Das Gehirn austricksen
Hallo,
Ich neige leider schon länger dazu, mich vor dem Einschlafen
auf eigentlich ganz banale Geräusche verstärkt zu
konzentrieren, was dann natürlich am Schlafen hindert.
Das mit dem Schlaf ist eine „Wissenschaft“ für sich: je mehr man sich „zwingt“ einschlafen zu „müssen“ oder unbedingt zu „wollen“, umso weniger gelingt es.
Sprich, jedes drauf konzentrieren auf „schlaf ich schon?“, „bin ich gleich weg?“, „ich muss morgen fit sein“ und dergleichen lähmen irgendwas, ich weiß nicht was, aber fördert ganz sicher nicht den Schlaf.
Ich kenne solche Zeiten auch.
In zahlreichen Büchern hab ich gelesen, dass man, wenn man nicht binnen einer halben Stunde eingeschlafen ist, wenn man im Bett liegt (dunkles, kühles Schlafzimmer ohne Störfaktoren), dann soll man aufstehen und ein Buch lesen oder sonstwas in der Wohnung tun und sich erst wieder hinlegen, wenn man müde geworden ist.
Sonst verbindet man unbewusst mit „ins Bett gehen“ die „Qual nicht einschlafen zu können“ oder - wie Du - die „Konzentration auf Geräusche“.
Ich bin umgezogen und wohne jetzt recht nahe an einer Stadtautobahn. Es ging leider beruflich nicht anders. Ich dachte nie, dass ich da je schlafen könnte: viel zu viele Geräusche, viel zu laut.
Aber man kann es tatsächlich, denke ich, „trainieren“, Geräusche anders wahrzunehmen, bzw. aus dem Gehör, dem Gehirn „rauszufiltern“.
Ich hab dann nachts im Bett versucht, die Geräusche nicht mit etwas Unangenehmem zu verbinden, dass sie mich am Schlafen hindern usw., sondern ich hab in einer Art „Wach-/Tagtraum“ versucht, mir nachts im Bett vorzustellen, dass ich am Strand liege. Und tatsächlich: das gleichmäßige Rauschen der Stadtautobahn mit den Autos war wie Wellenrauschen.
Ich hab also nicht zwanghaft versucht, die Geräusche „wegzukriegen“, sondern sie in mein Leben, meinen Schlaf einzubinden.
Für mich wurde so mit der Zeit das Schlafen wie ein „Strandurlaub“ mit Wellenrauschen. Diese Art schöner Tagtraum hat mir geholfen, dass ich von Tag zu Tag eher einschlief - und heute schlaf ich wie ein Ratz!
Offenbar kann man sein Gehirn gut „programmieren“, wie eine Art Autosuggestion sich Dinge vorstellen, um gewissen Dingen, wie deinen „banalen Geräuschen“ etwas Gutes, Positives abzugewinnen, einen anderen - harmloseren - Stellenwert.
Verschließ dich daher nicht den banalen Geräuschen, sie sind da, sie gehören zu deinem Leben hier dazu, lehn sie nicht ab als „Feinde“, die dir den Schlaf rauben.
Ja, „lade“ sie in deine Träume ein, stell dir im Bett vor, wie diese Geräusche klingen, binde sie in Tagträume ein, also stell dir bewusst ganz schöne Situationen vor, wo solche Geräusche im Positiven vorkommen: eine Waldwiese? Am Strand? Im Urlaub? Über eine hügelige Landschaft mit vielen Seen und Tälern fliegen? Lass deiner Phantasie freien Lauf.
Wichtig ist nur, dass du diese „Geräusche“, auf die du dich da konzentrierst, nicht ablehnst, verteufelst, wenn sie nun schon mal da sind und sich nicht abstellen lassen, wie laute Straßen z.B.
Was du abstellen kannst, das tu: Wecker weg z.B., Funkwecker her - sehr gut, hab ich auch gemacht.
Und die Restgeräusche, die von der Umwelt her noch da sind, die binde ein und „pole“ sie in deinem Gehirn um, binde sie in Tagträume ein, so dass du dann eines Tages (es bedarf dafür der Zeit und der „Übung“!!) ins Bett gehst, sie nicht mehr hörst, sondern im Bett dir automatisch die schönen „antrainierten“ Bilder kommen: die Wiese, der Strand - MIT diesen Geräuschen, die wie Wellen klingen, wie Vogelsingen? Wie Blätterrauschen? Wie Dschungelgeräusche?
Gegen was man sich nicht - mehr - wehrt, dass kann man zu seinem Freund machen und verliert den Schrecken eines „Feindes“.
Dann wirst du auch wieder herrlich schlafen wie ein Ratz - wie ich.
Das schaffst du locker!
Christina