Krankhaft Passiv

Guten Abend, ich habe ein relativ schwerwiegendes Problem welches über Jahre hinweg dafür sorgt das ich in meinem Leben einfach nichts erreiche.

Es geht darum das ich einfach krankhaft passiv bin, mich um wichtige Dinge einfach nicht kümmere bzw. alles was auch nur entfernt unangenehm ist vor mir herschiebe bis es irgendwann nicht mehr geht.

Das geht angefangen von Kleinigkeiten bis hin zu wichtigen Dingen wie einer Beziehung oder der Beruflichen Zukunft.

Mittlerweile bin ich fast 30 Jahre und habe nichts erreicht eben weil ich den Hintern nicht hochbekomme. Anstatt mich um eine Freundin (die ich mir wirklich wünschen würde) zu bemühen sitze ich an den Abenden zu Hause und schiebe es vor mir her.

Beruflich siehts auch nicht rosig aus. Ich arbeite in einer Zeitarbeitsfirma. Ich bin unzufrieden mit der Arbeit und dem Gehalt, bemühe mich auf der anderen Seite aber nicht um eine bessere Arbeit.

Ich finde mein Verhalten selbst völlig unlogisch und sogar gefährlich weil es mich dauerhaft unglücklich macht eben weil ich nichts erreiche.

Ich weiß was ich tun bzw. versuchen müsste um z.b. die genannten Themen “Arbeit” und “Partnerin” anzugehen nur ich “kann” es irgendwie nicht.

Es scheint als fehlt mir die “Energie” was zu bewegen; manche würden sagen “der Mann hat keinen Biss”

Ich weiß nicht woran es liegt, vielleicht spielt meine Erziehung in der ich nach Strich und Faden “verhätschelt” wurde wie man so schön sagt eine Rolle bei meinem Problem.

Ich kann aber auch zeitweise aktive Phasen haben, eben immer dann wenn sich jemand (wobei es eine Person sein muss vor der ich auch Respekt habe, bzw. die mir etwas bedeutet) mal kurz darum kümmert mir in den “Hintern” zu treten und zwar nicht auf die Brutale Art sondern nach dem Motto “Das kannst du doch besser, in dir steckt viel mehr usw. usw.”

Leider hält diese “Energie” nicht lange an und ich falle wieder ins alte Schema zurück.

Kann mir jemand einen Rat geben wie ich mich dauerhaft ändern kann, bzw. glaubt ihr das es möglich ist mich quasi selbst um 180 Grad zu drehen oder werde ich, um mich zu ändern einen Psychologen brauchen?

Auf die Gefahr hin, dass ich mir damit nicht unbedingt nur Freunde mache, sondere ich zunächst noch mal meine Standardsprüche „Keine Ferndiagnosen!“ und „Nicht alle, die mutige Empfehlungen aussprechen, sind Experten“ ab…

Nein, ich fürchte, nur mit einem Tipp wird es nicht getan sein. Verhaltensweisen, wie Du sie beschreibst, verselbständigen sich in gewisser Weise und werden mit der Zeit Bestandteil Deiner Persönlichkeit. Das heißt jetzt nicht, dass da nichts mehr zu machen ist - ganz im Gegenteil. Aber das ist tatsächlich eine Sache für einen Profi. Ich rate zu einer Therapie bei einem Ärztlichen oder Psychologischen Psychotherapeuten. Und bei der wird sich der Erfolg auch nicht innerhalb weniger Sitzungen einstellen, Du musst schon etwas Geduld mitbringen. Und Dich bemühen, auch kleine Schritte in die gewünschte Richtung als Erfolg zu akzeptieren.

Gruß
Arbeyterson

Hallo und guten Abend,

Deiner Anfrage entnehme ich, dass Dich Dein wenig zielstrebiges Verhalten irritiert, vielleicht auch ein bisschen stört. Du meinst, eine besser bezahlte Arbeit und eine Freundin wären schon ganz schön. Gleichzeitig unternimmst Du aus eigenem Antrieb aber nichts, um das Eine oder gar beides zu erlangen.

Kann es sein, dass Du im Innersten ganz zufrieden bist mit dem was Du momentan hast? Eine Arbeit, die zwar nicht reich macht, aber dafür auch nicht echt herausfordernd und tierisch stressig ist und keine feste Partnerin, die dauernd etwas von Dir fordern könnte. Beides kann auf Dauer ganz schön unbequem werden.

Du vermutest, dass Deine Bequemlichkeit daran liegen könnte, dass Dir immer alles abgenommen wurde und dass Du, wenn Dir jemand -sprichwörtlich - „in den Hintern tritt“, Du das von Dir Gewünschte auf die Reihe kriegst.

Mir scheint, Dein Leidensdruck ist nicht groß genug. Wenn Dein Geld für deine Wünsche nicht reichen würde oder Deine Sehnsucht nach einer festen Beziehung überhand nähme, wärest Du schon in der Lage, Dir selbst zu helfen. Du bist ja nicht unfähig oder gar dumm. Im Gegenteil. Du kannst rechnen: Du erhältst momentan den Gegenwert, was Du bereit bist, einzusetzen. Kaum Engagement - nicht zufriedenstellender Gegenwert.

Ich denke, was Du brauchst, ist ein Ziel. Ein finanzielles oder ein privates. Ein wirkliches Verlangen danach, es zu erreichen. Dann schaffst Du es auch ohne Hilfe von aussen.

Btw: welch aussenstehender Mensch könnte Dir vermitteln, was Dein persönliches Ziel ist? Das musst Du schon selbst fühlen und wollen.

Viele Grüße
Maralena

auch kleine Schritte in
die gewünschte Richtung als Erfolg zu akzeptieren.

Hallole,

Ich glaube, hier könnte der Schlüssel sein.

Wer kennt es denn nicht, dass mal der Schlendrian eintritt und man auf einmal feststellt, dass der Brief ans Finanzamt oder was auch immer immernoch nicht fertig ist.

Mir hilft dann ein kleines Notizbuch (So ein Oktavheft). Da wird eingetragen, was zu tun ist - zB

Brief ans Finanzamt
Schuhe putzen
Helmut anrufen

Das Abhaken jeder einzelnen Eintragung bringt ein kleines Erfolgserlebnis. Und ich wunder mich dann manchmal selbst, was man dann alles zustande bringt.

Das große Ziel bringt es nicht - das ist eher frustrierend. Die kleinen Schritte sind es, die Dich voran bringen. Und nicht zu viele auf einmal.

Ich glaube, man kann es mit etwas gutem Willen auch ohne einen Doktor hinkriegen - sorry die Doktoren!

Machs gut - aber machs

Uli

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Hallo, nochmal.

Nein im innersten Glücklich bin ich auf keinen Fall und das ist ja das Schlimme an der Situation.

Ich hatte früher einen besseren Job mit mehr Verantwortung und besserem Gehalt. Nur war es ein Beruf in der Industrie und viele dieser Stellen fielen der Finanzkrise zum Opfer.

Ich hasse (wie warscheinlich alle anderen Leiharbeiter auch) die Leiharbeit.
Man steht in der Hirachie an unterster Stelle in den Firmen und verdient so wenig das es kaum zum Leben reicht.

Thema Freundin das gleiche.
Ich führe ein Leben völlig ohne Liebe und Zärtlichkeit und das schon immer.

Und wie bei diesen beiden Angesprochenen Punkten (welche Momentan einfach die wichtigsten sind)geht es mir auch in anderen Situationen so.

Ich sehe das etwas falsch läuft, ich hasse das es so ist. Und trotzdem „kann“ ich nichts tun.

Manchmal denke ich ich bin irgentwie Geistesgestört auch wenn das ein hartes Wort ist, nur ist es definitiv nicht „normal“ wie ich mich verhalte und was ich aus mir mache.

Es kann doch nur was falsch laufen wenn man selbst erkennt was los ist aber man irgenteine art von Blockade im Kopf hat, die sich bei der kleinsten unanehmlichkeit zuschaltet.

Das mit den Zetteln/Notizbuch werde ich mal versuchen nur hab ich die Befürchtung das ich die sachen die ich da aufschreibe genauso vor mir herschiebe wie die sachen die ja schon alle in meinem Kopf stehen.

Manchmal denke ich ich bin irgentwie Geistesgestört auch wenn
das ein hartes Wort ist, nur ist es definitiv nicht „normal“
wie ich mich verhalte und was ich aus mir mache.

Ich habe auch mal so eine S - Phase gehabt. Bin damals umgezogen zu dem ersten Job nach der Ausbildung. Der Job war ok - aber ich habe sehr lange gebraucht, bis ich meinen Tritt gefunden hatte in der neuen Umgebung. Überall war ich der Fremde - schon an der Sprache zu erkennen. In meiner Heimat war ich mit den Mädels ganz gut zurechtgekommen - aber dann war es wie abgeschnitten. Das ging eine ganze Weile so.

Das mit den Zetteln/Notizbuch werde ich mal versuchen nur hab
ich die Befürchtung das ich die sachen die ich da aufschreibe
genauso vor mir herschiebe wie die sachen die ja schon alle in
meinem Kopf stehen.

Fang ganz klein an. Und wenn es nur eine Sache ist am Tag - zieh es durch! Es kommt dabei eine Selbstverstärkung auf: Wenn man es abgehakt hat, hat man auch eine Befriedigung und dieser Schwung hilft dann über den nächsten Punkt - da bin ich ganz sicher!
Denk dran: Auch die ganz große Reise fängt mit dem ersten Schritt an.

Mit ein paar kleinen Erfolgserlebnissen schaltet der Kopf auch von „Stand by“ auf „Operation“

Wenn der Kopf noch auf „Stand by“ ist, findet man auch nicht so leicht einen besseren Job.

Machst Du eigentlich Sport? Sport hilft mir immer sehr den Kopf klar zu bekommen.

Schöne Grüße

Uli

PS: Ich bin kein Fachmann auf diesem Gebiet. Ich fühle mich aber angesprochen aus eigener Erfahrung heraus.

Hi,

ein Ziel kommt einem nicht von außen zugeflogen. Und der Frager kommt selbst nicht drauf, was sein Ziel ist. Er weiß nicht, was er will oder er will nichts. Und das, was er wollen könnte, ist zu weit weg (aus seiner Perspektive).

Er hat gelernt, dass es gut und sicher ist, versorgt zu werden und sich nicht vom Fleck zu bewegen, d.h. aus dem mütterlichen Garten hinaus. Soo gut ist und war es aber doch nicht, aber als Kind gab es keine Notwendigkeit für den Weg hinaus (nach vorn, zu einem eigenen Ziel…). Und Ziel der Mutter war, die Kinder im Garten zu halten. (Hauptziel in bezug auf die Kinder.)

Heute geht es um die eigenen Ziele. Es gibt eine Notwendigkeit zu handeln, die der Fragesteller nicht akzeptiert. Er sieht, dass es so sein sollte, es ist für ihn aber nicht so. Er geht allen Notwendigkeiten von Anfang an aus dem Weg, so dass keine weiteren entstehen.

Da hilft es nur, entweder sich für etwas zu verpflichten, dass „leben“ und „herausgehen“ bedeutet, oder eine Therapie zu beginnen. Ersteres muss ja nicht die Freundin oder der bessere Job sein (was „augenscheinlich“ wichtig ist), sondern vielleicht etwas ganz anderes (ein Fernlehrgang, eine Diskussionsgruppe, ein anderer Job), allerdings muss er auch ausprobieren, um zu wissen, was er will.

Evtl. besteht bei der Therapeutensuche auch eine Gefahr, sich von einem Therapeuten „verwöhnen“ zu lassen, der selbst kein Ziel mit dem Patienten hat (weil er das Problem nicht kapiert). Persönlich würde ich mich an Fragestellers Stelle um tiefenpsychologische Therapie kümmern und einen „forschen“, gut strukturierten und Grenzen setzenden Therapeuten suchen.

VG
Anwärter

Nein. Ich ging früher ab und an ins Fitness Center; das kann ich mir jetzt natürlich nicht mehr leisten.

In letzter Zeit bin ich auch häufiger depressiv wegen meiner Situation und meinem Leben an sich.

Ich bin auch der Meinung das ich warscheinlich einfach zu dumm für einen besseren Job bin bzw sich sowieso niemals eine Frau für mich interessieren würde.

Nur versuchen was daran zu ändern kann ich nicht. Warscheinlich auch weil ich denke das ich sowieso nichts bewirken kann.

Hauptschulabschluss und keine Ausbildung: Für mich wird es sowieso nicht anderes geben als Leiharbeit.

Dann seh ich nicht gut aus, hab 0 Ahnung von Frauen; weiß nicht einmal wie und über was man mit einer Frau spricht.

Ich war wie gesagt noch nie ein Kämpfer und warscheinlich wäre es bei mir sowieso aussichtslos da ich diese „Kämpfe“ zu 100% sowieso verlieren würde.

Vielleicht ziehe ich mich deshalb immer weiter zurück, aber diese Passive Haltung hatte ich schon in meiner Jugend als es mir noch besser ging als jetzt.