hallo zusammen!
meine frage ist nur halb unternehmerisch, aber ich glaube, ihr seid dafür die richtigen ansprechpartner:
mein chef ist in schwierigkeiten und ich hätte die passende idee, die ihm wohl einiges geld einbringen würde (behaupte ich jetzt mal in aller unbescheidenheit). ist eigentlich deutlich mehr als nur eine idee, sondern ein konzept/strategiepapier.
eins ist klar: sowas ist am markt eine menge geld wert (besonders, wenn da noch „roland berger“ o.ä. draufsteht) und fast genauso klar ist, dass für mich außer einem feuchten händedruck nichts dabei rumkommt, wenn ich das hier publik mache.
weil es aber im idealfall meinen arbeitsplatz erhalten könnte (der eigentlich ganz nett ist) bin ich fast in der versuchung, es mal drauf ankommen zu lassen. trotzdem wäre es natürlich gut, wenn ich mich für den worst case absichern (sprich: mein konzept irgendwie schützen) könnte.
hat jemand von euch dazu eine gute idee?
(meinungen, wie ihr euch verhalten würdet, wären auch schon was…)
ein Konzept, eine Strategie, auf gut deutsch, damit es ganz deutlich wird, also einen Plan der geschäftlichen Aktivitäten, kannst Du nicht schützen lassen. Mit Patenten ist da nichts zu machen und überhaupt greifen die Denkkategorien einklagbarer Rechte hier nicht. Wenn Du zusammen mit Deinem jetzigen Chef etwas machen willst, kann nur das gemeinsame Interesse die Geschäftsgrundlage sein. Ich rede nicht dem blauäugigen oder blinden Vertrauen das Wort, aber Dein Chef wird kaum bereit sein, alle möglichen Verpflichtungen zu unterschreiben, ohne zu wissen, worum es überhaupt geht. Wenn Menschen Aktivitäten miteinander planen, sich aber insgeheim nicht grün sind und sich gegenseitig bei erster Gelegenheit übers Ohr hauen, dann sind auch Verträge nicht viel wert.
Also bespreche und durchdenke mit Deinem Chef zusammen Deine Idee. Und danach sollte man das Besprochene und Versprochene schriftlich fixieren. Ein Mindestmaß an Risikobereitschaft gehört dazu. Ohne ein Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen spricht man gar nicht erst miteinander.
eine schwierige Situation, der man jedoch nicht ganz hilflos ausgeliefert ist. Mit Freunden diskutiere ich auch gelegentlich über diese Thematik und vor kurzem gab uns jemand einen Tipp, der mir, und auch den Anderen als absolut durchführbar und plausibel erschien:
Skizziere Deine Ideen kurz aber prägnant - sprich incl. aller wichtigen Einzelheiten - schriftlich, evtl. mit dem Zusatz wann Du planst, wem diese Idee zu präsentieren mit Datum versteht sich. Dieses Schreiben adressierst Du an Dich persönlich per
Einschreiben mit Rückschein, mit Deiner Adresse als Absender!
Dann quittierst Du den ordnungsgemäßen Empfang des Schreibens allerdings - OHNE den Brief zu öffnen - das ist ausserordentlich wichtig!!! Lt. Auskunft unseres Freundes (Rechtsanwalt) hätte dies durchaus den Charakter eines niedergelegten Dokumentes. Was - sollte es später - zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommen, durchaus der Beweisführung des geistigen Eigentums dienen könnte.
danke eve,
das ist genau der kreative umgang mit der situation, den man oftmals nicht hinkriegt, wenn man drinsteckt. solche kleinigkeiten helfen vielleicht (falls also noch wer so eine feine idee hat…).
allerdings bin ich realist wie wolfgang. die millionen von streitigkeiten um patente zeigen leider nur zu deutlich, dass sich ideen nicht wirklich schützen lassen (zumindest gilt das für unverwirklichte).
an wolfgang: deine umgehensweise finde ich unter halbwegs normalen umständen selbstverständlich, aber so ist die lage leider nicht (will jetzt hier keinen roman schreiben). trotzdem gebe ich dir in einem völlig recht- ohne risikobereitschaft geht letzten endes auch hier nichts, das ist klar.
ich will die Sache mal vom arbeitsrechtlichen Standpunkt aus betrachten: Du hast bei Deinem Chef (noch) einen Job, an dem Dir offensichtlich was liegt. Diesen Arbeitsplatz kannst Du vielleicht nur erhalten, wenn Du Deinem Chef (mit einer guten Idee) hilfst. Sowas macht man nicht gratis, versteht sich!
Ich würde in dieser Situation den Chef ansprechen und ihm VON DER Idee (nicht zu ausführlich) berichten und ihm vorschlagen, wie er Dich beteiligen kann/will und wird. Letztlich kann das m. E. im arbeitsrechtlichen Bereich geregelt werden; z. B. durch Umsatz- oder Gewinnbeteiligung und Unkündbarkeit bzw. bei arbeitsgeberseitiger Kündigung Verzicht auf Anwendung Deiner Idee. Dein Chef riskierta also wenig - geht die Firma hops, zahlt er nichts und Du verlierst den Job/klappt es prima, verdient er und Du auch.
Ob das alles einer juristischen Prüfung (vor Gericht) standhält, vermag ich nicht zu sagen. Eine Portion Vertrauen gehört ebenso dazu wie Mut und Risikobereitschaft!
danke gunter,
irgendwann kommt der punkt, wo ich das eben riskieren muss. ich glaube leider, da wird es dann nicht viel weiter helfen, wenn ich nur so allgemein was erzähle. denn der nächste satz wird dann (völlig berechtigter weise!) sein: „bevor ich hier über irgendwelche dinge verhandele, muss ich erstmal wissen, worum’s überhaupt geht“. und dann besteht eben die gefahr, dass hinterher gesagt wird „die idee habe ich schon längst“ oder das sei nicht realisierbar und nach meiner kündigung wird’s doch gemacht. da ist eve m.a. ein wenig weiter, weil ich mit diesem kleinen trick wenigstens aktenkundig gemacht hätte, dass ich meine idee schon vor dem gespräch hatte. (ob dann hinterher was einklagbares dabei rauskommt ist natürlich noch eine ganz andere frage…)
dann fordere von Deinem Chef (, der ja in einer Notlage steckt,) als Vorbedingung für die Preisgabe Deiner Idee die Teilhaberschaft odgl. - wenn es dem Betrieb wirklich nicht gut geht, bist Du in guter Verhandlungsposition. Und die mußt Du (aus-) nutzen, BEVOR Du dem Chef (mit Deiner Idee) aus der Patsche hilfst. Aber paß´ dabei auf, dass Du nicht haftbar wirst für Altlasten udgl.!!!
Zu hoffen, man könne im nachhinein (also wenn Du längst aussen vor bist,) noch was holen, halte ich schlichtweg für blauäugig.
deine Einstellung zu der Sache finde ich wirklich gut, es sollten sich mehr Menschen soviel Gedanken um die eigene Firma machen.
Bezüglich des Schutzes gibt es ein Problem. Sobald du deinem Chef die Idee erläuterst und dein Chef sagt, den Vorschlag fände er gut und er möchte das so durchführen, hat dieser automatisch die Rechte daran ! Würde er ablehnen, dann aber die Sache doch so durchziehen, dann wären die Rechte bei Dir !
Warum ? Weil du für deinen Chef arbeitest und er dich dafür bezahlt, Leistung und Kreativität zu zeigen.
Aber natürlich ist die Beweisführung im Streitfall schwierig.
Trotzdem würde ich vorrangig nicht auf meine Rechte schauen, sondern der Firma unvorbehalten helfen und somit meinen Arbeitsplatz sichern. Letztendlich wird kein Chef der Welt bei Erfolg der Sache zögern, anschließend eine Gehaltserhöhung
oder ähnliches dafür rauszulegen. Sollte dein Chef die berühmte Ausnahme sein, dann wäre dir der Arbeitsplatz bestimmt nicht
mehr so ans Herz gewachsen, oder ?
Also mein Tipp: Schau erstmal nicht auf die eigenen Vorteile,
die ergeben sich bestimmt automatisch durch dein Engagement !
hi oliver,
sehr logisch, was du da über die juristischen zusammenhänge sagst. ohne risiko ginge es eben nicht.
Letztendlich wird kein Chef der Welt bei
Erfolg der Sache zögern, anschließend eine Gehaltserhöhung
oder ähnliches dafür rauszulegen.
diesen optimismus teile ich leider überhaupt nicht (widerspricht sämtlicher lebenserfahrung). wenn die situation nett und ungezwungen wäre und ich das gefühl hätte, auch sonst fair behandelt zu werden, wäre ein offenes gespräch eine völlige selbstverständlichkeit.
aber: so sieht es eben nicht aus- ganz im gegenteil (sonst hätte ich hier ja auch nix geposted). und so wie sich die lage inzwischen präsentiert, werde ich fein das maul halten. punktum! (nicht zuletzt auch, weil ich inzwischen mit einem eigenen projekt recht weit gediehen bin- davon wird demnächst wohl auch was in diesem board zu lesen sein…)
dank geht raus an dich und alle, die hier geantwortet haben!
habe gerade Deine Frage bzgl. „Schuetzen einer Idee“ gelesen. Derzeit muehe ich mich mit der eigenen Existenzgruendung und dazu gehoert natuerlich auch die Frage nach dem „Ideen-, Patent- oder Namensschutz“.
Grundsaetzlich kannst Du eine Idee nicht schuetzen lassen. Du sprichst aber in Deinem Eingangsbeitrag von „Konzept“. Dieses kannst Du Dir durchaus schuetzen lassen. Dazu gehst Du mit einer Kopie Deines fein getippten Konzepts zum Notar und hinterlegst es dort (kosten ASAIK um die 150 DM). Damit hast Du Deine Rechte an diesem Konzept erst einmal gesichert.
Dein Chef hat naemlich durchaus nicht alle Rechte an Deinem geistigen Eigentum. Schliesslich bist Du nicht in der Entwicklungsabteilung, wo entsprechende Neuentwicklungen mit einer Provisionspauschale abgegolten werden.
Vielleicht hilft Dir das. Am besten, Du laesst Dich von einem Notar beraten. Wenn Dein Konzept wirklich so gut ist, lohnt sich der Aufwand auf jeden Fall.