Kontrolle der öffentlichen Meinung muss sein!


Wie man das Bewusstsein der Öffentlichkeit reglementiert

[…] Vor 250 Jahren hat sich David Hume in einem klassischen Essay mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Hume war erstaunt darüber, mit welcher Leichtigkeit sich die vielen von den wenigen regieren lassen und sich unterwerfen, indem sie ihr Schicksal in die Hände ihrer Herrscher legen, obwohl doch die Macht immer auf Seiten der Regierten liege. Würden die Beherrschten das erkennen, würden sie sich erheben und ihre Herren stürzen. Er schloss daraus, dass Regierungsherrschaft auf „Meinung“ (opinion) beruht; ein Grundsatz, der für die despotischsten und militärischsten Regierungen ebenso gelte wie für die freiesten und republikanischsten.
   Sicherlich unterschätzte Hume die Wirksamkeit brutaler Gewalt. Zutreffender dürfte sein, dass eine Regierung um so stärker auf Meinungskontrolle zur Sicherung ihrer Herrschaft bedacht sein
muss, je „freier und republikanischer“ sie ist.
   Dass die Bevölkerung sich unterwerfen muss, wird nahezu unhinterfragt angenommen. In einer Demokratie haben die Regierten das Recht zuzustimmen, mehr aber auch nicht. In der Terminologie des modernen fortschrittlichen Denkens sind sie „Zuschauer“, aber - abgesehen von der gelegentlichen Möglichkeit, zwischen Repräsentanten authentischer Macht zu wählen - keine „Beteiligten“. Das gilt nur für die Politik, während die Bevölkerung im Bereich der Wirtschaft, deren gesellschaftliches Wirken weitgehend festgelegt ist, gemäss der dominierenden Demokratietheorie überhaupt nichts zu suchen hat.

Aus: „Profit over People - Neoliberalismus und globale Weltordnung“, Noam Chomsky

  1. Auflage Nov. 2000, Europa Verlag (http://www.europaverlag.de)

Marco

Sag mir, was ich denken soll
Hallo Marco

Zutreffender dürfte sein, dass eine Regierung um so

stärker auf Meinungskontrolle zur Sicherung ihrer Herrschaft
bedacht sein
muss, je „freier und republikanischer“ sie ist.

Ich wette, jeder machthungrige Politiker wäre begeistert, wenn das so funktionieren könnte. Kann es aber nur bedingt. Hume konnte vor 250 Jahren sicher noch nicht das Informationszeitalter voraussehen, in dem wir uns heute bewegen. Kontrolle der Meinung durch Medien funktioniert nur, wenn diese Medien kontrollierbar sind. Heutzutag fast unmöglich (zumindest z.B. in D). Gerade das Internet hat hier Voraussetzungen geschaffen, die zu anderen Zeiten nicht vorstellbar waren.

Das interessante an der heutigen Zeit ist, dass dem Menschen der Zugang zu vielfältigen Informationsquellen offensteht, er ihn aber nicht nutzt. Wenn man sich nämlich etwas intensiver mit einem Sachverhalt auseinandersetzen will, um sich z.B. eine eigene Meinung zu bilden, stellt man schnell fest, das vieles recht komplex ist. Sich einen Überblick zu verschaffen bedeutet also auch, Mühe zu investieren, um z.B. Zusammenhänge zu verstehen. Die meisten Leute sind dazu aber gar nicht bereit. Sie konsumieren lieber die Meinung anderer und übernehmen unreflektiert das, was ihnen irgendwie in ihr Selbst- oder Weltbild pass, getreu dem Motto: eine Meinung hat jeder, Ahnung jedoch kaum einer.

   Dass die Bevölkerung sich unterwerfen muss, wird nahezu
unhinterfragt angenommen. In einer Demokratie haben die
Regierten das Recht zuzustimmen, mehr aber auch nicht. In der
Terminologie des modernen fortschrittlichen Denkens sind sie
„Zuschauer“, aber - abgesehen von der gelegentlichen
Möglichkeit, zwischen Repräsentanten authentischer Macht zu
wählen - keine „Beteiligten“.

Diese Rolle spielt jeder Mensch aber freiwillig und nicht gezwungener Maßen. Der Weg zu aktiver politischer Einflußnahme z.B. in und durch Parteien steht jedem frei. Aber auch hier wäre wieder Mühe und Einsatz gefragt, auf den die meisten Menschen „null bock“ haben.

Das gilt nur für die Politik,

während die Bevölkerung im Bereich der Wirtschaft, deren
gesellschaftliches Wirken weitgehend festgelegt ist, gemäss
der dominierenden Demokratietheorie überhaupt nichts zu suchen
hat.

Welche Rolle soll denn deiner Meinung nach die „Bevölkerung“ in der Wirtschaft spielen ?

Gruss
Marion

Hallo Marion,

es spielt meiner Ansicht keine Rolle, ob die Menschen heute über das Angebot des Internets verfügen oder nicht. Man könnte es sogar eher als nachteilig ansehen, weil ein Überangebot vorherrscht und Texte (Quellen) leichter zu verändern sind. So wie ein Mensch sich in einer Masse besser verbergen kann, ist auch die echte Information schwerer zu entdecken.
   Dass sich niemand besonders die Arbeit nach wirklichen Informationen machen will, führe ich auf die Medien selbst zurück. Man/frau liest eine Zeitung, hört Radio oder sieht Fernsehen und bekommt eine Fülle an Nachrichten geliefert, wobei man natürlich aktiv handeln muss. Diese Nachrichten werden ungefiltert empfangen und es hängt an einem selbst, diese auszusondieren. Zumindest entsteht die Illusion, informiert zu sein. Man weiss, was in der Welt passiert.
   Aufgrund solcher Illusion und dem Gefühl, informiert zu sein, sieht der Mensch keinen Handlungsbedarf, sich Informationen anderweitig zu besorgen oder zu beachten. Das ist der Zustand, den Du als „null Bock“ beschrieben hast.

Wenn Du fragst, welche Rolle meiner Meinung nach die Bevölkerung in der Wirtschaft spielen soll, möchte ich gegenfragen, was die Bevölkerung zum Beispiel in der Politik oder der Kultur zu suchen hat.

Marco

Hallo Marco

es spielt meiner Ansicht keine Rolle, ob die Menschen heute
über das Angebot des Internets verfügen oder nicht. Man könnte
es sogar eher als nachteilig ansehen, weil ein Überangebot
vorherrscht und Texte (Quellen) leichter zu verändern sind. So
wie ein Mensch sich in einer Masse besser verbergen kann, ist
auch die echte Information schwerer zu entdecken.

Da hast du natürlich recht, aber ich seh für dieses Problem ehrlich gesagt keine Lösung. Wird die Information gefiltert oder konzentriert, stellt dies auch gleichzeitig wieder eine gewisse Manipulation dar. Zudem gibt es ja gewissen Kriterien, nach denen man eine Information beurteilen kann.

   Dass sich niemand besonders die Arbeit nach wirklichen
Informationen machen will, führe ich auf die Medien selbst
zurück. Man/frau liest eine Zeitung, hört Radio oder sieht
Fernsehen und bekommt eine Fülle an Nachrichten geliefert,
wobei man natürlich aktiv handeln muss. Diese Nachrichten
werden ungefiltert empfangen und es hängt an einem selbst,
diese auszusondieren. Zumindest entsteht die Illusion,
informiert zu sein. Man weiss, was in der Welt passiert.
   Aufgrund solcher Illusion und dem Gefühl, informiert zu
sein, sieht der Mensch keinen Handlungsbedarf, sich
Informationen anderweitig zu besorgen oder zu beachten. Das
ist der Zustand, den Du als „null Bock“ beschrieben hast.

Ja, schon. Aber wem willst du die Schuld für diesen Zustand geben ? Die Medienlandschaft in D ist nunmal besonders populistisch ausgerichtet und liefert wenig Hintergrundinformationen. In anderen Ländern (z.B. Großbritannien) hab ich das anders erlebt. Daher kauf ich mir auch lieber gleich eine englische Zeitung, wenn ich wirklich wissen will, was los ist. Wird in D der Versuch unternommen, Nachrichtensendungen zu zeigen, die etwas „tiefer“ gehen, werden die doch aufgrund der schlechten Einschaltquoten in den späten Abend hinein verbannt. Man muss also fast befürchten, dass die Menschen in D genau das bekommen, was sie wollen, nämlich Nachrichten als Unterhaltungsprogramm (mit möglichst vielen Katastrophen) statt als Informationssendung. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass in einem freien Markt (und also solches betrachte ich auch den Medienmarkt) das geliefert wird, wonach Bedarf besteht. Was die Leute jedoch nicht wollen, kann man ihnen auch nicht aufzwingen.

Wenn Du fragst, welche Rolle meiner Meinung nach die
Bevölkerung in der Wirtschaft spielen soll, möchte ich
gegenfragen, was die Bevölkerung zum Beispiel in der Politik
oder der Kultur zu suchen hat.

Die Rolle der allgemeinen Bevölkerung sehe ich als die des Konsumenten, sowohl in der Politik als auch in der Kunst. Menschen, die über diese Rolle hinaus etwas bewirken wollen, machen dies in der Regel auch. Man nennt sie dann Künstler oder Politiker :smile:

Gruss
Marion

Und was soll das jetzt bedeuten…
Hi Marco

1.Es ist prinzipiell unmöglich, die meisten Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Ich kann ja schlecht permanent in der Weltgeschichte rumreisen und alles, was mich interessiert persönlich nachprüfen. (dazu fehlt mir bedauerlicherweise das Kleingeld). Man wendet sich also an Personen bzw Organe, die man für vertrauenswürdig hält.

  1. die Auswahl von Nachrichten obliegt in Presse, Funk und Fernsehen den Journalisten, diese sind wiederum nicht in erster Linie dem Kunden, sondern ihrem Brötchengeber verpflichtet. der Knackpunkt ist jetzt, das der Erfolg dieser Medien von ihrer Glaubwürdigkeit bei der breiteren Masse bzw ihrer „Zielgruppe“ abhängt. Das führt dann zu einem recht breiten Spektrum, besonders in den Printmedien.

  2. Die Rolle der Bevölkerung in der Politik liegt darin begründet, das die Politiker für die gesamte Bevölkerung handeln (sollten). Immerhin muss die Bevölkerung den Unsinn ausbaden, den die Politiker anrichten. Ergo sollte „Das Volk“ das Recht haben, eine in ihren Augen unfähige Regierung abzusetzen. Dies passiert auch, Regierungen werden nicht gewählt, sondern abgewählt… nach dem Motto „Schlimmer kann es die Opposition auch nicht machen“. Nett ist auch die (zwar zähe) Einführung plebiszitärer Elemente auf Länderebene

  3. Ein Unternehmer ist nicht dem Volk an sich verantwortlich, sondern seinen Anteilseignern und Geldgebern. Wirtschaftlicher erfolg ist jedoch in den allermeisten Fällen (Ausgen Waffenschiebeu u.a.) vom erfolg beim Publikum abhängig, sprich, „das Volk“ muss die Produkte kaufen, sonst macht er Pleite.
    Gleiches gilt für „die Kunst“, es sollte zumindestens eine Wirkung auf das Volk ausgeübt werden (und wenn es Abscheu ist…),

Jetzt würde es mich blos interessieren, was DU eigentlich willst. Wie findet man die ECHTE Nachricht.
Eine zentrale unabhängige Nachrichtenstelle, die das Nachrichtenmonopol hält und sozusagen DIE WAHRHEIT verkündet, ist ja offenkundiger Blödsinn. Auch lassen sich viele Fakten unterschiedlich interpretieren.

Gruss
Mike

Hallo Marion,

wir können uns die Frage stellen, was zuerst da war: die Henne oder das Ei. So verhält es sich, wenn es um die Berichterstattung im Fernsehen geht. Die Öffentlich-Rechtlichen haben im Gegensatz zu den Privaten nicht auf solch drastische Weise auf die Quote zu schielen, zudem gibt es den Auftrag zur „Grundversorgung“. Deshalb erhalten sie ja primär die GEZ-Gebühren, und nicht etwa, um damit ständig neue und teure Unterhaltungssendung zu schaffen. Nach der jetzigen Gebührenerhöhung um 3,33 DM sind es in diesem Jahr über 11 Mrd… Davon erhält die ARD 60, das ZDF 40 Prozent.
   Doch was erhalten wir dafür: Wir erhalten oberflächliche Nachrichten, die man allerorten abrufen kann. Und nur über diese Nachrichten wird auch diskutiert, denn wenn man sich nur auf diese „Informationen“ stützt, kann man nicht über den Tellerrand hinausschauen. Selbstverständlich kann man sagen, dass wir zumindest in einer solch freien Gesellschaft leben, in der man sich Informationen selbst besorgen kann. Es ist jedoch nicht einzusehen, weshalb dies als Argument gelten soll, wenn man von den Öffentlich-Rechtlichen nicht informiert bzw. nur in die gewünschte Richtung informiert wird und dies als „Grundversorgung“ bzw. „Bildungsauftrag“ betrachtet wird. Wenn Du möchtest, kannst Du Dir hierzu den Artikel „Die Quoten-Idioten“ aus der „Zeit“ mal anlesen: http://www.zeit.de/2000/36/Politik/200036_fernsehen…
   Ein guter Artikel von Jens Jessen, auch wenn er auf die Meinungsbeeinflussung nicht eingeht. Wir können jedoch festhalten, dass die Bevölkerung eher mit Infotainment unterhalten werden soll, denn es liegt in der Tragik des Menschen, dass er den einfachen Dingen eher zugeneigt ist. Aber das kann den Regierenden nur recht sein, denn wie sagte schon Maren Kroymann in der früheren Kabarettsendung „Jonas“: „…denn wer dumm ist, der glaubt auch leichter!“ Dies war zwar auf die katholische Kirche gemünzt, aber andere Vergleiche schliessen sich nicht aus.

Marco

Salut Michael,

entschuldige, reichlich spät ist es, aber ich möchte trotzdem noch auf Deine Zeilen eingehen.
   Zu den ersten beiden Punkten: Selbstverständlich gibt es ein breites Spektrum, aber wie Du richtig feststellst, sind sie in erster Linie ihrem Brötchengeber verpflichtet. Man kann also nicht eine wirklich kritische Berichterstattung erwarten; sie geht nur so weit, wie sie besagten Brötchengeber genehm ist. Man müsste sich selbst die Arbeit machen und die Medien auf die Widersprüche durchforsten, denn man mag zwar im Grunde Informationen erhalten, was aber noch lange nicht bedeuten muss, dass sie vollständig sind. Doch für solche Recherchen bedarf es Zeit und Geld. Otto Normalverbraucher hat beides nicht, und so nimmt er das, was ihm vorgesetzt wird, da er ja sowieso dazu neigt, bedrucktem Papier und bunten TV-Bildern leicht zu glauben. Jemand, der solche Informationen zusammenträgt, ist zum Beispiel Noam Chomsky, aus dessen Büchern ich bereits zitierte.
   Zum dritten Punkt: Das Volk kann zwar alle vier Jahre eine Regierung abwählen, doch letztendlich kann sie sich nur zwischen authentischen Gruppierungen entscheiden. Dies konnte man in den letzten Jahren „wunderschön“ an den Grundgesetzänderungen beobachten, wozu man ja Zwei-Drittel-Mehrheiten brauchte.
   Zum vierten Punkt: Wie Dir vielleicht selbst aufgefallen sein wird, hat sich die Wirtschaft gewandelt: Weg von der Nachfrage hin zum Angebot. Nicht (nur) nach Bedarf wird produziert, sondern vor allem auch ein Überangebot präsentiert. Durch die entsprechende Werbung werden wir davon überzeugt, all diese Dinge auch zu brauchen und konsumieren ohne Bedacht. Simple Psychologie. (Siehe u. a.: Gustave LeBon, „Psychologie der Massen“)
   Zum fünften Punkt: Ich bin jedesmal verwundert, wie harsch man mir bisweilen gegenübertritt, wenn ich grosse Kritik anbringe. Nur weil ich es nicht besser machen kann, soll ich den Finger nicht auf die Wunde legen dürfen? Das lässt mich an der Kritikfähigkeit anderer zweifeln, weil überwiegend nur gesehen wird, dass man keine Lösung präsentierten kann, statt über die Inhalte nachzudenken und womöglich gemeinsam konstruktiv zu handeln. Doch es auf jeden Fall besser, lieber überkritisch zu handeln, statt ein Laissez-faire zu praktizieren…

Marco

Nun…
Hi Marco

entschuldige, reichlich spät ist es, aber ich möchte trotzdem
noch auf Deine Zeilen eingehen.

Kleine Überraschung, Freut mich ganz ehrlich.

Nun, dann sind wir uns in den punkt Berichterstattung ja einig. Man sucht sich immer die Quellen, bzw man vertraut am meisten den Quellen, die nach dem eigenen subjektivem Empfinden die Zuverlässigsten Informationen geben
bei mir ist das z.B. die Art der Präsentation. ich neige eher dazu, einer sachlichen Präsentation zu vertrauen als einer polemischen. Andere trauen halt anderen Quellen…
Was natürlich nicht heisst, das die deshalb objektiv zuverlässiger sein müssen.

Allerdings herrscht bei uns eben keine Nachrichtenkontrolle der politischen Machthaber, was durchaus eine gewisse Kontrolle durch die Medien bedeutet.

   Zum dritten Punkt: Das Volk kann zwar alle vier Jahre eine
Regierung abwählen, doch letztendlich kann sie sich nur
zwischen authentischen Gruppierungen entscheiden. Dies konnte
man in den letzten Jahren „wunderschön“ an den
Grundgesetzänderungen beobachten, wozu man ja
Zwei-Drittel-Mehrheiten brauchte.

Was nicht heisst, das diese Grundgesetztänderungen per se schlecht wären, Siehe Frauen in der Bundeswehr… manchmal können sogar die Opposition und die Regierung in vitalen Fragen einen Konsens finden.

   Zum vierten Punkt: Wie Dir vielleicht selbst aufgefallen
sein wird, hat sich die Wirtschaft gewandelt: Weg von der
Nachfrage hin zum Angebot. Nicht (nur) nach Bedarf wird
produziert, sondern vor allem auch ein Überangebot
präsentiert.

Wir leben in einer Überflussgesellschaft, was mir persönlich lieber ist wie eine Mangelgesellschaft.

Durch die entsprechende Werbung werden wir davon
überzeugt, all diese Dinge auch zu brauchen und konsumieren
ohne Bedacht. Simple Psychologie.

Du hast ein sehr schönes Wort gebraucht: Ohne BEDACHT! wenn sich jeder mal bei einem Einkauf überlegen würde „brauche ich das Wirklich?“ gerade bei Luxusgegenständen, dann würde es ganz anders aussehen. Aber gerade der Gruppendruck kann da fatal wirken. Siehe Asterix: Obelix GmbH und Co. Da kann man glatt noch was lernen *g*

   Zum fünften Punkt: Ich bin jedesmal verwundert, wie harsch
man mir bisweilen gegenübertritt, wenn ich grosse Kritik
anbringe. Nur weil ich es nicht besser machen kann, soll ich
den Finger nicht auf die Wunde legen dürfen? Das lässt mich an
der Kritikfähigkeit anderer zweifeln, weil überwiegend nur
gesehen wird, dass man keine Lösung präsentierten kann, statt
über die Inhalte nachzudenken und womöglich gemeinsam
konstruktiv zu handeln. Doch es auf jeden Fall besser, lieber
überkritisch zu handeln, statt ein Laissez-faire zu
praktizieren…

Sollte ich dich in irgendeiner Form durch meine „harsche“ Art beleidigt oder verletzt haben, bitte ich um Entschuldigung. Aber manchmal bricht mein schwäbischer Frontalcharme durch.

Die Frage bezüglich Nachrichten ist doch, wie kann ich ein Maximum an objektiven Nachrichten bis zum Bürger bringen. Da sehe ich ehrlich keine Alternative zum gegenwärtigen System. alle anderen sind noch viel schlimmer und anfälliger für Manipulation.

Ich bin mir nicht ganz klar, ob eine überkritische Betrachtungsweise (So nach dem Motto: erst mal alles anzweifeln) überhaupt konstruktives Handeln fördert. Verbaut man sich damit nicht den Blick auf die inneren Evolutionsmöglichkeiten eines Systems? (Aber das ist dann doch eine mehr philosophische Frage *g*)

Gruss
dein stets zweifelnder
Mike

Hallo Mike

zuerst einmal: Nein, Du hast mich nicht beleidigt; das wäre ein viel zu hartes Wort. Ich reagiere nur dann etwas empfindlich, wenn ich etwas kritisiere und dann so etwas kommt wie: „Mache es doch besser!“ Wenn ich Lösungen wüsste, würde ich die auch vorschlagen, aber die Politik ist dermassen vefilzt, dass bisweilen nur noch das zu gelten scheint: Haare ab und neu wachsen lassen! - Oder ein wenig metaphorisch: Weg mit alten Zöpfen!

Allerdings herrscht bei uns eben keine Nachrichtenkontrolle
der politischen Machthaber, was durchaus eine gewisse
Kontrolle durch die Medien bedeutet.

Direkt sicherlich nicht, aber indirekt. Zum Beispiel, wenn es darum geht, ob ein Intendant das „richtige“ Parteibuch besitzt. Oder Parteien sind an Zeitungen beteiligt. Dann gibt es auch noch solche Institutionen wie Parteienstiftunge - die wir allerdings durch Steuergelder bezahlen - oder die Bundeszentrale für politische Bildung, die gerne auch mal kritisiert wird. Zum Beispiel von der rechtsorientierten „Junge Freiheit“: http://www.jungefreiheit.de/archiv/40aa6.htm
   Von dieser Bundeszentrale gibt es einen Ausriss zur Objektivität von Nachrichten unter http://www.bpb.de/info-franzis/info_260/body_i_260_4…
   Ich kritisiere diese Institution deshalb, weil sie das Banner der scheinbaren Demokratie aufrecht hält. Aber der Unterschied zwischen theoretischer und praktischer Demokratie ist sehr krass.

Was nicht heisst, das diese Grundgesetztänderungen per se
schlecht wären, Siehe Frauen in der Bundeswehr… manchmal
können sogar die Opposition und die Regierung in vitalen
Fragen einen Konsens finden.

Entschuldige, wenn ich hier noch einmal einen Link anbringe, aber dazu kannst Du von mir einen Leserbrief in der taz vom letzten Samstag nachlesen. ;o)
http://www.taz.de/tpl/2001/01/06.nf/text.Tname,a0122…
(Verdammt gut finde ich auf der gleichen Seite weiter unten auch den Leserbrief eines Wolf-Rüdiger Otto.)
   Es stimmt mich bedenklich, wenn die beiden grossen Parteien diesen Konsens finden, denn sie erreichen bei (fast) jeder Wahl achtzig bis neunzig Prozent der Stimmen. Man mag zwar annehmen, dass dieser Prozentsatz der Bürger - zumindest derjenigen, die zur Wahl gehen - hinter diesen Parteien steht, aber wie ich mehrere Male in diesem Forum schrieb, wählt man nur ein Pauschalprogramm. Die früheren Ideologien haben die Parteien längst über Bord geworfen, und so sucht man sich das heraus, womit man sich noch am meisten identifizieren kann. Wie wir wissen, kann man uns vor Wahlen alles versprechen, hinterher ist es nur noch Makulatur. Und mit unseren beiden Kreuzchen wissen wir noch gar nicht, über was die Parteien während der Legislaturperiode noch bestimmen werden. Selbst wenn eine Mehrheit gegen eine zum Beispiel Grundgesetzänderung wäre, so könnte sie mitten in einer solchen Periode nicht mitbestimmen; sie kann einzig und allein später in der Wahlkabine dagegen, hmmm, „protestieren“. Aber das Gesetz besteht.
   So ist es auch mit all den anderen Themen, siehe 1990. Kohl sagte, es gäbe keine Steuererhöhungen. Drei Monate nach der Wahl passierten sie doch, und so durfte der damalige Wirtschaftsminister Möllemann vor die Mikros treten und den berühmt-berüchtigten Satz sagen: „Da haben wir uns vertan.“
   Warum sollte man zum Beispiel Parteien nicht auf ihr Wahlprogramm juristisch festnageln können? Denn Willenserklärungen kosten ja nichts, insofern kann das Blaue vom Himmel versprochen werden. Lafontaine meinte 1990, die Einheit wird viel Geld kosten. Das war im Gegensatz zu CDU-Aussagen ehrlicher, aber eben nicht populär. (Als Kohl von den „blühenden Landschaften“ sprach, wird er wohl kaum die Bundesgartenschau '95 in Cottbus gemeint haben.)
   Wenn ein Unternehmen verspricht, bis zu einem gewissen Datum eine vertragliche Verpflichtung einzuhalten und diese nicht erfüllt, hat es mit einer Koventionalstrafe zu rechnen. Warum nicht in gleicher Weise mit Parteien verfahren? Wie gesagt, Willenserklärungen kosten nichts, sie sind also preiswert, also recht und billig, um nicht zu sagen recht billig. (Wortspiel des Kabarettisten Volker Pispers in seinem 99er-Programm „Damit müssen Sie rechnen!“)

Du hast ein sehr schönes Wort gebraucht: Ohne BEDACHT! wenn
sich jeder mal bei einem Einkauf überlegen würde „brauche ich
das Wirklich?“ gerade bei Luxusgegenständen, dann würde es
ganz anders aussehen. Aber gerade der Gruppendruck kann da
fatal wirken. Siehe Asterix: Obelix GmbH und Co. Da kann man
glatt noch was lernen *g*

Ja, ich kenne dieses Buch, Du hast noch das „KG“ im Titel vergessen! ;o))) Ich frage mich nur, wie das in Zukunft noch funktionieren soll. Meine österreichische Freund hat mir erzählt, dass neunzig Prozent der bis zu 16jährigen in Austria ein Handy besitzen, woraufhin ich fragte, wie das überhaupt bezahlt werden könne. „Durch Schulden“, war ihre trockende Antwort. Gestern hiess es, die Deutschen würden gerne teure Fernseher kaufen und hätten letztes Jahr 13 Mrd. allein dafür ausgegeben.
   Dieser Massendruck, den Du nanntest, wird natürlich von der Industrie durch ständige Werbung gefördert, was ich weniger aus wirtschaftlichen, aber aus gesellschaftlichen Gründen für äusserst unmoralisch und fragwürdig halte. Wenn Menschen nur noch danach bemessen werden, was sie besitzen, spaltet das latent die Gesellschaft. Und wie wir anhand unserer Politiker sehen, bestimmt immer häufiger das Bewusstsein das Sein und nicht umgekehrt. Inhalte sind austauschbar, es zählt das Image. Wer also mit einem Fallschirm zur Erde gleitet, ein Schönling ist, zu Big Brother geht oder rhetorisch versiert ist, steht im Mittelpunkt, mögen seine Aussagen bei genauer Betrachtung auch unlogisch sein.
   Inzwischen neigt die Werbung dazu, nicht mehr die Vorteile ihrer Produkte hervorzuheben, sondern pseudo-psychologischen Nonsense abzulassen. Als gutes Beispiel dient hier die Autowerbung. Vor Jahren wurde noch genannt, was dieses Auto leisten kann, heute wird die amerikanische Variante, ein Fahrzeug allein in einem glänzenden Licht erscheinen zu lassen.
   Oder nehmen wir die Coca-Cola-Werbung, die früher eher „prüde“ war. Vor kurzem sah ich diesen erotisch angehauchten Spot, in dem ein Pärchen in einer zugeschneiten Auto sass und die Cola-Flaschen zu Kühlen in den Schnee gestellt hatte. Dazu gab es einen Spruch, der in etwa lautete: „Der Winter wird heiss.“ Als ich das zum ersten Mal sah, dachte ich mir: Ist das eine Satire auf Coca-Cola oder tatsächlich von diesem Unternehmen?! Es wird einfach das Image angepasst, auch wenn es einer Doppelmoral entspricht. Als Vergleich kann auch auch der Disney-Konzern dienen, der sich ja um eine stets blütenweisse, moralisch besonders anständige Weste bemüht, aber mittels seiner Tochter Miramax Filme wie zum Beispiel „Pulp Fiction“ und „Train Spotting“ herausbrachte.
   Ich bin kein Moralapostel, ich finde nur solche Moralvorstellung, die dem Zweck der Gewinnmaximierung dienen, abscheulich. Denn sie werden, je nachdem wie man es braucht, ausgewechselt, während die Gesellschaft ihnen seltsamerweise in den meisten Fällen folgt.

Die Frage bezüglich Nachrichten ist doch, wie kann ich ein
Maximum an objektiven Nachrichten bis zum Bürger bringen. Da
sehe ich ehrlich keine Alternative zum gegenwärtigen System.
alle anderen sind noch viel schlimmer und anfälliger für
Manipulation.

Ich bin mir nicht ganz klar, ob eine überkritische
Betrachtungsweise (So nach dem Motto: erst mal alles
anzweifeln) überhaupt konstruktives Handeln fördert. Verbaut
man sich damit nicht den Blick auf die inneren
Evolutionsmöglichkeiten eines Systems? (Aber das ist dann doch
eine mehr philosophische Frage *g*)

Mein Interesse richtet sich an objetive Nachrichten, doch der Journalismus ist mannigfaltigen Zwängen unterworfen. In erster Linie stehen da natürlich die Anzeigenkunden. Zum zweiten will man möglichst viele Menschen erreichen, also wird statt trockenen Informatione eher ein Infotainment präsentiert. Eine wankende BSE-Kuh und ein Politiker, der dennoch genussvoll eine Ochsenschwanzsuppe ist, kommt bei der Mehrheit des Publikums eben besser 'rüber als eine genaue Erklärung, was BSE nun tatsächlich ist und welche politischen Verstrickungen dazu es gab/gibt. (Falls es Dich interessiert: http://www.kpd.net/Texte/Specials/bse-special.htm)
Zum dritten gibt es noch das Problem, eine Nachricht gut zu gestalten; wer einmal versucht hat, Struktur in eine selbstgeschriebene Geschichte zu bringen, weiss, was ich damit meine.
   Es passiert so viel in diesem Land, was berichtenswert wäre, aber für die Nachrichten (im Fernsehen) ist nur ein relativ kleiner Zeitraum eingeplant, in dem es vor allem um die grossen Katastrophen und Krisen geht. Sie tragen jedoch nicht dazu bei, dass wir uns ein genaues Bild über unsere politische Landschaft verschaffen können. Denn allein an Themen wie Steuerreform, Ökosteuer und derlei „grossen“ Dingen kann bzw. sollte man sich nicht orientieren (müssen).
   Viele Menschen hierzulande schauen die „Tagesschau“ und lesen die BILD-Zeitung. Damit fühlen sie sich informiert. Ich sehe darin ein gewisses Problem, denn eine solche Reduzierung an (vermeintlicher) Information macht empfänglicher für inhaltslose Aussagen.

Marco