Hallo Mike
zuerst einmal: Nein, Du hast mich nicht beleidigt; das wäre ein viel zu hartes Wort. Ich reagiere nur dann etwas empfindlich, wenn ich etwas kritisiere und dann so etwas kommt wie: „Mache es doch besser!“ Wenn ich Lösungen wüsste, würde ich die auch vorschlagen, aber die Politik ist dermassen vefilzt, dass bisweilen nur noch das zu gelten scheint: Haare ab und neu wachsen lassen! - Oder ein wenig metaphorisch: Weg mit alten Zöpfen!
Allerdings herrscht bei uns eben keine Nachrichtenkontrolle
der politischen Machthaber, was durchaus eine gewisse
Kontrolle durch die Medien bedeutet.
Direkt sicherlich nicht, aber indirekt. Zum Beispiel, wenn es darum geht, ob ein Intendant das „richtige“ Parteibuch besitzt. Oder Parteien sind an Zeitungen beteiligt. Dann gibt es auch noch solche Institutionen wie Parteienstiftunge - die wir allerdings durch Steuergelder bezahlen - oder die Bundeszentrale für politische Bildung, die gerne auch mal kritisiert wird. Zum Beispiel von der rechtsorientierten „Junge Freiheit“: http://www.jungefreiheit.de/archiv/40aa6.htm
Von dieser Bundeszentrale gibt es einen Ausriss zur Objektivität von Nachrichten unter http://www.bpb.de/info-franzis/info_260/body_i_260_4…
Ich kritisiere diese Institution deshalb, weil sie das Banner der scheinbaren Demokratie aufrecht hält. Aber der Unterschied zwischen theoretischer und praktischer Demokratie ist sehr krass.
Was nicht heisst, das diese Grundgesetztänderungen per se
schlecht wären, Siehe Frauen in der Bundeswehr… manchmal
können sogar die Opposition und die Regierung in vitalen
Fragen einen Konsens finden.
Entschuldige, wenn ich hier noch einmal einen Link anbringe, aber dazu kannst Du von mir einen Leserbrief in der taz vom letzten Samstag nachlesen. ;o)
http://www.taz.de/tpl/2001/01/06.nf/text.Tname,a0122…
(Verdammt gut finde ich auf der gleichen Seite weiter unten auch den Leserbrief eines Wolf-Rüdiger Otto.)
Es stimmt mich bedenklich, wenn die beiden grossen Parteien diesen Konsens finden, denn sie erreichen bei (fast) jeder Wahl achtzig bis neunzig Prozent der Stimmen. Man mag zwar annehmen, dass dieser Prozentsatz der Bürger - zumindest derjenigen, die zur Wahl gehen - hinter diesen Parteien steht, aber wie ich mehrere Male in diesem Forum schrieb, wählt man nur ein Pauschalprogramm. Die früheren Ideologien haben die Parteien längst über Bord geworfen, und so sucht man sich das heraus, womit man sich noch am meisten identifizieren kann. Wie wir wissen, kann man uns vor Wahlen alles versprechen, hinterher ist es nur noch Makulatur. Und mit unseren beiden Kreuzchen wissen wir noch gar nicht, über was die Parteien während der Legislaturperiode noch bestimmen werden. Selbst wenn eine Mehrheit gegen eine zum Beispiel Grundgesetzänderung wäre, so könnte sie mitten in einer solchen Periode nicht mitbestimmen; sie kann einzig und allein später in der Wahlkabine dagegen, hmmm, „protestieren“. Aber das Gesetz besteht.
So ist es auch mit all den anderen Themen, siehe 1990. Kohl sagte, es gäbe keine Steuererhöhungen. Drei Monate nach der Wahl passierten sie doch, und so durfte der damalige Wirtschaftsminister Möllemann vor die Mikros treten und den berühmt-berüchtigten Satz sagen: „Da haben wir uns vertan.“
Warum sollte man zum Beispiel Parteien nicht auf ihr Wahlprogramm juristisch festnageln können? Denn Willenserklärungen kosten ja nichts, insofern kann das Blaue vom Himmel versprochen werden. Lafontaine meinte 1990, die Einheit wird viel Geld kosten. Das war im Gegensatz zu CDU-Aussagen ehrlicher, aber eben nicht populär. (Als Kohl von den „blühenden Landschaften“ sprach, wird er wohl kaum die Bundesgartenschau '95 in Cottbus gemeint haben.)
Wenn ein Unternehmen verspricht, bis zu einem gewissen Datum eine vertragliche Verpflichtung einzuhalten und diese nicht erfüllt, hat es mit einer Koventionalstrafe zu rechnen. Warum nicht in gleicher Weise mit Parteien verfahren? Wie gesagt, Willenserklärungen kosten nichts, sie sind also preiswert, also recht und billig, um nicht zu sagen recht billig. (Wortspiel des Kabarettisten Volker Pispers in seinem 99er-Programm „Damit müssen Sie rechnen!“)
Du hast ein sehr schönes Wort gebraucht: Ohne BEDACHT! wenn
sich jeder mal bei einem Einkauf überlegen würde „brauche ich
das Wirklich?“ gerade bei Luxusgegenständen, dann würde es
ganz anders aussehen. Aber gerade der Gruppendruck kann da
fatal wirken. Siehe Asterix: Obelix GmbH und Co. Da kann man
glatt noch was lernen *g*
Ja, ich kenne dieses Buch, Du hast noch das „KG“ im Titel vergessen! ;o))) Ich frage mich nur, wie das in Zukunft noch funktionieren soll. Meine österreichische Freund hat mir erzählt, dass neunzig Prozent der bis zu 16jährigen in Austria ein Handy besitzen, woraufhin ich fragte, wie das überhaupt bezahlt werden könne. „Durch Schulden“, war ihre trockende Antwort. Gestern hiess es, die Deutschen würden gerne teure Fernseher kaufen und hätten letztes Jahr 13 Mrd. allein dafür ausgegeben.
Dieser Massendruck, den Du nanntest, wird natürlich von der Industrie durch ständige Werbung gefördert, was ich weniger aus wirtschaftlichen, aber aus gesellschaftlichen Gründen für äusserst unmoralisch und fragwürdig halte. Wenn Menschen nur noch danach bemessen werden, was sie besitzen, spaltet das latent die Gesellschaft. Und wie wir anhand unserer Politiker sehen, bestimmt immer häufiger das Bewusstsein das Sein und nicht umgekehrt. Inhalte sind austauschbar, es zählt das Image. Wer also mit einem Fallschirm zur Erde gleitet, ein Schönling ist, zu Big Brother geht oder rhetorisch versiert ist, steht im Mittelpunkt, mögen seine Aussagen bei genauer Betrachtung auch unlogisch sein.
Inzwischen neigt die Werbung dazu, nicht mehr die Vorteile ihrer Produkte hervorzuheben, sondern pseudo-psychologischen Nonsense abzulassen. Als gutes Beispiel dient hier die Autowerbung. Vor Jahren wurde noch genannt, was dieses Auto leisten kann, heute wird die amerikanische Variante, ein Fahrzeug allein in einem glänzenden Licht erscheinen zu lassen.
Oder nehmen wir die Coca-Cola-Werbung, die früher eher „prüde“ war. Vor kurzem sah ich diesen erotisch angehauchten Spot, in dem ein Pärchen in einer zugeschneiten Auto sass und die Cola-Flaschen zu Kühlen in den Schnee gestellt hatte. Dazu gab es einen Spruch, der in etwa lautete: „Der Winter wird heiss.“ Als ich das zum ersten Mal sah, dachte ich mir: Ist das eine Satire auf Coca-Cola oder tatsächlich von diesem Unternehmen?! Es wird einfach das Image angepasst, auch wenn es einer Doppelmoral entspricht. Als Vergleich kann auch auch der Disney-Konzern dienen, der sich ja um eine stets blütenweisse, moralisch besonders anständige Weste bemüht, aber mittels seiner Tochter Miramax Filme wie zum Beispiel „Pulp Fiction“ und „Train Spotting“ herausbrachte.
Ich bin kein Moralapostel, ich finde nur solche Moralvorstellung, die dem Zweck der Gewinnmaximierung dienen, abscheulich. Denn sie werden, je nachdem wie man es braucht, ausgewechselt, während die Gesellschaft ihnen seltsamerweise in den meisten Fällen folgt.
Die Frage bezüglich Nachrichten ist doch, wie kann ich ein
Maximum an objektiven Nachrichten bis zum Bürger bringen. Da
sehe ich ehrlich keine Alternative zum gegenwärtigen System.
alle anderen sind noch viel schlimmer und anfälliger für
Manipulation.
Ich bin mir nicht ganz klar, ob eine überkritische
Betrachtungsweise (So nach dem Motto: erst mal alles
anzweifeln) überhaupt konstruktives Handeln fördert. Verbaut
man sich damit nicht den Blick auf die inneren
Evolutionsmöglichkeiten eines Systems? (Aber das ist dann doch
eine mehr philosophische Frage *g*)
Mein Interesse richtet sich an objetive Nachrichten, doch der Journalismus ist mannigfaltigen Zwängen unterworfen. In erster Linie stehen da natürlich die Anzeigenkunden. Zum zweiten will man möglichst viele Menschen erreichen, also wird statt trockenen Informatione eher ein Infotainment präsentiert. Eine wankende BSE-Kuh und ein Politiker, der dennoch genussvoll eine Ochsenschwanzsuppe ist, kommt bei der Mehrheit des Publikums eben besser 'rüber als eine genaue Erklärung, was BSE nun tatsächlich ist und welche politischen Verstrickungen dazu es gab/gibt. (Falls es Dich interessiert: http://www.kpd.net/Texte/Specials/bse-special.htm)
Zum dritten gibt es noch das Problem, eine Nachricht gut zu gestalten; wer einmal versucht hat, Struktur in eine selbstgeschriebene Geschichte zu bringen, weiss, was ich damit meine.
Es passiert so viel in diesem Land, was berichtenswert wäre, aber für die Nachrichten (im Fernsehen) ist nur ein relativ kleiner Zeitraum eingeplant, in dem es vor allem um die grossen Katastrophen und Krisen geht. Sie tragen jedoch nicht dazu bei, dass wir uns ein genaues Bild über unsere politische Landschaft verschaffen können. Denn allein an Themen wie Steuerreform, Ökosteuer und derlei „grossen“ Dingen kann bzw. sollte man sich nicht orientieren (müssen).
Viele Menschen hierzulande schauen die „Tagesschau“ und lesen die BILD-Zeitung. Damit fühlen sie sich informiert. Ich sehe darin ein gewisses Problem, denn eine solche Reduzierung an (vermeintlicher) Information macht empfänglicher für inhaltslose Aussagen.
Marco