Kopfnickendes Nein

Hallo!
Zwei kurze Frage zum nonverbalen Nein. Fast alle Völker schütteln den Kopf. Nur in einigen wenigen Regionen (ich glaube z. B. in Bulgarien) wird genickt.
Woher kommt diese Geste?
Beim Kopfschütteln ist mir das klar. Wie ich bei meiner kleinen Tochter jetzt schön beobachten konnte, resultiert es aus dem Wegdrehen bzw. Abwenden. (erst: Nein - ich mag keinen Brei mehr; später übertragen: Nein - ich mag das nicht).
Wo wird eigentlich überall ablehnend mit dem Kopf genickt?
Grüße aus Rostock
Manfred

Hallo Manfred,

Wo wird eigentlich überall ablehnend mit dem Kopf genickt?

ein Freund hat mir mal erzählt, daß er in Südostasien (genauer weiß ich es leider nicht mehr) einen Mönch photgraphieren wollte der höflich lächelte und den Kopf schüttelte. Mein Kumpel deutete dies als ‚nein‘ und ging, erfuhr später aber, daß es eine zustimmende Geste ist. Ob umgekehrt ein Nicken nein bedeutet, kann ich allerdings nicht sagen.

Gandalf

Hallo Manfred,

zunächst: es gibt kein „kopfnickendes“ Nein. Es ist eher ein „kopfzurückwerfendes“.

Fast alle Völker schütteln den Kopf. Nur in einigen wenigen Regionen
(ich glaube z. B. in Bulgarien) wird genickt.

Dass das in Bulgarien, also einem europäischen Land so sein sollte, würde mich wundern. Schließlich ist das kleine Land von Ländern umgeben, die es wie wir machen.

Da es aber weiter östlich, angefangen im arabischen Raum und Iran bis nach Indien so ist, ist wohl nicht sicher, was häufiger ist.

Woher kommt diese Geste?
Beim Kopfschütteln ist mir das klar. Wie ich bei meiner kleinen Tochter
jetzt schön beobachten konnte, resultiert es aus dem Wegdrehen bzw. Abwenden.
(erst: Nein - ich mag keinen Brei mehr; später übertragen: Nein - ich mag das nicht).

Ich glaube nicht, dass man die Herkunft klären kann. Aber wenn man so vorgeht wie du, kann man auch das Kopfzurückwerfen als logisch für „Nein“ erklären: Wenn wir etwas stark ablehen, strecken wir die Hände vor, straffen den Oberkörper, lehnen ihn und den Hals etwas nach hinten zurück.

Wenn du die Hände nun da lässt, wo sie sind, und die Kopfbewegung etwas ruckartig machst, hast du ein arabisch-asiatisches Nein.

Gruß
Peter

ein link
Hallo, Greifswalder,

hier ein link zu nonverbalen Kommunikation:

http://www.payer.de/kommkulturen/kultur042.htm#2.3.3.

(runterscrollen auf Übersicht)

Lieben gruss aus Wien, jenny

Hallo Gandalf,

Hallo Manfred,

Wo wird eigentlich überall ablehnend mit dem Kopf genickt?

ein Freund hat mir mal erzählt, daß er in Südostasien (genauer
weiß ich es leider nicht mehr) einen Mönch photgraphieren
wollte der höflich lächelte und den Kopf schüttelte. Mein
Kumpel deutete dies als ‚nein‘ und ging, erfuhr später aber,
daß es eine zustimmende Geste ist.

Vielleicht bedeutete es: „Ich habe nichts dagegen.“ Nordafrikaner schütteln bei der gegenseitigen Begrüßung und dem gleichzeitigen Fragen nach dem Wohlbefinden auch manchmal lächelnd den Kopf, im vorgreifenden Sinne von „Es gibt nichts, worüber ich mich beklagen könnte“, „Mir fehlt nichts“ etc.

Grüße,

Mohamed.

Hi,

zunächst: es gibt kein „kopfnickendes“ Nein. Es ist eher ein
„kopfzurückwerfendes“.

gut ausgedrückt.

Dass das in Bulgarien, also einem europäischen Land so sein
sollte, würde mich wundern. Schließlich ist das kleine Land
von Ländern umgeben, die es wie wir machen.

Nicht ganz. Ich kenne es aus Griechenland und am eindeutigsten aus der Türkei. Dort wird es noch mit einem Schnalzen verbunden. Für jemanden, der das nicht gewohnt ist, klingt es total abschätzig und sieht auch so aus. Ist aber die ganz normale Verneinung.

Meine Erklärung ist die, dass es ursprünglich von den Türken kommt und sich in den von ihnen über 400 (?) Jahre besetzten Gebieten durchgesetzt hat. Es gibt ja gerade in Griechenland superviele Sachen, die türkischen Ursprungs sind (auch wenn die Griechen das überhaupt nicht gerne hören), vor allem in der Küche z.B. Tsatsiki (türk. Cacik), Gyros (heißt griechisch drehen, genau wie das türkische döner), Ouzo (türk. Raki) usw.

Liebe Grüße
Burkhard

Hi Mohamed,

in Indien wird der Kopf zur Bestätigung gewiegt. Es ist kein richtiges Kopfschütteln, sondern eher so ein Hin- und Herwiegen. Sieht für uns etwas befremdlich aus.

Liebe Grüße
Burkhard

Also mir war in Indien lange unklar, was diese Kopfbewegung bedeuten
sollte: Von der normalen Grundstellung des Kopfes ausgehend wird das
Gesicht ruckartig auf einer Kurve nach rechts oben gedreht.
Es soll wohl Zustimmung bedeuten, so viel wie o.k. Zu Anfang dachte
ich aber immer, damit waere eine Verneinung gemeint.

Gruss, Tychi

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Burkhard

Die Baklava nicht zu vergessen – aber wir entfernen uns damit
vom Thema …

Zur Geste der Verneinung kann ich bestätigen, dass sich auch
Griechen für unser Auge befremdlich bewegen.

Schon nur die Handwinken «Komm her!» machen wir doch mit
Handfläche nach oben – die Griechen mit Handfläche nach
unten.

Gruss
Rolf

Ich kenne es aus Griechenland und am eindeutigsten
aus der Türkei. Dort wird es noch mit einem Schnalzen
verbunden. Für jemanden, der das nicht gewohnt ist, klingt es
total abschätzig und sieht auch so aus. Ist aber die ganz
normale Verneinung.

das kenne ich ebenso in israel - und zwar allgemein in der bevölkerung und nicht nur bei arabern.

vor allem das zungenschnalzen wie in „ts ts ts“ (einatmen und Z sagen) bedeutet einfach nein. derselbe laut in mitteleuropa geäußert bedeutet: „ich bin verärgert, ich mißbillige was du gerade tust/getan hast/gesagt hat.“

beispiel: jemand schenkt kaffee ein und fragt „zucker?“ darauf die antwort: „Z“ (mit angedeutetem kopfwurf). der mitteleuropäer versteht: „warum fragst du so dumm, du trottel, wage es nicht noch einmal“. aber die antwort ist einfach: „nein danke“.

auch umgekehrt kann es dumm ausgehen. diese nonverbalen gesten und laute lernt man nämlich wie vokabel. und dann passiert es, daß man menschen unabsichtlich beleidigt, weil sie denken, man würde ebensoeine antwort liefern …

ein quell wunderbarster mißverständnisse und streits :frowning:

gruß
dataf0x

Hi, das war wirklich sehr gut beschrieben!

Ich kenne eigentlich nur das Ja, und die daraus entstehenden Missverständnisse.

In dem echt genialen link von Jenny steht dazu:
Kopf hin und her wiegen: Indien, Pakistan, Bulgarien

Fragt mich nicht, warum nur dort!

Ich habe einen Freund, der Iraner ist, und mal 3mon in eine Softwarefirma in Indien geschickt wurde. Tja, er erklärte einem oder mehreren Kollegen etwas, und fragte, ob sie es verstanden hatten…

Sie bewegten den Kopf hin und her - und so erklärte er es halt nochmal. Und nochmal. Bis sie sagten, wir haben es doch verstanden!!!

Solche Missverständnisse gibt es haufenweise…

Gruss, Isabel

PS: das ‚ts‘ für nein habe ich mir mittlerweile dank einiger Marokkaner auch schon angewöhnt… ich finde es ganz nett, weil ich zB auch, wenn mir ne kleine Panne unterläuft, ich nicht mehr sh** oder f*** sage…

Ach, und ne kolumbianische Freundin von mir versuchte mal, die Aufmerksamkeit eines barkeepers zu bekommen… sie fing an zu pfeifen, bis ich ihr sozusagen ‚auf die Finger klopfte‘. Wir lachten uns herrlich krank. Aber auch das ‚psst‘, to get someone’s attention, verwende ich unbewusst manchmal, wenn ich mich unter den richtigen Leuten befinde - in D ist das ja wohl nur ein ‚sei leise‘.

Hi Rolf,

Schon nur die Handwinken «Komm her!» machen wir doch mit
Handfläche nach oben – die Griechen mit Handfläche nach
unten.

genau! Diese Geste ist aber weltweit häufig anzutreffen. Ich kenne sie aus Thailand und Indonesien genauso wie aus der Türkei, Italien und Griechenland.

Liebe Grüße
Burkhard

Greifswalder,

nicht nur Indien, auch in Sri Lanka ist ein Kopf-hin-und-her-wiegen ein Nein. Ein wirkliches schuetteln ist das aber auch nicht.

Ralph

Von der normalen Grundstellung des Kopfes ausgehend
wird das
Gesicht ruckartig auf einer Kurve nach rechts oben gedreht.

Sieht das dann aus wie ein Gehmer zu mir?? *g*

  • André

Ja, so ungefaehr. Oder „los gehts!“

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