Hallo Leute,
ich bin Vorstandsmitglied eines Vereins, der Träger einer Kindertagesstätte mit Krippe, Hort und zwei Kindergartengruppen ist. Immer wieder kommt es vor, dass Eltern- sei es aus Desinteresse, beruflichem Zwang oder Unwissenheit ihr Kind krank in die Kita bringen. Verständlicherweise regen sich die Eltern gesunder Kinder darüber auf, dass diese (kranken) Kinder nun die gesunden anstecken. Die Erzieherinnen sind der Meinung, dass es nicht ihre Aufgabe ist, die Kinder jeden Morgen zu untersuchen, ob sie krank sind oder z.B., was auch regelmässig vorkommt, Läuse haben…Sie müssten darauf vertrauen können, dass kein Kind krank in die Kita gebracht wird. Die Eltern meinen, sie bezahlen für den Aufenthalt (und alles, was hinter dem Konzept einer Kita noch so steckt), also muss die Leitung bzw. der Vorstand dafür sorgen, dass „sowas“ nicht passiert.
Was meint Ihr dazu?
Hat jemand Erfahrung in der Lösung solcher Fälle, ohne dass Keile zwischen alle Parteien oder die Eltern untereinander getrieben werden (was darauf hinausläuft, dass die Kinder darunter leiden)?
Es gibt eine Hausordnung, auf die sich berufen werden könnte, die für den Wiederholungsfall der Missachtung einen Ausschluss des betroffenen Kindes vorsieht.
Bitte, wir wollen NICHT mit Kanonen auf Spatzen schiessen.
Hallo Dorit,
Verständlicherweise regen sich die Eltern gesunder Kinder
darüber auf, dass diese (kranken) Kinder nun die gesunden
anstecken.
das würde ich nach der Erfahrung von zwei Kindern differenziert sehen wollen. Bei „normalen“ Krankheiten wie Grippe (ohne hohes Fieber), Kinderkrankheiten wie Windpocken oder anderen kleineren Ansteckungen sehe ich inzwischen kein Problem mehr. Bei „Läusen“ hätte ich Bedenken, allerdings ist auch das eigentlich keine wirklich schwer wiegende Sache, meine ich.
Du schreibst in der Vika, dass du BWL studierst und wie ich sehe in Greifswald. Kann es sein, dass du im Westen aufgewachsen bist. Dann könnte es sich um eine kulturelle Differenz handeln; ich selbst bin im Westen geboren und lebe jetzt in Magdeburg. Manche Dinge sieht man hier anders - und nicht immer zum Nachteil. Ob du etwas unternimmst und was ggf., hängt sehr vom Umfeld des Kindergartens ab, in dem deine Kinder sind. Da gibt es große Unterschiede. Ich würde mit anderen Eltern sprechen, wie sie die Dinge sehen, und evt. auch mich selbst überprüfen, ob meine eigenen Bewertungmaßstäbe unverrückbar sind und warum. Manchmal kommt man dabei zu überraschenden Lösungen.
Ich will dich zu nichts überreden. Das ist nur meine eigene Erfahrung.
Herzliche Grüße
Thomas Miller
Hallo Dorit,
zum Wohlergehen eines Kindergartens gehört dazu, dass kranke Kinder von den Erzieherinnen nach Hause geschickt werden dürfen, nicht zuletzt um die gesunden Kinder vor Ansteckung zu schützen. Wenn ich mich nicht irre, würde Euch das Gesundheitsamt auf die Füße treten, wenn die mitbekämen, dass dies nicht geschieht. Man bedenke, dass dieses Amt vor dem Betrieb eines Kindergartens genau die Gegebenheit prüft, über die sich Kinder ansteckende Krankheiten holen können (Dichte der Mantelhaken, sanitäre Einrichtungen usw.).
Ich würde das beim nächsten Elternabend zum Gesprächsthema machen, in dem Sinne, dass die Erzieherinnen zum heimschicken autorisiert werden, und als schriftliche Ergänzung in der Kiga-Satzung bzw. zu den Verträgen zwischen Eltern und Träger. Denn ich bin davon überzeugt, dass jeder der Eltern mit Präventivmaßnahmen gegen Ansteckungsgefahren einverstanden ist. So bleibt es ein totgeschwiegenes Kavaliersdelikt, für das sich keiner verantwortlich zeigen will. Aber wehe dem, es wird mal ein Kind durch Scharlacherreger angesteckt, und erkrankt dann noch lebensbedrohlich. Dann könnt Ihr mit Klagen seitens eines Elternteils rechnen, und seid als Entscheidungsbefugte des Vereins in Beweisnot.
Ihr müßt nicht scharf schießen, und auch keine schwere Geschütze auffahren, aber eine Entscheidung treffen, die mit Fingerspitzengefühl umgesetzt sein will.
liebe Grüße
Claudia
medizinisches
Hallo Dorit,
bei den Infektionskrankheiten liegen zwischen Ansteckung und Ausbruch (sicht-/fühlbar krank) mehrer Tage (=Inkubationszeit), währenddessen auch schon Krankheitskeime weitergegeben werden können. Also wenn ein Kind mit einer Krankheit in den Kiga kommt hat es schon (je nach Krankheit) 3-7 Tage Zeit gehabt, seine Kameraden anzustecken.
Bei Interesse einfach mal Inkubationszeit und Infektionskrankheit (oder spezif. Windpocken, Masern, Grippe,…) googlen.
Tschuess Marco.
Hallo Thomas,
In einigen Punkten, die du vermutest, hast du recht. In anderen dafür nicht… Ich betreibe hoffentlich keine verbotene Werbung, wenn ich dir sage, dass ich in STRALSUND studiere. Im letzten Hochschulranking auf Platz 3 gelandet! Die Greifswalder würden sich sehr gern mittels eines hier stark umstrittenen Hochschulverbundes diesen (und andere-siehe www.fh-stralsund.de)FachbereicheFachbereiche) unter den Nagel reissen…Soviel dazu. Ja, ich bin gebürtige Westdeutsche und habe in den vier Jahren hier schon viel gelernt, was die berühmten kulturellen Unterschiede angeht, sehe das genauso wie du.
Ich würde mit
anderen Eltern sprechen, wie sie die Dinge sehen, und evt.
auch mich selbst überprüfen, ob meine eigenen
Bewertungmaßstäbe unverrückbar sind und warum. Manchmal kommt
man dabei zu überraschenden Lösungen.
Wir haben schon viele Elternabende veranstaltet, auf denen solch kritische Punkte zur Sprache kamen. Da tun sich manchmal wirklich Gräben auf und sog. Wessifrauen werden sehr schnell als hysterisch verschrien (mitunter haben sie selbst schuld, weiss ich auch). Die Erzieherinnen stecken in einem Dilemma. Ich stecke im Dilemma als Vorstand und betroffene Mutter. Unser Ansatz war nun, die Eltern, die sich in ihrem stillen Kämmerlein so aufregen, aufzufordern, die Initiative zu ergreifen. In Form eines offenen Brtiefes oder was auch immer. Denn: Ich persönlich halte die Einstellung: Ich bezahle, alles andere regelt der Verein- für jämmerlich…
Danke für deine Meldung
Dorit
Hallo Dorit,
mein Sohn besuchte umzugsbedingt drei verschiedene Kitas, als er noch in dem Alter war. Zwei waren staatlich, eine in freier Trägerschaft. Bei allen (übrigens im „Osten“ gelegenen) Kitas war es stillschweigende Übereinkunft, dass ein Kind nicht mit Fieber angenommen wird. Dann wurden die Eltern sofort angerufen und dazu aufgefordert, ihre Kinder aus der Einrichtung abzuholen. Bei Schnupfen o. ä. entschied immer der Allgemeinzustand des Kindes. Fühlte es sich wohl und war nicht quängelig, sah kein Erzieher einen triftigen Grund, das Kind aus der Einrichtung zu entfernen. Im Gegenteil, bei aller Angst vor Ansteckung, härtet ein Auseinandersetzen mit derlei harmlosen Erregung auch das Immunsystem des Kindes ab, sodass es immer weniger schnell erkrankt.
Was die klassischen Kinderkrankheiten wie Windpocken etc. betraf, hat man nur das „erstbefallene“ Kind sofort aus der Einrichtung holen lassen und gehofft, es würde kein Rundumschlag einsetzen. War dennoch das zweite Kind betroffen usw. gab man sofort auf. Diese mussten dann nicht zwangsläufig der Einrichtung fern bleiben, wenn sie sich ansonsten wohl fühlten. Es galt der Grundsatz, dass dann „wenigstens alles es durchhatten“. Eine sofortige Info ging an die Eltern (was ja auch Pflicht ist), sodass es in deren Ermessen lag, die Kinder vielleicht doch lieber Zuhause zu belassen, um eine Ansteckung zu vermeiden.
Alles in allem fand ich diese Regelungen immmer ganz gut, und die meisten konnten damit auch durchaus leben. Ich finde, Erzieher und Eltern müssen eng Kontakt halten. Das setzt kleine feste Gruppen voraus, damit man sich auch wirklich kennt und Ansprechpartner hat. Pauschalvorwürfe (von beiden Seiten) bringen da gar nichts. Weder darf Eltern unterstellt werden, ihnen wäre die Gesundheit des Kindes egal, noch ist eine Erzieherin nur zum Verwahren der Kinder da.
Alles Gute,
jana
Hallo Dorit,
Alles, was ich bieten kann, ist meine ganz persönliche Meinung!
Ich sehe es so, dass ein krankes Kind NICHT in den KiGa gehört. Allerdings sind die dort Beschäftigten Erzieher/innen, bzw, Kinderpfleger/innen und keine Ärzte. Ich halte schlicht für unmöglich, dass diese Leute eine medizinische Diagnose stellen können…
Wenn allerdings klar ist, dass ein Kind Fieber hat, dann sollten sie - soweit das im Frühmorgenstress (ich will hier niemanden auf den Schlips treten! Meine Frau ist selbst Erzieherin, und wenn ich schon mal erlebe, dass innerhalb von 10 Minuten 15 Kinder „abgegeben“ werden, halte ich das für Stress!) möglich ist, die Eltern darauf aufmerksam zu machen, dass es nicht geht!
Ein Problem sehe ich im Besonderen, wenn ein Kind sich morgens matt fühlt und dann im Laufe des Tages richtig krank wird. Nicht jedes Elternteil ist telefonisch erreichbar…
Es gibt eine Hausordnung, auf die sich berufen werden könnte,
die für den Wiederholungsfall der Missachtung einen Ausschluss
des betroffenen Kindes vorsieht.
Das halte ich für die ungünstigste Lösung, weil: ES NUR DAS KIND TRIFFT!
Bitte, wir wollen NICHT mit Kanonen auf Spatzen schiessen.
Eben deshalb finde ich diesen Teil der Hausordnung etwas „überarbeitungsbedürftig“.
Liebe Grüße
Guido