Liebe Deutschsprachler,
(auch wenn das in anderen Sprachen vermutlich auch zutrifft)
Es ist ja ein bekanntes allgemeines „Phänomen“, dass nichts schwieriger ist, als eigene Texte K(?)orrektur zu lesen. Mich interessiert, ob es eine Untersuchung darüber gibt, die diesen Umstand erklärt.
Ich selbst habe beruflich hunderte von Texten fremder Autoren redigiert und korrigiert und habe das auch als Nicht-Germanist akribisch, sorgfältig und in den meisten Fällen absolut korrekt hingekriegt. Aber dann schreibe ich eine Bewerbung oder hier im w-w-w einen Text, lese alles mehrfach - und entdecke nach dem Abschicken später Fehler, wo ich denke: oh Gott, das darf doch nicht wahr sein…
Neugierig:
Anja
(@Fritz: Wie viele Fehler habe ich hier gemacht? *g)
Servus, Anja:smile:
wie oft mir das passiert!!!
Du kennst doch diesen verwechsbuchstabelten text, den wir dennoch alle verstehen…wenn nur ein marginaler zusammenhang aus dem text erkennbar ist…reihen wir uns die buchstaben irgendwo im kopf automatisch richtig (warum das genau so ist, müssen die gehirnwindungsspezialisten erklären!)
Deshalb sind wir bei eigenen texten besonders gefährdet, weil wir ja
*im kopf* sowieso richtig geschrieben haben…es also auch *richtig* falsch lesen…*g*
tatsache ist aber, dass bei uns oft vier und mehr personen denselben text lesen, und alle (!) den selben fehler überlesen…und bei der premiere schauen wir dann ins programmheft und kriegen alle den gleichen roten kopf *g*
lieben gruss aus wien:smile:
jenny
ps. wieso bist du noch am päääzäää??? *g*
Hi Jenny,
tatsache ist aber, dass bei uns oft vier und mehr personen
denselben text lesen, und alle (!) den selben fehler
überlesen…und bei der premiere schauen wir dann ins
programmheft und kriegen alle den gleichen roten kopf *g*
Habe jahrelang in der Dramaturgie der Oper Frankfurt gearbeitet, auch dort haben wir zu mehreren gelesen… Glücklicherweise hatten wir einen opernbeigeisterten Drucker, der die Programmhefte und die Opernzeitung druckte, der hat immer beim Einrichten der Maschine mitgelesen - und dann oft angerufen, weil er noch einen Fehler entdeckte…
Jetzt geh’ ich in die Wanne,
dann zum Äppler,
danke für Deine Mail 
Anja
Hallo, Anja,
(@Fritz: Wie viele Fehler habe ich hier gemacht? *g)
Soweit ich sehe: keinen!
Untersuchungen zu diesem Theme kenne ich nicht, aber ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass ich nach mehrmaliger Verwendung eines Arbeitsblattes, das ich vor fünf oder mehr Jahren erarbeitete, immer noch Fehler finde, oder dass diese Fehler von Schülern gefunden werden.
Ich habe selber einmal einen Test gemacht, als Hiwi in Tübigen.
Ich musste Belegstellen in Handschriften angeben und da viele wichtige Handschriften in Heibelderg liegen, musste ich dieses Wort „Heibelderg“ mehrere hundert Mal in Listen eintragen.
Diese Listen wurden von einer Sekrtärin in eine Textdatei eingegeben. Diese hat kein einziges Mal Heibelderg geschrieben, wie ich es in den Listen eintrug, sondern stets - vermutlich automatisch - richtig „Heidelberg“ geschrieben.
Gruß Fritz, der vor dem Abschicken dieses Textes drei Fehler verbessern musste 
tja anja,
ich kriegs auch nicht hin. eigene texte lasse ich am besten ein paar tage „abhängen“, bevor ich fehler drin erkenne. wahrscheinlich denkt man den text ja richtig und ergänzt fehlende / streicht doppelte worte im kopf, bevor man es auf papier oder im PC tut (wobei korrekturen auf papier - egal, ob eigene oder fremde texte - noch besser geht, als am bildschirm).
ich hab schon erlebt, dass sätze einfach in der wüste endeten - und weder mein lieblingsautor noch ich haben es gemerkt. wir wußten ja, wie der satz heißen musste 
zählt fritz deine fehler auch immer? :-}
gruß
ann
zählt fritz deine fehler auch immer? :-}
PC!*
* lies: Pe-tze!
Fritz
Hallo Ann,
ich kriegs auch nicht hin. eigene texte lasse ich am besten
ein paar tage „abhängen“, bevor ich fehler drin erkenne.
Genau so lernt man es auch, wenn man Uebersetzer studiert.
Vorausgesetzt natuerlich, dass kein Termin drueckt (und wann
druecken die nicht!).
Allerdings ist mir in dem Zusammenhang noch ein Phaenomen
aufgefallen: ich entdecke Fehler viel haeufiger auf Papier
als am Bildschirm. Frueher hab ich das auf schwarz-gruenen
Desktop zurueckgefuehrt (ja, so alt bin ich schon, mein erster
PC kam '79), und heute ist es zwar besser, aber noch nicht
ganz verschwunden.
Laesst mich an Faust denken:
Denn was man schwarz auf weiss besitzt
kann man getrost nach Hause tragen (frei nach Goethe).
WEnn ich also viel Wert auf einwandfreien Text lege, dann
lass ich auf jeden Fall ausdrucken. Ganz sicher ist die
Methode aber auch nicht.
Gruesse, Elke
)) (o.w.t.)
PC!*
* lies: Pe-tze!
Fritz
Hi,
es ist eigentlich so, wie die anderen es schon sagten:
Erstens liest mensch Wörter nicht in einzelnen Buchstaben, sondern als ganze Wörter. Wenn ich also nihcts schreibe statt nichts, könnte es sein, dass Leute drüber weg lesen, weil sie zu flüchtig lesen.
Ich entdeckte JEDEN, aber auch jeden, Rechtschreib- oder Tippfehler, ob in der Zeitung, in nem Buch, in allem Gedruckten.
Und dennoch geht’s mir wie Euch allen auch:
Bei eigenen Texten kann ich die Fehler erstmal nie sehen - eben, ich weiss doch, was ich geschrieben habe, und wie die Wörter lauten sollen.
Da mach ich das genauso wie scheinbar alle anderen, und der Text wird für bis zum nächsten Tag, oder wenn die Zeit reicht, auch länger, beiseite gelegt, bis er fast zu einem ‚fremden‘ Text wird. Soll heissen, wenn ich mich nicht mehr so ganz daran erinnere, was ich geschrieben habe, ‚I can take a fresh look at it‘.
Natürlich auch nur in gedruckter Form - bei Texten on screen Fehler zu suchen, ist eine ziemliche Zeitverschwendung.
Bei Übersetzungen, wo es nicht um die Rechtschreibung, sondern um die Wortwahl & die verwendeten Ausdrücke geht, ist es ähnlich:
Erst wird der Text übersetzt. Aber oftmals denkt man noch in der Ausgangssprache des Textes, während man ihn in die Zielsprache übersetzt. Nehmen wir mal nen deutschen Text, den ich ins Englische übersetze. Nachdem der englische Text geschrieben ist, und ich gecheckt hab, dass die Übersetzung inhaltlich richtig ist, kommt das deutsche Original weg. Dann bleibt der englische Text ein, zwei Tage liegen, und wenn ich ihn mir wieder durchlese, lese ich einen englischen Text, den ich auf Wortwahl und Stil überprüfe. Und dann entdecke ich immer holprige Stellen. Diese könnte ich auf den deutschen Ausgangstext zurückführen, tue ich aber nicht, da es nun egal ist, wie es im Ausgangstext hiess: Ich will jetzt ne gute Formulierung im Englischen, die sich ‚natürlich‘, also nicht übersetzt, anhört.
Also, wenn ihr mal was übersetzen lassen müsst: Denkt bloss nicht, dass es mit einem Arbeitsgang getan ist…
Aber das wisst Ihr sicherlich schon.
Anyway, ich hab meine essays an der Uni damals (in Irland, also auf Englisch) immer auf einem von zwei FRANZÖSISCHEN laptops geschrieben - der eine gehörte meinem Freund, der andere ner franz. WG Genossin.
Natürlich hatte ich daher gar keinen englischen spellcheck. Ganz abgesehen davon, dass auf dem keyboard ausgerechnet das so häufig verwendete a nicht da war, wo es auf englischen und deutschen Tastaturen ist - ich glaub, da ist das q! Hat etwas genervt.
Und so finde ich auch heute beim Durchlesen von diesen alten essays immer noch Tippfehler. Die wurden aber von den ‚Lehrern‘ auch nie entdeckt!
Well, all the best,
Isabel
Jetzt bin ich aber froh! Danke! owT
…
Hallo Anja,
ich schliesse mich den meisten hier an: den Text liegen lassen hilft schon. - Darum finde ich ja auch oft doch noch Fehler, wenn er abgeschickt ist und ich ihn weglegen will…
In ganz verzwickten Fällen lese ich den Text jemandem vor, um Stilfehler (nicht beendete Sätze oder Wortwiederholungen) zu finden und kontrolliere die einzelnen Wörter außerhalb des Kontextes, indem ich zum Schluss nochmal von hinten nach vorne lese.
Viele Grüße, Matuja
(die jetzt in Eile ist und mal ganz mutig gar nicht korrigiert…)
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