Hallo,
Also, ich steh’ auf Herrn Kostolany - was mein ihr ?
ich meine, daß es verschiedene Sichtweisen gibt. Die langfristige Geldanlage ist die eine. Hinter ihr steht die Idee, daß man in ein Unternehmen investiert, weil man an seine Zukunft glaubt. Trenne Dich von dem sturen Gedanken „ich habe ne Aktie“ und mache Dir klar, daß Du eine Unternehmensbeteiligung eingehst. Würdest Du in dieses Unternehmen investieren, wenn es nicht über eine Aktie an der Börse wäre (also spielerisch), sondern wenn es darum ginge, „richtiger“ Anteilseigner zu werden (was Du auch mit einer Aktie de facto bist). Würdest Du Herbert vom Kiosk fgegenüber Geld in die Hand drücken und Dich damit am Unternehmen „Kiosk“ beteiligen? Ist nichts anderes, als eine Henkel-Aktie zu kaufen, nur in einer anderen Dimension, nicht was Deinen Einsatz betrifft, sondern was das Unternehmen betrifft.
Das ist die Frage, die Du Dir stellen mußt: Vertraust Du Herbert und Dr. Lehner (Leiter der Geschäftsleitung bei Henkel)?
Daytrading ist da eine ganz Sache. Da geht es nicht mehr um Investition, sondern um Spekulation. Das kann man machen und das kann man auch erfolgreich machen. Ich habe mit mir mal einen kleinen Test gemacht. Ich habe mir über drei Monate morgens die Nachrichten und die Börsenkurse in Fernost und USA angeschaut und aus diesem Gefühl für den Tag versucht, eine Tendenz für den deutschen Börsentag zu ermitteln. Von den knapp 90 Börsentagen lag ich bei der Tendenz für den DAX (!) an 82 Tagen richtig. Hilft mir nicht viel, weil ich taggleich handeln darf.
Diese, wie ich finde, sehr hohe Trefferquote bringt aber nichts, weil man davon immer noch nicht weiß, welcher Einzelwert gut läuft. Soweit ich weiß, sieht die Erfolgsquote für die Daytrader nicht allzu gut aus, wobei natürlich immer einige Leute versichern, daß das funktioniert. Über Verluste an einzelnen Tagen schweigen diese Leute natürlich.
Es gibt für mich drei Anlagestrategien, die ich mitunter parallel verfolge: Langfristige Anlage, mittelfristige Anlage (bis max. 1 Jahr) und kurzfristige Anlage.
Erstere basiert auf einer Einschätzung für das Unternehmen, seiner Produkte und seiner Chancen am Markt. Zweitere orientiert sich an der relativen Stärke, d.h. wie stark ist der Kurs im Vergleich zum DAX gelaufen (Sondereffekte werden berücksichtigt). Letztere hingegen ist reine Zockerei, an der ich mich nicht beteilige, außer wenn ich einen Kandidaten entdecke, der extrem schlecht gelaufen ist.
Einen Spagat zwischen Kostolany und Daytrading vermag ich auch nicht herzustellen. Man kann sich für eines entscheiden, aber die Mischung ist m.E. besser, wobei man eben das Gefühl für die Chancen und Risiken aller Strategien für sich ermitteln muß.
Gruß,
Christian