Koran und Literatur

Hallo!
"Von jenem Zeitalter an bis zur Gegenwart demonstrierte der Koran solch unübertroffene Beredsamkeit, dass er den Wert der berühmten Oden „Sieben Hängende Gedichte“ der berühmten Lyriker, die in Gold an den Wänden der Kaaba geschrieben waren, so herabminderte, dass die Tochter des Labid ihres Vaters Gedicht von der Kaaba herunternahm und sagte: "Verglichen mit den Versen des Koran hat dies nicht länger irgendeinen Wert. "

Ein beduinischer Dichter hörte, dass ein gewisser Vers rezitiert wurde "So tue kund, was dir geheissen ward, und kehre dich ab von den Götzendienern. "18 und warf sich sofort nieder. Sie fragten ihn: „Bist Du ein Moslem geworden?“ "Nein’ ; sagte er, "ich verbeuge mich vor der unübertroffenen Beredsamkeit dieses Verses. "

Tausende von Gelehrten und Schriftstellern, wie beispielsweise die Genies der Wissenschaft der Rhetorik,so Abdulqadir Jurjani(engl. Schreibw.,sprich: Dschurdschani, Sekkaki und Zemahsheri (engl. Sch.) haben einmütig und einhellig geurteilt, dass die unübertroffene Beredsamkeit des Koran jenseits der menschlichen Kapazität und unerreichbar ist."

Ich poste hier, nicht im Brett „Religion“, denn ich wüsste einfach gern: Ist rein weltlich-literarisch gesehen der Koran dermaßen unübertrefflich? Das zitierte Beispiel überzeugt mich nicht.
Übrigens bin ich auf der Suche nach den „Hanging Poems“ auf die Website gestoßen, von der obiges Zitat stammt. Sind die mal ins Deutsche übersetzt worden? Ich konnte bei Google nichts finden, bei Amazon auch nicht.

Danke & Gruß,
Eva

Hallo Eva,

Übrigens bin ich auf der Suche nach den „Hanging Poems“ auf
die Website gestoßen, von der obiges Zitat stammt. Sind die
mal ins Deutsche übersetzt worden?

Ja, es gibt zumindest ältere Ausgaben, z.B.
Die sieben Mu’allaḳât. Bearb. u. hrsg. v. Ludwig Abel, Berlin 1891
Die Ausgabe beinhaltet den Text, ein Wörterverzeichniss und einen deutschen und arabischen Kommentar.
Über die Qualität und Vollständigkeit dieser Ausgabe musst Du allerding einen Arabisten fragen.

Viele Grüße
Marvin

Hallo Eva,

"Von jenem Zeitalter an bis zur Gegenwart demonstrierte der
Koran solch unübertroffene Beredsamkeit, dass er den Wert der
berühmten Oden „Sieben Hängende Gedichte“ der berühmten
Lyriker, die in Gold an den Wänden der Kaaba geschrieben
waren, so herabminderte, dass die Tochter des Labid ihres
Vaters Gedicht von der Kaaba herunternahm und sagte:
"Verglichen mit den Versen des Koran hat dies nicht länger
irgendeinen Wert. "

ich antworte Dir mal mit dem Wissen, das ich aus zweiter Hand von meiner Freundin habe, die M.A. Arabistik ist.

Ein beduinischer Dichter hörte, dass ein gewisser Vers
rezitiert wurde "So tue kund, was dir geheissen ward, und
kehre dich ab von den Götzendienern. "18 und warf sich sofort
nieder. Sie fragten ihn: „Bist Du ein Moslem geworden?“ "Nein’
; sagte er, "ich verbeuge mich vor der unübertroffenen
Beredsamkeit dieses Verses. "

ein der arabischen Sprache nicht selbst Kundiger kann nicht verstehen, in wieweit Koranverse schön oder nicht schön im Sinne von sprach-schön sind.

Gleichzeitig kommt bei allem, was in der Zeit der Nach-Koran in arabischer Sprache geschrieben wurde zum Tragen, übrigens genau wie bei der Bibel, dass die religiösen Inhalte und damit ihre Sprache grundsätzlich für das Wertvollste überhaupt gehalten wurden.
Es gibt also eine Art Sprachkanon, der sich am Koran ausrichtet. DAS kann kein Mensch übertreffen, mit keiner noch so schönen Sprache, weil die Sprache des Korans göttlich ist.

Tausende von Gelehrten und Schriftstellern, wie beispielsweise
die Genies der Wissenschaft der Rhetorik,so Abdulqadir
Jurjani(engl. Schreibw.,sprich: Dschurdschani, Sekkaki und
Zemahsheri (engl. Sch.) haben einmütig und einhellig
geurteilt, dass die unübertroffene Beredsamkeit des Koran
jenseits der menschlichen Kapazität und unerreichbar ist."

wie willst Du denn besser sein, als Engel? Mohammed hat ja den Koran nicht selbst geschrieben. Er ist ihm offenbart worden.

Weltlich gesprochen und von einer Nicht-Muslimin: es gibt da natürlich die „Überlieferung“, das heißt, was heute offiziell Koran ist, wurde natürlich von den Generationen nach Mohammed gesammelt und (wahrscheinlich mehr oder weniger) bearbeitet.
Da waren einerseits einige Sprach-Meister am Werk;
andererseits solltest Du einrechnen, dass es im Islam im Gegensatz zum Westen (Bibel) bis heute unabdingbar ist, den Koran als Standard und vorbildlich zu betrachten.

Ich poste hier, nicht im Brett „Religion“, denn ich wüsste
einfach gern: Ist rein weltlich-literarisch gesehen der Koran
dermaßen unübertrefflich? Das zitierte Beispiel überzeugt mich
nicht.

meine Arabistin-Freundin meint, dass es bei Übersetzungen aus dem Arabischen in irgend eine westliche Sprache grundsätzlich das Problem ist, dass die Sprachschönheit auf völlig anderen Prinzipien aufgebaut ist, als zum Beispiel im Deutschen. Das kannst Du beim besten Willen in eine Übersetzung nicht hineinbringen.

In soweit wird Dir die Schönheit arabischer Dichtung und des Koran nie erschlossen. Es sei denn, Du lernst Arabisch.
Beziehungsweise, Du fragst einen Araber, was er von den von Dir erwähnten Beispielen hält.

viele grüße
Geli

Die sieben Mu’allaḳât. Bearb. u. hrsg. v.
Ludwig Abel, Berlin 1891

Hallo, Marvin!
Ein wertvoller Hinweis - Danke!
Mu’allaḳât klingt viel besser als „Hängende Gedichte“ :wink: Wenn man den Zusammenhang nicht kennt, stutzt man ein bisschen, genau wie bei „Hanging Poems“. Ich hatte da erst ganz andere Bilder vor Augen: „Hängt ihn höher“ *g*

Gruß,
Eva

ich antworte Dir mal mit dem Wissen, das ich aus zweiter Hand
von meiner Freundin habe, die M.A. Arabistik ist.

Hallo, Geli!
Danke Dir - und Deiner Freundin - für diese interessante Antwort.
Hier noch etwas zum Thema, das ich beim Stöbern gefunden habe:
http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=10476

Gruß,
Eva

P.S. Kennt Deine Freundin die „Hängenden, bzw. Aufgehängten Gedichte“?

ich antworte Dir mal mit dem Wissen, das ich von meiner Freundin habe, die M.A. Arabistik ist.

Hallo, Geli!
Danke Dir - und Deiner Freundin - für diese interessante
Antwort.
Hier noch etwas zum Thema, das ich beim Stöbern gefunden habe:
http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=10476

Gruß,
Eva

P.S. Kennt Deine Freundin die „Hängenden, bzw. Aufgehängten
Gedichte“?

… in Zusammenhang mit dem von Dir aufgeführten Zitat:
die sieben, neun oder zehn „Aufgehängten“ (Mu’allaqat)gehlten als die unübertroffenen Glanzstücke der VORISLAMISCHEN arabischen Dichtung.

eine Erklärung der Szene „Tochter reißt Gedicht des Vaters ab“ findest Du in:
Bürgel, Tausendundeine Welt S. 307ff. Ich zitiere mal im Auszug. Das vollständige Zitat stammt von Ibn Chaldun (1332 - 1406) dem Vater der modernen arabischen Geschichtswissenschaft: … zur Aufhängung an der Ka’ba gelangten nur Gedichte, deren Verfasser genügend Macht besaßen, bei Leuten, ihrer Gruppe und durch ihr Ansehen bei den Mudar …

Ibn Chaldun führt weiter aus, dass man in den Anfängen des Islam von diesem Brauch (Dichtkunst) abkam, überwältigt vom Stil und der Reimkunst des Ko’ran. Ihn aber später wieder aufnahm.

Wie das zu dem von Dir zu übersetzenden Werk zusammenstimmt, musst Du aus dem Kontext entscheiden.

viele grüße
Geli

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Nochmal…
…Danke!

Grüße,
Eva