Moin!
Ich hatte bereits einmal geantwortet, aber meine Antwort war verschollen. Jetzt, nachdem ich dies schrieb, bekomme ich die Meldung, daß ich versucht hätte doppelt zu antworten. Nö, dafür hab’ ich mir die Mühe nicht gemacht, hier also meine zweite Antwort:
Woher weiss der Videorekorder der abspielt, dass das Signal an
einen anderen videorekorder und nicht in den Fernseher geht ?
Das weiß er nicht. Es handelt sich immer um dasselbe Videosignal. Nur daß Videorecorder etwas anders als Fernseher arbeiten.
Es gibt ja dafür auch extra kleine Geräte, die das entfernen
sollen. Die Qualität lässt aber angeblich auch viel zu
wünschen übrig.
Nein, ich habe zwei Kopierschutzdecoder, einen selbstgebauten und einen gekauften. Bei beiden sind visuell keine Qualitätsverluste festzustellen. Meßtechnisch sieht die Sache etwas anders aus, aber auch hier kann keine Rede von erheblichen Verlusten/Verzerrungen sein.
Mir geht es hier nicht um die frage, die ich den Kopierschutz
umgehe, sondern viel mehr um die Techniche Frage: wie geht das?
Jetzt wird’s technisch, denn dazu müssen wir ein wenig in den Aufbau eines Videosignals und die Technik eines Videorecorders eintauchen. Ein Videosignal beinhaltet die Bildinformation und Steuerinformationen. Eine Zeile eines Bildes enthält neben der Bildinformation einen Synchronimpuls, der den Beginn dieser Zeile markiert, und danach etwa 10 Schwingungen des Farbträgers, die den Farbträgeroszillator im Fernseher mit Farbträger des Videosignals synchronisieren. Diesen Bereich nennt man die hintere Schwarzschulter. Diese Informationen sind im Fernsehbild nicht sichtbar, sie liegen in der horizontalen Austastlücke.
Am Anfang eines jeden Bildes befinden sich der vertikale Synchronimpuls und einige nicht sichtbare Zeilen, in denen beispielsweise Videotext übertragen wird. Dies nennt man die vertikale Austastlücke. Danach beginnen die Zeilen mit Bildinformationen.
Ein Videorecorder verfügt im Gegensatz zu einem Fernseher bei der Aufnahme über eine automatische Pegelanpassung. Diese dient dazu, die Aufnahme optimal auszusteuern, um die Möglichkeiten des Bandes möglichst gut auszunutzen. Diese automatische Pegelanpassung mißt den Potentialunterschied zwischen Synchronimpuls und der hinteren Schwarzschulter. Ist dieser sehr gering, wird das Signal zur Aufnahme verstärkt, ist er sehr groß, wird es abgeschwächt. Die Anpassung bei zu starkem Signal (großem Potentialunterschied) geht sehr schnell, ein paar Zeilen genügen dazu. Die Anpassung bei zu schwachem Signal hingegen benötigt mehrere Bilder.
Der Kopierschutz mißbraucht nun die Pegelanpassung. In den nicht sichtbaren Zeilen der vertikalen Austastlücke werden nach den echten Synchronimpulsen zusätzliche, falsche Synchronimpulse eingefügt, die das Timing des Videorecorders durcheinanderbringen können. Darüberhinaus folgt auf die falschen Synchronimpulse ein Impuls, dessen Höhe sich über mehrere Bilder ändert. Leider werden auch die falschen Synchronimpulse zur Pegelanpassung herangezogen. Sind die Impulse stark, wird die Aufnahme schnell dunkler, sind sie schwach, wird sie langsam wieder heller. Dabei kann eine Aufnahme so schwach werden, daß der abspielende Videorecorder die Synchronisation verliert - das Bild läuft durch. So entstehen die Helligkeitsschwankungen und die Bildstörungen.
Ein Kopierschutzdecoder ersetzt nun die falschen Synchronimpulse und die Peaks durch den Pegel, den die „Farbe“ schwarz hätte. Wie das technisch geht, erkläre ich Dir gern per eMail.
Neuere Varianten des Kopierschutzes fügen zusätzlich in den letzten sichtbaren Zeilen eines Bildes in die hintere Schwarzschulter Peaks ein, allerdings schwankt deren Höhe nicht. Ältere Kopierschutzdecoder entfernen sie nicht, deshalb ist die Kopie eines so geschützten Bandes dunkler, als das Original. Das ist zu verschmerzen, aber diese Peaks befinden sich auch auf der Kopie. Jede Kopie dieser Kopie wird noch dunkler sein.
Wesentlich detaillierter, aber auch technischer sind diese Zusammenhänge in der Macrovision-FAQ (englisch) beschrieben: http://www.thoic.net/nexus/mv_faq.html
Übrigens: Es muß nicht immer ein Kopierschutzdecoder sein. Es würde auch genügen, die automatische Pegelanpassung abzuschalten. Dazu ist normalerweise nur der Wert eines Kondensators im Videorecorder zu verändern. Welcher das ist und wo er sitzt, geht aus dem Schaltplan des Videorecorders hervor. Ein so manipulierter Videorecorder wird jede geschützte Cassette korrekt aufnehmen. Allerdings befindet sich der Kopierschutz dann auch auf der Kopie.
Munter bleiben… TRICHTEX