Krankhafte Eifersucht

Was kann man tun?
Ist sowas auch vererblich,oder entsteht Eifersucht durch äußere Einflüsse (z.B. in der Kindheit durch Verlassenwerden oder so?)
Wie geht man als Partner eines Eifersüchtigen damit um…auf alles eingehen oder ignorieren?
Ist eine Therapie sinnvoll, wenn, welche ist dann die Richtige?
Könnt Ihr Literatur oder Links dazu empfehlen?
Weiß nicht so recht weiter…

Hi,

aus Deiner Überschrift ergibt sich m. E. eindeutig, dass DU/Ihr einen Fachmann/-frau benötigt. Da es „krankhaft“ ist, muß was getan werden, damit die Krankheit nicht noch mehr krank macht und letztendlich Dich/Euch besiegt. Ob das durch eine Therapie, ambulant oder auch stationär, oder wie auch immer behandelt wird, sollte der Fachmann/ die Fachfrau mit Dir/Euch beraten.

Da es „Krnkhaft“ ist, halte ich auch nicht sehr viel von Selbstmedikation durch Fachlektüre oder Chat odgl.! Häufig sind die Bäume so dicht, dass Betroffene den Wald gar nicht mehr wahrnehme (können).

Warum (bzw. inwiefern) ist sie „krankhaft“? Meinst Du, sie ist unbegründet (weil der Partner oder die Partnerin treu wie Gold ist)? Oder ist sie übersteigert, weil sie kaum noch Platz für andere Gedanken läßt?

Was kann man tun?
Ist sowas auch vererblich,oder entsteht Eifersucht durch
äußere Einflüsse (z.B. in der Kindheit durch Verlassenwerden
oder so?)

Psycho-evolutionäre Ansätze in der Psychologie (Buss, Tooby & Cosmides) gehen davon aus, daß Eifersucht ein Zustand ist, der einer Untreue des Partners entgegenwirken soll. Es soll sich dabei um eine Adaptation handeln, um eine im Verlauf der Phylogenese erworbene (Verhaltens-) Disposition. Also erblich, würden die sagen. Was natürlich überhaupt nicht ausschließt, daß ein Teil der interindividuellen Unterschiede im Ausmaß der Eifersucht durch Erfahrungen in der Lebensgeschichte zustandekommen.

Wie geht man als Partner eines Eifersüchtigen damit um…auf
alles eingehen oder ignorieren?

Hm, das läßt sich so abstrakt wohl kaum beantworten. Eine sorgfältige Analyse der Problemlage (durch einen geschulten und unabhängigen Dritten; s.u.) könnte hilfreich sein.

Ist eine Therapie sinnvoll, wenn, welche ist dann die
Richtige?

Es gibt Ehe- bzw. Partnerschaftsberatungen von (spezialisierten) Psychologen.

Gruß
Michael

Wie das Verhältnis zwischen angeborenen und anerzogenen seelischen/charakterlichen Eigenschaften eines Menschen ist (im Guten wie im Schlechten), da gehen die Meinungen auseinander. Der Trend geht aber dahin, der Sozialisation mehr Macht einzuräumen als bisher, d.h. es ist wohl weniger angeboren als wir bisher angenommen haben. Die Eifersucht ist eine Eigenschaft, die in ganz besonderem Maß dazugehört. Ursachen sind mangeldes Selbstwertgefühl und auch Realitätsfremdheit. Ich habe diesbezüglich einiges durchgestanden (bis zur „logischen“ Scheidung). Selbstwertgefühl (und viele weitere wichtige Eigenschaften) bekommt ein Mensch in der Kindheit mit, besonders in den ersten drei Lebensjahren. In einer Beziehung immer gleich zu glauben, der/die andere hat jemanden, der ihm (oder ihr) wichtiger ist als ich, verursacht eine selbsterfüllende Prophezeihung: Ich benehme mich so, dass der andere wirklich nichts Liebenswertes mehr an mir finden kann - und dann stimmt plötzlich die am Anfang falsche Annahme! Die zweite wichtige Sache bei Beziehungen ist Realitätssinn. Es gibt einfach keine Garantie, dass eine Beziehung ewig hält. Es kann Flirts geben (die ein Zeichen von Lebendigkeit der Gefühle sein kann). Es kann schnell vorbei sein. Dass es noch viel öfter Wolken am Beziehungshimmel gibt, wo man abwarten muss, bis wieder schönes Wetter ist, sollte sich von selbst verstehen. Eifersucht (in Maßen) kann für die Beziehung auch mal gesund sein.

Und schlussendlich bin ich bei zig existierenden Therapieansätzen ein Anhänger der Konfrontations-Methode. D.h. ich habe eine (durch nichts begründete) Angst vor Spinnen. Ich habe vor, mich theoretisch und dann auch praktisch mit Spinnen solange zu beschäftigen, bis ich keine Angst mehr davor habe. Es gibt Therapeuten, die fahren mit ihren unter Platzangst leidenden Patienten solange U-Bahn, lassen sie dann auch alleine fahren, bis sie die Angst verlieren. Statt Konfrontation könnte man hier wohl auch Abhärtung sagen. Ängsten und Problemen aus dem Weg gehen ist sicher der falsche Weg. Nun bleibt die Frage, wie sich diese Therapie auf die Eifersucht anwenden lässt. Wenn die Eifersucht wirklich unbegründet und damit krankhaft ist, hilft vielleicht offenes und manchmal brutal erscheinendes Reden über die Ängste (es sind Ängste!) und Ehrlichkeit ohne Vorbehalte - und das über Monate oder Jahre (es dauert extrem lange, bis sich Dinge, die seit mehr als 20 Jahre in uns drin sind, ändern. Und es ist harte Arbeit. Nicht jeder hat die Kraft dazu. Jeder muss wissen, ob es ihm/ihr den Versuch wert ist.