die Entwicklungskosten der Atombombe in den USA wurden im Jahr 1945 auf 2 Milliarden $ geschätzt. Um diesen Aufwand aus heutiger Sicht zu beurteilen und mit anderen Grossprojekten vergleichen zu können, würde mich interessieren, welcher Summe in $ dies nach heutigem Geldwert entspricht.
Nehme ich z.B. 3% Inflation seit 1945 an, käme ich auf den 5 1/2fachen Wert. Andererseits habe ich schon gehört, dass z.B. der Kostenaufwand der Apollo-Mondlandungen (in den 60er Jahren damals 20 Mill. $) mit 10 zu mulitiplizieren ist, um auf den heutigen Maßstab zu kommen.
Wie gehe ich da vor? Rechne ich mit Kaufkraftvergleichen (Warenkorb etc) oder anders? Ist ein solcher Vergleich überhaupt halbwegs seriös machbar?
Nehme ich z.B. 3% Inflation seit 1945 an, käme ich auf den 5
1/2fachen Wert.
das wäre korrekt, wenn die Inflation in jedem Jahr exakt 3% betragen hätte, wovon aber nicht auszugehen ist. Varierende Inflationsraten können den berechneten Wert beeinflussen. Wie stark sich dieser Effekt bemerkbar machen könnte, kann ich leider nicht sagen. Es ist also fraglich, ob der Wert von ca. 5,5 realistisch ist.
Wie gehe ich da vor? Rechne ich mit Kaufkraftvergleichen
(Warenkorb etc) oder anders?
Ich glaube nicht, dass man (wenn es um Atombombenentwicklung, und Raumfahrtprogramme geht) mit Preisindizes rechnen kann, die auf einem Warenkorb basieren, der sich i.d.R. auf Lebenshaltungskosten bezieht. Selbst, wenn man einen speziellen Warenkorb hätte muss man bedenken, dass sich die technischen Möglichkeiten auch stark verändert haben. Dies kann sich zum einen kostensparend auswirken (da einige Ergebnisse heute einfacher zu erhalten sind als früher), aber zum anderen auch kostentreibend (da man heute aufgrund neuer Technologien vielmehr nützliche Ergebnisse bekommt als früher überhaupt denkbar waren). Was nun überwiegt, können nur Experten beantworten.
Ist ein solcher Vergleich überhaupt halbwegs seriös machbar?
Es gibt bestimmt Möglichkeiten das zu machen. Das dürfte allerdings ziemlich aufwendig sein, da man selbst als Experte erstmal an die relevanten Information heran kommen muss, um dies exakt berechnen zu können.
Die Frage ist nur: Wer hat ein wirkliches Interesse an einem solchen Vergleich?
wenn Du einen Warenkorb-Index benutzt, kannst Du den natürlich nur für die Waren eine Preissteigerung ausrechnen, die dort drin sind. so ist zB die Benzinpreissteigerung nicht mit einem Lebensmittelpreisindex vergleichbar.
genauso ist es mit der Atombombe. sicherlich sind Löhne usw. gestiegen seit 1945, aber gleichzeitig ist die Herstellung vielleicht technisch einfacher zu bewerkstelligen. man braucht vielleicht statt 100 Mann Personal nur noch 50. (alles nur spekulativ)
also ich denke, pauschal kann Dir das vielleicht höchstens ein Atombombenexperte beantworten, aber kaum ein BWLer
Gruß
Queedin
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Deine Vorgehensweise zur Lösung des Problems ist zwar simpel aber dennoch halte ich sie für recht sinnvoll.
Die anderen Antworten auf Dein Frage habe ich gelesen und halte deren Einwände für nicht sehr sinnvoll.
Schwankende Inflationsraten sind meines Erachtens nicht das Problem da sich diese Schwankungen doch ausgleichen.
Auch die technischen Veränderungen die z.B. bewirken, dass Computer heute tausendfach billiger sind als vor 50 Jahren (und sowieso nicjt mehr vergleichbar sind) heben sich gegen andere überproportionale Verteuerungen auf.
Deine Rechnung ist also wie bereits gesagt eine recht gute Methode. Allerdings bezweifle ich, dass die durchschnittliche Inflationsrate von 3 Prozent richtig ist. Für Deutschland stimmt das aber ich denke 4 oder sogar 6 Prozent sind für die USA eher richtig (bereits bei Annahme 4% Inflation beträgt der Faktor bereits 9,7).
Eine andere Vergleichsmethode wäre z.B. das Bruttosozialprodukt (BSP) der USA als Messlatte zu benutzen. Auf gut deutsch: Wieviel Prozent des BSP hatte die Atombombenentwicklung gekostet?
Dies könnte einen Eindruck vermitteln von dem RELATIVEN Aufwand den die USA bereit waren zu erbringen um die Atomnombe zu entwickeln. Letztlich ist es vielleicht genau das was an Deiner Frage so interessant ist.
Übrigens ist die Frage ob die 2 Milliarden heute dem 5,5-fachen entspricht kaum so genau zu beantworten da wir Volkswirte gar nicht über so exakte Messverfahren verfügen. Du solltest Dich zufriedengeben wenn Du weisst ob es heute ewta das zehnfache oder eher das hundertfache an Dollars entspricht.
Ich hoffe, Dir mit meiner Antwort geholfen zu haben und stehe für Nachfragen gerne zur Verfügung.
vielen Dank für Deinen Beitrag zu diesem Thema. Ich habe mir inzwischen die amerikanischen Wirtschaftsdaten aus dem Internet besorgt und der Vergleich zwischen den Jahren 1945 (Atombombe) und 1966 (angenommenes Jahr, an dem sich die Kosten des Apollo-Programms bündeln), um den es mir eigentlich geht, sieht so aus:
Die Geldentwertung in den 21 Jahren zwichen 45 und 66 betrug insgesamt 80%, d.h. im Mittel 2,85% pro Jahr. Damit würde die Atombombe 1966 3,6 Milliarden Dollar kosten, also immer noch erheblich weniger als die Mondlandung.
Der Anteil am amerikanischen Bruttosozialprodukt betrug bei der Atombombe 1945 1%, bei Apollo 1966 2,5% Der Vergleich dieses Anteile am BSP ist sicherlich auch möglich, mir geht es allerdings um die Abschätzung des technischen Aufwands, daher gucke ich lieber auf die absoluten Kosten. Da die Bevölkerung der USA zwischen 1945 und 1966 um den Faktor 1,4 gewachsen ist, ist sicherlich auch das BSP an sich damit mitgewachsen, oder?
Jedenfalls war Apollo schon erheblich mehr Aufwand als die Bombe, egal wie man es vergleicht. Viel genauere Aussagen sind vermutlich auch mit viel Aufwand nicht zu bekommen, so wie Du schon sagst.
Die Geldentwertung in den 21 Jahren zwichen 45 und 66 betrug
insgesamt 80%, d.h. im Mittel 2,85% pro Jahr. Damit würde die
Atombombe 1966 3,6 Milliarden Dollar kosten, also immer noch
erheblich weniger als die Mondlandung.
Das ist interessant, daß die Mondlandung teuerer war als die A-Abombe - was mich auch deshalb freut, weil ich die Mondlandung für eine der sympathischten Grossleistungen der USA halte, auch oder gerade weil sie keinen wirtschaftlichen Nutzen bringt aber zu den kollektiven Träumen derMenschheit gehört.
mir geht es
allerdings um die Abschätzung des technischen Aufwands, daher
gucke ich lieber auf die absoluten Kosten.
Wie bereits gesagt, das mit den absoluten Kosten lässt sich über die Zeit hinweg schlecht messen - die Inflatinsrate ist so ziemlich das genaueste was wir haben um die zeitliche absolute Wertänderung von nominalen Geldbeträgen zu messen.
Da die Bevölkerung
der USA zwischen 1945 und 1966 um den Faktor 1,4 gewachsen
ist, ist sicherlich auch das BSP an sich damit mitgewachsen,
oder?
Das BSP misst die Summe aller Werte die in einem Jahr in einer Volkswirtschaft erwirtschaftet werden. Wenn in diesem Jahr die Bevölkerung mitwächst so fördert dies das Wachstum des BSP aber es muss nicht zwangsläufig zum Wachstum beitragen. Siehe z.B. in einer heftigen Rezession. Grundsätzlich wird das BSP nicht pro Kopf ermittelt sondern für ein Staatsgebiet.
Jedenfalls war Apollo schon erheblich mehr Aufwand als die
Bombe, egal wie man es vergleicht. Viel genauere Aussagen sind
vermutlich auch mit viel Aufwand nicht zu bekommen, so wie Du
schon sagst.
Wie gesagt, eine interessante Info. Ich halte es nicht für banal zu wissen, dass die USA für die Mondlandung mehr zu leisten bereit waren als für die A-Bombe. Gerade in diesen Zeiten macht es mir die USA sympathischer.