Liebe Experten,
gerade war ich mal wieder beim Arzt und habe mich gewundert über ein Flip-Chart, das im Wartezimmer des Arztes stand. Dies informierte mich darüber, dass ein Arzt für einen Kassenpatienten irgendetwas um die 23€ pro Quartal bekommt, egal wie oft der Patient dort erscheint. Ich war noch nie in der GKV, daher ist mir dieses System tatsächlich nicht vertraut.
Nach meiner Untersuchung habe ich eine Rechnung über 140€ erhalten. Missversteht mich nicht, ich beklage mich nicht über die Höhe der Rechung, ich kann sehr wohl rechnen und kenne mich recht genau mit Investitionen, Instandhaltung, Personalkosten und Mieten in München aus. Ich mag diesen Arzt sogar so gerne, dass ich bei Ihm seit ca. 10 Jahren in Behandlung bin, obwohl ich schon immer fand, dass er ganz schön auf Effizienz getrimmt ist. Länger als 5 min ist man selten bei ihm drin.
Was mich aber schlichweg wahnsinnig macht, ist die Differenz zwischen den 23€ oder wievielauchimmer und meinen 140€. Mit dem GKV Satz kann doch gar kein Arzt kostendeckend arbeiten. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass sich der Arzt bei den PKVs schadlos halten muss.
Geht es eigentlich noch? Ich komme mir schon lange vor wie eine ständig gut gefüllte Milchkuh, aber langsam muss ich mich für unsere Politiker fremdschämen, wenn ich mir das Gesundheitssystem anschaue.
Gibt es irgendwelche konkreten Gesetzesvorlagen, die diesen Misstand beheben könnten?
Sorry, aber das musste mal raus.
Gruß
C.
Hallo Christoph,
gerade war ich mal wieder beim Arzt und habe mich gewundert
über ein Flip-Chart, das im Wartezimmer des Arztes stand. Dies
informierte mich darüber, dass ein Arzt für einen
Kassenpatienten irgendetwas um die 23€ pro Quartal bekommt,
egal wie oft der Patient dort erscheint. Ich war noch nie in
der GKV, daher ist mir dieses System tatsächlich nicht
vertraut.
Das System existiert so schon etwas länger, nur die Höhe der Sätze wurde neu verteilt.
Was mich aber schlichweg wahnsinnig macht, ist die Differenz
zwischen den 23€ oder wievielauchimmer und meinen 140€. Mit
dem GKV Satz kann doch gar kein Arzt kostendeckend arbeiten.
Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass sich der Arzt bei den
PKVs schadlos halten muss.
Genauso ist es; der 10%ige Bevölkerungsanteil Privatpatient ist überproportional an den Gesundheitskosten beteiligt.
Gibt es irgendwelche konkreten Gesetzesvorlagen, die diesen
Misstand beheben könnten?
Nein, im Gegenteil! So sollen z.B. die Beiträge der GKV-Versicherten per 1.7.09 mittels Einsatz von ca. 8,8 Mrd. Euro aus Steuermitteln
subventioniert werden; auch Privatversicherte zahlen Steuern…
Sorry, aber das musste mal raus.
Ist schon richtig.
Gruß
C.
Gruß Joerg Koenig
Genauso ist es; der 10%ige Bevölkerungsanteil Privatpatient
ist überproportional an den Gesundheitskosten beteiligt.
Kann man das mal mit Fakten und konkreten Zahlen unterlegen. Zu dieser Überlegung möchte nur mal darauf hinweisen, dass die Kosten für die 10% Privatversicherten sicherlich wesentlich höher wären, wenn die 90% gesetzlich Versicherten nicht bereits die Infrastruktur ermöglichen würden, wie wir sie hier bei uns kennen.
Nein, im Gegenteil! So sollen z.B. die Beiträge der
GKV-Versicherten per 1.7.09 mittels Einsatz von ca. 8,8 Mrd.
Euro aus Steuermitteln
Das ist meiner Meinung nach auch in Ordnung. In der gesetzlichen KV gibt es nicht nur eine kostenlose Familienversicherung. Daneben werden den Beitragszahlern auch die hohen Kosten für die Behandlung der Rentner aufgehalst. Das gleiche gilt für die vielen Arbeitslosen und insbesondere Sozialhilfeempfänger. Während diese Kosten früher aus Steuermittel finanziert worden sind, werden diese Menschen heute für einen Kleckerbetrag, der keinesfalls kostendeckend ist, in der gesetzlichen KV versichert. Die Sozialhilfe ist aber eben nicht Aufgabe der GKV und damit ihrer Beitragszahler, sondern die des Staates.
Davon abgesehen, steht es natürlich außer Frage, dass bei dem System einiges aus dem Ruder gelaufen ist, und inzwischen viele Fehlanreize geboten werden. Eine echte Reform wäre also durchaus angebracht. Aber es profitieren wohl Zuviele von dem System wie es ist.
Gruß
Hi,
Das ist meiner Meinung nach auch in Ordnung. In der
gesetzlichen KV gibt es nicht nur eine kostenlose
Familienversicherung. Daneben werden den Beitragszahlern auch
die hohen Kosten für die Behandlung der Rentner aufgehalst.
Das gleiche gilt für die vielen Arbeitslosen und insbesondere
Sozialhilfeempfänger. Während diese Kosten früher aus
Steuermittel finanziert worden sind, werden diese Menschen
heute für einen Kleckerbetrag, der keinesfalls kostendeckend
ist, in der gesetzlichen KV versichert. Die Sozialhilfe ist
aber eben nicht Aufgabe der GKV und damit ihrer
Beitragszahler, sondern die des Staates.
Aber darum geht es doch gar nicht! Ich beklage doch nur, dass die Ärzte sich bei den Privatpatienten bedienen müssen, um überhaupt kostendeckend arbeiten zu können. Wie und ob die GKV subventioniert wird ist mir egal, ich unterstütze das Solidaritätsprinzip ja grundsätzlich. Ich will mir bloss nicht ständig verarscht vorkommen, wenn ich meine Arztrechungen sehe.
Davon abgesehen, steht es natürlich außer Frage, dass bei dem
System einiges aus dem Ruder gelaufen ist, und inzwischen
viele Fehlanreize geboten werden. Eine echte Reform wäre also
durchaus angebracht. Aber es profitieren wohl Zuviele von dem
System wie es ist.
Ja, mir konnte z.B. noch keiner erklären, warum wir für die GKV hunderte von verschiedenen Versicherungen haben müssen, jede mit ihrem Wasserkopf und kompletten Organisationen …
Gruß
C.
Aber darum geht es doch gar nicht! Ich beklage doch nur, dass
die Ärzte sich bei den Privatpatienten bedienen müssen, um
überhaupt kostendeckend arbeiten zu können. Wie und ob die GKV
subventioniert wird ist mir egal, ich unterstütze das
Solidaritätsprinzip ja grundsätzlich. Ich will mir bloss nicht
ständig verarscht vorkommen, wenn ich meine Arztrechungen
sehe.
Wahrscheinlich ist das eine Art Quersubventionierung, die die Privatpatienten leisten müssen, da in ihrer Versicherungsgemeinschaft relativ weniger Rentner, Sozialhilfeempfänger etc. anzutreffen sind.
Ob das jedoch neben einem höheren (besseren) individuellen Leistungsangebot, die beschriebene Relation von 23€ zu 140€ rechtfertigt, kann natürlich stark angezweifelt werden. Vorausgesetzt, dass dies tatsächlich die Vergütungsrelationen für annähernd gleiche Leistungen sind.
Davon abgesehen, steht es natürlich außer Frage, dass bei dem
System einiges aus dem Ruder gelaufen ist, und inzwischen
viele Fehlanreize geboten werden. Eine echte Reform wäre also
durchaus angebracht. Aber es profitieren wohl Zuviele von dem
System wie es ist.
Ja, mir konnte z.B. noch keiner erklären, warum wir für die
GKV hunderte von verschiedenen Versicherungen haben müssen,
jede mit ihrem Wasserkopf und kompletten Organisationen …
Laut: http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/kra…
sollen es nur noch 197 sein und noch weniger werden 
Über die Zahl kann man sicherlich streiten, bzw. darüber, wieviel die richtige Zahl wäre.
Allerdings können solche Zahlen auch täuschen. Wenn es für 90% GKV-Mitglieder 200 Kassen gibt, wie hoch dürfte dann die Zahl für 10% PKV-Mitglieder sein? So Pi mal Daumen 20. Gibt es soviele? Sogar mehr.
Wenn ich diesen Zahlen http://www.pkv.de/zahlen/ Glauben schenken darf, dann gibt es 49.
Die Zahl der Kassen ist also bestenfalls ein Nebenkriegsschauplatz. Und ob die PKV´s unbedingt die bessere Alternative sind, will ich mal anzweifeln. Es gibt jedoch sicher Elemente, die man für die GKV übernehmen könnte.
Wenn nämlich jeder erstmal in Vorkasse gehen müßte, oder wenigstens sehen würde, was das alles kostet, und dazu noch Anreize zu einer gesunden Lebensführung und Sparsamkeit gesetzt würden, dann bin ich überzeugt, dass plötzlich weniger Kosten anfielen.
Aber das ist ein weites Feld und wie gesagt, gibt es da Zuviele an den falschen Stellen, die von diesem System profitieren.
Erst diese Woche lief wieder im Fernsehen, wie Pharmavertreter den Ärzten über irgendwelche Pseudostudien erhebliche Beträge zuschustern. Das geht natürlich nur, wenn man dem System über überhöhte Medikamentenkosten Geld entzieht.
Gruß