Kostenvoranschlag einschätzen

Hallo,

ich möchte in einem Bad die Zuleitung zum Spülkasten um ca. 70cm versetzen lassen.
Anschließend muss nat. die betroffene Wandfläche wieder gefließt werden.

Habe nun endlich überhaupt mal einen Klempnerbetrieb gefunden und von diesem einen Kostenvoranschlag erhalten mit neben Kleinkram die Positionen „Anbringung des neuen Spülkastens, ca. 4 Std. a´ 25 Euro netto“ und „Fliesenarbeiten  178,50“.

Ich denke, 4 Std. sollten reichen um eine Rohrleitung zu verlegen incl. Wand aufklopfen und die Öffnung wieder verputzen - meinetwegen auch 6 Std. Das könnte ich nachvollziehen. 
Aber nicht näher benannte „Fliesenarbeiten“ zu solchem Preis verstehe ich nicht.

Kann mich jemand schlauer machen, ehe ich den Handwerker kontaktiere?
Ist so ein Kostenvoranschlag korrekt? Übersehe ich etwas?

Nat. wäre es am sinnvollsten, mehrere Voranschläge einzuholen, aber hier in der Stadt wird derzeit gebaut wie verückt, für solchen Kleinkram interresieren sich Handwerker momentan nicht. Es ist schon schwer, überhaupt einen zu finden.

Vielen Dank, Paran

Aber nicht näher benannte „Fliesenarbeiten“ zu solchem Preis
verstehe ich nicht.

Dann mach die Fleisenarbeiten selber und fluche dabei, dass du das nicht zu diesem überaus günstigen Preis hast machen lassen.
Das ist nämlich ne überaus undankbare Fummelarbeit.

Ganz abgesehen von dem EXTREM günstigen Stundensatz für die Rohrleitungsänderung.
Normal sind Stundensätze zwischen 35 und 55 EUR.

Hallo,

Dann mach die Fleisenarbeiten selber und fluche dabei, dass du
das nicht zu diesem überaus günstigen Preis hast machen lass
en
.
Das ist nämlich ne überaus undankbare Fummelarbeit.

Kannst Du mir das genauer erklären - sorry, ich weiß es wirklich nicht besser.
Denke halt, dass man 7 oder 8 Fliesen abschlägt und später nach dem Verputzen solche wieder einklebt.
Was schätze ich falsch ein?

Gruß, Paran

Ganz einfache Logik:

Die Rohrverlegung macht der Klempner selbst, daher seine Kalkulation (für den Stundensatz bekommst Du bei mir nicht mal einen Lehrling).
Für das Verfliesen hat er einen „Spezie“ den hat er einfach gefragt, „Was brauchst Du dafür“ und der hat ihm eine Zahl „zugerufen“. Die findest Du „unkalkuliert“ im Angebot. Mache ich bei Fremdleistungen anderer Firmen auch, markiere das aber als Fremdleistung.
Z.Bsp. bei einer Motorreparatur „Lagerschilde ausdrehen und neu ausbuchsen“ oder Lagersitz einer Welle neu schleifen und aufbuchsen/aufspritzen.

mfg tugu

Hallo,

Dann mach die Fleisenarbeiten selber und fluche dabei, dass du
das nicht zu diesem überaus günstigen Preis hast machen lass
en
.
Das ist nämlich ne überaus undankbare Fummelarbeit.

Kannst Du mir das genauer erklären - sorry, ich weiß es
wirklich nicht besser.
Denke halt, dass man 7 oder 8 Fliesen abschlägt und später
nach dem Verputzen solche wieder einklebt.

Was schätze ich falsch ein?

Den Aufwand.
Dabei gehe ich zu deinen Gunsten sogar davon aus, dass passende Fliesen vorhanden sind oder es eine relativ leicht zu beschaffende (weisse) Standardfliese ist. Letzteres wäre schon Zeitaufwand (ca. 0,5 - 1Std.) und Materialkosten.
Dann die Vorbereitung des Fläche. Hier ist beonderws Augenmewrk auf die Enfernung der Fugenmasse von den Anschlussfliesen zu legen. Das ist zeitraubende Präzisionsarbeit. Es dürfen ja die Anschlussfliesen nicht beschädigt werden.
Dann kommt .U. auch noch der Zuschnitt von Fliesen dazu und der dazu erforderliche Zeitaufwand und der Werzeugtransport.

Das Nachverlegen von Fliesen auf einer „nicht durchgehenden Fläche“ erfordert viel mehr Sorfalt und Oberflächenausgleich als die 0-8-15- Verlegung auf einer durchgehenden Fläche.
Das war Part 1, der (mit Anfahrt) gut und gerne schon 2 Stunden in Anspruch genommen hat.

Nun kommt das Verfugen mit der möglicht genau angepassten (vergilbten) Fugenfarbe. Da ist dann Augenmass, Erfahrung und Können gefragt. Das ist fast unbezahlbar und für lau hat der Fliesenleger seine Auswahl an Fugenmörtel auch nicht bekommen… Alledings ist dafür normalerweise ein zweiter Termin erforderlich. Der Fliesenkleber muss erst abbinden. Allerdings kann man einen (teureren) Schnellkleber verwenden. Der braucht aber auch eine Mindestabindezieit. Derweil kann der Fliesenleger u.U. auch faul unproduktiv sein und u.U. eine Frühstückspause einlegen oder sich bei einem Kaltgetränk ausruhen und sich(!) -nicht DIR - die Hin- und Herfahrerei (und die doppelte Werkzeugschlepperei) sparen. Dann nur noch „eben schnell“ verfugt und den Arbeitsbereich gereinigt und alles ins Fahrzeug verfrachtet und ab zur nächsten Baustelle oder zur Werkstatt.

Schon ist ein halber Tag von einem versierten Profi „verbraucht“, auch wenn der evtl. effektiv nur 1,5 - 2 Stunden für dich sichtbar „fleissig“ war.

Der grob hochgerechnete Stundenlohn von 40EUR (netto) ist für einen Fliesenleger eher ein Dumpingpreis.

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Hallo,

Deine Antwort ist sinnig.

In diesem Fall ist das Bad vor erst 1,5 Jahren neu gemacht worden, der Spühlkasten muss her, weil die Rohre vom Hausanschluss offenbar teilverstopft sind und die Druckspülung daher nicht gut funtioniert.
Die Fugen sind also noch nicht vergilbt.
Fliesen sind herkömmliche weiße Standartfliesen (9.- /qm, Baumarkt ist um die Ecke).
Und es handelt sich um eine mittige Wandfläche, Fliesenschnitte sind nur an der Anschlussstelle nötig - also ein unkomplizierter Fall.

Aber verm. hast Du recht mit dem Gefummel an den Fugenrändern und nat. ist ein zweiter Termin erforderlich.
Ich hatte in meiner Unkenntniss angenommen, dass die Rohrverlegung aufwendiger und kostspieliger wird, als das Neuverfliesen.

Ich wundere mich bei den Antworten hier vor allem über die Stundenpreise die genannt werden. Die sind nach meiner Erfahrung in Berlin nicht üblich.
Es würde ev. mehr sagen, wenn man zu den Stundenpreisen das Arbeitsgebiet (Bundesland zumindest) dazu nennt. Die Unterschiede sind offenbar erheblich, trotz der enormen Bautätigkeit hier.

Vielen Dank jedenfalls für die Infos, damit kann ich etwas anfangen.

Gruß, Paran

Hallo,

Die Rohrverlegung macht der Klempner selbst, daher seine
Kalkulation (für den Stundensatz bekommst Du bei mir nicht mal
einen Lehrling).

Dann muss Dein Lehrling gut verdienen - oder?
Sind die Kunden denn mit Lehrlingsarbeit zu dem Preis zufrieden?

Gruß, Paran

Okay, das muß ich zugestehen, meine Installateure entscheiden, wann die Lehrlinge voll berechnet werden. Es gibt reine „Ausbildungszeiten“, da wird der Lehrling dann auch nicht berechnet.
Wenn er jedoch Arbeiten ausführt, die sonst der Geselle selbst ausführen müßte, wird der Lehrling voll abgerechnet.

Ist doch logisch.

mfg tugu

Hallo,

Die Rohrverlegung macht der Klempner selbst, daher seine
Kalkulation (für den Stundensatz bekommst Du bei mir nicht mal
einen Lehrling).

Dann muss Dein Lehrling gut verdienen - oder?

Du irrst dich gewaltig.
So ein Azubi kostet VIEL mehr als du denkst. Ausserdem ist der die halbe Zeit in der Schule und zu Lehrgängen.

Sind die Kunden denn mit Lehrlingsarbeit zu dem Preis
zufrieden?

Ich bin im 3. Lehrjahr schon alleine Notdiensteinsätze für Ölfeuerungsanlagen gefahren…

Was deine Annahme zu Stundensätzen in Berlin betrifft, bist du wohl falsch informiert.
Zumindest wenn es sich um in Berlin ansässige und in der Handwerksrolle eingetragene Fachbetriebe handelt.
Aber womöglich ist das in diesem Fall ein „Hausmeisterdienst“?
Die Kalkulation von kostendeckenden Stundensätzen hat nicht unbedingt jeder drauf, der aus Hartz IV in die Selbständigkeit „entkommen“ will und für eine Übergangsfrist von der Arbeitsagentur subventioniert wird.

Für die Arbeiten an der Trinkwasserleitung ist neben der Eintragung in der Handwerksrolle als Installateuer zwingend die Konzession eines deutschen Trinkwasserversorgers erforderlich. Diese Konzession solltest du dir vorlegen lassen. Die Eintragung in der Handwerksrolle kannst du selber bei der HWK recherchieren oder nachfragen.
Da trennt sich nämlich die Spreu vom Weizen.

Ich bin seit ca. 30 Jahren in Berlin (zunächst „West“-Berlin) als Handwerker unterwegs.
Richtig ist allerdings, dass zuerst die „Neufünfländer“ die Preise versaut haben und seit der EU-Mitgliedschaft von Polen, Rumänien und Bulgarien, diese den Wettbewerb besonders in Berlin-Brandenburg verzerren.

Allerdings kamen nur wenige dieser Betriebe zu einem Folgeauftrag bei demselben Auftraggeber. Das aber reicht leider nicht ganz, um den „Geiz-ist-geil“-Effekt zu unterdrücken. Zu viele Neukunden müssen erst mal auf mangelhafte Qualität und unerfüllte Gewährleistungsbegehren hereinfallen.

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Hallo,

da Du mir so sinnig geantwortest hast, habe ich gleich noch eine Frage: neben dem behandelten Kostenvoranschlag gab es noch einen Zweiten für eine andere, aufwändigere Baustelle. Hier sollte die Dusche erneuert und der Abfluss weiter nach unten versetzt werden, ev. Wände und Boden neu gefliest.

Im Kostenvoranschlag wurden zusätzlich eine neue Wasserzuleitung (die vorhandene ist 15 Jahre alt und tuts bestens, Anschlussstellen sind passend angebracht, auch für eine etwas tiefer angelegte Tuschtasse passend), neue Toilette (mit Rigipsverkleidung - seltsame Idee), neuer Waschtisch mit Armatur angeführt - lauter Sachen, die ich nie wollte, die nicht im Gespräch behandelt wurden.

Auch der Vorschlag für die Dusche passte nicht, da mit der Lösung das Bad kaum noch nat. Licht erhalten würde. Mir ging es darum, selbst eine Duschlösung auszusuchen und diese dann einbauen zu lassen. Das habe ich beim Besichtigungstermin ev. nicht wirklich deutlich gemacht, aber auf das Lichtproblem habe ich hingewiesen.
Neue Wasserzuleitungen waren nie Gesprächsthema und der Posten macht immerhin ca. 1/4 der Gesamtkosten aus (es liegt auch keine Verwechslung mit den umzulegenden Abwasserleitungen vor, diese sind extra ausgewiesen und den dafür veranschlagten Preis finde ich O.K.).

Habe dem Anbieter entsprechend geantwortet und bislang keine Reaktion.
Frage mich, warum ich ein Angebot für Arbeiten bekomme, die ich nie wollte und die m.E. völig überflüssig sind?
Wie soll ich das einschätzen?

Gruß, Paran