Hallo Mone,
zuerst mal ist es gar nicht bescheuert, wenn man sich vor vermeintlich schlimmen Ergebnissen fürchtet. Das ist nur menschlich. Es ist menschlich, aber auch falsch.
Nein, Krebs ist nicht genetisch bedingt in dem Sinne, dass eine bestimmte Tumorart definitiv weitervererbt wird. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass bestimmte Krebsarten, vor allem Prostata, Darm- und Brustkrebs auch familiär mitbestimmt werden. Nach heutiger Kenntnis beruhen etwa fünf bis zehn Prozent aller Krebserkrankungen auf einer erblichen Veranlagung, d.h. nicht der Krebs selbst, wohl aber die Veranlagung dazu kann vererbt werden.
Grundsätzlich spielen dabei die gleichen genetischen Veränderungen in Onkogenen, Tumorsuppressor-Genen oder Reparaturgenen eine Rolle wie bei spontan entstehenden Tumoren.
Voraussetzung allerdings ist, dass die zugrunde liegenden genetischen Schäden entweder in der Eizelle der Frau oder im Spermium des Mannes vorhanden sind (sogenannte Keimbahnmutation), da nur genetische Schäden dieser Zellen bei der Vererbung weitergegeben werden können. Je nachdem, ob Onkogene, Tumorsuppressor-Gene oder Reparaturgene betroffen sind, führt die Weitergabe der Gendefekte in den Keimzellen jedoch nicht immer sofort zur Tumorentstehung, da im Organismus für jedes Gen eine zweite Sicherungskopie existiert. Erst wenn im Laufe des Lebens auch diese Sicherungskopie geschädigt wird, entsteht vielfach erst ein Tumor.
Quellen:
Herkunft und Entstehung von Tumoren (Äthiologie), in: H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006, S. 235-278
Allerdings wurde von Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in aktuellen Studien deutlich höhere genetische Einflüsse entdeckt. Zu der Studie heißt es:
"Bisher sind die Forscher davon ausgegangen, dass es familiäre Formen nur bei wenigen Tumorarten gibt. Der Epidemiologe Kari Hemminki hat das Gegenteil entdeckt.
Der Experte hat anhand der schwedischen Familienregister festgestellt, dass bei fast allen Tumoren familiäre Erkrankungsformen vorhanden sind. Das bedeutet, dass in den betroffenen Familien sowohl für Nachkommen als auch für Geschwister von Betroffenen ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht.
Schweden bietet aufgrund seiner umfassenden Bevölkerungsstatistik einzigartige Möglichkeiten zum Studium genetischer Risiken von Krebserkrankungen, da alle seit 1932 Geborenen in einem Familienregister dokumentiert sind. In diesem Register befinden sich Daten über mehr als zehn Mio. Menschen. Zusätzlich dazu erfasst das Schwedische Krebsregister fast
100 Prozent der Krebserkrankungen im Land. Durch Zusammenführung beider Datenbanken, die auch am DKFZ genutzt werden, konnten Hemminki und sein Team mehr als drei Mio. Familien untersuchen. Der Experte fand fast 5.000 Familien, in denen jeweils mehrere gleichartige Tumorerkrankungen aufgetreten waren.
Bei 24 von 25 Tumorarten fand Hemminki familiäre Erkrankungsformen. Am häufigsten waren familiäre Tumore bei Prostatakrebs (rund 15 Prozent), gefolgt von Darmkrebs (10 Prozent) und Brustkrebs (8,5 Prozent). Am seltensten waren familiäre Krebserkrankungen bei Bindegewebs- (0,4 Prozent) und Hodentumoren (0,5 Prozent). „Betrachtet man den Grad der Erblichkeit, zeigen sich ebenfalls erhebliche Unterschiede von Krebsart zu Krebsart. Das höchste genetische Risiko wiesen Familien mit Hodenkrebs auf“, berichtet Hemminki. Söhne von erkrankten Vätern hatten im Vergleich zu Söhnen aus Familien ohne Hodenkrebs ein vierfach erhöhtes Risiko, Brüder von Betroffenen sogar ein neunfach erhöhtes Risiko, selbst an einem Hodenkrebs zu erkranken.
Familiäre Erkrankungen kommen auch bei verbreiteten Krebsarten wie Prostata-, Nieren-, Haut-, Magen- und Lungenkrebs, Leukämien und endokrinen Tumoren vor, und zwar häufiger als bisher angenommen. Ein besonders hohes Erkrankungsrisiko beobachtete der Forscher in Familien mit mehr als zwei Erkrankungsfällen bei Verwandten ersten Grades bzw. niedrigem Erkrankungsalter. „Beides lässt auf eine durchschlagende genetische Disposition für die jeweilige Krebserkrankung schließen und sollte eventuell Anlass für eine genetische Beratung geben“, meint Hemminki.
Das Argument, die beobachtete familiäre Häufung von Krebserkrankungen könne ebenso durch geteilte Umweltfaktoren bedingt sein, schließt der Experte aus. „Frühere Studien an Ehepaaren haben gezeigt, dass die Krebsrisiken nur bei streng umweltbedingten Tumoren wie etwa Lungen- oder Genitalkrebs parallel anstiegen“, meint der Epidemiologe. Allerdings bleibe das Risiko in der Regel weit unter dem genetisch bedingter Tumoren."
nachzulesen
http://www.medizinauskunft.de/artikel/diagnose/krank…, vom Jahre 2004
Fazit: Bei einzelnen Krebsarten wird ein bestimmtes Gen vererbt, das die Entstehung von Krebs begünstigt, aber nicht per se bewirkt; dh. auch wenn man dieses Gen vererbt bekommt, bedeutet dies nicht, dass man Krebs entwickelt, nur dass die Wahrscheinlichkeit höher ist im Vergleich zu einem Mitmenschen, der dieses Gen nicht besitzt, dass man einen Tumor ausbilden kann. Wie immer auch die tatsächliche Gewichtung des familiären Hintergrundes sein mag, einflussreicher als genetische Veranlagung bleiben die Umstände des täglichen Lebens, d.h. die eigenen persönlichen Lebensumstände, Arbeit, Umgebung, Ernährung, Bewegung etc.
Natürlich sollten Sie bei Ihrer Familiengeschichte und Ihrem Befund von Knoten in der Brust erst recht zur Vorsorgeuntersuchung gehen, und zwar schnellstmöglich.
Nehmen Sie Ihre Angst an, aber lassen Sie sich nicht von ihr lähmen. Gehen sie zur Vorsorgeuntersuchung.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen etwas helfen. Bei weiteren Fragen melden Sie sich bitte wieder hier oder auf meinem blog.
Alles Gute für Sie, Dr.A.Schrenk