Konzepte ohne Wörter

Ich suche für eine Hausarbeit in Sprachwissenschaft (Kognitive Linguistik) nach „Konzepten“, für die es im Deutschen keine Wörter gibt oder gab. Bislang ist mir leider nur das Konzept: NICHT MEHR DURSTIG eingefallen, für welches der Duden vor einigen Jahren das Wort SITT eingeführt hat.

Für Tipps und Anregungen wäre ich sehr dankbar!

Hallo Andrea

Verstehe ich nicht ganz.
Alles was du mit mehr als einem Wort ausdruecken musst, kann man doch
als lexikalische Luecke auffassen.
z.B. blaues Haus, Kind geschiedener Eltern sein (o.k.
Scheidungskind), ein Buch kaufen, einen Federhut tragen, einen
Forumsbeitrag schreiben, der Hund wurde eingeschlaefert u.s.w.

Gruss, Tychi

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Hi Tychi,

ich glaube, Du hast die Frage nicht richtig verstanden.
Es wurde nach einzelnen Wörtern gefragt, die Zustände oder Dinge beschreiben und keine Wortkombinationen.

nicht mehr durstig ist - ?
Das Ding, mit dem man sich auf dem Band im Supermarkt vom nächsten Kunden abgrenzt ist - ?

So was wurde gefragt (zumindestens hab ich das so verstanden :wink: )

Gandalf

Na Gandalf, ich glaube, du musst meinen Beitrag nochmal
genauer lesen. Ich habe eine kleine Liste von Konzepten angegeben,
fuer die es keine Woerter gibt, so wie der Fragesteller es wuenschte.
Nur finde ich dieses Phaenomen voellig trivial und allgegenwaertig.

Gruss, Tychi

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Verstehe ich nicht ganz.
Alles was du mit mehr als einem Wort ausdruecken musst, kann
man doch
als lexikalische Luecke auffassen.
z.B. blaues Haus, Kind geschiedener Eltern sein (o.k.
Scheidungskind), ein Buch kaufen, einen Federhut tragen, einen
Forumsbeitrag schreiben, der Hund wurde eingeschlaefert u.s.w.

Das sind aber fast alles auch Kombinationen aus Dingen und Eigenschaften/ Tätigkeiten.

Daß man nicht durstig ist, ist jedoch nur eine Eigenschaft, kann aber dennoch nicht mit einem Wort ausgedrückt werden.

etwas ot
Hallo Andrea,

für welches der Duden vor
einigen Jahren das Wort SITT eingeführt hat.

vielleicht ist etwas an mir vorbei gegangen, aber in meinem aktuellen Duden kommt
das Wort „sitt“ nicht vor. Wenn ich mich recht entsinne, war das auch nur der bei
einer Abstimmung von den meisten bevorzugte Begriff unter vielen, die
vorgeschlagen wurden. Aber er ist nicht wirklich in die deutsche Sprache
eingegangen und daher auch nicht im Duden zu finden.
Auch der „Warentrenner“, der von Dir angesprochen wurde, steht noch nicht im
Duden; allerdings wird das Wort im Lebensmittel-Einzelhandel schon gebraucht.

Gruß
Bolo2L

Der Sinn des Labenz
Hallo Andrea,

Hi Wolfgang,

Douglas Adams: Der tiefere Sinn des Labenz, ISBN: 3453879600 Buch anschauen

Wie bezeichnet man die Lücke in manchen Ortschroniken zwischen 33 und 45?
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Braunschweig.

Viele Grüße
Stefan

Gut, und was machst du mit „kein Heimweh mehr haben“ oder „nicht mehr erschöpft sein“ oder „genug gesehen haben“ oder oder oder…

Es lässt sich doch immer ein Kompositum finden. Statt dem ollen „sitt“ kann man auch „sattgetrunken“ sagen, kommt aufs Selbe raus. Und wer meint, dass Komposita und flektierte Wörter nicht gelten, darf gerne Wörter für „befriedigt“, „ausgewachsen“, „kraftlos“ und dergleichen suchen.

Ich finde ehrlich gesagt auch, dass sich da viel zu viel finden lässt. Und dass es für die Warenabtrennstäbe (ich nenn sie jetzt mal so) keinen Namen gäbe, ist nur ein Mythos. Wer sie herstellt, muss sie schließlich auch irgendwie benennen. Nur kennt keiner das Wort, weil die Sache so banal und unwichtig ist, im täglichen Leben.

Ich sehe mich in meinem Kämmerlein um und entdecke Dutzende namenloser Gegenstände… eine „Medikamente-Aufbewahrungskiste“, ein „Vokabelböxchen“, ein „kleines weiches rotes baumelndes Stoffding aus China“, einen „dreifarbigen Stift“, ein „Kalenderaufhängedrahtband“, ein „Batterieladegerätleuchteknopf“, ein „Mikrofonhalter“, etc.
Für all diese Gegenstände kann ich doch auch so einen tollen Namen wie ‚sitt‘ finden. Wie wär’s mit Glumpf? :]

Tychis Einwand leuchtet mir daher sehr ein.

Ich halte die Suche nach derartigen pseudo-namenlosen Gegenständen oder Konzepten daher nicht sehr sinnvoll, tut mir leid…
Gruß,

  • André
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Hi,
Zusätzlich zu Wolfgangs Buchvorschlag (dass du für deine Arbeit nicht außer 8 lassen darfst!) habe ich hier noch einen, der für dich als Sprachwissenschaftlerin sicher besonders interessant sein dürfte:

The Meaning of Tingo (Adam Jacot de Boinod, 2005), ISBN 0-140-51561-5 Buch anschauen

Es enthält eine Vielzahl von Wörtern aus den verschiedensten Sprachen der Welt, die es (zumindest im Englischen) so nicht als einzelnes Konzept gibt. Darunter sind wirklich interessante monomorphemische Wörter wie „tingo“ (Rapa Nui: sich ständig Sachen von jemandem ausleihen, bis dieser nix mehr hat), aber auch viel Schruz, wie z.B. aus dem Türkischen, wo man ja sowieso alles zusammenpuzzeln kann, egal ob’s Sinn ergibt: sakarlasmak (butterfingrig werden) und viele billige Zusammensetzung die jede Sprache auch selber machen könnte, z.B. Norwegisch fiskevaer (gutes Wetter zum Fischen = Fischwetter [ui, toll]).
Es stehen aber doch vielerlei interessante Dinge in dem Büchlein, das muss ich zugeben.

Gruß,

  • André

Hi Andrea,

ich warte immer noch darauf, dass die „Manf“ endlich in den Duden aufgenommen wird. Das ist ein Abstellraum, der sich unter dem Wohnhausdach befindet, aber wie ein Schuppen nur von draußen betreten werden kann. Familiär hat sich der Begriff schon durchgesetzt, hat aber ansonsten noch keine Verbreitung gefunden…

Gruß
Cantharellus

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Hallo Andrea,

spätestens wenn man den Roman „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ gelesen hat,
weiß man, dass die Inuit … Wörter für „Schnee“ haben, wo es bei uns nur
Pulver-, Papp-, Firnschnee gibt und vielleicht noch Harsch und Aper.

Gruß
Bolo2L

Sapir Whorf und Schnee
Hallo

Worin besteht aber der Unterschied zwischen „Schnee, der ganz langsam
und in kleinen Flocken faellt und schon bald nach seinem Auftreffen
wieder wegschmilzt“ und „lixo“, wenn wir mal annehmen, dass lixo der
Inuitbegriff fuer diese Sorte Schnee ist?
Doch nur darin, dass wir dasselbe Konzept laenger formulieren als die
Inuit. Die Annahme von Sapir und Whorf, eher letzterem, dass wir
diese Art Schnee gar nicht bewusst wahrnehmen koennten, halte ich
fuer Unsinn. Die lange Formulierung ist doch im Prinzip nur ein
langes Wort.
Dazu aus http://de.wikipedia.org/wiki/Sapir-Whorf-Hypothese
Das oft im Zusammenhang mit dieser These verwendete Beispiel, dass
in Inuktitut (Sprache der Inuit) sehr vielfältige Bezeichnungen für
Schnee in seinen verschiedenen Formen vorkämen, hielt späteren
empirischen Überprüfungen nicht stand. Ein weiteres von Whorf
verwendetes Beispiel, das sich auf die angeblich unterschiedliche
Zeitwahrnehmung, die durch die Sprache der Hopi-Indianer gegeben sein
soll, bezieht, ist heftig umstritten.

Gruss, Tychi

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spätestens wenn man den Roman „Fräulein Smillas Gespür für
Schnee“ gelesen hat,
weiß man, dass die Inuit … Wörter für „Schnee“ haben, wo es
bei uns nur
Pulver-, Papp-, Firnschnee gibt und vielleicht noch Harsch und
Aper.

Das sind doch aber alles Wörter?

Ja, aber die ganzen Zwischenstufen haben bei uns kein entsprechendes Wort.

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Für Tipps und Anregungen wäre ich sehr dankbar!

Da gibts eine ganze Menge, brauchst nur in andere Sprachen zu sehen.

Spontan fallen mir folgende Dinge ein:

  • Singular von Eltern. Man muß immer „Elternteil“ schreiben, was aber impliziert, daß es zwei geben muß und nur einer gemeint ist. „Kinderhabende und kindererziehende Person“ existiert nicht. Das wird dann meistens zu „alleinerziehend“.

  • „Paarhälfte, Paargegenstück“. „Der linke Schuh ist das YX des rechten“. Oder als Liebeserklärung: „Du bist mein XY“. Hier fehlt offenbar ein Wort.

  • „nichtdurstig“ wurde ja schon genannt. Das Wort existiert in anderen Sprachen sehr wohl.

Wenn man in die Grammatik blickt, gibt es Konzepte, die in anderen Sprachen überhaupt unbekannt sind. Beispiele: Die Konditionalis, der substantivierte Infinitiv. Oder etwas das es im Deutschen nicht gibt: Geschlechter bei Verben und Zahlen, Dualform als dritte Möglichkeit neben Singular und Plural usw.

Dann gibt es natürlich haufenweise kulturspezifische Ausdrücke, die man nur beschreiben kann oder einfach als Fachbegriff stehenläßt. Was in einer Kultur nicht existiert, hat natürlich auch kein Wort dafür.

Gruß
dataf0x

Statt dem
ollen „sitt“ kann man auch „sattgetrunken“ sagen, kommt aufs
Selbe raus.

Nein tut es nicht. Sitt wäre, wenn es existierte, ein eigenes Lemma. Es existiert vermutlich deswegen in keiner einzigen europäischen Sprache, weil die Sattgetrunkenheit im gemäßigten Klima keinen lebensnotwendigen Alltagszustand beschreiben.

Gruß
dataf0x

Nein tut es nicht. Sitt wäre, wenn es existierte, ein eigenes
Lemma. Es existiert vermutlich deswegen in keiner einzigen
europäischen Sprache, weil die Sattgetrunkenheit im gemäßigten
Klima keinen lebensnotwendigen Alltagszustand beschreiben.

Ja, lexikalisch gesehen wäre es das natürlich. Aber siehst du einen semantischen Unterschied zwischen „sitt“ und „sattgetrunken“? Ich nicht. Gebraucht habe ich’s auch nie, für mich hat „voll“ oder „Nein danke!“ immer ausgereicht. :smile:

Gruß,

  • André

Das sind doch aber alles Wörter?

Ich glaube, es geht um eigene, nicht zusammengesetzte Lexeme. Davon haben die Inuitsprachen für die verschiedenen „Schnee“-Sorten tatsächlich eine ganze Menge.
Auf Deutsch kenne ich persönlich nur „Schnee“ und „Firn“.

Gruß,

  • André

Aber siehst du einen semantischen Unterschied zwischen „sitt“ und
„sattgetrunken“?

:smile: sattgetrunken ist die „Übersetzung“ von sitt!

Gruß
dataf0x