Krank durch angst?!

Hallo!

Ich habe ein sehr großes Problem,was mich schon seid einerm Jahr plagt!
Ich leide unter Esstöhrungen,die durch Angstattacken hervorgerufen werden.Diese Ängste sind sehr schwer einzuschätzen.
Ich habe 4 kg verloren/abgenommen,habe über eine Woche in tiefen Depressionen fast nur gelegen und wiege jetzt 47kg.Mein Magen weigert sich oft Nahrung aufzunehmen,weil er so "aufgeregt"ist,und weil es von diesen Angstatacken ziemlich geplagt ist!
Irgendwie bin ich oft ziemlich hilflos,weil ich nicht weiß,wie ich diesen Ängsten begegnen soll,denn ich habe inzwischen den 2ten Rückfall.Und es macht meinen Körper und meine Psyche ziemlich kaputt!
Ich mache schon eine Therapie,die mir auch ziemlich weiter hilft!
Aber irgendwie habe ich noch nicht die richtige Methode gefunden.
Hoffentlich kann mir jemand helfen!

PIA

Hallo Pia,

da liegst Du aber mit Deinem Posting bei Philosophie sicher falsch. Versuch es mal bei Medizien oder Psychologie.

Im Übrigen hört sich die Geschichte nicht sehr gut an. Nach allen Erfahrungen, die ich gemacht habe, kommst Du da wohl nur raus, wenn Du entweder

  • die Ursachen für diese Angstzustände findest und beseitigst oder
  • in der Lage bist, Die selber eine neue Lebenseinstellung und -auffassung zu erarbeiten.

Solche Dinge gehen nämlich verdammt tief, mit Medikamenten oder Hau-Ruck-Methoden dokorst Du da nur an den Auswirkungen ohne die Ursachen zu beseitigen. Das bringt wenig.

Um allerdings mehr sagen zu können, müßte ich mehr wissen, und das im Internet schwierig. Man kann und will ja hier keine Romane schreiben.

Gernot Geyer

Hallo Gernot,

da liegst Du aber mit Deinem Posting bei Philosophie sicher
falsch. Versuch es mal bei Medizien oder Psychologie.

Nach allen Erfahrungen, die ich gemacht habe, kommst Du da
wohl nur raus, wenn Du entweder

  • die Ursachen für diese Angstzustände findest und beseitigst
    oder
  • in der Lage bist, Die selber eine neue Lebenseinstellung und
    -auffassung zu erarbeiten.

Solche Dinge gehen nämlich verdammt tief, mit Medikamenten
oder Hau-Ruck-Methoden dokorst Du da nur an den Auswirkungen
ohne die Ursachen zu beseitigen. Das bringt wenig.

Meines Erachtens widersprechen sich deine Argumente. Wenn mit Medikamenten nichts ausgerichtet werden kann, dann ist die Medizin nicht der richtige Ansprechpartner.

Die Ursache von Angstzuständen herausfinden kann zwar die Psychologie häufig, aber auch nicht immer. Manchmal liegt es nämlich, wie du selbst sagst, an der Lebenseinstellung oder -auffassung. Da wäre dann schon die Philosophie gefragt.

Die Frage nach den Ursachen lässt sich aber - wie du richtig sagst - nicht so einfach in aller Kürze klären.

Liebe Pia,

vielleicht schreibst du mir mal näheres, wie und wann diese Dinge auftauchen. Allerdings bitte ich dich, dies nicht im Forum zu tun, sondern mir eine Mail zukommen zu lassen.
Vielleicht finden wir gemeinsam eine Lösung.

Alles Gute

Thomas Miller

Hallo Thomas,

ich weiß selbst, daß die Schulmedizin da nicht sehr weit kommt.

Ich bin ja Alkoholiker, seit 6 Jahren trocken. Ich habe das gepackt, weil ich mich selber und meine Lebenseinstellung verändert habe. Geholfen haben mir dabei Psychologen und Therapeuten, die mir geelöernt haben, mich selber und meine Auffassungen vom Leben zu hinterfragen.
Aber als ausgesprochene Philosopie würde ich das nicht bezeichnen, auch wenn es mit Sicherheit eine Menge damit zu tuin hat.
Übrigens: Es war nicht einfach. Sich selber zu ändern ist so ziemlich das Schwerste, was es gibt. Abeer es hat sich gelohnt, ich habe plötzlich wieder Freude am Leben.

Gernot Geyer

Hallo Gernot,

ich weiß selbst, daß die Schulmedizin da nicht sehr weit
kommt.

ich wollte dir auch nichts unterstellen, sondern nur auf den Widerspruch in dem einen Posting hinweisen, weil es missverstanden werden könnte.

Aber als ausgesprochene Philosopie würde ich das nicht
bezeichnen, auch wenn es mit Sicherheit eine Menge damit zu
tuin hat.

Es hängt - grob gesagt - davon ab, ob es sich um ein emotionales Problem handelt (dann wäre die Psychologie zuständig) oder ein rationales (dann sollte die Philosophie ihre Kompentenzen ausspielen). Aber manchmal ist beides nicht voneinander zu trennen. Dann wäre es gut, wenn beide zusammenarbeiteten.

Übrigens: Es war nicht einfach. Sich selber zu ändern ist so
ziemlich das Schwerste, was es gibt. Abeer es hat sich
gelohnt, ich habe plötzlich wieder Freude am Leben.

Du sagst es. Übrigens finde ich deine offene Art sehr gut. Als ich noch in der Psychiatrie gearbeitet habe, ist mir gerade bei Alkoholikern die Mühe aufgefallen, die es macht, sich auf sich selbst zu besinnen.

Éin schönes Wochenende.

Thomas Miller

Hallo Thomas

Erschrick bitte nicht über meine laienhaften Fragen. Außer dass es Philosophie gibt, weiß ich nicht viel davon, deshalb verstehe ich deinen Satz hier nicht so ganz:

Es hängt - grob gesagt - davon ab, ob es sich um ein
emotionales Problem handelt (dann wäre die Psychologie
zuständig) oder ein rationales (dann sollte die Philosophie
ihre Kompentenzen ausspielen). Aber manchmal ist beides nicht
voneinander zu trennen. Dann wäre es gut, wenn beide
zusammenarbeiteten.

Muss ich, wenn Lebensprobleme habe, Plato oder Kant studieren? Das doch sicher nicht. Aber was genau kann dann die Philosophie für mich dann bedeuten? Wie kann sie mir helfen, meine neue Lebensphilosophie zu finden?

Der Begriff Lebensphilosophie ist schon sehr abgenutzt, weil jeder ihn für jeden Schmuh benutzt. Jetzt gibt es auch noch Betriebsphilosophien, die auf einem Controlling-System fußen und deshalb mit DER Philosophie vielleicht gar nichts zu tun haben.

Also meine Fragen sind:

  1. Was kann Philosophie im Zusammenhang mit der Bewältigung des Alltagslebens leisten und
  2. Was hat Philosophie mit Betriebsphilosophien in z.B. der Industrie wirklich zu tun?

Danke schon mal für evtl. Antworten,
viele Grüße und ein schönes Wochenende
Sylvia

Hallo Sylvia,

es hat schon etwas mit Philosopie zu tun, wenn auch nicht unbedingt mit Kant oder Hegel…

Nimm zum Beispiel mich, meine Alkoholabhängigkeit. Sucht ist ja bekanntlich eine Suche, man sucht etwas, was man im Leben nicht findet. Nur sucht man an der falschen Stelle.
Ich habe eine völlig neue Lebenseinstellung und ein völlig neues Lebensziel gebraucht, um wirklich frei werden zu können davon. Und da kommen dann schon philosophische Fragen. Wer bin ich eigentlich? Was erwarte ich vom Leben? Was will ich eigentlich erreichen im Leben?
Wenn ich auf diese Fragen keine zufriedenstellenden Antworten hätte finden können, dann hätte ich mich auch totsaufen können. Denn wozu leben, wenn das Ganze keinen Sinn hat?

Das mag etwas hochgestochen klingen, aber es ist so. Auch die Suchttheorie hat in den letzten Jahren erkannt, daß Spiritualität und Sinnsuche eine Unmenge mit Sucht zu tun hat. Es ist ganz einfach eine Frage der Motivation. „Wozu das Ganze?“ aber es ict noch viel mehr. Zum Beispiel die Frage nach der Beeinflußbarkeit des eigenen Schicksals „Kann ich überhaupt was gagegen tun?“ Schöne Frage nicht wahr? Denn wenn eh alles vorbestimmt ist, brauche ich gegen meine Sucht nicht zu kämpfen, ich sterbe ja doch daran.
Oder der ganze Komplex der Grenzen… Eigene Grenzen, gibt es die, wo sind sie? Was kann ich beeinflussen, was muß ich akzeptieren?

Ich sage Dir, die Zeit meiner Therapie und kurz danach war die härteste Zeit meines Lebens. Da mußte ich nämlich all diese Fragen für mich lösen, mein Leben hing buchstäblich davon ab. Das war nicht unbedingt einfach…

Gernot Geyer

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Gernot,

Sucht ist
ja bekanntlich eine Suche, man sucht etwas, was man im Leben
nicht findet. Nur sucht man an der falschen Stelle.

Wenn ich dann mit Hilfe der Philosophie eine neue Lebenseinstellung finde,

Das mag etwas hochgestochen klingen, aber es ist so. Auch die
Suchttheorie hat in den letzten Jahren erkannt, daß
Spiritualität und Sinnsuche eine Unmenge mit Sucht zu tun hat.

schaffe ich mir eine neue Sucht, die dann zwar gesünder ist, aber nichtsdestotrotz unter den Begriff Sucht subsummiert werden kann? Heißt das, dass ich alles was ich zielgerichtet betreibe, Sucht ist?

Es ist ganz einfach eine Frage der Motivation. „Wozu das
Ganze?“ aber es ict noch viel mehr. Zum Beispiel die Frage
nach der Beeinflußbarkeit des eigenen Schicksals „Kann ich
überhaupt was gagegen tun?“ Schöne Frage nicht wahr? Denn wenn
eh alles vorbestimmt ist, brauche ich gegen meine Sucht nicht
zu kämpfen, ich sterbe ja doch daran.

Das passt auch in das unten laufende Thema, inwieweit die Zukunft die Gegenwart beeinflusst. Ich persönlich lehne für mich den Gedanken ab, dass alles vorherbestimmt ist. Ich entscheide morgens beim Aufstehen schon, wie der Tag aussehen wird. Wenn ich mich in meine Frühjahrsmüdigkeit fallen lasse, kann der Tag nicht besonders erfolgreich werden, also trete ich mich gedanklich in den Hintern und wundere mich am Abend, dass der Tag doch noch so toll gelaufen ist :wink:. Es liegt IMMER an mir, was aus meiner Zukunft wird, jedenfalls zu einem extrem großen Teil.

Oder der ganze Komplex der Grenzen… Eigene Grenzen, gibt es
die, wo sind sie? Was kann ich beeinflussen, was muß ich
akzeptieren?

Ich höre zwar oft den Begriff, konnte aber noch nie was damit anfangen. Was ist eigentlich mit diesen Grenzen gemeint? Geistige oder körperliche Fähigkeiten, Gefühle, Wissensgrenzen? Nur Grenzen ist mir zu diffus, kann ich mir nichts drunter vorstellen.

Ein schönes Wochenende, beste Grüße und
herzliche Glückwünsche für das, was du bisher geschafft hast und dass du es auch weiterhin so gut packst!
Sylvia

Hallo Sylvia,

das Thema der Grenzen ist schon ein recht wichtiges Thema, in vielerlei Hinsicht.
Da ist zum Beispiel die Frage, welche Grenzen ich anerkenne. Ganz praktisch für mich ist dabei das Problem, daß ich erkennen muß, daß ich mit Alkohol nicht umgehen kann. DAS ist wirklich eine Grenze und jedes Jahr sterben 40.000 Menschen in Deutschland daran, daß sie diese Grenze nicht akzeptieren können. Dann die rein praktische Frage nach juristischen oder gesellschaftlchen Zwängen, oder auch noch solchen, die mir selber auferlege (oder auch nicht).
Oder auch die Frage: Wie weit lasse ich andere an mich ran? Wo ist die Grenze, die ich ziehen muß, um mich selbst nicht zu gefährden?
Es sind zwar alles nicht unbedingt philosophische Fragen, aber es sind welche. Und wenn man, so wie ich, gezwungen war, sich selbst und seine ganzen Ansichten und Lebensauffassungen in Frage zu stellen, dann muß man sie beantworten.

Bei der Suchtdefinition machst Du einen Fehler. Nicht, was ich zielgerichtet betreibe ist Sucht, sondern das, was ich zwanghaft betreibe. Das erstere kann ich kontrollieren und ändern, das zweite nicht. Es ist nämlich wirklich so: Ein Abhänger kann objektiv gar nicht aufhören, das ist keine Frage des Willens mehr. Deshalb ist ja die behandlung solcher Krankheiten so wahnsinnig schwierig und deshalb muß die Aufarbeitung, wenn sie erfolgreich sein soll, so tief ins Innerste gehen.
Denn glaub ja nicht, daß das leicht ist, ich hab manchmal geheult in dem halben Jahr Therapie. Das kratzt nämlich fürchterlich am Ego, wenn man feststellt, jahrelang Hirngespinsten und falschen Vorstellungen nachgelaufen zu sein. „Gewogen und zu leicht befunden“ - wer hört das schon gerne.

Gernot Geyer

Hallo Gernot

Das mit den Grenzen habe ich nun verstanden, ein Riesenthema!

Bei der Suchtdefinition machst Du einen Fehler.

Nein, ich wollte nur wissen, ob du das so verstehst, ich sehe persönliche Ziele nicht als Sucht an.

Beste Grüße
Sylvia

Hallo Sylvia,

Also meine Fragen sind:

  1. Was kann Philosophie im Zusammenhang mit der Bewältigung
    des Alltagslebens leisten und
  2. Was hat Philosophie mit Betriebsphilosophien in z.B. der
    Industrie wirklich zu tun?

ich beantworte die zweite Frage zuerst, weil sie ganz kurz mit einem herzhaften „Gar nichts!“ beantwortet werden kann. Firmen schätzen aber den Begriff deshalb, weil er bedeutungsvoll klingt. Sie benutzen ihn also als Werbemittel, mehr steckt nicht dahinter.

Die zweite Frage hat ja schon Gernot (Hallo und schöne Grüße) angesprochen und mit einem Beispiel belegt. Manchmal ist es nämlich so, dass die Weltbilder, die wir uns zusammenzimmern, uns unglücklich machen. Philosophie kann da an vielen Punkten ansetzen. Es kann sein, dass ich mir eine Begrifflichkeit zurechtgelegt habe, die es notwendig macht, dass ich aufgrund meiner Einstellung unglücklich bin. Beispiel: Ein Mensch ist als Manager an Hektik gewöhnt, und wenn er mal Pause hat, bekommt er ganz plötzlich eine traurige Stimmung, weil der die Pause nicht ertragen kann, weil er meint, diese Pause halte ihn vom Erfolg ab. Er hat dann möglicherweise (das muss dann noch abgeklärt werden) zwei Begriffe falsch definiert: Pause und Erfolg. Das ist ein banales Beispiel, aber so etwas kommt vor, und diesem Menschen geht es heute wieder besser, weil er sich mehr Gedanken darüber macht, wie abhängig man von seinen eigenen Definitionen sein kann.

Aber nicht nur die Begriffe können falsch sein, sondern auch die kausalen Verknüpfungen, die wir verwenden. Nimm zum Beispiel die Diskussion, ob die Zukunft die Gegenwart beeinflusst, und lies mal mein Posting dazu. Die Begriffe „Ursache“ und „Wirkung“ werden hier missverständlich verwendet.

Ein dritter Punkt, an dem Philosophie helfen kann, Alltagsprobleme besser zu verstehen, ist folgender: Mit Hilfe der Philosophie kann man auch versuchen, gegenüber einer Situation, die man - wenn man in ihr drinsteckt - nicht beherrscht, einen höheren Standpunkt zu gewinnen, der nicht nur die Nachteile der Situation, sondern auch ihre Vorteile, die man bisher vielleicht noch gar nicht gesehen hat, zu betrachten.
Wenn man beispielsweise jemanden verletzt hat und mit seinem schlechten Gewissen nicht zurecht kommt, könnte man aus der Philosophie lernen, wie man diesem schlechten Gewissen, das man zunächst negativ bewertet, etwas Positives abgewinnt. Man fragt dann also, wozu dieses schlechte Gewissen dient und kommt möglicherweise zu dem Ergebnis, dass es mich dazu bringen kann, meine Beziehung zu dem Gegenüber zu intensivieren oder an meiner Ausdrucksweise zu arbeiten.

Oder … oder … oder. Es gibt viel zu viele Einzelfälle. Aber ich hoffe, dir einen kurzen Einblick in die Arbeit der Philosophie mit Alltagsproblemen gegeben zu haben. Die wichtigsten Unterschiede zur Psychologie sind: In der Philosophie gibt es zunächst einmal keinen Katalog, nach dem man die Problemgruppen sortiert, sondern jedes Problem wird individuell geprüft. Im Gegensatz zu den Psychologen, die eine therapeutische Situation mit einem Gefälle haben (Der Psychologe weiß fast alles besser als der Patient), versucht der Philosoph, die Probleme als Betroffener mitzudenken. Dem Besucher einer Philosophischen Beratung also wird keine Methode übergestülpt, die irgendwo erlernt wurde und nun fast überall passen soll, sondern die passende Methode wird zusammen mit dem Besucher selbst ermittelt. Philosophie ist also nicht als Therapie nützlich, sondern als Hilfe zur Selbsthilfe, die mit philosophischen Techniken arbeitet.
(Literatur: Eckard Ruschmann, Philosophische Beratung, 1999)
[Ruschmann ist Psychologe und Philosoph!]

Zusammengefasst kann man (vereinfacht) sagen:
Philosophie hilft bei der Bewältigung des Alltags, indem sie das Denken stärkt und den Menschen nicht den Gefühlen ausliefert.
Das ist aber bitte nicht falsch zu verstehen: Es geht nicht um das Unterdrücken von Gefühlen, sondern um die richtige Auffassung von der Stellung der Gefühle im Menschen.

Wie stark man als Individuum das Bedürfnis hat, in die Philosophie einzusteigen, bleibt jedem selbst überlassen. Manchen reicht ein Schnuppern, andere nutzen die Philosophie lebenslang.

Das war ziemlich lang, daher erst einmal

alles Gute

Thomas Miller

Hallo,
dieses sind sehr gute Aphorismen , was Lebensphilosophie betrifft.
Tschüß

Lerne GOKIDO!

da lernt man wie angst im anderen erzeugt wird!
wenn du dann weißt wie das funktioniert dann kannst du auch wirklich was dagegen tuen! Philosophen reden nur darüber!
der Weise tut was!

Nashino

Philosophie und Emotionen
Hallo Thomas,

bei folgenden Punkten Deines Postings bin ich ein wenig skeptisch…

Ein dritter Punkt, an dem Philosophie helfen kann,
Alltagsprobleme besser zu verstehen, ist folgender: Mit Hilfe
der Philosophie kann man auch versuchen, gegenüber einer
Situation, die man - wenn man in ihr drinsteckt - nicht
beherrscht, einen höheren Standpunkt zu gewinnen, der nicht
nur die Nachteile der Situation, sondern auch ihre Vorteile,
die man bisher vielleicht noch gar nicht gesehen hat, zu
betrachten.

…, denn ich glaube, dass nur diese Menschen sich auf den „höheren Standpunkt“ lotsen lassen, die dafür auch die emotionelle Beweglichkeit aufbringen können. Und da hakt eben die Psychologie ein. Sie muß herausfinden, warum dieser Mensch aus seiner Lage nicht herausfindet, wenn er es trotz besserer Erkenntnisse nicht kann, und muß sich eventuell sogar eine Konditionierung (ich denke da an Neurosen) überlegen, um den Menschen in die richtige Richtung lotsen zu können. Es reicht manchmal der gute (philosophische) Gedanke nicht mehr aus.

Philosophie gibt es zunächst einmal keinen Katalog, nach dem
man die Problemgruppen sortiert, sondern jedes Problem wird
individuell geprüft. Im Gegensatz zu den Psychologen, die eine
therapeutische Situation mit einem Gefälle haben (Der
Psychologe weiß fast alles besser als der Patient),
versucht der Philosoph, die Probleme als Betroffener
mitzudenken.

Ist denn nicht in jeder Dienstleistung, die ich nutzen will, ein Gefälle zu finden?

Dem Besucher einer Philosophischen Beratung also
wird keine Methode übergestülpt, die irgendwo erlernt wurde
und nun fast überall passen soll, sondern die passende
Methode wird zusammen mit dem Besucher selbst ermittelt.
Philosophie ist also nicht als Therapie nützlich, sondern als
Hilfe zur Selbsthilfe, die mit philosophischen Techniken
arbeitet.

Nach meiner Einschätzung unterscheidet sich aber da die Psychologische Beratung nicht der von der Philosophischen. Hilfe zur Selbsthilfe ist grundsätzlich der intelligentere Weg.

Zusammengefasst kann man (vereinfacht) sagen:
Philosophie hilft bei der Bewältigung des Alltags, indem sie
das Denken stärkt und den Menschen nicht den Gefühlen
ausliefert.

Kommt es da nicht auf das Problem an? Wenn ich eine immer wiederkehrende Situation aufgrund meiner Gefühle nicht bewältigen kann, komme ich nicht herum, mich mit diesem Phänomen im Bereich meines Gefühlsleben zu befassen (z.B.: Kontaktschwäche, Schüchternheit). Oder wie argumentiert hier ein Philosoph. Ich denke da auch an schüchterne Menschen, die an Einsamkeit leiden und so gerne Kontakt zu anderen Menschen haben wollen.

Dank Deiner Anregung, habe ich angefangen ein wenig in philosophischen Büchern zu schmökern. Ich bin sehr von dem Sinn überzeugt sich mit den verschiedensten philosphischen Ideen zu befassen, weil durch den besagten „höheren Standpunkt“ ich manchmal zu festgefahrenen Dingen die nötige Distanz bekomme.
Ideal für eine Lebensberatung wäre meiner Meinung nach die Kombination von Psychologie und Philosophie.

Herzliche Grüße
Claudia

Hallo Thomas, hallo Claudia!

Thomas, Du schreibst sehr verständlich, es macht richtig Spaß, deine Beiträge zu lesen, deine Beispiele sind sehr praktisch.

Was ich aus diesem Beitrag herauslese ist: Philosophie ist die Sinnfrage zu allen möglichen (Lebens-)Situationen, möglichst aus der Metaebene gestellt. Ist das richtig?

Dann bin ich im Prinzip eine „geborene Philosophin“, denn ich versuche mir immer die Frage zu stellen, wozu etwas gut ist oder war, besonders, wenn mir etwas quer gelaufen ist. Und interessanterweise sind selbst die schlimmsten Erlebnisse immer „für etwas gut“ gewesen, wenn man den gehörigen Abstand zur Situation erreicht hat.

Natürlich schaffe ich es oft nicht, diesen externen Standpunkt aufzusuchen, wenn ich grade in einer Krise stecke, aber das Wissen aus Erfahrungen, dass ich bisher immer einen Sinn finden konnte, lässt mich dann selbst in schweren Krisen relativ ruhig bleiben und auf den passenden Zeitpunkt warten.

Das ist vielleicht auch der Punkt, den auch Claudia (Hallo Claudia :smile:)angesprochen hat: Man kann manchmal in einer verfahrenen Situation emotional nicht so frei sein, sich in die Metaebene zu begeben. Wenn man aber in relativ harmlosen Situationen gute Erfahrungen mit der Methode macht, kann man die Ruhe aufbringen, auf emotional nicht so belastete Zeiten zu warten und es dann zu versuchen.

Wenn jemand solche Erfahrungen nie machen konnte, bevor er in eine ausweglos scheinende Situation gerät, hat er sicher zusätzlich noch Bedarf an psychologischen Trainingsprogrammen oder ähnlichem, da stimme ich Claudia zu. Andererseits ist aber oft auch nur ein Anstoß von Außen nötig, um selbst wieder die Übersicht zu bekommen. So ist es mir mal vor vielen Jahren gegangen: Meine Gedanken kreisten immer um ein bestimmtes Problem und ich hatte nur einen Lösungsansatz, den ich versuchen wollte, in mein Leben einzupassen. Das klappte aber nicht und ich sprach eher zufällig mit einem Freund darüber. Dem erschien mein Lösungsansatz viel zu kompliziert (er stand ja außerhalb des Problems) und erklärte mir, wie er das angehen würde, wenn er in der gleichen Situation wäre. Danach war dann alles ganz einfach, es sprudelten in meinem Kopf jede Menge neuer Lösungsansätze hervor und der für mich passende war dann auch bald dabei. Manchmal muss man nur einen kleinen Anstoß von Außen haben, um seinen eigenen festgefahrenen Gedankenkreis zu durchbrechen. Ich war damals nämlich überhaupt nicht auf den Gedanken gekommen, dass es mehrere Lösungsmöglichkeiten geben könnte, nur mehrere Möglichkeiten, den einen in mein Leben einzubauen. Also hatte ich die ganze Zeit am falschen Ende des Problems herumgedoktort.

Das Wissensgefälle zwischen Klient und Psychologen ist natürlich schon auf Grund der speziellen Ausbildung vorhanden, aber es kommt sicher auch auf die Art der Therapie an, ob der Klient dem ausgeliefert wird oder ob er eigenverantwortlich an seiner Genesung arbeitet. Denn wenn ich jetzt in deine philosophische Sprechstunde käme, wäre es doch auch ein massives Wissensgefälle, das uns trennt. Nur ist es dann wohl das Prinzip der Philosophie, dieses den Klienten nicht spüren zu lassen und bei der Psychologie ist es je nach Behandlungsmethode nicht so.

Nach einem langen, erholsamen und sonnigen Wochenende bedanke ich mich noch mal für die Mühe, die du dir mit meinen Fragen gemacht hast!
Beste Grüße
Sylvia

Hallo Claudia,

…, denn ich glaube, dass nur diese Menschen sich auf den
„höheren Standpunkt“ lotsen lassen, die dafür auch die
emotionelle Beweglichkeit aufbringen können.

das ist zwar nicht ganz, aber überwiegend richtig. In die Philosophische Praxis kommen in der Mehrzahl nicht Menschen, die mit etwas über fordert sind, sondern eher solche, die unter fordert sind, manchmal allerdings ohne es selbst zu wissen.

Und da hakt eben
die Psychologie ein. Sie muß herausfinden, warum dieser Mensch
aus seiner Lage nicht herausfindet, wenn er es trotz besserer
Erkenntnisse nicht kann, und muß sich eventuell sogar eine
Konditionierung (ich denke da an Neurosen) überlegen, um den
Menschen in die richtige Richtung lotsen zu können.

Genau diese heimliche Entmündigung versucht die Philosophische Praxis zu vermeiden. Selbstverständlich gehören Neurosen in die Psychologie, aber nicht jedes Problem ist gleich eine Neurose.

Es reicht
manchmal der gute (philosophische) Gedanke nicht mehr aus.

Sehr richtig: manchmal.

Ist denn nicht in jeder Dienstleistung, die ich nutzen will,
ein Gefälle zu finden?

Wenn man es so sieht, schon, aber dieses Gefälle kann minimiert werden. In der Psychologie ist dieses Gefälle sehr sehr einseitig.

Nach meiner Einschätzung unterscheidet sich aber da die
Psychologische Beratung nicht der von der Philosophischen.
Hilfe zur Selbsthilfe ist grundsätzlich der intelligentere
Weg.

Doch, denn sie behauptet nicht, etwas besser zu wissen , sondern nur, etwas besser zu können.

Kommt es da nicht auf das Problem an? Wenn ich eine immer
wiederkehrende Situation aufgrund meiner Gefühle nicht
bewältigen kann, komme ich nicht herum, mich mit diesem
Phänomen im Bereich meines Gefühlsleben zu befassen (z.B.:
Kontaktschwäche, Schüchternheit). Oder wie argumentiert hier
ein Philosoph. Ich denke da auch an schüchterne Menschen, die
an Einsamkeit leiden und so gerne Kontakt zu anderen Menschen
haben wollen.

Manchmal sind eben nicht die Gefühle schuld, sondern das Weltbild, das diese Gefühle verursacht.

Dank Deiner Anregung, habe ich angefangen ein wenig in
philosophischen Büchern zu schmökern. Ich bin sehr von dem
Sinn überzeugt sich mit den verschiedensten philosphischen
Ideen zu befassen, weil durch den besagten „höheren
Standpunkt“ ich manchmal zu festgefahrenen Dingen die nötige
Distanz bekomme.

Das freut mich natürlich.

Ideal für eine Lebensberatung wäre meiner Meinung nach die
Kombination von Psychologie und Philosophie.

Das ist richtig und eine sehr gute Beobachtung. Es wäre dazu aber noch zu sagen, dass zwar auf der einen Seite die Philosophie in der Beratung kaum ohne Psychologie auskommt, auf der anderen Seite die Psychologie manchmal aber auch nicht ohne Philosophie.

Der Gründer der ersten Philosophischen Praxis (Gerd Achenbach) hat das so formuliert: Ohne Psychologie geht es nicht, aber mit Psychologie allein auch nicht.

Herzliche Grüße

Thomas

Hallo Sylvia,

Thomas, Du schreibst sehr verständlich, es macht richtig Spaß,
deine Beiträge zu lesen, deine Beispiele sind sehr praktisch.

danke sehr!

Was ich aus diesem Beitrag herauslese ist: Philosophie ist die
Sinnfrage zu allen möglichen (Lebens-)Situationen, möglichst
aus der Metaebene gestellt. Ist das richtig?

Ja, aber nicht ganz ausschließlich natürlich.

Dann bin ich im Prinzip eine „geborene Philosophin“, denn ich
versuche mir immer die Frage zu stellen, wozu etwas gut ist
oder war, besonders, wenn mir etwas quer gelaufen ist. Und
interessanterweise sind selbst die schlimmsten Erlebnisse
immer „für etwas gut“ gewesen, wenn man den gehörigen Abstand
zur Situation erreicht hat.

Dann bist du die „geborene Optimistin“, wenn ich das so sagen kann.

Das ist vielleicht auch der Punkt, den auch Claudia (Hallo
Claudia :smile:)angesprochen hat: Man kann manchmal in einer
verfahrenen Situation emotional nicht so frei sein, sich in
die Metaebene zu begeben. Wenn man aber in relativ harmlosen
Situationen gute Erfahrungen mit der Methode macht, kann man
die Ruhe aufbringen, auf emotional nicht so belastete Zeiten
zu warten und es dann zu versuchen.

Ja.

Wenn jemand solche Erfahrungen nie machen konnte, bevor er in
eine ausweglos scheinende Situation gerät, hat er sicher
zusätzlich noch Bedarf an psychologischen Trainingsprogrammen
oder ähnlichem, da stimme ich Claudia zu. Andererseits ist
aber oft auch nur ein Anstoß von Außen nötig, um selbst wieder
die Übersicht zu bekommen.

Das ist zwar manchmal durchaus richtig, aber trifft nicht auf jede Situation zu.

o ist es mir mal vor vielen Jahren
gegangen: Meine Gedanken kreisten immer um ein bestimmtes
Problem und ich hatte nur einen Lösungsansatz, den ich
versuchen wollte, in mein Leben einzupassen. Das klappte aber
nicht und ich sprach eher zufällig mit einem Freund darüber.
Dem erschien mein Lösungsansatz viel zu kompliziert (er stand
ja außerhalb des Problems) und erklärte mir, wie er das
angehen würde, wenn er in der gleichen Situation wäre. Danach
war dann alles ganz einfach.

Ich stimme dir zu, das ist eine Möglichkeit.

Das Wissensgefälle zwischen Klient und Psychologen ist
natürlich schon auf Grund der speziellen Ausbildung vorhanden,
aber es kommt sicher auch auf die Art der Therapie an, ob der
Klient dem ausgeliefert wird oder ob er eigenverantwortlich an
seiner Genesung arbeitet. Denn wenn ich jetzt in deine
philosophische Sprechstunde käme, wäre es doch auch ein
massives Wissensgefälle, das uns trennt. Nur ist es dann wohl
das Prinzip der Philosophie, dieses den Klienten nicht spüren
zu lassen und bei der Psychologie ist es je nach
Behandlungsmethode nicht so.

Wenn man den Besucher der Philosophischen Praxis (der mit Absicht nicht Patient genannt wird) therapieren möchte, hat man eigentlich schon die philosophische Basis verlassen. Ein Besucher der PP wird auch nicht behandelt im psychologischen Sinn, sondern sein Problem wird als Problem ernst genommen. Das Problem bekommt vielleicht eine andere Wertigkeit, nicht aber (in jedem Fall) der Mensch.

Es ist auch ein Missverständnis zu meinen, in der PP liege irgendeine Form von „Methode“ zugrunde. Jede „Methode“ ist als Methode der PP un philosophisch, weil sie dem Menschen, der in die PP kommt, seine Individualität nimmt. Das ist ja gerade die Leistung einer PP: Philosophische Praxis individualisiert, Psychologie hingegen normalisiert die Menschen (häufig).

Herzliche Grüße

Thomas Miller