Kredite, Geldmenge, Waren und Inflation

Hi an alle!

Kreditsystem, wie ich es verstanden habe (bitte korrigieren):

Eine Firma möchte ihre Produktion erhöhen, für die Investitionen werden Kredite aufgenommen.
Die Hausbank besorgt sich das Geld von der Zentralbank, die evtl. dafür neues Kapital schafft?!
Im Idealfall schafft die Firma dank den Krediten neue Waren, bzw. Wertschöpfung.

Wird somit heute Kapital geschaffen, um damit in der Zukunft Waren zu schaffen?

Kann sich durch solche Kredite das Verhältnis zwischen Waren und Kapital verändern? --> Kapital/Geldmenge stärker steigen als die Waren

Entsteht letztlich aus dem Verhältnis Kapital zu Waren Inflation?

Gruß
HB

Hi an alle!

Hi,

Kreditsystem, wie ich es verstanden habe (bitte korrigieren):

Eine Firma möchte ihre Produktion erhöhen, für die
Investitionen werden Kredite aufgenommen.
Die Hausbank besorgt sich das Geld von der Zentralbank, die
evtl. dafür neues Kapital schafft?!

Die Hausbank kann sich das Geld auch bei anderen Banken besorgen

Im Idealfall schafft die Firma dank den Krediten neue Waren,
bzw. Wertschöpfung.
Wird somit heute Kapital geschaffen, um damit in der Zukunft
Waren zu schaffen?

Ja so kann man das sehen, jedoch finde ich den Begriff Wertschöpfung passender als Waren.

Kann sich durch solche Kredite das Verhältnis zwischen Waren
und Kapital verändern? --> Kapital/Geldmenge stärker steigen
als die Waren

Auf jeden Fall kann sich das Verhältnis ändern. Hier gilt die Fishersche Verkehrsgleichung:

M x V = P x Y

M=Geldmenge
V=Umlaufgeschwindigkeit des Geldes
P=Preisniveau
Y=BIP

Die Steigerung der Wertschöpfung findet man im BIP wieder

Steigt also die Geldmenge M stärker als das BIP Y, so ist die linke Seite des = größer als die Rechte. Damit wieder ein Gleichgewicht herrscht muss entweder die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes V sinken oder das Preisniveau P steigen.

Entsteht letztlich aus dem Verhältnis Kapital zu Waren
Inflation?

wenn die Steigerung der Geldmenge > als die Steigerung des BIP’s ist: ja

Gruß
HB

Gruß

Verständnisfrage
Hallo,

als interessierter Laie habe ich noch eine Frage:

Wenn sich die Hausbank das Geld von einer anderen Bank leiht, warum wird dann Kapital „geschaffen“?

Das versteh ich nicht. Das Kapital besteht doch bereits, es hat nur jemand anderes.

Danke und Gruß
Didi

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hmm, um deine Verwirrung zu steigern, die Bank kann den Kredit u.U. auch gewähren ohne sich das Geld weder von der Zentralbank noch von anderen Banken borgen, sondern von ihren Kunden !?! ( Zumindest von denen, die von ihrem Einkommen etwas sparen , können ). Und durch sparen wird ja auch irgendwie Kapital „geschaffen“ .

Hi,

sind also mit geschaffenem Kapital die jeweiligen Zinserträge gemeint?

Ich leih der Bank Geld (Sparen) und erhalte dafür 1% p.a. Zinsen. Die Bank verleiht mein Geld weiter und erhält dafür 5% p. A. Zinsen.

Ergibt die Differenz das geschaffene Kapital? Aber auch dieses Kapital besteht doch schon (Einkommen des Darlehennehmers)?

Ich seh da immer noch nichts, was wirklich „geschaffen“, bzw. gemehrt wurde.

Gibts es da eigentlich was vernünftiges und trotzdem eher leicht verständliches zum Nachlesen?

Danke und Gruß
Didi

Hi!

Die Hausbank kann sich das Geld auch bei anderen Banken
besorgen

Aber für die Geldmenge relevant, ist doch nur das von der Zentralbank geliehene Geld oder?

Fishersche Verkehrsgleichung:

M x V = P x Y

M=Geldmenge
V=Umlaufgeschwindigkeit des Geldes
P=Preisniveau
Y=BIP

Die Steigerung der Wertschöpfung findet man im BIP wieder

Steigt also die Geldmenge M stärker als das BIP Y, so ist die
linke Seite des = größer als die Rechte. Damit wieder ein
Gleichgewicht herrscht muss entweder die Umlaufgeschwindigkeit
des Geldes V sinken oder das Preisniveau P steigen.

P steigt = Inflation - das ist klar, aber wie beeinflusst man V?

Und vor allem, welche Geldmenge stellt M dar? M1-M3?

Aber doch selbst in M3 ist doch nicht wirklich das gesamte Kapital, welches evtl. durch Zentralbanken geschaffen wird, enthalten oder? Auch M3 ist doch auf die Anlageart begrenzt.

Gruß

Hallo,

P steigt = Inflation - das ist klar, aber wie beeinflusst man
V?

v bzw. V wird als konstant angesehen, auch wenn das über längere Zeiträume nicht ganz richtig ist. Kurzfristig ist die Annahme aber korrekt.

Und vor allem, welche Geldmenge stellt M dar? M1-M3?

Viel entscheidende ist, daß BIP in der Formel eigentlich falsch ist. Fisher hat dort T verwendet, das für Transaktionsvolumen steht und damit auch Transaktionen umfaßt, die nicht BIP-wirksam sind bspw. Haus(weiterver)käufe, Aktienhandel usw.

Aus der Differenz von T und BIP könnte man den Grad der Blasenbildung in einer Volkswirtschaft ableiten, aber das nur nebenbei.

Bei M muß man sich die Größe greifen, die für das Transaktionsvolumen relevant ist. Welche das ist? Keine Ahnung.

Gruß
Christian

Hi Didi,

es gibt da ein 3teiliges video auf Youtube was sich „wie funktioniert Geld“ nennt. Es ist zwar mehr eine Parodie auf unseren Kapitalismus aber es wird erklärt wir Geld entsteht usw. Literatur kann ich leider keine empfehlen.

Zur Kapitalschaffung:

Mal angenommen Bank A leiht der Bank B 100 EUR. Bank B verleiht von den 100 EUR 90 EUR an den Kunden C.

Bank B schuldet Bank A 100 EUR
Kunde C schuldet Bank B 90 EUR
Es wurden sozusagen 90 EUR Kapital geschaffen.

Das ist natürlich nur sehr banal dargestellt und sollte nicht hinterfragt werden :smile:

Schau ich mir an. Danke! owt

Hallo,

Ich seh da immer noch nichts, was wirklich „geschaffen“, bzw.
gemehrt wurde.

Markus’ Beispiel ist nicht ganz richtig, weil sich in dem Szenario, was er skizziert, die Geldmenge nicht ändert. Weiter oben hattest Du ja danach gefragt, was Nichtbanken sind. Eine Bank ist natürlich keine Nichtbank, also spielen Forderungen von Bank A an Bank B bei der Geldmenge und Geldschöpfung keine Rolle.

Geldschöpfung ist viel einfacher: http://de.wikipedia.org/wiki/Geldsch%C3%B6pfung#Geld…

Gruß
C.

Hallo Christian,

so langsam geht der Knoten auf:

Vereinfacht gesagt ist das, was die in dem von dir verlinkten Text jetzt „echte Geldschöpfung“ nennen, in Wirklichkeit gar keine. Das tatsächliche, „anfassbare Geld“ wird nicht vermehrt. Die benutzen Phantasiegeld (hier jetzt z.B.das 50-fache des sichtbar gemachten Zentralbankgeldes) und verleihen das ohne Probleme, weil ja eh die wenigsten ihr tatsächliches Geld von der Bank holen und man dafür deren ihr Geld benutzen kann.

Ähnlich einer Überbuchung im Hotel, weil ja eh meistens einige nicht kommen?

Und weil vor einiger Zeit in den USA zu viele die Kredite nicht zurück bezahlen konnten, gab es den Schlamassel.

Hab ich es halbwegs richtig verstanden?

Danke und Gruß
Didi

Mal angenommen Bank A leiht der Bank B 100 EUR. Bank B
verleiht von den 100 EUR 90 EUR an den Kunden C.

Bank B schuldet Bank A 100 EUR
Kunde C schuldet Bank B 90 EUR
Es wurden sozusagen 90 EUR Kapital geschaffen.

Hier wird kein Kapital geschaffen - selbst wenn hier der Geldschöpfungsmultiplikatoreffekt in Gang gesetzt würde.

Also das Schaffen und Mehren ist das BIP, sonst nichts.

Die Zinserträge sind ja da auch mit dabei, spielen aber als Anteil am Volkseinkommen nicht so eine große Rolle, und auch keine andere Rolle als andere Faktoreinkommen.

Ich glaube ganz noch nicht, weil für Dich Buchgeld Phantasiegeld ist, und nur Bargeld „richtiges“ Geld.

Ich weiß ja nicht wie es Dir geht, aber ich bestreite einen sehr großen Teil meiner monatlichen Ausgaben „unbar“ , also nicht mehr mit Bargeld.

Vielleicht hilft es, wenn man das Geld im weitesten Sinne ( Buchgeld und Bargeld ) in dem Begriff Kaufkraft zusammenfasst, und den engen Begriff Geld nur für das Bargeld. ?

Hallo Eric,

kann schon sein, dass ich einen Denkfehler habe. Aber…

Ganz so ist es nicht: wenn ich 1000 € Gehalt bekomme und das auf meinem Girokonto landet, ist das für mich natürlich auch reales Geld, ob ich das nun bar oder unbar ausgebe.

Aber wenn ich 100 € auf mein Sparbuch einzahle und die Bank dafür 50.000 € verleihen darf (so steht es zumindest im Wiki-Artikel: „bei einem Mindestreservesatz von 2% das 50-fache der Einlagen“), sind diese 49.900 € nicht wirklich existentes Geld.

Das verstehe ich so, dass die Bank viel mehr Geld verleihen darf, als sie überhaupt hat. Alle Banken zusammen also mehr verleihen dürfen, als alle Banken zusammen haben. Das meinte ich mit Phantasiegeld.

Gruß
Didi

sind also mit geschaffenem Kapital die jeweiligen Zinserträge
gemeint?

Nein.

Ich leih der Bank Geld (Sparen) und erhalte dafür 1% p.a.
Zinsen. Die Bank verleiht mein Geld weiter und erhält dafür 5%
p. A. Zinsen.

Ergibt die Differenz das geschaffene Kapital?

Hierbei wird kein Kapital geschaffen.

Ich seh da immer noch nichts, was wirklich „geschaffen“, bzw.
gemehrt wurde.

Geschäftsbank A hat EUR 100. Der Mindestreservesatz (der Anteil, den die Bank nicht verleihen darf), betrage 10% - dann stehen ihr noch EUR 90 zur Verfügung, um sie B zu leihen. B schlägt zu und kauft für das Geld bei Unternehmen C einen PC für EUR 90. C bringt EUR 90 auf sein Sparkonto bei Geschäftsbank D. Damit kann D wieder EUR 81 an Kunde E verleihen, der sich damit einen Rasenmäher kauft. Usw. usf. Wie Sie sehen wurden hier einmal EUR 90 und einmal EUR 81 an Kunden verliehen - es wurde also gewissermaßen Geld geschöpft. Ob dieses Geld nun in Barform oder anderweitig existiert, ist für den Prozess irrelevant.

Diese Kette könnte sich nun theoretisch (Betonung auf könnte - sie funktioniert ja schon nicht mehr, sobald jemand das Geld aus dem beschriebenen Kreislauf herausnimmt) fortsetzen, bis insgesamt EUR 1000 entstanden sind.

Gibts es da eigentlich was vernünftiges und trotzdem eher
leicht verständliches zum Nachlesen?

Mankiw, Grundzüge der Volkswirtschaftslehre.

Aber wenn ich 100 € auf mein Sparbuch einzahle und die Bank
dafür 50.000 € verleihen darf (so steht es zumindest im
Wiki-Artikel: „bei einem Mindestreservesatz von 2% das
50-fache der Einlagen“), sind diese 49.900 € nicht wirklich
existentes Geld.

Das haben Sie falsch verstanden, vielleicht hilft Ihnen meine andere Antwort beim Nachvollziehen des Artikels weiter.

So habe ich es auch verstanden. Durch das reine Weiterverleihen entsteht doch kein Kapital. In dem Beispiel hat doch auch nur C die Kaufkraft des Kapitals, da B das Geld (oder 90% davon) weiter verleiht, hat er es ja genau genommen auch nicht mehr.

Kapital wird (so habe ich es verstanden) doch nur durch Kredite geschaffen. Und doch auch nur, wenn die Banken sich das Geld von den Zentralbanken holen, nicht bei bankinternen Geschäften.

Aus der Differenz von T und BIP könnte man den Grad der
Blasenbildung in einer Volkswirtschaft ableiten, aber das nur
nebenbei.

Auch ein sehr interessantes Thema…

Bei M muß man sich die Größe greifen, die für das
Transaktionsvolumen relevant ist. Welche das ist? Keine
Ahnung.

Mich interessiert eher das Verhältnis zwischen Bip und Geldmenge, bzw. zwischen Waren und Kapital.
Ich glaube, dass das Kapital wesentlich schneller wächst, als die Waren, bzw. Wertschöpfung. Und eine starke Inflation entsteht doch dann, wenn für das Kapital nicht genug Waren zur Verfügung stehen.

SUPER, vielen Dank an alle…
Eure Antworten haben mir weiter geholfen und ich werde mit dem Thema sicher noch mehr auseinandersetzen.

Und Euch dann natürlich wieder löchern!

Danke und Gruß
Didi