ich habe einen Beitrag von 2 Freunden, einem Deutschen u. einer Österreicherin, korrigieren lassen, deren Muttersprache Deutsch ist (meine ist Französisch):
-beide haben „schockant“ gestrichen und durch „schockierend“ ersetzt. Heisst das, dass „schockant“, das im Lexikon steht, nicht benutzt wird.
-der eine hat „per Definition“ durch „per definitionem“ ersetzt. Darf man nicht beides verwenden?
Der Deutsche liess das Wort „dröge“ durchgehen, die Österreicherin meinte „unbekanntes Wort“. Ist es zu dialektal gefärbt, obwohl ich es hin und wieder im Stern lese?
-Die Österreicherin hat auch „einmal wieder“ jedes Mal durch „einmal mehr“ ersetzt. Ist das auch regional unterschiedlich?
-Ich hatte geschrieben „Gabriele-Wohmann-Leser dürfen sich freuen“. Der Deutsche schrieb statt dessen „Gabriele Wohmanns Leser“. Was meint ihr?
-beide haben „schockant“ gestrichen und durch „schockierend“
ersetzt. Heisst das, dass „schockant“, das im Lexikon steht,
nicht benutzt wird.
Schockant hab’ ich noch nie gehört.
Der Deutsche liess das Wort „dröge“ durchgehen, die
Österreicherin meinte „unbekanntes Wort“. Ist es zu dialektal
gefärbt, obwohl ich es hin und wieder im Stern lese?
‚dröge‘ ist mir geläufig. Und wo ich herkomme, soll das Hochdeutsch zuhause sein.
-Die Österreicherin hat auch „einmal wieder“ jedes Mal durch
„einmal mehr“ ersetzt. Ist das auch regional unterschiedlich?
„Einmal mehr machte er diesen alten Fehler“. Hm, „mehr“ ist deutlich besser.
-Ich hatte geschrieben „Gabriele-Wohmann-Leser dürfen sich
freuen“. Der Deutsche schrieb statt dessen „Gabriele Wohmanns
Leser“. Was meint ihr?
Klar Letzteres, wenn Grabriele Wohmann die Autorin ist.
-beide haben „schockant“ gestrichen und durch „schockierend“
ersetzt. Heisst das, dass „schockant“, das im Lexikon steht,
nicht benutzt wird.
Schockant hab’ ich noch nie gehört.
ich (ö.) auch nicht. vergiss es, das wort gibt es nicht.
Der Deutsche liess das Wort „dröge“ durchgehen, die
Österreicherin meinte „unbekanntes Wort“. Ist es zu dialektal
gefärbt, obwohl ich es hin und wieder im Stern lese?
‚dröge‘ ist mir geläufig. Und wo ich herkomme, soll das
Hochdeutsch zuhause sein.
„dröge“ ist in ö. nicht gebräuchlich, ich nehme an, auch in süddeutschland nicht wirklich.
„hochdeutsch“ ist nirgends zuhause. weder in hannover noch sonstwo. es gibt mehrere varietäten innerhalb des deutschen standards. (historisch ist „hochdeutsch“ sowieso eine bezeichnung nach regionalen aspekten und meint süddeiutsche: bairische, alemannische dialekte.
-Die Österreicherin hat auch „einmal wieder“ jedes Mal durch
„einmal mehr“ ersetzt. Ist das auch regional unterschiedlich?
„Einmal mehr machte er diesen alten Fehler“. Hm, „mehr“ ist
deutlich besser.
ja. zu „einmal wieder“ kann ich mir nur schwer passende kontexte vorstellen.
-Ich hatte geschrieben „Gabriele-Wohmann-Leser dürfen sich
freuen“. Der Deutsche schrieb statt dessen „Gabriele Wohmanns
Leser“. Was meint ihr?
Klar Letzteres, wenn Grabriele Wohmann die Autorin ist.
bindestriche in eigennamen finde ich scheuußlich; das ist aber eine private meinung, keine norm.
ich habe einen Beitrag von 2 Freunden, einem Deutschen u.
einer Österreicherin, korrigieren lassen, deren Muttersprache
Deutsch ist (meine ist Französisch):
Niemand spricht Deutsch als Muttersprache, sondern das, was man in der jeweiligen Region dafür hält.
-beide haben „schockant“ gestrichen und durch „schockierend“
ersetzt. Heisst das, dass „schockant“, das im Lexikon steht,
nicht benutzt wird.
ich habe schockant noch nie gehört oder gesehen. Die Antwort ist also ja.
-der eine hat „per Definition“ durch „per definitionem“
ersetzt. Darf man nicht beides verwenden?
Beides ist richtig. „per definitionem“ ist korrektes Latein und „per Definition“ ist die eingedeutschte und häufigere Variante.
Der Deutsche liess das Wort „dröge“ durchgehen, die
Österreicherin meinte „unbekanntes Wort“. Ist es zu dialektal
gefärbt, obwohl ich es hin und wieder im Stern lese?
Mit Verlaub: Der Stern ist kein Maßstab. dröge ist norddeutsch für trocken. Deshalb kennt es die Österreicherin nicht. Auch Süddeutsche kennen es möglicherweise nicht.
-Die Österreicherin hat auch „einmal wieder“ jedes Mal durch
„einmal mehr“ ersetzt. Ist das auch regional unterschiedlich?
Dazu kann ich ohne Kontext nix sagen. Gib mal bitte den ganzen Satz.
-Ich hatte geschrieben „Gabriele-Wohmann-Leser dürfen sich
freuen“. Der Deutsche schrieb statt dessen „Gabriele Wohmanns
Leser“. Was meint ihr?
Ersteres ist wesentlich häufiger. Aber beides ist im Prinzip richtig.
-beide haben „schockant“ gestrichen und durch „schockierend“
ersetzt. Heisst das, dass „schockant“, das im Lexikon steht,
nicht benutzt wird.
Das Adjektiv ‚schockant‘ wird in allen 3 Standarddeutsch (at, ch, de) nicht mehr verwendet.
-der eine hat „per Definition“ durch „per definitionem“
ersetzt. Darf man nicht beides verwenden?
Die Wendung ‚per definitionem‘ ist Standard, ‚per Definition‘ nicht.
„Ein Schimmel ist per definitionem weiß; per definitionem kann er niemals schwarz sein.“
Der Deutsche liess das Wort „dröge“ durchgehen, die
Österreicherin meinte „unbekanntes Wort“. Ist es zu dialektal
gefärbt, obwohl ich es hin und wieder im Stern lese?
Das Adjektiv 'dröge ist deutschländisches Standarddeutsch. Standard in at und ch ist ‚fad‘.
Gemeindeutsch (at, ch, de) wäre ‚langweilig‘.
(Ammon: Variantenwörterbuch des Deutschen)
-Die Österreicherin hat auch „einmal wieder“ jedes Mal durch
„einmal mehr“ ersetzt. Ist das auch regional unterschiedlich?
‚wieder einmal‘ ist Standard in at, ch und de; ‚einmal mehr‘ ist eine falsche Übersetzung von ‚once more‘, bzw. ‚une fois de plus‘.
-Ich hatte geschrieben „Gabriele-Wohmann-Leser dürfen sich
freuen“. Der Deutsche schrieb statt dessen „Gabriele Wohmanns
Leser“. Was meint ihr?
Der Genitiv ist richtig und elegant; das Bindestrichwort ist stilistisch nicht zu verantworten.
Da hab ich manches gelernt! In Zukunft werde ich also auf „schockant“ verzichten, „dröge“ durch langweilig ersetzen und „per definitionem“ den Vorzug geben.
ich wohne zwar im hohen Norden und kenne dröge, würde es aber auch so evtl. in Texten verwenden… (komme ursprünglich aus Hessen und konnte auch da was mit dem Wort anfangen, besonders im Zusammenhang mit Literaturkritik - „der Text ist etwas dröge“).
Da hab ich manches gelernt! In Zukunft werde ich also auf
„schockant“ verzichten, „dröge“ durch langweilig ersetzen und
„per definitionem“ den Vorzug geben.
Schockant habe ich, wie die anderen Schreiber, noch nicht gehört.
Dröge würde ich nicht unbedingt mit langweilig übersetzen. Wenn es hier um Textkritik geht, was ich aus der Formulierung mit den X-Y-Lesern schließe, wäre meine erste wahl wohl ‚trocken‘. Ein Text, der humorlos, wenig spannend oder einfach etwas ermüdend zu lesen ist, ist trocken oder eben dröge. Langweilig wäre mir in diesem Zusammenhang zu stark negativ konnotiert.
-beide haben „schockant“ gestrichen und durch „schockierend“
ersetzt. Heisst das, dass „schockant“, das im Lexikon steht,
nicht benutzt wird.
„Schokant“ ist Luxemburgisch, also Moselfränkisch. Im Deutschen nicht gebräuchlisch.
Der Deutsche liess das Wort „dröge“ durchgehen, die
Österreicherin meinte „unbekanntes Wort“. Ist es zu dialektal
gefärbt, obwohl ich es hin und wieder im Stern lese?
Nein in Deutschland schon bekannt, also mir zumindest. Denke, es stammt eher aus dem Rheinland, könnte also südlich der Donau eher unbekannt sein.
-Ich hatte geschrieben „Gabriele-Wohmann-Leser dürfen sich
freuen“. Der Deutsche schrieb statt dessen „Gabriele Wohmanns
Leser“. Was meint ihr?
Es geht beides. Aber nachdem kaum jemand die Neue Rechtschreibung verstanden hat, glaubt jeder, dass die generelle Zusammenschreibung aufgehoben ist und empfiehlt den verloren gehenden Genetiv zu nutzen.
‚wieder einmal‘ ist Standard in at, ch und de; ‚einmal mehr‘
ist eine falsche Übersetzung von ‚once more‘, bzw. ‚une fois
de plus‘.
Das bezweifle ich (das mit der falschen Übersetzung).
Kommt auf den Satz an.
Soweit ich weiß, ist „einmal mehr“ tatsächlich eine Lehnübersetzung von „once more“, die noch nicht den Eingang ins Standarddeutsch gehalten hat. Natürlich kann man Sätze mit „einmal mehr“ konstruieren, die richtig sind, z.B. „Du darfst jetzt einmal mehr würfeln“ oder „Kannst Du nicht einmal mehr Suppe essen?“, aber als Ersatz für „wieder einmal“ kommt es schriftlich nicht in Frage.
Hallo, Immo,
m.E. kann man „einmal mehr“ durchaus in der Bedeutung „ein weiteres Mal“ verwenden.
Aber diese Diskussion zeigt wohl einmal mehr, dass Deutsch eine sich entwickelnde Sprache ist, die aus vielen Quellen schöpft.
Soweit ich weiß, ist „einmal mehr“ tatsächlich eine
Lehnübersetzung von „once more“, die noch nicht den Eingang
ins Standarddeutsch gehalten hat. Natürlich kann man Sätze mit
„einmal mehr“ konstruieren, die richtig sind, z.B. „Du darfst
jetzt einmal mehr würfeln“ oder „Kannst Du nicht einmal mehr
Suppe essen?“, aber als Ersatz für „wieder einmal“ kommt es
schriftlich nicht in Frage.
Vielleicht hat sich da ein Denkfehler meinerseits eingeschlichen und es betont wieder einmal die Frage nach Kontext:
In deinen Beispielen würde ich „einmal mehr“ nicht benutzen.
Ich dachte an: „Einmal mehr zeigt sich, dass man Politikern nicht trauen kann.“ oder so in der Art.
„Ein Schimmel ist per definitionem weiß; per definitionem kann
er niemals schwarz sein.“
Das ist zwar ein Allerweltssatz, dennoch hast du ihn 1:1 aus
Wiki übernommen. Quellen sollte man angeben.
… zumal er inhaltlich auch noch falsch ist…
in so manchem Badezimmer hängt an der Wand ein schwarzer oder im Extremfall sogar ein grüner Schimmel… Auf Lebensmitteln ist er indes meist grün, auf Streichkäse zuweilen rötlich.
… also nix mit „immer weiß“ - nur halbwegs ernst gemeinter Einwand…*grins und abtauch*
ich will auch niemandem vorschreiben, was er verwenden darf und was nicht. Es geht mir nur um Situationen, in denen Standarddeutsch verwendet werden sollte (Gesetzestexte, Nachrichten, Schularbeiten, Anfragen an die BVV etc.); da „einmal mehr“ im Sinne von „wieder einmal“ Einzug ins Deutsche hält, ist es im privaten Schriftverkehr durchaus akzeptabel (vor allem dann, wenn man es sonst auch benutzt), und sicherlich wird die Wendung in absehbarer Zeit auch Standarddeutsch werden, so ausgiebig, wie die benutzt wird.