Kredite, Geldmenge, Waren und Inflation

Aus der Differenz von T und BIP könnte man den Grad der
Blasenbildung in einer Volkswirtschaft ableiten, aber das nur
nebenbei.

Auch ein sehr interessantes Thema…

Bei M muß man sich die Größe greifen, die für das
Transaktionsvolumen relevant ist. Welche das ist? Keine
Ahnung.

Mich interessiert eher das Verhältnis zwischen Bip und
Geldmenge, bzw. zwischen Waren und Kapital.
Ich glaube, dass das Kapital wesentlich schneller wächst, als
die Waren, bzw. Wertschöpfung. Und eine starke Inflation
entsteht doch dann, wenn für das Kapital nicht genug Waren zur
Verfügung stehen.

Es ist wichtig, die Begriffe sauber zu verwenden, damiß jeder weiß, worum es gerade geht. Wir reden von Geldmenge und nicht von Kapital.

Wenn man sich noch einmal anschaut, wie sich die beiden Seiten der Quantitätsgleichung (neue Fassung, also mit BIP statt Transaktionsvolumen) in den letzten rd. 15 Jahren entwickelt haben, wird man schnell erkennen, daß sich die „Geldwelt“ von der Realwelt weit entfernt hat, d.h. die Geldmenge (egal, welche man nun heranzieht) ist deutlich stärker gewachsen als das BIP. Daß das nicht zu Inflation führte, liegt daran, mit dem überschießenden Geld die Blasenbildung finanziert wurde.

Welches aber die richtige Geldmenge ist, die für die Gleichung verwendet werden sollte, kann ich Dir nicht beantworten. Es gibt keine Geldmenge, die dem BIP eineindeutig gegenübersteht.

Das liegt nicht zuletzt daran, daß BIP auch entstehen kann, wenn keine Zahlungen erfolgt sind. Einem verkauften Auto stehen u.U. die Gehaltszahlungen der nächsten Jahre gegenüber und nicht Sparguthaben oder Bargeld. Die Betrachtung der aktuellen Geldmengenentwicklung ist insofern nicht wirklich hilfreich.

Gruß
Christian

Hallo,

Vereinfacht gesagt ist das, was die in dem von dir verlinkten
Text jetzt „echte Geldschöpfung“ nennen, in Wirklichkeit gar
keine. Das tatsächliche, „anfassbare Geld“ wird nicht
vermehrt. Die benutzen Phantasiegeld (hier jetzt z.B.das
50-fache des sichtbar gemachten Zentralbankgeldes) und
verleihen das ohne Probleme, weil ja eh die wenigsten ihr
tatsächliches Geld von der Bank holen und man dafür deren ihr
Geld benutzen kann.

Ähnlich einer Überbuchung im Hotel, weil ja eh meistens einige
nicht kommen?

würdest Du an der Stelle auch die Worte Phantasiezimmer und Phantasiegäste verwenden? Würdest Du auch sagen, daß unsere Straßen zu klein sind, nur weil nicht alle Autos gleichzeitig darauf fahren können, ohne daß alles zusammenbricht?

Der Umstand, daß Kreditinstitute Guthaben bis zu einem gewissen Grad verleihen können, liegt darin begründet, daß eben nicht alle Leute über ihre Guthaben verfügen wollen - was ja auch naheliegend ist, denn wenn man das Geld sofort ausgeben wollte, brächte man es wohl kaum zur Bank.

Der Bodensatz, der nicht abgehoben ist, ist mehr oder weniger bekannt. Regulatorische Vorgaben stellen sicher, daß bei jedem Kreditinstitut genug Liquidität vorhanden ist, um alle, die Geld abheben wollen, auch versorgen zu können.

Von einem Faktor 50 kann im übrigen nicht die Rede sein.

Und weil vor einiger Zeit in den USA zu viele die Kredite
nicht zurück bezahlen konnten, gab es den Schlamassel.

Schon, aber das war nicht in erster Linie ein Liquiditätsproblem bei den Kreditinstituten. M.W. kam es nur in zwei Fällen dazu, daß Kreditinstitute schlangestehenden Kunden die Schalter vor der Nase schließen mußten.

Gruß
Christian

Hi Christian,

würdest Du an der Stelle auch die Worte Phantasiezimmer und
Phantasiegäste verwenden?

Wie nennst Du Zimmerkapazitäten, die nicht existent sind? :smile:

Außer die Zimmer würden dann doppelt belegt, dann wird aus einem Einzelzimmer ein Doppelzimmer, dann wäre das nicht Geld- aber „Zimmerschöpfung“… so habe ich das jetzt mit der Geldschöpfung verstanden: Das Geld wird mehrfach genutzt: Dir gehört das Geld auf dem Sparbuch, aber ein anderer kann es nutzen

Aber Du hast natürlich recht, meine Begrifflichkeiten passen nicht.

Von einem Faktor 50 kann im übrigen nicht die Rede sein.

Ist der Wiki-Artikel dann falsch oder hab ich das falsch verstanden:
„(in der EU gilt ein Mindestreservesatz von 2 %, d. h. Geschäftsbanken können das 50fache ihrer Zentralbankgeldguthaben als Kredite in Form von Buchgeld vergeben)“

Gruß
Didi

Hallo,

Aber Du hast natürlich recht, meine Begrifflichkeiten passen
nicht.

darauf können wir uns einigen.

Ist der Wiki-Artikel dann falsch oder hab ich das falsch
verstanden:
„(in der EU gilt ein Mindestreservesatz von 2 %, d. h.
Geschäftsbanken können das 50fache ihrer
Zentralbankgeldguthaben als Kredite in Form von Buchgeld
vergeben)“

Das ist schon richtig, aber die Mindestreserve ist ja nicht die einzige Restriktion, der Kreditinstitute unterliegen. Außerdem kommt der Faktor 50 nur zustande, wenn alle Institute jedes Guthaben bis zur maximalen Höhe ausleihen.

Gruß
Christian

Ist der Wiki-Artikel dann falsch oder hab ich das falsch
verstanden:
„(in der EU gilt ein Mindestreservesatz von 2 %, d. h.
Geschäftsbanken können das 50fache ihrer
Zentralbankgeldguthaben als Kredite in Form von Buchgeld
vergeben)“

Die Betonung in dem Auszug liegt auf „GeschäftsbankEN“ - eine Bank für sich alleine genommen kann von 100 Euro, die sie erhält, bei einem Mindestreservesatz von 2 vH noch maximal 98 Euro verleihen.

Wenn nun wieder die 98 Euro als Sichteinlagen ins Bankensystem gelangen, kann das betreffende Institut erneut 98 vH der 98 Euro verleihen usw. usf. Insgesamt befinden sich bei unendlicher Fortsetzung des Prozesses damit 100 * (0,98 + 0,98^2 + … + 0,98^n) Euro im System - dies entspricht der Summe 100 * 1 / (1 - 0,98) = 100 / 0,02 = 50000 Euro. So kommt der Artikel auf die Zahl. Aber dafür müssen auch sehr viele solcher Schritte stattfinden. Dies ist in der Realität allerdings nicht der Fall, denn in Wahrheit wird ja ständig Geld aus dem Kreislauf gezogen (Stichwort Bargeldhaltung und Vergleichbares). Zudem hindern regulatorische Rahmenbedingungen Banken an einer derart üppigen Verleihungspolitik.

noch eine kleine Ergängzung.

Alleine schon durch die Ersparnisbildung steigt die Geldmenge auf natürlichem Wege an, ohne das daraus Inflation resultiert.

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Die Bank, mal abgesehem vom Eigenkapital, „besitzt“ ja auch kein Geld, dass sie verleiht ( also nicht im engeren Sinne besitzen ).

Sie verleiht immer das Geld anderer Leute. Und wenn man weiter Geld als Kaufkraft bezeichnet und bedenkt, dass die Bilanz per se immer ausgeglichen ist, sehe ich da kein Problem.

Nimm doch einfach an, die Bank leiht deinem Chef 1000 Euro damit er dir dein Gehalt zahlen kann.

Kredit 1000 , Guthaben 1000. Alles palletti -)