Korrekt schreiben

Guten Abend

Ich habe einen Text vom Lehrer korrigiert erhalten.
Leider kann ich gewisse Verbesserungen nicht nachvollziehen.
Da ich denke, dass es sehr wichtig, ist die gemachten Fehler nachvollziehen zu können, wäre ich sehr dankbar um deine Hilfe. Besonders Schwierigkeiten habe ich bei der Kommasetzung

Dies führt er auf das rückständige deutsche Staatssystem zurück,
an dessen Spitze die Aristokratie steht,
welche jeden Schriftsteller,
der etwas sagt,
was ihnen nicht passt, Wieso ist hier ein Komma?
zum Schweigen bringt.

Nun prangert er auf ironische Art und Weise die Universitäten, insbesondere die von Göttingen an, was sicherlich „darauf hinausläuft“, Hier stimmt etwas nicht, aber was?
dass er mit ihr infolge der nicht erhaltenen Stelle noch eine Rechnung zu begleichen hat.

Zudem muss ernsthaft in Erwägung gezogen werden, dass (ich hatte „ob“) dieses Kapitel nicht einfach in das Werk hineingeschmuggelt wurde, denn es weist keinerlei Verbindungen auf, was „dies“ („dies“ wurde als falsch gekennzeichnet) rechtfertigen würde.

Diese rhetorische Figur setzt er dafür ein,
um die Gesellschaft ins Lächerlich und Dekante (Müsste wohl eher Dekadente heissen – hat Lehrer nicht gesehen…) zu treiben.
Oftmals erkennt man die Beschuldigung, welche er auf ironische Art und Weise kaschiert, erst auf den zweiten Blick, Wieso ist hier ein Komma?
womit er sich womöglich erhofft, dass das Werk von der Zäsur verschont bleibt.

Wie sich später herausstellte, Wieso hier Komma?
war dies sicherlich mit ein Grund, dass er ins Exil nach Frankreich fliehen musste.

Die Hauptziele unserer Projektarbeit bestehen darin, Wieso hier Komma?
zu untersuchen,
welche Wege die ehemaligen Berufsmaturaabgänger eingeschlagen haben und wie sie die Berufsmatura im Nachhinein beurteilen.

Besonders überrascht und was sicherlich auch für die Berufsmatura spricht, Wieso Komma?
ist unser Umfrageresultat, dass rund 95% der Absolventen es für richtig hielten, Wieso Komma?
die Berufsmatura besucht zu haben.

Es hat sich auch gezeigt, dass Personen, Wieso Komma?
welche eine positive Beurteilung erhielten, die Prüfungen mit einer grossen Wahrscheinlichkeit erfolgreich abgelegt haben.

Noch eine blöde Frage. Was denkt ihr in wie viel Prozent ist es korrekt, wenn ich bei „und“ das Komma weglasse?

Besten Dank
Gruss Silvio

hi,

Dies führt er auf das rückständige deutsche Staatssystem
zurück,
an dessen Spitze die Aristokratie steht,
welche jeden Schriftsteller,
der etwas sagt,
was ihnen nicht passt, Wieso ist hier ein Komma?
zum Schweigen bringt.

im prinzip trennst du im deutschen jede einigermaßen vollständige verbale konstruktion durch komma von anderen einigermaßen vollständigen verbalen konstruktionen ab. „eingiermaßen vollständig“ sind jedenfalls alle (haupt- oder neben-)sätze mit subjekt und prädikat. ob du nennformgruppen als einigermaßen vollständig wertest, ist die seit rs-reform in einigen fällen freigestellt.

im obigen beispiel ist der nebensatz „was ihnen nicht passt“ abgeschlossen. deshalb komma.

Nun prangert er auf ironische Art und Weise die Universitäten,
insbesondere die von Göttingen an, was sicherlich „darauf
hinausläuft“, Hier stimmt etwas nicht, aber was?

ich nehme - ohne kenntnis des größeren kontexts - an, dass „hinauslaufen“ die richtung verdreht. gemeint dürfte sein: „beruht“. „beruht“ weist in die vergangenheit; auf ursachen. „hinausläuft“ weist in die zukunft, auf folgen.

dass er mit ihr infolge der nicht erhaltenen Stelle noch eine
Rechnung zu begleichen hat.

Zudem muss ernsthaft in Erwägung gezogen werden, dass (ich
hatte „ob“) dieses Kapitel nicht einfach in das Werk
hineingeschmuggelt wurde, denn es weist keinerlei Verbindungen
auf, was „dies“ („dies“ wurde als falsch gekennzeichnet)
rechtfertigen würde.

ich finde „dass“ auch besser als „ob“.
mir ist der pronominale bezug von „dies“ völlig unklar. was ist mit diesem „dies“ gemeint?

Diese rhetorische Figur setzt er dafür ein,
um die Gesellschaft ins Lächerlich und Dekante (Müsste wohl
eher Dekadente heissen – hat Lehrer nicht gesehen…) zu
treiben.
Oftmals erkennt man die Beschuldigung, welche er auf ironische
Art und Weise kaschiert, erst auf den zweiten Blick, Wieso ist
hier ein Komma?

weil der nebensatz abgeschlossen ist und danach der hauptsatz wieder fortgesetzt wird.

womit er sich womöglich erhofft, dass das Werk von der Zäsur
verschont bleibt.

„Zäsur“ wurde durchgewunken? ??? sollte wohl „Zensur“ heißen!

Wie sich später herausstellte, Wieso hier Komma?

weil hier der nebensatz abgeschlossen ist.

war dies sicherlich mit ein Grund, dass er ins Exil nach
Frankreich fliehen musste.

Die Hauptziele unserer Projektarbeit bestehen darin, Wieso
hier Komma?

weil hier der nebensatz abgeschlossen ist.

zu untersuchen,
welche Wege die ehemaligen Berufsmaturaabgänger eingeschlagen
haben und wie sie die Berufsmatura im Nachhinein beurteilen.

Besonders überrascht und was sicherlich auch für die
Berufsmatura spricht, Wieso Komma?

„überrascht“ sollte wohl „überraschend“ werden …
der hauptsatz lautet „besonders überraschend ist unser …“; da ist eingeschoben: „und was … spricht“; deshalb vorn und hinten komma, hier besser aber gedankenstrich, meine ich.

ist unser Umfrageresultat, dass rund 95% der Absolventen es
für richtig hielten, Wieso Komma?

kann man setzen, muss man nicht mehr - seit rs-reform.

die Berufsmatura besucht zu haben.

eine „Matura“ besucht man nicht, sondern legt man ab.

Es hat sich auch gezeigt, dass Personen, Wieso Komma?

weil hier ein vollständiger satz eingeschoben wird:

welche eine positive Beurteilung erhielten, die Prüfungen mit
einer grossen Wahrscheinlichkeit erfolgreich abgelegt haben.

Noch eine blöde Frage. Was denkt ihr in wie viel Prozent ist
es korrekt, wenn ich bei „und“ das Komma weglasse?

seit rs-reform würd ich schätzen: 95%. „und“ ersetzt weitgehend ein komma; auch zwischen vollständigen hauptsätzen.

m.

hi,

korrektur:

Die Hauptziele unserer Projektarbeit bestehen darin, Wieso
hier Komma?

weil hier der nebensatz abgeschlossen ist.

das stimmt natürlich nicht. das komma schließt hier keinen nebensatz ab, sondern könnte (muss aber nicht) die nennformgruppe einleiten. die ist als solche zwar sehr kurz, aber selbst wieder durch nebensätze ausgebaut. weil das so ist, würde ich das komma empfehlen: als zusätzliches struktursignal.

zu untersuchen,
welche Wege die ehemaligen Berufsmaturaabgänger eingeschlagen
haben und wie sie die Berufsmatura im Nachhinein beurteilen.

m.

Hallo Michael,

die meisten Deiner Ausführungen hätte ich ebenso formuliert. Dennoch irrst Du in einigen Punkten:

Zudem muss ernsthaft in Erwägung gezogen werden, dass (ich
hatte „ob“) dieses Kapitel nicht einfach in das Werk
hineingeschmuggelt wurde, denn es weist keinerlei Verbindungen
auf, was „dies“ („dies“ wurde als falsch gekennzeichnet)
rechtfertigen würde.

ich finde „dass“ auch besser als „ob“.

„Dass“ ist nicht nur besser als „ob“, sondern einzig richtig. Zu jedem „ob“ könnte ich auch noch „oder ob nicht“ hinzusetzen; und das geht in diesem Satz nicht: Ich kann nicht erwägen, ob etwas hinzugefügt wurde oder nicht. Ich kann mich fragen, ob etwas hinzugefügt wurde oder nicht; aber „erwägen“ bzw. im Nominalstil „in Erwägung ziehen“ bedeutet ja soviel wie „es könnte auch so sein“. Da haben Gegensätze keinen Platz.

Gemeint ist wohl als letzter Teilsatz: „…die jenes/dieses/es rechtfertigen würden“ (gemeint ist das Kapitel). Das Wort „dies“ bezieht sich aber immer auf Handlungen (also Teilsätze), und damit ist die Aussage etwas verdreht: Es gibt nichts, was meine Erwägung rechtfertigen würde! :smile:

Diese rhetorische Figur setzt er dafür ein,
um die Gesellschaft ins Lächerlich und Dekante (Müsste wohl
eher Dekadente heissen – hat Lehrer nicht gesehen…) zu
treiben.
Oftmals erkennt man die Beschuldigung, welche er auf ironische
Art und Weise kaschiert, erst auf den zweiten Blick, Wieso ist
hier ein Komma?

weil der nebensatz abgeschlossen ist und danach der hauptsatz
wieder fortgesetzt wird.

womit er sich womöglich erhofft, dass das Werk von der Zäsur
verschont bleibt.

Falsch: Der Hauptsatz ist abgeschlossen, der (mit „womit“ eingeleitete) Nebensatz beginnt.

Die Hauptziele unserer Projektarbeit bestehen darin, Wieso
hier Komma?

weil hier der nebensatz abgeschlossen ist.

zu untersuchen,
welche Wege die ehemaligen Berufsmaturaabgänger eingeschlagen
haben und wie sie die Berufsmatura im Nachhinein beurteilen.

Da hattest Du Dich ja schon selbst teilweise korrigiert: Hier beginnt die Infinitivgruppe.
Die Frage ist nur, warum diese mit einem Komma abgetrennt wird.
Die Begründung, dass die Infinitivgruppe selbst einen Nebensatz besitzt, ist nur stichhaltig bei Anwendung der alten Regelungen. Für die neue deutsche Rechtschreibung ist diese Tatsache völlig unerheblich.
Dafür schreibt diese aber vor, ein Komma zu setzen, wenn ein Pronomen oder Adverb im Hauptsatz auf die Infinitivgruppe verweist. Im angegebenen Fall ist es „darin“.

ist unser Umfrageresultat, dass rund 95% der Absolventen es
für richtig hielten, Wieso Komma?

kann man setzen, muss man nicht mehr - seit rs-reform.

die Berufsmatura besucht zu haben.

Man muss es setzen, denn auch hier ist wieder das hinweisende Wort im Hauptsatz: „es“.

Man sollte sich einfach angewöhnen alle Infinitivgruppen mit einem Komma vom Hauptsatz abzugrenzen. Dass ich dies eben nicht gemacht habe, sollte nur einen der wenigen noch existierenden Fälle veranschaulichen, wo das Komma fakultativ ist. Mittlerweile verlangen jedoch fast alle möglichen Situationen das Komma.

Liebe Grüße
Immo