Kopierschutz bei Videos... wie geht das ?

Hallo Experten !

Wenn man denn nun mal einen ganz ganz kleinen Versuch macht, ob man nicht doch das Video aus der Vidoethek kopieren kann, dann kann man sehr oft auf den Kopierschutz treffe.

Das Bild ist verzerrt oder läuft durch, die Farben zu dumpf etc.

Aber wie geht das ?
Woher weiss der Videorekorder der abspielt, dass das Signal an einen anderen videorekorder und nicht in den Fernseher geht ?

Es gibt ja dafür auch extra kleine Geräte, die das entfernen sollen. Die Qualität lässt aber angeblich auch viel zu wünschen übrig.

Mir geht es hier nicht um die frage, die ich den Kopierschutz umgehe, sondern viel mehr um die Techniche Frage: wie geht das ?

Gruss Martin

Hi Martin,
ich denke bei Videokassetten wird genauso wie bei DVD Macrovision benutzt. Hierbei wird das Videosignal leicht veraendert, wodurch Videorekorder nicht mehr aufnehmen. Ich weiss nicht genau, ob sie die Aenderungen erkennen oder einfach nicht verarbeiten koennen.
Such einfach mal im internet nach macrovision. Auf

www.dvd-inside.de muesstest Du auch einige technische Info dazu finden.

Ich hoffe das hilft.

Olli

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Moin!

Aber wie geht das ?
Woher weiss der Videorekorder der abspielt, dass das Signal an
einen anderen videorekorder und nicht in den Fernseher geht ?

Oha. Gute Frage. Wenn Du den Aufbau eines Videosignals kennst, ist das recht einfach zu erklären. Im Prinzip werden falsche Synchronimpulse im nicht sichtbaren Teil des Fernsehbildes untergebracht, die das Timing des Videorecorders durcheinanderbringen. Das Bild läuft durch oder flackert zeitweise.

Weiterhin hat jeder Videorecorder im Gegensatz zu Fernsehern eine automatische Pegelkontrolle für die Aufnahme. Dabei wird die Pegeldifferenz zwischen Synchronimpuls und hinterer Schwarzschulter ausgewertet. Hier werden die Pegel massiv verändert, was zu Helligkeitsschwankungen bei der Aufnahme führt.

Es gibt ja dafür auch extra kleine Geräte, die das entfernen
sollen. Die Qualität lässt aber angeblich auch viel zu
wünschen übrig.

Die Qualität ist durchaus gut. Ich habe mir so ein Gerät selbst gebaut und bin damit sehr zufrieden. Gebaut habe ich das Gerät, um Sicherheitskopien der Disney-Filme von der Kurzen anzufertigen.

Hoffentlich war das jetzt nicht zuviel Fachchinesisch.

Ach ja, es gibt auch eine Möglichkeit, die automatische Pegelkontrolle des Videorecorders selbst abzuschalten. Dazu muß in der Regel nur der Wert eines Kondensators verändert werden. Um herauszufinden, welcher Kondensator das ist, braucht man den Schaltplan des Recorders oder jemanden, der sich damit auskennt. Danach kann der Videorecorder kopiergeschützte Filme kopieren und zwar 1:1, also der Kopierschutz ist auch auf der Kopie vorhanden.

Mir geht es hier nicht um die frage, die ich den Kopierschutz
umgehe, sondern viel mehr um die Techniche Frage: wie geht das?

Befasse Dich mal mit dem Aufbau eines Videosignals. Mit Synchronimpulsen, Falbhilfsträger, Burst, Schwarzschulter usw., wenn Dir der generelle Aufbau bekannt ist, können wir weiter ins Detail gehen. Das Kopierschutzverfahren nennt sich „Macrovision“. Die Macrovision-FAQ findest Du hier: http://www.thoic.net/nexus/mv_faq.html

Darin ist alles zu Macrovision in englischer Sprache erklärt.

Munter bleiben… TRICHTEX

Moin!

Ich hatte bereits einmal geantwortet, aber meine Antwort war verschollen. Jetzt, nachdem ich dies schrieb, bekomme ich die Meldung, daß ich versucht hätte doppelt zu antworten. Nö, dafür hab’ ich mir die Mühe nicht gemacht, hier also meine zweite Antwort:

Woher weiss der Videorekorder der abspielt, dass das Signal an
einen anderen videorekorder und nicht in den Fernseher geht ?

Das weiß er nicht. Es handelt sich immer um dasselbe Videosignal. Nur daß Videorecorder etwas anders als Fernseher arbeiten.

Es gibt ja dafür auch extra kleine Geräte, die das entfernen
sollen. Die Qualität lässt aber angeblich auch viel zu
wünschen übrig.

Nein, ich habe zwei Kopierschutzdecoder, einen selbstgebauten und einen gekauften. Bei beiden sind visuell keine Qualitätsverluste festzustellen. Meßtechnisch sieht die Sache etwas anders aus, aber auch hier kann keine Rede von erheblichen Verlusten/Verzerrungen sein.

Mir geht es hier nicht um die frage, die ich den Kopierschutz
umgehe, sondern viel mehr um die Techniche Frage: wie geht das?

Jetzt wird’s technisch, denn dazu müssen wir ein wenig in den Aufbau eines Videosignals und die Technik eines Videorecorders eintauchen. Ein Videosignal beinhaltet die Bildinformation und Steuerinformationen. Eine Zeile eines Bildes enthält neben der Bildinformation einen Synchronimpuls, der den Beginn dieser Zeile markiert, und danach etwa 10 Schwingungen des Farbträgers, die den Farbträgeroszillator im Fernseher mit Farbträger des Videosignals synchronisieren. Diesen Bereich nennt man die hintere Schwarzschulter. Diese Informationen sind im Fernsehbild nicht sichtbar, sie liegen in der horizontalen Austastlücke.

Am Anfang eines jeden Bildes befinden sich der vertikale Synchronimpuls und einige nicht sichtbare Zeilen, in denen beispielsweise Videotext übertragen wird. Dies nennt man die vertikale Austastlücke. Danach beginnen die Zeilen mit Bildinformationen.

Ein Videorecorder verfügt im Gegensatz zu einem Fernseher bei der Aufnahme über eine automatische Pegelanpassung. Diese dient dazu, die Aufnahme optimal auszusteuern, um die Möglichkeiten des Bandes möglichst gut auszunutzen. Diese automatische Pegelanpassung mißt den Potentialunterschied zwischen Synchronimpuls und der hinteren Schwarzschulter. Ist dieser sehr gering, wird das Signal zur Aufnahme verstärkt, ist er sehr groß, wird es abgeschwächt. Die Anpassung bei zu starkem Signal (großem Potentialunterschied) geht sehr schnell, ein paar Zeilen genügen dazu. Die Anpassung bei zu schwachem Signal hingegen benötigt mehrere Bilder.

Der Kopierschutz mißbraucht nun die Pegelanpassung. In den nicht sichtbaren Zeilen der vertikalen Austastlücke werden nach den echten Synchronimpulsen zusätzliche, falsche Synchronimpulse eingefügt, die das Timing des Videorecorders durcheinanderbringen können. Darüberhinaus folgt auf die falschen Synchronimpulse ein Impuls, dessen Höhe sich über mehrere Bilder ändert. Leider werden auch die falschen Synchronimpulse zur Pegelanpassung herangezogen. Sind die Impulse stark, wird die Aufnahme schnell dunkler, sind sie schwach, wird sie langsam wieder heller. Dabei kann eine Aufnahme so schwach werden, daß der abspielende Videorecorder die Synchronisation verliert - das Bild läuft durch. So entstehen die Helligkeitsschwankungen und die Bildstörungen.

Ein Kopierschutzdecoder ersetzt nun die falschen Synchronimpulse und die Peaks durch den Pegel, den die „Farbe“ schwarz hätte. Wie das technisch geht, erkläre ich Dir gern per eMail.

Neuere Varianten des Kopierschutzes fügen zusätzlich in den letzten sichtbaren Zeilen eines Bildes in die hintere Schwarzschulter Peaks ein, allerdings schwankt deren Höhe nicht. Ältere Kopierschutzdecoder entfernen sie nicht, deshalb ist die Kopie eines so geschützten Bandes dunkler, als das Original. Das ist zu verschmerzen, aber diese Peaks befinden sich auch auf der Kopie. Jede Kopie dieser Kopie wird noch dunkler sein.

Wesentlich detaillierter, aber auch technischer sind diese Zusammenhänge in der Macrovision-FAQ (englisch) beschrieben: http://www.thoic.net/nexus/mv_faq.html

Übrigens: Es muß nicht immer ein Kopierschutzdecoder sein. Es würde auch genügen, die automatische Pegelanpassung abzuschalten. Dazu ist normalerweise nur der Wert eines Kondensators im Videorecorder zu verändern. Welcher das ist und wo er sitzt, geht aus dem Schaltplan des Videorecorders hervor. Ein so manipulierter Videorecorder wird jede geschützte Cassette korrekt aufnehmen. Allerdings befindet sich der Kopierschutz dann auch auf der Kopie.

Munter bleiben… TRICHTEX