Kraftwerke der SU im WW 2

Moin

Vor einiger Zeit habe ich in einem Buch gelesen (ich weiß nicht mehr welches das war) das die Sowjetunion vor dem WW 2 keine eigenen Turbinen für Kraftwerke besaß und keine Möglichkeiten hatte diese selbst herzustellen und diese vom damaligen „Bündnisspartner“ Deutschland erhielt. In dem betreffenden Buch stand, dass das Dritte Reich im Krieg nur eben diese Kraftwerke hätte bombardieren müssen um die Wirtschaft der Sowjetunion auf lange Sicht elementar zu schädigen was eben zu eklatanten Produktionsverminderungen geführt hätte und demzufolge eine starke Entlastung für die deutsche Seite der Ostfront ergeben hätte. Zugegebenermaßen wäre die Bomabardierung schwierig gewesen, weil die Kraftwerke relativ weit im Hinterland der Sowjetunion lagen, aber der Vorteil der sich aus einer Zerstörung dieser Turbinen ergeben hätte, stände im keinen Verhältnis mit auch noch so großem Einsatz bzw. Verlusten.
Die Quintessenz dahinter war eben, um eine Metapher zu verwenden, ‚nicht das Feuer zu bekämpfen, sondern den Feuerteufel‘, das Problem eben auf elementarer Basis anzugehen.

Was wisst ihr darüber?

Thx Jim

Vor einiger Zeit habe ich in einem Buch gelesen (ich weiß
nicht mehr welches das war) das die Sowjetunion vor dem WW 2
keine eigenen Turbinen für Kraftwerke besaß und keine
Möglichkeiten hatte diese selbst herzustellen und diese vom
damaligen „Bündnisspartner“ Deutschland erhielt. In dem
betreffenden Buch stand, dass das Dritte Reich im Krieg nur
eben diese Kraftwerke hätte bombardieren müssen

Aber - was hat das damit zu tun, dass sie angeblich selbst keine Turbinen bauen konnten? Hätten die Deutschen denn nicht auch die von den Russen selbst angefertigten zerstören können?
Krftwerke in der UdSSR standen immer in der Nähe von Großstädten. So, wie heute noch!

um die

Wirtschaft der Sowjetunion auf lange Sicht elementar zu
schädigen was eben zu eklatanten Produktionsverminderungen
geführt hätte und demzufolge eine starke Entlastung für die
deutsche Seite der Ostfront ergeben hätte.

Wenn die Russen ihre Waffenfabrikation nach Osten verlegt haben, so hatten sie dort auch die Stromerzeugung. Unerreichbar für die deutsche Wehrmacht.

Zugegebenermaßen

wäre die Bomabardierung schwierig gewesen, weil die Kraftwerke
relativ weit im Hinterland der Sowjetunion lagen, aber der
Vorteil der sich aus einer Zerstörung dieser Turbinen ergeben
hätte, stände im keinen Verhältnis mit auch noch so großem
Einsatz bzw. Verlusten.

Die Russen haben in kürzester Zeit ihre westlichen Fabriken demontiert und im Osten wieder aufgebaut. Das haben sie auch mit den Kraftwerken gemacht. Ausserdem waren große Fabriken unabhängig vom Netz, sie hatten eigene Stromerzeugung.

mfgConrad

Im Buch „Geschichte des Luftkriegs“ steht, daß man das auch versucht hat, aber mit starken Verlusten bezahlen mußte.

Tach

Wenn die Deutschen in der Lage gewessen wären die Kraftwerke zu bombardieren, hätten sie noch ganz andere Dinge bombardiert. ‚Leider‘ starb Generalleutnant Wever bevor er den sogenannten ‚Uralbomber‘ durchbringen konnte. Der Gröfaz wollte unbedingt dass alle seine Bomber auch zum Sturzflug brauchbar waren was natürlich große 4-motorige Bomber mit entsprechender Reichweite/Traglast verhinderten.

Gruß

Christoph

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‚Leider‘ starb Generalleutnant Wever bevor er den
sogenannten ‚Uralbomber‘ durchbringen konnte. Der Gröfaz
wollte unbedingt dass alle seine Bomber auch zum Sturzflug
brauchbar waren was natürlich große 4-motorige Bomber mit
entsprechender Reichweite/Traglast verhinderten.

Genau das passiert immer, wenn man gleich alles auf einmal haben will. Im Endeffekt gabs weder ausreichd Düsenjäger (von 1200 Me’s sind nur 200 im Einsatz gewesen) noch Langsteckenbomber.

Aber dafür gab es ganz viele A4, bei deren Herstellung
mehr Leute starben als bei den Einschlägen – und deren
Entwicklung etwa so teuer war wie die der amerikanischen
Atombomben.

Grüße

CMБ

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Moin

Das keine Kampfflugzeuge vorhanden waren die über eine große Strecke Bomben hätten zu den Kraftwerken tragen können ist die andere Seite. Obwohl man durchaus aus vorhanden Fw200, evtl. auch He177 usw. eine kleine Bombergruppe hätte zusammenschustern können die in der Lage gewesen wäre ein solches zentrales Kraftwerk anzugreifen. Zwar wären die Verluste mehr oder weniger total gewesen, aber … nun ja: „It´s War!“

Zum Thema „Warum keine Langstreckenbomber“ wäre zu sagen, dass die Oberste Heeresleitung schon weit vor dem Krieg der Meinung war, das für ihre Blitzkriegstrategie keine solchen Kampfflugzeuge von nöten waren und man lieber statt einem Langstreckenbomber die Ressourcen in zwei Taktische Bomber investierte die die Front direkt flankierten. Das OKH war von Anfang an nicht an einem strategischen Bomberkrieg tief im Feindesland interessiert und hatte selbigen später vom Feind ausgehenend auch nicht in diesem Ausmaß kommen sehen. Die Prämisse lautete Blitzkrieg, warum also Strategische Bomber bauen? Im nachhinein ein Fehler, der vor allem beim Bombenkrieg gegen England einer großen Bedeutung zukam.

Jim

Hallo Jim,

Das keine Kampfflugzeuge vorhanden waren die über eine große
Strecke Bomben hätten zu den Kraftwerken tragen können ist die
andere Seite.

Du wirst lachen; im Vorfeld von Zitadelle (Frühsommer 43)
haben *mehrfach* grosse Verbände He-111 Produktionsstätten
von T-34 (das größte Problem!) angegriffen. Die genauen
Daten dazu stehen z.B. im Piekalkiewicz.(vgl.:
http://books.stonebooks.com/cgi-bin/foxweb.exe/base/…)

Ausserdem wurde imho *das* strategisch wichtige Kautschukwerk
in „wasweisichwo“ angegriffen, mit dem Erfolg, dass es die
Russen wieder aufgebaut haben; und nach knappen Woche war alles
wieder im grünen Bereich.

Obwohl man durchaus aus vorhanden Fw200, evtl.
auch He177 usw. eine kleine Bombergruppe hätte
zusammenschustern können die in der Lage gewesen wäre ein
solches zentrales Kraftwerk anzugreifen. Zwar wären die
Verluste mehr oder weniger total gewesen, aber … nun ja:
„It´s War!“

Wie schon hier im Thread geäussert, ich glaube auch nicht daran,
dass die Russen über so ein „zentrales Kraftwerk“ verfügten,
eher noch, dass sie ihren Strom, wenn es nicht anders ging,
durch eine vielzahl kleiner Generatoren bereitstellten
bis das Kohlekraftwerk aufgebaut war.

Zum Thema „Warum keine Langstreckenbomber“ wäre zu sagen, dass
die Oberste Heeresleitung schon weit vor dem Krieg der Meinung
war, das für ihre Blitzkriegstrategie keine solchen
Kampfflugzeuge von nöten waren und man lieber statt einem
Langstreckenbomber die Ressourcen in zwei Taktische Bomber
investierte die die Front direkt flankierten. Das OKH war von
Anfang an nicht an einem strategischen Bomberkrieg tief im
Feindesland interessiert und hatte selbigen später vom Feind
ausgehenend auch nicht in diesem Ausmaß kommen sehen. Die
Prämisse lautete Blitzkrieg, warum also Strategische Bomber
bauen? Im nachhinein ein Fehler, der vor allem beim
Bombenkrieg gegen England einer großen Bedeutung zukam.

Naja, ein Krieg, der länger als ein Jahr dauert, war nie geplant;
wozu braucht man daher strategische Bomber, die ja auch einen
grossen Teil der Ressourcen konsumieren, die man eigentlich nicht
hat. Erstaunlich ist für mich daher die enorme Verschwendung
von Ressourcen im A4-Projekt, das kann ich nur so deuten, dass
es eines der wichtigsten „Renommierprojekte“ der SS war.

Und da Hitler versuchte, den Krieg gegen England bis
mindestens 1945 zu vermeiden, hätte bis dahin sicher
eine ausreichende Zahl strategischer Bomber bereitgestanden,
imho.

Grüße

CMБ

siehe Speer Erinnerungen
Hallo Jim,

Albert Speer hat als Rüstungsminister veranlasst, wie eine entsprechende Ural-Bomberflotte zusammengezogen wurde. Und vor Einsatz an andere Schauplätze abgezogen wurde.

Den meisten Militärs (im Unterschied übrigens zu Hitler) fehlte einfach der Sinn für den modernen Krieg im Industriezeitalter.

Andreas

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Moin

Tach

Das keine Kampfflugzeuge vorhanden waren die über eine große
Strecke Bomben hätten zu den Kraftwerken tragen können ist die
andere Seite. Obwohl man durchaus aus vorhanden Fw200, evtl.
auch He177 usw. eine kleine Bombergruppe hätte
zusammenschustern können die in der Lage gewesen wäre ein
solches zentrales Kraftwerk anzugreifen. Zwar wären die
Verluste mehr oder weniger total gewesen, aber … nun ja:
„It´s War!“

Welches zentrales Kraftwerk? Habe noch nie was von so etwas gehört. Haste Quellen dazu?

Außerdem haben deutsche Bomber sovietische Fabriken angegriffen und dabei eine ganze Anzahl an Panzern zerstört.
Und was verstehst du unter ‚kleine Bombergruppe‘? Schau dir mal an was die allierten an Bomberflotten geschickt haben! Und die hatten a) nicht über so viel Feindesland fliegen müssen und b) die weitaus besser bewaffneten/gepanzerten Bomber zur verfügung.

Jim

Christoph

Hallo !

Die Russen haben ganze Industrien nach Osten versetzt! Warum sollten dann unbedingt die Kraftwerke dort bleiben, wo sie waren?
Man hatte für jede Fabrik die Möglichkeit, Dieselkraftwerke mitzunehmen oder dort neu zu bauen. Man war doch nicht von stationären Kraftwerken abhängig!
Turbinen sind nicht unbedingt notwendig, um Strom zu erzeugen.
Heute stehen auf der ganzen Welt Dieselkraftwerke, wie z.B. in Ostasien, Südamerika usw. Fällt in Deutschland mal der Strom aus, springen einige tausend Dieselgeneratoren an und diese können für Tage und Wochen die großen Kraftwerke ersetzen. In Krankenhäusern, Hotels, Fabriken, Hochofenanlagen usw.

Die Russen haben es den Deutschen dann ja auch vorgemacht. Plötzlich kam aus dem Osten ein großer Nachschub von selbstgebauten Panzern und anderen Waffen.

mfgConrad

A4 Projekt der SS???

hat. Erstaunlich ist für mich daher die enorme Verschwendung
von Ressourcen im A4-Projekt, das kann ich nur so deuten, dass
es eines der wichtigsten „Renommierprojekte“ der SS war.

Ich möchte bezweifeln, dass die A4 (V2) ein Projekt der SS war. Ich war erst kürzlich wieder in Penemünde in der HEERESversuchsanstalt. Die haben ihre Ausstellung mal wieder völlig überarbeitet, tolle neue Medien, aber leider jetzt auch der PC unterworfen.

Pommerscher Gruß

Hi,

Ich möchte bezweifeln, dass die A4 (V2) ein Projekt der SS
war. Ich war erst kürzlich wieder in Penemünde in der
HEERESversuchsanstalt. Die haben ihre Ausstellung mal wieder
völlig überarbeitet, tolle neue Medien, aber leider jetzt auch
der PC unterworfen.

Nein, definitiv ein SS-Projekt. Zuständig: SS-„Sonderausschuß A4“

siehe z.B.:
http://history.msfc.nasa.gov/vonbraun/excerpts.html

Hitler's concern for V-2 development after July 1943 peaked 
the intertest of **Heinrich Himmler** , the commander of the SS, who 
**conspired to take control** of the rocket program and research 
activities at Peenemünde as a means to expand his power base. 
When Dornberger and von Braun resisted his advances, the SS arrested 
von Braun, charging that he had tried to sabotage the V-2 program. 
Himmler cited as evidence remarks that von Braun had made at a party 
suggesting developing the V-2 for space travel after the war. 
Dornberger's intercession won von Braun's release, but Himmler had 
made his point. Von Braun's defenders cite his arrest as proof of his 
differences with the Nazi Party and his distance from the use of slave 
labor. **Von Braun**'s relationship to the Nazi Party is complex; although 
he was not an ardent Nazi, he **did hold rank as an SS officer**.

oder:
http://www.doew.at/thema/thema_alt/wuv/ebensee/zemen…

Grüße

CMБ

Nein, definitiv ein SS-Projekt. Zuständig: SS-„Sonderausschuß
A4“

siehe z.B.:

http://www.doew.at/thema/thema_alt/wuv/ebensee/zemen…

aus dieser Quelle:
„Durch einen Einstieg in diesen neuen Rüstungsbereich erhoffte sich die SS verstärkten Einfluß auf die Industrie; das Ministerium für Bewaffnung und Munition stand bei seinem Bemühen, die Kontrolle über alle Teile der Rüstungsproduktion zu erlangen, in Konkurrenz zum Heereswaffenamt, unter dessen Regie die Raketenforschung stattgefunden hatte, und das seine Machtposition im Raketenprojekt zu verteidigen suchte…“

Hallo fimir,


aus dieser Quelle:
"Durch einen Einstieg in diesen neuen Rüstungsbereich erhoffte
sich die SS verstärkten Einfluß auf die Industrie; das

ursprg. Heeressache war!

und

"…Die Möglichkeit, ausländische ZwangsarbeiterInnen und
KZ-Häftlinge auch in den Serienwerken Friedrichshafen und
war das Heer auch noch dabei, die SS nur für den
„Faktor“ Arbeit zuständig.

wie Du schon sagst. „War“.

Das war nicht gründlich recherchiert…zumindest die Aussage,
es sei ein SS Projekt gewesen ist völliger Unsinn. Dass W v
Braun auch einen SS DG hatte ändert imho daran Nichts

Das mag schon sein, dass ich meine Meinung mal „so hinwerfe“,
ohne alles erschöpfend mit Literatur zu belegen. Das muss aber
nicht heissen, dass ich nicht recht hätte :wink:

Ich zitiere aus „Die Rakete und das Reich“ (ISBN: 3894881178 Buch anschauen)

[1944]
...
Auf Anordnung Hitlers begaben sich Speer und 
Saur am 20. August nach Hochwald, um die Ein-
zelheiten mit **Himmler** zu besprechen, der über-
raschenderweise kurz zuvor zum **Innenminister**
ernannt worden war. 

Himmler ließ dem Besuch ein arrogantes Schreiben 
an den Reichsminister für Bewaffnung und Munition 
folgen, in dem es hieß: »_Mit diesem Brief teile   
ich Ihnen mit, daß ich als Reichsführer SS verant-  
wortlich die Fertigung des A4-Gerätes <u>gemäß unserer <br>gestrigen Absprache übernehme</u>_ .« 

Offenbar hielt Himmler den Augenblick für gekommen, 
in dem er einen großen Teil des Raketenprogramms 
für die SS an sich reißen konnte. 

In den Gesprächen und in seinem Brief erwähnte Himmler 
auch den Mann, der den Bau der neuen Fertigungsanlagen 
leiten sollte: SS-Brigadeführer Dr. Ing. Hans Kammler. 
Der 42jährige Architekt und Hoch- und Tiefbauingenieur 
war seit Ende 1931 Parteimitglied, der SS gehörte er 
seit 1933 an. Als Bauexperte war er im Landwirtschafts- 
und im Luftfahrtministerium schnell aufgestiegen, bevor 
er 1941 in die SS-Führung übernommen worden war. Dort 
hatte er an herausragender Stelle an der Errichtung der 
streng geheimen Vernichtungslager und Gaskammern in 
Auschwitz-Birkenau, Majdanek und Belzec mitgewirkt. 
Anfang 1942 wurde er Leiter der Amtsgruppe C (Bauwesen) 
im neugebildeten SS-Wirtschaftsund Verwaltungshauptamt. 

Dornberger und Speer erschien er auf erste Sicht als ein 
bemerkenswert gutaussehender, energischer und »nordischer« 
Mann; sie sollten aber schnell feststellen, daß seine 
energische und entschiedene Art nur schwerlich seine 
anmaßende Arroganz und Rücksichtslosigkeit überdecken 
konnte.
...

Soll ich Dir noch mehr Material heraussuchen - oder
reicht es Dir erstmal für „den Augenschein“?

Also nochmal zusammengefasst, was meine
Überzeugung „im Groben“ ist:

„Das A4-Projekt war in seiner Entwicklung von
Vaporware bis Prototyp ein vom Heer in Auftrag
gegebenes Projekt mit starkem Universitätsanteil.
Sobald das Projekt militärisch nutzbar wurde und
in Serie gehen sollte, wurde es zum SS-Projekt.“

„In Wirklichkeit“ ist es natürlich komplexer, auf
der einen Seite (konkurrierend) Heer und Luftwaffe,
auf der anderen Seite Speer, Himmler und Hitler.
Und wöchentlich änderten sich Zuständigkeiten
und Prioritäten …

Grüße

CMБ

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So kann ich es akzeptieren, owT
.

Plan Eisenhammer
Hi Jim,

da hier bisher noch niemand das folgende erwähnt hat …

Ein Unternehmen gegen Kraftwerke in der SU war wirklich geplant.
Name: Plan >

Der Plan stammt aus dem Jahr 1943.
Auf Vorschlag des Prof. Steinmann im RLM (Reichsluftfahrtministerium) sollten strategische Schwerpunktziele in der SU angegriffen werden: Kraftwerke
Diese hatte er schon 1940 beim Angriff auf England vergeblich als Ziele vorgeschlagen.
Sein Argumentation:
Dampf- und Wasserturbinenfertigung erfordert Präzision und industrielle Fertigkeiten. Pro Turbine werden ca. eineinhalb Jahre Bauzeit benötigt.
Die SU verfügte zu dieser Zeit über keine Fertigung und nur über ein Reparaturwerk in Leningrad, welches aber aufgrund der deutschen Belagerung nicht in Betrieb war. Eine Fertigung auf Vorrat wurde bisher auf der gesamten Welt noch nicht vorgenommen, wodurch sich niemand den Ausfall dieser Turbinen leisten konnte.
Im Fall der SU wäre es sogar lebensbedrohend, da sie über keine Verbundleitungen verfügt sondern nur über einzelne Zentren verfügt.
Zwei kleinere im Ural und fernen Osten sowie das wirklich gewichtige um Moskau, welches 75% der Rüstung versorge. Beim Ausfall von 2/3 der Turbinen, wäre die Moskauer Industrieregion praktisch lahmgelegt.

Neben den Kraftwerken dachte man auch an folgende Ziele: Umspannwerke, Überlandleitungen und v.a. die zu den Kraftwerken gehörigen Staudämme.

Aufgrund dieser Überlegungen wurde der Plan wie folgt ausgearbeitet:
Angriffe auf die wichtigsten Kraftwerke im Raum Moskau und Gorki.
Die Durchführung sollte mit folgenden Verbänden erfolgen:
zwei Gruppen des KG (Kampfgeschwader) 30 mit Ju 88,
fünf Gruppen der KG 4 und 55 mit He 111 H-6 und H-16,
III.(3.Gruppe)/KG 100 mit Do 217 und FX1400 Fernlenkbombe
I./KG66 als Pfadfinder,
daneben sollten noch weitere Verbände mit schweren Flugzeugen (He 177 und Ju 290) eingesetzt werden.
Geplant war auch der Einsatz einer sogenannten Sägerbombe (S-Bo), mit der Überlandleitungen gekappt werden sollten.

Der Plan musste allerdings mehrfach verschoben werden.
Durch die russischen Offensiven waren die Ziele im Herbst 1944 schliesslich ausser Reichweite der vorgesehenen Verbände.

In der Zwischenzeit hatte man allerdings ein neues Kampfmittel zur Hand, welches die Ziele wieder in Reichweite rückte:
Mistel-Gespanne.
Dabei wurde eine unbemannte umgebaute Ju 88 mit einer 3800kg schweren Hohlladung im Bug und einer Me 109 oder Fw 190 als Führungsflugzeuge (huckepack) in eine Art fliegende Bombe verwandelt, die durch den Piloten in Zielnähe gebracht wurde und per Autopilot auf das Ziel eingesteuert wurde. Etwa 1,5km vor dem Ziel wurde das Führungsflugzeug abgesprengt.
Die Wirkung der Hohlladung: Durchschlag von 8m Stahl oder 20m Stahlbeton.
Da die Ju 88 nur für den Hinflug Treibstoff benötigte, konnte das Führungsflugzeug Treibstoff aus dieser entnehmen. D.h. die Reichweite war relativ hoch.

Mit den Mistel-Gespannen sollte „Eisenhammer“ wie folgt durchgeführt werden:
100 ausgesuchte Flugzeugführer auf Mistel aus den Geschwadern LG(Lehrgeschwader) 1, KG 6, KG 30 und KG 200,
150 Pfadfinder auf Ju 88, He 111, Ju 188, Do 217, Ju 90 und Ju 290 aus dem KG 66, KG 200 und aus Fernaufklärungsverbänden.
Angriffsziele: ca. 12 Dampf- und Wasserkraftwerke im runden Ostbogen um Moskau, darunter:
Tula, Stalinogorsk, Gorki und das riesige Staubecken von Rybinsk (an der Wolga, nordostwärts von Moskau – nach damaliger Schätzung wäre bei Zerstörung dieses Staudammes die Wolga im Bereich der Mündung bei Astrachan immer noch um 5m angestiegen, d.h. das gesamte Wolgatal wäre völlig überschwemmt worden!).
Startplätze: Oranienburg (bei Berlin), Rostock, Peenemünde, Rechlin-Lärz sowie 3-4 weitere.
Die Pfadfinder hatten für den gesamten Anflugweg Markierungen zu setzen, so dass die Piloten sich nur um die Einhaltung des Kurses kümmern mussten und nicht um die Navigation.
Um die Reichweiten von bis zu 1600km zu realisieren, wurden die Fw 190 Führungsflugzeuge noch mit einem 1200l-Zusatzbehälter ausgestattet.
Zur Vorbereitung und Zieleinweisung bekam jeder Pilot eine ausführliche Mappe mit Aufklärungsbildern des Zieles bei unterschiedlichen Wetterlagen. Daneben wurden umfassende technische, navigatorische und sonstige Unterlagen ausgehändigt.
Von jeden Ziel gab es Modelle für eine realistische Vorstellung des Zieles.

Nach mehreren Verschiebungen aufgrund schlechten Wetters, sollte der Einsatz dann am 28.03.45 stattfinden, allerdings kam es durch eine vorhergehenden Bombenangriff auf Rechlin-Lärz, bei dem 18 Mistel verloren gingen, wieder zu einer grösseren Verzögerung, so dass der Angriff schliesslich abgesagt wurde.

Die Mistel-Gespanne wurde in der Endphase des Krieges dann noch gegen Oder-Brücken eingesetzt.

All diese Angaben stammen aus: P. W. Stahl, Geheimgeschwader 200
Dort kann man auch noch weitere Einzelheiten zum Einsatz von Mistel und Eisenhammer nachlesen.
Ähnliche, etwas allgemeiner gehaltene Infos finden sich auch in anderen Veröffentlichungen.
Im Internet habe ich nur ungenügende Angaben dazu gefunden.

Noch einige Bemerkungen von meiner Seite:

Die Argumentation zum Einsatz gegen die Kraftwerke finde ich durchaus schlüssig.
Moskau als Rüstungszentrum findet man auch in anderen Veröffentlichungen erwähnt.
Ich denke, man darf bei aller Verlagerung von Industrien in oder hinter den Ural diesen Umstand nicht vernachlässigen.

Ein typisches Beispiel dafür ist das Panzerwerk in Gorki, welches trotz (hier auch schon geschilderter) Angriffe seitens der Luftwaffe nie ernsthaft beschädigt wurde.
Der Ausfall von Stromlieferungen sowie die Überschwemmungen bei Zerstörung des Rybinsker Staubeckens hätten hier wahrscheinlich grössere Auswirkungen gehabt.

Geht man von den oben gemachten Überlegungen aus, wurde der Strombedarf der damaligen SU zu einem beträchtlichen Teil durch Wasserkraft gedeckt.
Die Stromherstellung mittels Diesel war meines Erachtens zum damaligen Zeitpunkt nur begrenzt möglich. Immerhin waren dies die 40iger Jahre, so dass heutige Massnahmen nicht mit den damaligen Zuständen verglichen werden können.

Der Einsatz im Jahr 1943, vielleicht sogar noch 1944 hätte vielleicht Auswirkungen auf den Krieg in der SU haben können.
Wie weit diese ganzen Planungen aber schon der Realität entrückt waren, zeigt der geplante Angriff im Frühjahr 1945, zu einem Zeitpunkt, als die Alliierten schon längst die Grenzen des Reiches erreicht und auch schon überschritten hatten.
Typisch dafür sind die Ausführungen des Piloten E. Dittmann, der eine Mistel bei „Eisenhammer“ fliegen sollte (aus dem oben erwähnten Buch):

„Die Gesamtstrategie (Nur zur Erinnerung: Wir befinden uns hier im Frühjahr 1945!) sah nun folgendermassen aus:
Die russischen Streitkräfte sind durch den andauernden Vormarsch ausgezehrt.
Alle aufgefüllten und mit modernen Waffen ausgerüsteten SS-Divisionen greifen aus dem Raum Westungarn in einer gross angelegten Schwenkbewegung nach Norden an, stossen zur Ostsee durch und schneiden die russischen Armeen ab.
Die Luftwaffe legt mit „Eisenhammer“ die russische Rüstung lahm.
Mit dem Westen kann dann ein Separatfrieden geschlossen werden und damit Mitteleuropa dem Zugriff der SU entzogen werden.“

Sehr realistische Planungen einer Obrigkeit, die die noch verfügbaren besten Truppen gerade erst in den letzten Monaten in der Ardennen-Offensive im Westen verheizt hatte und mit den notdürftig aufgefüllten Einheiten dann in Ungarn wirklich noch eine letzte Offensive begann. Von einem möglichen Durchbruch – sofern überhaupt noch im oben genannten Rahmen geplant – war man weit entfernt. Dazu reichten die Kräfte zu diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr aus.
Die Piloten der Mistel werden es nach dem Krieg gedankt haben, dass dies alles nicht mehr stattfand.

Hoffe geholfen zu haben.

Gruss

Tom