Kreatives schreiben

Hallo :smile:

Hatte die Frage falsch gestellt. sorry

ihr seid in tokio und spricht kein wort japanisch. wie kann die geschichte weiter gehen???

Liebe/r Verfasser/in der Anfrage,

vielen Dank für Ihr Interesse an meinem Fachwissen zum Thema „Kreatives Schreiben“.

Es wäre für mich (und für Sie) sehr leicht, wenn ich jetzt meine Fantasie einsetzen und die von Ihnen in einem Satz geschilderte Situation zu einer Geschichte ausbauen würde. Allerdings wäre das für Sie keine wirkliche Hilfe, denn damit würde ich Ihnen lediglich die „Arbeit“ des Nachdenkens abnehmen sowie Sie Ihrer eigenen - sicher reichlich vorhandenen - Fantasie berauben; und das ist etwas, das ich auf keinen Fall tun möchte.

Der Begriff „kreatives Schreiben“ sagt eigentlich bereits aus, was jede/r Autor/in als Grundvoraussetzung zum Schreiben unbedingt mitbringen muss: Kreativität. Und das heißt eben auch, aus einem einzigen Satz, einer Situation, einer Schlagzeile, einem Bild oder auch nur einem flüchtigen Gedanken eine ganze Geschichte entwicklen zu können. Nur dann ist es wirklich die eigene Geschichte desjenigen, der sie geschrieben hat.
Steckt man beim Schreiben einmal mitten im Text fest oder ist man sich in inhaltlichen oder fachlichen Fragen unsicher, benötigt man Hilfe zum Einsatz eines bestimmten Stilmittels oder kommt mit Zeitformen, Rechtschreibung und Interpunktion nicht zurecht, dann kann man sich durchaus Hilfe vom Fachmann (oder einer Fachfrau) holen. Aus der Schlagzeile/der Idee jedoch eine Geschichte zu entwickeln, ist alleinige Sache des Autors/der Autorin.

Es tut mir leid, Ihnen hierzu nichts anderes sagen zu können, aber ich bin der festen Überzeugung, Ihnen einzig auf diese Weise einen Gefallen zu tun, anstatt jetzt anzufangen, „Ihre“ Geschichte zu schreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Judith Ott
Freiberufliche Autorin

Vielen Dank für Ihre Antwort, natürlich möchte ich die Geschichte alleine schreiben, nur fehlt mir eben der Anfang…
Das ist mein Problem. Natürlich verlange ich hier keine ganze Geschichte. Mir fehlt es an den Ausdrücken. Sollte ich die Gegend schildern. Oder vielleicht wie kam es dazu dort zu überhaupt zu landen ohne jegliche Vorbereitung der Mentalität dieses Landes oder besser gesagt der Sitten und Verständigungen.

Trotzdem vielen Dank

Gut, versuchen wir es also …

Allerdings möchte ich im Vorfeld einen Ratschlag loswerden: Es ist grundsätzlich das Beste, über Dinge zu schreiben, die man gut kennt. Wenn Sie also unbedingt über Tokio schreiben wollen, sollten Sie sich zumindest schon einmal in Japan aufgehalten haben, mit den dortigen Sitten und Gebräuchen vertraut sein, die Mentalität der Japaner kennen usw. Ansonsten wirkt eine Geschichte nämlich von Beginn an unglaubhaft. - Okay, Karl May war nie an den Orten, über die er geschrieben hat, werden Sie mir vielleicht entgegenhalten. Aber Karl May war die große Ausnahme von der Regel; nur wenige besaßen bzw. besitzen ein solches Talent, dem Leser (und das ist ein verdammt breites Publikum quer durch alle Bevölkerungsschichten und Altersklassen), etwas glaubhaft zu erzählen, wovon sie im Prinzip nie selbst etwas gesehen oder erlebt haben. Das Verhältnis beläuft sich meiner vorsichtigen Einschätzung nach auf 1:1000, ein solches Talent - allein unter den bedeutenden Schriftstellern - ausfindig zu machen.
Als Schreibanfänger dagegen bewegt man sich besser auf sicherem Terrain.

Doch zurück zu Ihrer Eingangssituation. Jemand landet also aus heiterem Himmel in Tokio … Vielleicht wollte er ganz woanders hin, aber der Flieger musste aus Schlechtwettergründen den Flughafen von Tokio anfliegen … Auch dort könnte Sturm o. ä. schlechtes Wetter herrschen, vielleicht auch Terroralarm auf dem Flughafen - also ist an ein vorläufiges Wegkommen von dort nicht zu denken. Was tun? Was braucht der Mensch in solchen Situationen? - Ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen.
Je nachdem, was für eine Geschichte Ihnen vorschwebt, kann dies unter Umständen zu sehr humorvollen Situationen führen, wenn man sich - statt mit Worten - mit Händen und Füßen verständigen muss. Wenn man großes Glück hat, fällt man einem Einheimischen auf, der wenigstens gebrochen Deutsch spricht und zudem ein mitleidiges Herz besitzt - dann hätte man schon seine erste Bekanntschaft im fremden Land geschlossen …

In der Hoffnung, dass es nun „fließt“, verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Judith Ott

Hallo,

so ganz sicher bin ich mir nicht, ob ich dein Anliegen verstehe. Scheint so, als hätte es zu diesem Posting eine Vorgeschichte gegeben, auf die du die beziehst, die ich aber nicht kenne.

Dennoch will ich dir eine Antwort geben, soweit ich das kann.

Die Frage, die du stellst, ist keine technische Frage, sondern eine Kreativfrage. Leider ist dies etwas, das der Autor nur selber beantworten kann, weil er eben entscheiden muss, wie sich die Geschichte entwickelt.

Solltest du keine Idee haben, so ‚spinne‘ einfach ein bisschen herum. Meist stellen sich dann die (brauchbaren) Ideen von selber ein.

Dein Posting zeigt, dass deine Geschichte schon mal einen Konflikt hat (jemand ist in Tokio und spricht kein Japanisch. Er muss sich also irgendwie durchschlagen). Das ist gut. Ohne Konflikte keine gute Geschichte.

Wie es weitergeht, könnte mit dem Grund zusammenhängen, wegen dem dein Protagonist in Tokio ist. Dies könnte eine Urlaubsreise sein - vielleicht ein Rucksacktourist, der etwas erleben will. Er könnte jemanden bitten, ihm zu helfen. Dieser jemand ist aber nicht freundlich, sondern z.B. ein Verbrecher, der unseren Protagonisten ausnehmen will. Er könnte entführt werden und sich nachher auf dem Land wiederfinden, von wo aus eine Odyssee nach Hause beginnt. Vielleicht könnte er Hilfe bei einem japanischen Reisbauern finden, gefallen an diesem Leben finden (vielleicht hat der Reisbauer eine wunderschöne Tochter) und sich dazu entschließen, für immer in Japan zu bleiben.

Unser Protagonist könnte aber auch wegen einer geschäftlichen Sache in Tokio verweilen. Vielleicht geht es um einen wichtigen Geschäftsabschluss, der in seiner Heimat viele Arbeitsplätze rettet. Doch unser Protagonist wurde kurzfristig ausgewählt, weil derjenige, der eigentlich fahren sollte, erkankt ist. Nun muss er also möglichst schnell die komplizierten japanischen Verhaltensweisen erlernen, damit das Geschäft erfolgreich abgeschlossen wird. Dies könnte zu komischen Situationen führen, wenn zwei Kulturen aufeinandertreffen.

Ansonsten sieht das ‚Herumspinnen‘ so aus:

  • wird von Außerirdischen entführt.
  • sucht seine vermisste Frau, die während ihres Japansauenthalt verschwunden ist (sie könnte für den Geheimdienst arbeiten, in dubiose Geschäftsmachenschaften verwickelt worden sein, einen Skandal aufdeckt haben)
  • hat vor der amerikanischen Küste ein weibliches Godzillamonster entdeckt und möchte ihn nun mit dem japanischen Männchen verkuppeln
  • usw.

Du solltest dich nicht davor scheuen, auch zunächst vollkommen absurd klingendes zu notieren. Häufig ergeben sich gerade dadurch neue Lösungsansätze.

Hope that helps.