Hallo Leute,
hab mal eine vielleicht etwas bekloppte Frage:
Ich habe mir ein altes Tamron Zoom gekauft, das 28-200mm 1:3,8-5,6 AF für Nikon.
Das hat einen deftigen Kratzer auf der Frontlinse.
Wie ich bei Testaufnahmen feststellen konnte, wirkt sich der Kratzer - wie zu erwarten war - nur im Weitwinkelbereich aus, und ist auch nur bei Gegenlicht gut sichtbar. Je nach Blendenöffnung ergibt sich dann ein größerer oder kleinerer hell leuchtender Fleck.
Ich habe hier bei Picolodia Fotos hochgeladen:
http://www.picolodia.com/store/large_dgm4ji.jpg
Frontlinsenkratzer am Tamron 28-200 f3,8-5,6
http://www.picolodia.com/store/large_w1uzji.jpg
200mm f11
http://www.picolodia.com/store/large_jn5qzt.jpg
200mm f11 Gegenlicht
http://www.picolodia.com/store/large_whb0lc.jpg
28mm f5,6
http://www.picolodia.com/store/large_6y8iq2.jpg
28mm f4 Gegenlicht
http://www.picolodia.com/store/large_jd6gwh.jpg
28mm f8 Gegenlicht
http://www.picolodia.com/store/large_vohgi6.jpg
28mm f16 Gegenlicht
Wäre es Erfolg versprechend, den Kratzer mit Fotolack (tiefschwarz) auszufüllen, so dass er „nur“ noch als dunkler Schatten in Weitwinkelfotos zu sehen wäre, aber eben keine Lichtbrechung mehr verursacht?
Fragt
Beuteltier
Hallo Beuteltier!
Deine Objektivkonstruktionen beeindrucken mich, auch der Bau des Diaprojektor-Scanners. Bin gerade dabei, sowas selbst zu testen…
Als begabter Objektiv-Bauer sollte es kein Problem für dich darstellen, eine neue Frontlinse einzubauen, denn mit Lack, egal ob farblos oder farbig, wird immer eine Lichtbrechung am Kratzer auftreten.
Denn: Tritt Licht von einem optisch dichteren Mittel in ein optisch dünneres Mittel, wird der Lichtstrahl vom Lot weggebrochen und umgekehrt…
Solche Reparaturversuche sind seltsamerweise bei Auto-Windschutzscheiben zulässig, würden dir aber am Objektiv keine Verbesserung bringen.
Gruß
lichtpunkt
Hallo Lichtpunkt,
danke für die Blumen 
Natürlich könnte ich eine neue Frontlinse einbauen, wenn ich eine hätte.
Aber ich habe keine! Und eine Frontlinse von so einem alten Objektiv, die immerhin schon asphärisch geschliffen ist, könnte ich nur bekommen indem ich ein gleiches Modell mit einem anderen Schaden bei eBay finde und billig bekommen kann.
Das Objektiv wäre unbeschädigt rund 50 Euro wert heutzutage, und ich habe es für knapp 30 Euro inkl. Versand gekauft, weil es angeblich nach einem Sturz hinten am Bajonett krumm ist und die Blende klemmt. Das habe ich alles innerhalb einer guten Stunde repariert gehabt (Cyanacrylat-Kleber klebt den Kohlefaserverstärkten Kunststoff wie Sau) und danach erst das Objektiv geputzt, wobei mir der Kratzer - den ich beim Auspacken für einen Schmierfleck gehaltn hatte - erst aufgefallen ist.
Jetzt versuche ich vom Verkäufer eine Ausgleich für den nicht beschriebenen Mangel zu bekommen 
Gruß
BT
Schwarze Farbe im Kratzer ist so wie die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Aus analogen Zeiten ist mir noch ein Thema bekannt: Ich hatte damals Farbnegative mit „schönen“ Kratzern. Im Labor haben die den Film mit Vaseline (mehr oder weniger durchsichtige Paste) eingeschmiert. Damit habe sie den Kratzer quasi ausgefüllt, damit er keine (oder fast keine) Lichtbrechwirkung mehr hatte. Die 30x45-Poster sind toll geworden - kein Kratzer zu sehen. Als ich die Negative dann allerdings scannen wollte, musste ich sie vorsichtig reinigen, weil die Vaseline Schlieren beim Scannen verursacht hat. Ursache: Beim Belichten im Labor wird sehr diffuses Licht (so wie im Farbmischkopf eines Vergrößerers die Mischbox) verwendet, d.h. das Licht ist nicht gerichtet, sondern streut. Effekt: der Abzug wird weicher, aber Kratzer und Schlieren fallen nicht so auf. Beim Scannen dagegen ist das Licht extrem gerichtet, also punktförmig. Da kommt jeder kleine Kratzer und jeder Fingerabdruck usw. sehr scharf heraus. Dafür kann (und muss man dann retuschieren.
Was hat das mit Deiner Linse zu tun? Ich würde versuchen, FARBLOSEN, möglichst sehr klaren Lack, Acryl, Superkleber o.ä. in die Vertiefung einzubringen, allerdings müsste die Oberfläche der Linse über dem Kratzer möglichst glatt weitergehen. Wenn Du statt dem Kratzer dann ein Lackgebirge drauf hast, ist der Effekt der gleiche. Vielleicht kann man, wenn es eine Art Kunststoff ist, mit einer Rasierklinge so schaben, dass der Lack geglättet wird, ohne das Glas der Linse zu beschädigen. Da braucht’s Chirurgenhände!
Gruß, Artefakt
Hallo Artefakt,
habe deinen Tipp mal ausprobiert.
An so was hatte ich auch schon gedacht, weil ich einen Steinschlag in meiner Autofrontscheibe auch mal mit Cyanacrylat-Kleber gesichert hatte, bevor ich zu CarGlas fahren konnte damit.
Ich habe also den Kratzer samt Umgebung entfettet und gereinigt, dann eine Tropfen Superkleber drauf und fest werden lassen.
Nach einer Stunde habe ich dann mit einer frisch ausgepackten Martor-/Olfa-Cutter-Klinge den Tropfen weggehobelt und die Linse und den geklebten Kratzer mit Wattestäbchen poliert.
Ich habe dann Testfotos gemacht und den Eindruck gewonnen, dass der Kratzer nicht mehr so stark in Erscheinung tritt wie vor der Behandlung, kann mich aber täuschen, weil ich die ersten Fotos gegen die nachmittägliche Wintersonne gemacht hatte und die Testfotos jetzt gegen eine 50W Halogenbirne:
http://www.picolodia.com/store/medium_tjcv3r.jpg
Es komt mir so vor als ob der Fleck nicht mehr viel heller ist als die Linsenreflektionen des Objektivs.
Danke!
Gruß
BT
Hallo,
als klare Substanz, die einen Brechungsindex hat, der ziehmlich dem des Glases entspricht, wäre Canada Balsam ein Kandidat. Dies wird in der Mikroskopie verwendet um Objekte einzubetten und das Deckgläschen zu fixieren.
Ich weiss leider nicht wie sich die Oberfläche verhält, wenn sie an der Luft aushärtet. Das wird, auch bei anderen Lacken, Materialien, das Problem sein,da keine formgebende Fläche an der Vorderfläche vorhanden ist.
Gruß Volker
Hallo,
Canadabalsam ist für offene Flächen leider nicht geeignet, er ist ein zähflüssiges Harz; ähnlich wie aus Bäumen unserer Wälder austretendes Harz verdunstet ein geringer flüchtiger Anteil und hinterlässt eine mehr oder weniger unebene klebrige Fläche.
Besten Gruß
von Julius
Hallo Julius,
das habe ich befürchtet, aber bei den Deckgläschen wird´s am Rand ja auch fest. Naja, wieder was dazu gelernt.
Gruß Volker