soziale Kompetenz
Hi Captain!
Hallo Marla!
Du gehst davon aus, dass ein Patient - also ein Mensch, der
sich bereits in Behandlung begeben hat (aus eigenem Antrieb
oder auf Veranlassung hin) die Diagnose von einem Fachmann
gestellt bekommt. (…)
Ja, sicher, denn niemand sonst kann eine Diagnose stellen.
Was aber, wenn ein Laie den Eindruck hat, dass ein Mensch
krank ist und ihm dies mitteilen möchte, ohne ihn gleich
völlig zu verschrecken? (…)
Auf sozial kompetente Art und Weise. Damit meine ich (ganz allgemein), dass beispielsweise der „Verdächtigen“ auf auffällige Handlungsweisen angesprochen, ihm seine Besorgnis mitteilt wird, usw. In der Regel hat man zu der entsprechenden Person eine bestimmte Beziehung, (z.B. eine verwandtschaftliche, partnerschaftliche oder kollegiale) und empfindet Besorgnis aus der heraus man die Person ansprechen möchte. Da nun aus diesem Grunde (eben der Beziehung) bereits ein Vertrauensverhältnis besteht, ist ein Gespräch sicherlich so zu führen, dass ein „Erschrecken“ vermieden werden kann - eben so, wie ich es darstellte.
Allerdings ist im allgemeinen Fall natürlich zu beachten, dass der eigene Eindruck über die entsprechende Person auch täuschen kann. Daher ist eine Diagnostik von einem Dritten angezeigt.
Im restlichen Text gehst Du auf einen persönlichen Fall ein. Sei versichert, dass Du hier keine allgemeine Lösung finden wirst, wie Du mit Deinem Freund sprechen kannst - dazu ist die Situation hier zu artifiziell. Daher möchte ich Dir hier keinen „guten Tip“ geben, wie Du ihm was auf welche Weise am besten mitteilen kannst - weil ich weder Dich, noch Deinen Freund kenne. Darüber hinaus ist es schwierig, Dir ein bestimmtes Gesprächsszenario zu empfehlen, da soziale Kompetenz von der jeweiligen sozialen Situation und den Protagonisten, den Erfahrungen mit ihnen, den Erfahrungen mit früheren Situationen etc abhängig ist.
Allerdings musst Du auch unterscheiden, ob Du ihn auf Deine Besorgnis ansprechen möchtest oder ob Du möchtest, dass er bestimmte Handlungen durchführt - z.B. seinen Psychologen aufsuchen. Das wird schwer, wenn Du ihn nicht überzeugen kannst, dass dies Deiner Meinung nach sinnvoll wäre. Viel mehr wirst Du nicht tun können (siehe unten).
dennoch möchte ich natürlich, dass er sich behandeln lässt.
Hast Du den Eindruck, dass ein Gespräch ihn dazu bringt? Dann solltest Du mit ihm sprechen. Viel mehr wirst Du auch - fürchte ich - nicht tun können, solange er keine Eigen- oder Fremdgefährdung zeigt. Immerhin empfiehlt ihn auch sein Arzt, einen Fachmann aufzususchen und er selbst bemerkt die Symptome offensichtlich und empfindet womöglich Leidensdruck, denn warum sollte er sonst z.B. mit seinem Arzt darüber sprechen.
Mir ist klar, das
muss aus eigenem Antrieb heraus geschehen, da sonst die beste
Psychotherapie nicht fruchten wird,
Richtig.
aber was kann manich im
Vorfeld tun, um ihn zu dieser Einsicht/Erkenntnis zu bewegen?
Hm, naja, es handelt sich immer noch „nur“ um einen Verdacht. Das Ziel Deiner Bemühungen sollte nicht sein, ihn zu einer Therapie zu bringen. Ich bin kein Freund davon, Menschan auf Verdacht hin zu „therapieren“, das machen andere.
Sagt man es psychisch erkrankten Menschen als Laie auf den
Kopf zu, dass „mit ihnen etwas nicht stimmt“, werden sie
zurecht behaupten: du hast ja keine Ahnung.
Das kann schon sein - aber wenn man befreundet ist (und ich denke, Du sprichts hier nicht mehr vom Allgemeinen, sondern von Deiner Problematik mit Deinem Freund), ist es weniger wahrscheinlich, dass diese Reaktion eintritt. Es kommt natürlich darauf an, es auf sozial kompetenete Art und Weise mitzuteilen.
Im besten Fall
erreicht man damit, dass sie noch mal in sich gehen und diese
Vermutung durch einen Spezialisten abklären lassen,
Das sollte dann auch das Ziel Deiner Bemühungen sein. Dann hätten sowohl er, als auch Du die Gewissheit, was los ist.
im
ungünstigeren und ich befrüchte beinahe im Regelfall, wird es
eine Abwehrhaltung hervorrufen, die genau zum Gegenteil führt.
Das ist eher selten der Fall. Wenn man einem Freund mitteilt, dass man sich Sorgen um ihn macht und ihn bittet, dass er sich untersuchen lässt, ist eine „Abwehr“ sehr sehr unwahrscheinlich; wahrscheinlicher ist, dass ein Gespräch darüber geführt wird.
Was also tun?
Zusammenfassend würde ich Dir den Tip geben, ein sozial kompetentes Gespräch mit ihm zu führen. Wenn er sich danach diagnostizieren lässt, ist Dein Ziel erreicht. Dies wäre wünschenswert und ich drücke Dir dafür die Daumen. Es wäre schön, wenn Du mir mitteilen könntest, wie sich die Situation weiter entwickelt.
Greetings,
Marla
Greetings,
cap
Zusammenfassung für die private Sammlung meiner Postings von Thomas Miller, dem Moderator des Psychologiebrettes: Hinweis auf sozialer Kompetenz als Grundlage für ein Gespräch.