahre lang jeden Tag gebetet.
Das fand nicht aus purer Überzeugung sondern vielmehr als
Ritual statt. Dennoch denke ich mir, dass Gott das ja
irgendwie positiv aufgefasst haben müsste.
Wenn es lediglich ein Ritual war, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass Gott daran Wohlgefallen hatte. Gott sieht in das Herz der Menschen. Er möchte von uns geliebt werden und wir sollen uns bemühen, nach seinem Willen und seinem Wort zu leben. Ein Beten ohne wahren Glauben, einfach als Ritual, ist wie wenn ich vor Gott meine Sünden bekenne ohne diese wirklich zu bereuen und denke, allein durch ein formales „Gott vergib mir“ wäre die Sache erledigt.
Ich möchte mich da
jetzt nicht als von Gott bestraftes Kind hinstellen, dennoch
habe ich in meiner Kindheit eine Anzahl von Schicksalsschlägen
erleben müssen, die vermutlich für eine 30-Jährige Person
gereicht hätte. Mit Sicherheit gibt es auch noch Menschen, die
weitaus ärmer dran sind als ich. Was macht Gott bei denen?
Es gibt eine Vielzahl von Zeugnissen von Menschen, denen Gott in der Not geholfen hat. Allerdings hilft Gott nicht in allen Fällen und letztlich wissen wir nicht, warum Gott die einen von ihren Leiden berfreit und die anderen nicht. Schicksalsschläge können uns auch helfen, den Weg in die richtige Richtung zu finden. So gibt es nicht wenige Menschen, die z.B. durch eine schwere Krankheit oder durch einen erlittenen Unfall anfingen, darüber nachzudenken, ob unser Leben hier auf Erden wirklich Alles ist. So mach einer ist durch solche schrecklichen Ereignisse erst zum Glauben an Gott gekommen. Natürlich wissen wir in vielen Fällen auch im Nachhinein nicht, warum uns nun dieses oder jenes widerfahren ist. Aber ich bin mir sicher, wir werden eines Tages von Gott die Antwort erfahren.
- wenn man betet, dass in der Welt der Hunger und das Leiden
weniger werden solle, macht dann Gott was?
Das kann ich nicht nachprüfen.
Aber du solltest nicht vergessen, dass Gott uns Menschen einen freien Willen gegeben hat und viel Leid auf dieser Welt durch uns Menschen verursacht ist. Seien es Verbrechen, Kriege etc. Auch der Hunger in der Dritten Welt ließe sich stillen. Leider leben wir ja aber in einem System, in dem überschüssige Nahrungsmittel vernichtet werden müssen und aus Wettbewerbsgründen nicht einmal billig verkauft oder in den Läden verschenkt werden dürfen usw.
Hat Gott denn eigentlich nicht diese Welt erschaffen?
Gott hat die Welt als Paradies erschaffen, ohne Krankheiten und sonstiges Leid. Durch die Abwendung des Menschen von Gott (der Preis des freien Willens) müssen wir heute leider in einer Welt voller Sünde und Leid leben. Aber als Christen haben wir den Ausblick auf eine Ewigkeit bei Gott in Herrlichkeit. Auch wenn es auf Erden im Leben oft schmerzlich ist, so sind die paar Jährchen, die wir hier verbringen, nicht mal ein Fingeschnipsen verglichen mit der Ewigkeit.
- handelt die Kirche in Gottes Sinne? Was spielt der Papst für
eine Rolle?
Es gibt viele Kirchen, insofern kann man das nicht so pauschal sagen. Ich bin z.B. aus der katholischen Kirche ausgetreten, da ich vieles, was dort gemacht wird, mit der Bibel und damit dem Wort und Willen Gottes nicht in Einklang bringen kann. Dazu gehört für mich auch das Papsttum. Für mich sind die Aussagen des Papstes daher in Glaubensdingen auch nicht maßgeblich.
Ich hoffe, dass du dich durch meine etwas kritischen
Äußerungen nicht irgendwie persönlich angegriffen fühlst.
Keineswegs, solange eine Diskussion sachlich geführt wird, ist dagegen nichts einzuwenden, auch wenn die Fragen/Äußerungen kritisch sind. 
Gruß
Michael