Konzentrationsschwäche!?

Hallo ihr Lieben!

Ich mache mir Sorgen um meine Nichte, 7 Jahre, 2. Klasse. Meine Schwester hat mir von ihren Konzentrationsproblemen erzählt. Im Internet habe ich nichts passendes gefunden, also erzähle ich euch hier mal alles.

Meiner Nichte (ich nenne sie mal Sara) wird einmal in der Woche von ihrer Lehrerin eine Geschichte vorgelesen. Als Hausaufgabe müssen die Kinder dann kurz aufschreiben, um was es in der Geschichte ging oder was ihnen am Besten gefallen hat. Wenn Sara dann zu Hause die Aufgabe machen soll, kann sie sich nicht mehr an die Geschichte erinnern. Genauso ist es auch, wenn meine Schwester ihr was vorliest und sie danach fragt um was es ging (selbst bei den kleinen Pixie-Büchern weiß sie nichts mehr darüber).
Ziemlich oft schreibt sie auch vieles falsch oder verdreht eine „3“ zu einem „E“ usw. Aber vielleicht ist das in der 2. Klasse auch noch mehr oder weniger normal.

In Mathe ist es ähnlich. Meine Schwester muss jedes mal wieder von vorne anfangen (1+1=2 etc) und erst nach ein paar Übungen kann sie dann die neuen Aufgaben lösen. Sara „hilft“ sich beim rechnen, indem sie z.B. ihre Stifte zählt oder am Lineal alles abschaut (schlau :smile:) Aber bald wenn die größeren Zahlen drankommen geht das ja nicht mehr.

Bei irgendwelchen Konzentrationsspielen hat sie allerdings keine Probleme, und die Lehrer sagen, dass sie eine gute Schülerin ist und sich immer am Unterricht beteiligt.
Allgemein ist Sara eher ruhig, verständnisvoll und fast nie „zappelig“. Ich persönlich finde sie eher zu ruhig, fast schon melancholisch. Sie „schluckt“ einfach immer alles runter und redet ziemlich wenig. In ihrer Entwicklung (laufen, sprechen etc) gab es keine Probleme und hat bis jetzt auch immer in der Schule oder im KiGa schnell Freunde gefunden.
Anscheinend streitet sie immer mit ihrer kleinen Schwester (4 Jahre), aber selbst hab ich das noch nie gesehen. Wenn ich dabei bin verstehen sie sich immer gut.

Ich habe gegoogelt und was über ADS/ADHS gefunden, wo die Merkmale beschrieben werden. Einige treffen zu (verträumt, eher abwesend wenn man mit ihr redet,…) aber andere gar nicht (in der Schule ist sie voll dabei, keine Kontaktschwierigkeiten, nicht aggressiv oder laut,…).

Habt ihr eine Idee? Wie kann man helfen? Sollte sie mal zu einem Psychologen? Meiner Meinung nach ist es ja auch keine Rechtschreib- oder Rechenschwäche.

Ich danke euch schon mal für jeden Tipp oder jeden Hinweis!

Viele Grüße, Anna

Vielleicht leidet deine Nichte ja unter ADS, das heißt das Hyperaktivität gar kein Bestandteil des Problems sein muss.
Ich habe dazu im Internet folgende Informationen gefunden: „Besonders Kinder mit ADHS ohne Hyperaktivität werden selten diagnostiziert, weil sie weniger störend auffallen, als Kinder, die auch das Merkmal der Hyperaktivität aufweisen. Sie bleiben häufig ausgeschlossen, werden Schulversager, entwickeln ein schlechtes Selbstvertrauen und neigen zu Depressionen. Mädchen sind von dieser Ausprägung häufiger betroffen als Jungen, während es insgesamt mehr Jungen mit Hyperaktivität gibt als Mädchen.“
Auch auf einer anderen Website steht: „Dabei muss ADS nicht zwangsweise mit Hyperaktivität verbunden sein.“ Ich hoffe, die Seite hilft dir diesbezüglich weiter: http://www.dr-gumpert.de/html/ads.html

Auditive Wahrnehmungsstörung?
Hallo Anna

Mir ist bei deinem Bericht spontan die Möglichkeit einer auditiven Wahrnehmungsstörung in den Sinn gekommen. Google doch mal nach dem Begriff. Es gibt verschiedene Ausprägungen, und eine davon ist, dass Gehörtes nur schlecht im Gedächtnis verankert werden kann. Häufig geht dies zudem mit einer Schreib- und Rechenschwäche einher.

Gruss,
Ursula

Hallo Anna

Die Symptome für eine audititive Wahrnehmungsstörung können in etwa die gleichen sein wie bei ADS.
Ich kann euch nur raten: Geht zu einem Spezialisten, also ein Kinderpsychiater. Der kann wirklich helfen.
Aber seid bei der Auswahl des Artztes vorsichtig! Es gibt leider genügend, die einfach nur ein Medikament verschreiben.
Und falls das Kind ADS haben sollte. Lasst euch nicht unterkriegen!
AD(H)S Kinder sind ganz besondere Persönlichkeiten!!

LG Lilli

Hallo Anna!

Ähnliches machte mein Bruder vor über 60 Jahren durch. Er galt als verträumt und unaufmerksam und hatte entsprechend schlechte Noten. Mich Ach und Krach schaffte er die Pflichtschule. Damals - kurz nach Ende des Krieges - hatte man andere Sorgen als sich um einen „Träumer“ zu kümmern.

Erst viele Jahre später, als er seinen ersten offensichtlichen Anfall hatte, konnte Epilepsie diagnostiziert werden, und rückblickend nahmen die Ärzte an, dass er auch schon während der ganzen Kindheit „Absenzen“ hatte, verursacht durch Epilepsie.

Ich hoffe, dass es bei Deiner Nichte nichts so Gravierendes ist, aber ein Facharztbesuch ist trotzdem auf jeden Fall angeraten.

Beste Grüße

Waldi

Hallo,
jetzt, wo ich deinen Beitrag lese, fällt mir ein, dass meine Freundin ähnliches mit ihrem Sohn erlebt hat.

Wobei ich jetzt nicht den Teufel an die Wand malen oder sagen möchte, das Kind in diesem Fall sei krank!
Der Sohn meiner Freundin zeigte ziemlich die gleichen Symptome wie hier genannt. Und es dauerte Jahre, bis jemand merkte, dass es hier krankheitsbedingt war. Auch er hatte zwischendurch Absenzen. (oft dachten wir, er träumt einfach vor sich hin…)
Seit der Diagnose blüht er richtig auf und hat auch wieder in der Schule Anschluß gefunden.

Insofern ist der Arztbesuchs-Vorschlag gut, meiner Meinung nach!

Gruß
Shannon

Hallo Anna,
es ist eher unwahrscheinlich, dass Deine Nichte Absencen immer genau dann hat, wenn sie eine Geschichte hört und sich deshalb nicht mehr erinnert. Ich würde sie jetzt auch nicht sofort zu einem Spezialisten zerren, ich finde es furchtbar, dass heutzutage jedes Kind,wenn es nicht irgendwelchen Tabellen oder Vorstellungen entspricht einen Stempel aufgedrückt bekommt. ADHS ist ja äußerst beliebt im Moment.
Sie ist SIEBEN Jahre alt. Lasst sie doch noch etwas träumen. Vielleicht kann sie sich nur nicht so gut artikulieren und hat trotzdem die Essenz einer Geschichte verinnerlicht.
Vielleicht hat sie aber auch schon gemerkt, dass sie von den ihr am nahestehendsten Menschen, als nicht normal beäugt wird.
Ich erlebe immer wieder, wie Eltern ihre eigenen Probleme und Befürchtungen auf ihre Kinder übertragen und dann wird angefangen herumzudoktern.
Die Familien, die ich kenne, deren Kinder Absencen haben, waren nach dem Expertenbesuch alle enttäuscht, weil es immer nur auf Tabeletten-Rezepte herausläuft. Und wenn man den Kindern einfach mal einen heilsamen Raum der Akzeptanz zur Verfügung stellt, passieren oft Wunder…
Alles Liebe
M. Diaz Blanco

Hallo!

Ja ich denke auch so, aber meine Schwester hat Angst, dass sie irgendwann nicht mehr mitkommt in der Schule. Sie hat das jetzt schon lange beobachtet und würde lieber Klarheit haben und dann je nach Ergebnis beruhigt sein oder ihr helfen. Wenn sie wirklich irgendeine Schwäche hat, sollte ihr schon früh genug geholfen werden, bevor es in der Schule zu spät ist. So denke ich zwar auch, aber deine Meinung finde ich auch gut. Man sollte nicht wegen jeder Kleinigkeit jm als verrückt oder krank abstempeln.
Danke für deine Antwort!

Viele Grüße

PS :smile:
Leider macht meine Schwester auch den Fehler, sie zu sehr unter Druck zu setzen. Sie „droht“ ihr immer gleich mit Verboten usw wenn es mit den Aufgaben nicht sofort klappt. Das ist ein großer Fehler. Das Kind hat auch ziemlich lange noch in die Hosen gemacht und meine Schwester hat dann immer zu ihr gesagt, wenn das nicht aufhört, muss sie zum Psychologen… Klar dass das Kind dann unter Druck steht und nicht mehr ganz klar kommt.
Aber man darf das meiner Schwester auch nicht zu übel nehmnen. Ich verstehe schon, dass man als Mutter von zwei Kindern mal überfordert ist, wenn die eine Hausaufgaben machen muss und das nicht alleine kann und das andere Kind immer wieder dazu kommt und spielen will oder im Zimmer nebenan alles „auseinander nimmt“. Und dann soll um 17 Uhr das Abendessen für ihren Mann auf dem Tisch stehn… da würde ich bestimmt auch mal zu solchen falschen Methoden greifen… leider.

Hallo Anna,
ich habe gerade beim lesen Deiner Frage ein Deja-vu! Genau die gleichen Syptome haben wir bei unserem Sohn mit 8 Jahren festgestellt.Wir hatten erst auf ADS getippt, was auch getestet wurde. Er hatte es nicht.
Unser Sohn hatte das Kiss-Syndrom!!! Bei dem Kiss-Syndrom haben sich vllt. bei der Geburt oder während der Schwangerschaft Halswirbel verschoben. Kinder mit Kiss können als Baby viel gespuckt oder geweint haben. Kinder mit 3-Monatskoliken könnten auch darunter leiden. Google Kiss mal. Da gibt es viele gute Seiten.
Wir waren denn bei einem Kinder-Orthopäden, der sich auf Kiss spezialisiert hatte. Er hat ihm geholfen (er musste leider eingerenkt werden)und die Probleme waren dann auch bald verschwunden.

Danke für deine Antwort! Das wäre tatsächlich möglich. Sara hat sich während der Geburt so gedreht, dass gar nix mehr ging und dann doch noch ein Kaiserschnitt gemacht werden musste…

Hallo Anna,

würde mich freuen, falls Sara auf Kiss untersucht wird, wenn Du dich noch einmal melden würdest. Das interessiert mich. Als wir damals beim Orthopäden waren, sagte uns der Arzt, dass jedes zweite bis dritte Kind damit Probleme hat. Hoffentlich konnte ich helfen. Wir hatten deshalb auch ziemliche Probleme wegen der Schule.

Eventuell sollte man auch noch einmal die Schildrüse untersuchen. Wenn sie oft müde ist, wäre das auch noch eine Möglichkeit

LG Sabine