Krankheits-Einträge in die Personalakte?

Hallo

Ist das eigentlich OK, wenn ein Betrieb es sich „angewöhnt“ hat, einen Eintrag in die Personalakte zu machen, wenn ein Arbeitnehmer Krank war?
Der Arbeitnehmer wird dann zum „persönlichen Gespräch“ gerufen und muß sich dann einen Vortrag darüber anhören, das es nicht so gut ist, wenn man krank wird und das es für die Firma schädigend ist.
Anschließend muß der Arbeitnehmer den Eintrag der ungefähr lautet „Der Arbeitnehmer wurde darüber belehrt, das ein Krankheitsfall negativ für die Firma ist und hat versprochen die Krankheitstage weiter zu reduzieren“. Dies muß der Arbeitnehmer dann natürlich noch unterschreiben.

Dies ist ein „Standardvorgang“, wobei es keinen Unterschied macht, ob man alle 3 Monate krank ist oder alle 3 Jahre mal.
Auch völlig egal, ob der Arbeitnehmer gerade von einer schweren Herz-OP zurück kommt, oder nur einen Schnupfen hatte.

Würde mich mal eure Meinung interessieren.

Danke

Gruß
Andreas

Hallo

Hallo,

Ist das eigentlich OK, wenn ein Betrieb es sich „angewöhnt“
hat, einen Eintrag in die Personalakte zu machen, wenn ein
Arbeitnehmer Krank war?

Krankheitstage dürfen natürlich erfasst und auch aufgelistet werden.

Der Arbeitnehmer wird dann zum „persönlichen Gespräch“ gerufen
und muß sich dann einen Vortrag darüber anhören, das es nicht
so gut ist, wenn man krank wird und das es für die Firma
schädigend ist.

So What ? Solange der AG die Zeit bezahlt, kann er mit dem AN Gespräche führen, so oft er will. Falls es in dem Betrieb einen BR gibt, kann der AN zu jedem Gespräch einen BR seines Vertrauens mitnehmen gem. § 82 Abs. 2 BetrVG:
http://www.gesetze-im-internet.de/betrvg/__82.html
Gibt es keinen BR, sollte die Belegschaft mal über eine Gründung nachdenken.

Anschließend muß der Arbeitnehmer den Eintrag der ungefähr
lautet „Der Arbeitnehmer wurde darüber belehrt, das ein
Krankheitsfall negativ für die Firma ist und hat versprochen
die Krankheitstage weiter zu reduzieren“. Dies muß der
Arbeitnehmer dann natürlich noch unterschreiben.

Das kann er getrost, da diese Formulierung arbeitsrechtlich absolut irrelevant ist. Krankheit ist grundsätzlich kein durch den AN steuerbares Verhalten und damit nicht abmahnfähig.
Mit der erfüllung der gesetzlichen Pflichten des AG gem. § 84 Abs. 2 SGB IX hat dieses Gespräch auch nix zu tun:
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9/__84.html

Dies ist ein „Standardvorgang“, wobei es keinen Unterschied
macht, ob man alle 3 Monate krank ist oder alle 3 Jahre mal.
Auch völlig egal, ob der Arbeitnehmer gerade von einer
schweren Herz-OP zurück kommt, oder nur einen Schnupfen hatte.

Würde mich mal eure Meinung interessieren.

Wenn sich ein AN nicht ins Bockshorn jagen lässt, ist das Vorgehen des AG arbeitsrechtlich vollkommen nutzlos.

Danke

Scho’ recht

Gruß

&Tschüß

Andreas

Wolfgang

Hallo Andreas,

da nach der Meinung und nicht nach rechtlichen Gesichtspunkten gefragt wird,hier meine Meinung:

Es bewegen sich in der letzten Zeit immer mehr Firmen an den Rand der Moral und guten Sitten.
Kann nur aus eigener Erfahrung sprechen und habe es eigentlich nicht für möglich gehalten wie man permanent AN überwachen,ausspionieren und bevormunden kann.

Auch hier möchte ich mal eure Meinung dazu wissen.

mfg Bollfried

Hi!

Es bewegen sich in der letzten Zeit immer mehr Firmen an den
Rand der Moral und guten Sitten.
Kann nur aus eigener Erfahrung sprechen und habe es eigentlich
nicht für möglich gehalten wie man permanent AN
überwachen,ausspionieren und bevormunden kann.

Wenn Du mir jetzt noch erklärst, wieso es Spionage und Bevormundung sein soll, dass man Krankenstatistiken führt, verstehe ich die Aufregung evtl. etwas besser.

Auch hier möchte ich mal eure Meinung dazu wissen.

Nun, der AG ist sogar verpflichtet, AUs eine gewisse Zeit aufzubewahren - das ist dann auch Teil der Personalakte.

Wenn in einer Abteilung gehäuft Erkrankungen auftreten, dann sucht der AG die Ursache idealerweise beim Vorgesetzten - auch dazu sind „Return To Work“-Gespräche gedacht.

Wenn es vermehrt zu Erkrankungen einzelner Mitarbeiter kommt, kann man idealerweise Ursachenforschung betreiben, wie man der Problematik Herr werden kann.

Wenn jemand einfach nur eine faule Nuss ist, dann gehört diese faule Nuss entsorgt, da sie eine Last für die Kollegen ist.

usw, usf.

Immer noch Bevormundung und Spionage?

Gruß
Guido

Hallo,
Wenn Du mir jetzt noch erklärst, wieso es Spionage und Bevormundung sein soll, dass man Krankenstatistiken führt, verstehe ich die Aufregung evtl. etwas besser.:
Damit hast du natürlich recht!

Und hiermit auch
Wenn in einer Abteilung gehäuft Erkrankungen auftreten, dann sucht der AG die Ursache idealerweise beim Vorgesetzten - auch dazu sind „Return To Work“-Gespräche gedacht.:
Nur… im genannten Beispiel wird in diesen Gesprächen gesagt, man schade der Firma durch das Krank"feiern".
Man muss unterschreiben (!):
„Der Arbeitnehmer wurde darüber belehrt, das ein Krankheitsfall negativ für die Firma ist und hat versprochen die Krankheitstage weiter zu reduzieren“:
Ich persönlich würde das niemals unterschreiben. Es wird einem nämlich indirekt unterstellt, man würde absichtlich Krankheitstage produzieren (meine Meinung).
Wenn jemand krank wird, kann er normalerweise nix dafür. Und kann sich somit nicht verpflichen /versprechen, Krankheitstage weiter zu reduzieren.

Das kann ja so nicht sein?

Gruß
Shannon

2 „Gefällt mir“

Ja, da kann ich nur ein Lied von singen.
Es ist „untersagt“, das man sich auf der Arbeit miteinander unterhält. Musik hören ist Verboten. MP3 Player etc. verboten. Taschen, Jacken und anderes in der Nähe des Arbeitsplatzes: Verboten (man könnte ja einen Kugelschreiber mitgehen lassen).
Lachen: Verboten…

Auch immer wieder schön: Während der Fließbandproduktion kommt es zu Material-Mangel und es gibt ca. 15 Minuten nichts zu tun. Am nächsten Tag gibt es eine Ansprache, weil man den Tagessatz nicht geschafft hat (Obwohl wie gesagt das Material nicht geliefert wurde und man ja nicht „mit nichts“ arbeiten konnte).

Dazu kommt noch der „Schmuh mit der Stempeluhr“, wo dann immer wieder 2-3 Stunden in der Woche plötzlich verschwunden sind usw.

Ja, ist schon ne tolle Sache :wink:

Gruß
Andreas

1 „Gefällt mir“

Hi!

Wenn jemand krank wird, kann er normalerweise nix dafür. Und
kann sich somit nicht verpflichen /versprechen, Krankheitstage
weiter zu reduzieren.

Und genau deshalb ist der Wisch nicht das Papier wert, auf dem er erstellt ist.

VG
Guido

Hallo Guido,

Und genau deshalb ist der Wisch nicht das Papier wert, auf dem
er erstellt ist.

Darum geht es nicht. Juristisch ist der Wisch nichts wert, aber psychologisch ist die Ganze Prozedur ungemein wirksam.
Es geht darum Druck auf Mitarbeiter zu machen, weniger Krankmeldungen zu liefern. Den Effekt, dass Angst die Krankenständen senkt, kennt man von der jährlichen Statistik. Als die Arbeitslosigkeit am Höchsten war, war der Krankenstand in der BRD am Niedrigsten.

Nun könnte jemand einwenden, dass es aus betrieblicher Sicht unklug ist, die Arbeitnehmer daran zu hindern, sich auszukurieren.
Das gilt in einem Betrieb mit eingearbeiteten Fachkräften, die nicht einfach zu ersetzen sind. Ein Betrieb aus dem Niedriglohnsektor sieht das anders aus. Die Angestellten sollen Arbeiten, egal im welchen Zusatnd. Und wenn ein Angestellter dabei kaputt geht und vermehrt ausfällt, wird ihm wegen Krankheit gekündigt. Ersatz gibt es noch genug.

Oder wie siehts du das.

Gruß
Carlos

Passt hier eigentlich nicht hin
Hi Carlos,

Oder wie siehts du das.

Anders :smile:

Ernsthaft: Ich versuche, hier im Brett auf den emotionalen oder psychologischen Faktor zu verzichten, es sei denn, es geht um eindeutiges Mobbing, was allerdings in einem Forum nicht zu klären wäre.

Insofern bin ich bei Euch, wenn Ihr das Verhalten des Arbeitgebers als solches verurteilt, weil es mies ist - rechtliche Auswirkungen hat es imo aber nicht.

Ich arbeite übrigens in einem Bereich, der als Billiglohnsektor bekannt ist, sogar einen der miesesten Rufe im gesamtem Arbeitsmarkt „genießt“.
Dennoch haben unsere „Return To Work“-Gespräche den Hintergrund, das Leben einfacher zu machen.

Wenn in einem Team das Gros überdurchschnittlich oft krank ist, dann macht es wenig Sinn, das Team zu tauschen, man tauscht den Vorgesetzten (wenn es Dich an Profifußball erinnert, mag der Vergleich durchaus zutreffend sein).
Natürlich kann es vereinzelt auch sinnvoll sein, den dauerkranken Mitarbeiter zu versetzen, auch örtlich.

Nur einen Hintergrund haben unsere RTW nicht: Einschüchterung oder Kündigungsvorbereitung, denn nichts ist nervender als Freisetzung und Recruiting (irgendwo also reiner Egoismus)…

VG
Guido