Strategie ändern!
Hi,
ich kann deine Angst verstehen. Wir alle sind um unser Leben besorgt und möchten auf keinen Fall ernsthaft krank werden. Da wird dann jeder Pickel gleich zum Krebsgeschwür, jedes Knurren und Zucken wird gleich mit einer unheilbaren, unbekannten Krankheit in Verbindung gebracht die man nur selber hat und niemand anderes. Und die Ärzte… die haben sowieso keine Ahnung und keiner versteht einen…
Und dann die Schreckensmeldungen in Funk und Fernsehen. Ja, und dann die Schicksalberichte in den Printmedien. Und Amputationen bei kleinen Kindern, bei dem der Krebs aus jeder Öffnung brütet.
Hinzu kommt dann noch das Internet. In 1000 Foren weiß immer irgendjemand was besser und es gibt immer einen, der das gleiche Leiden hatte - nur 100 mal schlimmer. Und dann gibt es 10 Leute, die 12 verschiedene Meinungen haben. „Mein Opa hatte genau das gleiche - halbes Jahr später war der tot… wäre er mal… hätte er mal… hätte… täte… tüte…“.
Fakt ist, dass du dich anscheinend (ohne vorrausgreifen zu wollen - ich kenn dich ja nicht) zu oft, zu sehr und zu intensiv mit deinem eigenen Körper beschäftigst. Es ist ganz logisch, dass du keinen Hunger mehr hast, wenn du ständig daran denken musst, dass dies und das bei dir nicht in Ordnung sein könnte. Man fällt in eine Spirale und das Ganze wird zum Selbstläufer. Man läuft von Arzt zu Arzt in der Hoffnung, dass irgendeiner irgendwas findet, was das Ganze erklärt. Findet der Arzt nichts, dann geht man zu dem nächsten, weil man nicht die erhoffte Antwort erhält. „Sie haben nichts“, klingt langweiliger als „Sie haben nur noch 3 Monate zu leben!“. Eine feststellbare, handfeste Diagnose würde deinen Leiden einen Namen geben und du hättest einen Grund dich zu fürchten. So hast du nunmal keinen und jedes Knurren und Zucken wird zur Katastrophe, weil man sich ständig sagt: „Ja, und wenn er was übersehen hat?“
Dafür gibt es ansich nur zwei Erklärungen:
a.) Du führst ein total langweiliges Leben und hast einfach nicht die Ablenkung, die du bräuchtest um dich nicht ständig mit jedem Pickel zu befassen oder
b.) Du hast eine ernsthafte Neurose, die behandlungsbedürftig ist.
Ich gehe mal stark davon aus, dass du einen gut gefüllten Medikamentenschrank hast, wo für jedes Wehwehchen ein Mittel steht. Weiter mutmaße ich, dass du deine Freizeit mit dem Lesen von medizinischer Fachlektüre vergeudest und bei wikipedia die komplette Medizinsparte durchgelesen hast.
Tipp für dich im Fall A: Sorg mal für Ausgleich in deinem Leben. Besorg dir einen Job, wenn du keinen hast, finde ein neues Hobby, baue Modellflugzeuge, reise mal Weg oder such dir einen Partner. Geh mal in die Disko und besauf dich mal ordentlich. Oder treff dich mal mit Kumpels zu einer geselligen Runde. Geh mal aus dem Haus und mach irgendwas. Such dir eine Brieffreundin, lern eine neue Sprache, hol dein Abi nach - mach irgendwas, was wieder Sinn in dein Leben gibt.
Tipp für dich im Fall B: Geh nicht zu 20 verschiedenen Ärzten, geh mal zu dem RICHTIGEN Arzt, was in dem Fall der Psychologe ist. Ein erster Schritt ist es dich deinem Hausarzt anzuvertrauen. Du selber schreibst ja, dass du das Gefühl hast, dass du da hingehörst. Das wird eine ungeheure Erleichterung für dich werden.
In Zeiten unserer Konsum- und Bequemgesellschaft trifft man solche hypochondrische Auswüchse häufiger. Die Leute haben einfach nichts mehr spannendes im Leben.
Gute Besserung, levi