Ich habe gerade, trotz mehrfachen Lesens, einen eigenen Flüchtigkeitsfehler erst nach massivem Nasenstubsen bemerkt.
Dabei ist mir aufgefallen, dass ich beim beruflichen Korrigieren fremder Texte anscheinend unbewusst wesentlich genauer bin, als beim Lesen eigener Texte. Jedenfalls fallen mir Fehler - egal, ob flüchtige oder echte - in fremden Texten „sicherer“ auf, als in eigenen.
Ich lese fremde Texte auch wesentlich öfter „gegen“, als meine eigenen.
Frage: ist das eine unbewußte Überheblichkeit - so nach dem Motto „ich mache keine Fehler“? Ist die Toleranzschwelle bei einem selber niedriger (das wäre fatal)? Die Konzentration durch das bessere Wissen um das Gelesene niedriger?
Gibt es einen Namen für das Phänomen?
Gibt es Arbeiten darüber?
Ich würde mich gerne etwas mehr mit dem Thema beschäftigen.
einen Namen habe ich dafürnicht, aber das ist normal - du kennst ja deinen eigenen Text und weißt, was kommt. Bei einem fremden Autor ist das nicht so.
DEswegen lasse ich meine Sculaufgabenentwürfe immer möglichst mehrere Tage liegen und lese sie dann ochmal durch, dann das gleiche Spiel nochmal… und idealerweise guckt dann noch ein Kollege drüber. Mit Musterlösungen mache ich das meist nicht, aber ich könnte da Storys erzählen, ich sags dir…
Aber auch bei fremden Texten entgeht einem noch so einiges. Wenn ich Aufsätze korrigiere (wie grad eben) lass ich sie immer einen Tag liegen und les dann nochmal drüber, ob die Bewertung stimmt. Dann finde ich immer noch Fehler, die ich übersehen habe. Bessere sie aus. Und trotzdem finde ich noch Kleinigkeiten, wenn ein Schüler mit ner Frage zu mir kommt und ich den Aufsatz ein gefühltes hundertstes Mal lesen muss (bereits das erste Lesen ist ja ein 2-3maliges Lesen). Bei ca. 200 Wörtern.
Auch ich lasse Texte, fremde und eigene - soweit die Druckerei erlaubt…*g* - gerne ein paar Tage liegen, um sie mir dann nochmal vorzunehmen. Ausserdem gibt es bei dem, was ich zu schreiben habe, auch immer „Begleitpersonen“, die meist klüger sind, als ich und auf all das aufpassen, was bis heute nicht zu meinen Stärken gehört:smile:)
Also dass das so ist, weiß ich aus leidvoller Erfahrung bei wichtigeren Anlässen, als es ein Forum ist (sorry, Forum:smile:
Aber warum - was passiert da in den kleinen grauen Zellen, die doch normalerweise ziemlich schnell und oft auch recht gut funktionieren?
Übrigens habe ich schon als Schülerin das Korrekturlesen meiner Professorinnen bewundert - echt! Und über das Thema entstand mit meiner Deutschprofessorin eine Freundschaft bis an ihr Lebenende.
Was hilft: Den Text rückwärts lesen. Das hilft zwar nicht bei Zeichensetzung, aber Rechtschreib- und Tippfehler bekommt man so gut auch bei eigenen Texten in den Griff.
Ansonsten geht die Konzentration zu sehr auf den Inhalt und man liest ansonsten leicht die Form, die man sich wünscht.
Und da sollen die Psychologen keinen Namen dafür haben?? Halte ich fast für ausgeschlossen…*g*
Was hilft: Den Text rückwärts lesen. Das hilft zwar nicht bei
Zeichensetzung, aber Rechtschreib- und Tippfehler bekommt man
so gut auch bei eigenen Texten in den Griff.
Der Trick ist mir neu - danke! Mir hilft, wohlgemerkt: bei wichtigen Arbeiten, auch das laut Vorlesen. Auch da stolpere ich leichter über Fehler - vor allem meine eigenen:smile:
Jedenfalls fallen mir Fehler - egal, ob flüchtige oder echte -
in fremden Texten „sicherer“ auf, als in eigenen.
Das ist ein Phänomen, das unter Korrekturlesern und schreibern eigentlich sehr bekannt ist. Deswegen galt in vielenTeamse, in denen ich gearbeitet habe, die Devise, niemals eigene Texte gegenzulesen. Bei jeder Zeitung, bei der ich gearbeitet habe, wurde über Kreuz getauscht.
Der Grund: Als Autor weißt Du, was da stehen muss, und berichtigst unter Umständen Fehler unbewusst aus der Erinnerung. Als Autor fallen Dir aus dem gleichen Grund auch keine missverständlichen Formulierungen auf, Du weißt ja, was gemeint ist. Sogar fehlende Wörter werden unbewusst ergänzt.
Gibt es einen Namen für das Phänomen?
Gibt es Arbeiten darüber?
Das weiß ich nicht. Aber icxh kenne keinen Korrekturleser, dem das nioch nie passiert wäre.
auch dir herzlichen Dank für deine Antwort, die mir, wie die beiden anderen lediglich - oder Gott sei Dank…*g*…bestätigt, dass ich nicht alleine bin - das war mir zwar bekannt, ist aber doch immer wieder ein Trost…*lach*
Umso mehr wundere ich mich, dass es in der Psychologie keinen terminus technicus dafür gibt - aber egal…sooo wichtig ist es als Phänomen dann wiederum auch nicht:smile:)
du bist wirklich nicht allein.
Zwar habe ich auch keinen Begriff für das Phänomen, erkläre es mir aber so: Beim Text, den man selbst schreibt, ist oft das Hirn schneller als die Tippfinger. Fehlende oder falsche Wörter/Buchstaben/Satzteile werden nicht erkannt, weil die graue Masse sie ja schon abgehakt hat. Kein Thema mehr also!
Dem kann man nur entgehen, wenn man einen Text eine Weile „ruhen“ lässt, um so länger der Text, desto länger die Ruhezeit, Manuskripte nicht unter einer Woche.
Das ist ja fast besser, als wenn das Plappermäulchen schneller, als das Hirn ist…*gg*
Dem kann man nur entgehen, wenn man einen Text eine Weile
„ruhen“ lässt,
wenn ich nicht die fatale Eigenschaft hätte, mir einzubilden, dass ich am „letzten Drücker“ konzentrierter arbeite und der Abgabetermin dann dräut:smile:)
Vielleicht sollte ich diesen Fehler zuerst bekämpfen - für den gibt es sicher auch keinen Namen.
wenn ich nicht die fatale Eigenschaft hätte, mir einzubilden,
dass ich am „letzten Drücker“ konzentrierter arbeite und der
Abgabetermin dann dräut:smile:)
Das behaupten wir Freiberufler wohl alle. In Wahrheit ist das meist nur eine chronische verkappte Prokrastination
Ich habe gerade, trotz mehrfachen Lesens, einen eigenen
Flüchtigkeitsfehler erst nach massivem Nasenstubsen bemerkt.
siehste ich habe jetzt nicht ALLES (also nicht alle antworten) gelesen Habe aber einen TIpp für dich
Jedenfalls fallen mir Fehler - egal, ob flüchtige oder echte -
in fremden Texten „sicherer“ auf, als in eigenen.
Eigene Texte RÜCKWÄRTS lesen zur Rechtschreibkorrektur und vorwärts für inhaltliche Dinge - dann klappts auch mit der Korrektur… weil beim Rückwärts lesen das Gehirn das einzelne WORT verarbeitet, und nicht den Zusammenhang, also nichts dazu- oder wegbasteln kann
Die Konzentration
durch das bessere Wissen um das Gelesene niedriger?
yes dein gehirn weiss ja schon was an Worten kommt, weil es „das alles ja schonmal selber „gedacht“ hat“ und blendet deine Tippfehler aus
In Wahrheit ist das
meist nur eine chronische verkappte Prokrastination
Da ich nicht wusste, was das ist (was bin ich heute ehrlich - gelle!)
fiel mir doch beim Nachschauen gleich ein Tonnenbrocken von der gequälten Seele - deckt die Prokrastination, lt. Wiki, doch gleich
„Versagen, Erfolg, Alleinsein, Nähe, Ablehnung, Ärger/Wut, Perfektionismus, Abhängigkeit/Ohnmacht, Scham und Selbstwert“ als Erklärungsmodelle mit ab…*ggg*
Das nennt ich mir doch mal eine brauchbare Erklärung für alle meine Fehlerchens:smile:)
In diesem Sinne doch sehr beruhigt und mit liebem Gruß
a_f
ich werde diesen euren Tip bei der nächsten ernsthaften Korrektur sicher ausprobieren - Dank dafür!!
Ausgehend von einem Fippseltehler im Sprachenbrett empfände ich die Methode ein wenig aufwändig…*ggg*
Ich werde im Forum daher weiter fehlende Buchstaben überlesen und Wechsstubenverbaxtelungen stehen lassen:smile:)