'Kraft raubend', 'Aufsehen erregend' - uuaaaa!

Als Gegner dieser eigenartigen, überflüssigen und verkrampften Rechtschreibreform habe ich lange gebraucht, um mich an die neuen Schreibweisen zu gewöhnen (ich selbst wende sie nur beruflich an, jedoch niemals privat). Aber was mich immer noch massiv aufregt, ist - abgesehen vom völlig unmotivierten „Tipp“ u.ä. - dieses zwanghaft-pathologische Auseinanderschreiben. Ich schreibe solche Begriffe in meinem Übersetzungen weiterhin zusammen, und bisher hat sich noch kein Auftraggeber beschwert.
Donovan

Auseinanderschreiben. Ich schreibe solche Begriffe in meinem
Übersetzungen weiterhin zusammen, und bisher hat sich noch
kein Auftraggeber beschwert.

Hallo Donovan,

darf ich vermuten, daß Deine Auftraggeber kein Geld übrig haben, um Dir sinnentstellende Leerzeichen oder unnötige Zusatzbuchstaben zu bezahlen? Sind ja so um die 5 Pfennig das Stück, oder insgesamt wohl an ein ganzes Prozent.

Warum die bloß da ein Problem hatten, daß das Deutsche in der Übersetzung zu kurz läuft (ca. 10% länger als Englisch z.B. ).

Gruß
Wolfgang Berger

Hi Donovan,

mit deiner Auffassung stehst du nicht alleine da. Ich halte es wie du, ebenfalls problemlos. Auch viele Verlage sind bereits wieder von dieser unsinnigen Rechtschreibreform abgewichen. Von einer Reform konnte da ja auch keine Rede sein, denn bei erschreckend vielen Worte wurden der ursprüngliche Wortstamm schlichtweg vergewaltigt. Mein Lieblingswort dieser Narretei ist der ‚Stengel‘, der sich zum 'Stängel’gewandelt hat. Da fragt man sich doch, wes Geistes Kind die Erdenker derartiger Verrenkungen waren.
Gruss

Anna

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Liebe Leute,

solche Äußerungen

Tipp

Mein Lieblingswort dieser Narretei
ist der ‚Stengel‘, der sich zum 'Stängel’gewandelt hat. Da
fragt man sich doch, wes Geistes Kind die Erdenker derartiger
Verrenkungen waren.

zeigen, dass man sich mit der Neuen Rechtschreibung nur recht oberflächlich auseinandergesetzt hat.

Gruss

Fritz Ruppricht

Lieber Fritz,

Anna hat Recht: Ein Stengel kann so groß und dick werden, wie er will, er wird nie zu einer Stange. Bis heute habe ich auch noch kein Gewächs gefunden, das auf einer Stange säße. Die Idee, sich an Wortstämme zu halten, hat was für sich; hier jedoch ist sie in die Hose gegangen.

Du hast auch Recht: Viele Leute machen sich keine Gedanken. Ich zB mache mir Gedanken und bin zu dem Schluss gekommen, dass die, die dafür bezahlt wurden, sich zu wenig Gedanken gemacht haben. Wie kämen sonst Gebilde zu Stande wie „zustande kommen“, „infrage stellen“? Von „zusammen kommen“ will ich gar nicht erst anfangen, da wird’s dann völlig bescheuert. Aber sowas kommt halt dabei rum, wenn Dudendödel dem Volk unterstellen (unter stellen?), es wolle oder könne keine Regeln anwenden.

Gruß Ralf

Gut Ralf, Recht hast Du Antal

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Lieber Ralf,

Ein Stengel kann so groß und dick werden, wie
er will, er wird nie zu einer Stange.

Diese Argumentation tut so, als ob die Wörter: Stange und Stengel so wie sie sind, aus einem Reich der ewigen Wahrheiten herabgestiegen seien und deshalb ein für alle mal so geschrieben werden müssten.

Dem ist nun nicht so. Beide Schreibformen haben sich separat entwickelt, ohne Rücksicht auf die Etymologie und die Sprachgeschichte.
Die unterschiedliche Schreibung ist unlogisch und verwirrend für solche, die nicht von Anfang an sich an diesen Unsinn gewohnt wurden. Diese Unlogik zu beseitigen ist keine Dudendödeligkeit. Es ist geistige Unbeweglichkeit, Sentimentalität und Festhalten am Prinzip: Wo mein Vater gebremst hat, bremse ich auch - und wenn es bergauf geht!, an dieser Unlogik festzuhalten.

Nahezu alle Einwände gegen die NR sind Folgen letztgenannter Haltung!

Dass Formen wie „zustande kommen“ und „infrage stellen“ statt der sinnvollen: „zu Stande kommen“ und „in Frage stellen“ noch als möglich akzeptiert werden, ist nicht von den logisch denkenden Sprachwissenschaftlern festgelegt worden, sondern von Politikern, die sich durch oben genannte geistige Unbeweglichkeit auszeichneten, und die die letzte Entscheidung beim Staatsvertrag hatten.
So blieb uns auch der „Thron“ erhalten. Der bayrische Kultusminister hat mit derselben Argumentation wie einst Kaiser Wilhelm dieses unsinnige „H“, das Duden (Konrad) schon tilgen wollte in die NR „gerettet“.

„zusammen kommen“ wird nach der alten und der neuen Regel"zusammenkommen" geschrieben! Was gibt es also zu monieren?
Hier hat die Kommission in der Tat wieder mit Rücksicht auf bereits angesprochene Kreise auf die konsequente Getrenntschreibung verzichtet.

Aber ich habe schon wieder das Gefühl, gegen Wände zu reden.

Gruß Fritz

2 „Gefällt mir“