Hallo,
sicher werdet ihr euch jetzt alle tot lachen, wie naiv ich gewesen bin, aber vielleicht habt ihr auch einen Tip für mich.
Ich mußte vor ein paar Monaten einen Notebook kaufen, bin hin zu einem bekannten Discounthändler, habe dort erklärt, daß ich kein Geld habe, aber trotzdem einen Computer brauche. War alles kein Problem, nach einer halben Stunde bin ich mit dem Gerät in der Hand nach Hause gefahren.
Die Finanzierung wurde über eine Bank abgewickelt, die genauso unbekannt ist wie der Händler bekannt. Der Name der Bank hört sich anatolisch an.
Jetzt kommen die monatlichen Kontoauszüge ins Haus, und wenn ich mir das genauer angucke, zahle ich für 1800 Euro jeden Monat ein Rate von 54 Euro. Der monatliche Zinssatz beträgt stolze 1,16 %, aber dazu kommen noch *jeden Monat* 11.92 Versicherungsprämie.
Ich zahle also über 30 EU Zinsen und Versicherung, aber nur gut 20 EU Abtrag. Einmal versichern hätte ich ja noch verstanden, aber jeden Monat? Da kann ich ja zahlen bis ich alt und grau werde.
Kann ich da irgendwas machen? Gibt es Gesetze, die einen vor solcher Abzocke schützen? Ist Wucher nicht eigentlich verboten?
Danke
Lud
Tja Lud,
also ich weiß ja nicht, wie hoch da der effektive Zins ist, aber ich sehe da kaum eine Chance für dich. Wahrscheinlich wird auch der Kredit mit einer Laufzeit von XY Monaten abgeschlossen sein, sodaß du bei vorzeitiger Kündigung einen Ausfall der bank erstatten darfst. Deine winzige Möglichkeit könnte sein, wie die Verträge zustande gekommen sind. Wenn du allerdings rechtlich einwandfreie Verträge hast, tja dann Pech gehabt.
Ich weiß zwar nicht wo du den Wucher siehst, aber Zinsen von 13,14,15% sind bei vielen banken normal. da kommt es heute ja auf die Bonität an.
Weiterhin mußt du glaube ich das Gerät versichern. Die Frage stellt sich, wogegen du versichert bist.
Gruß
Martin
P.S.: Zum kaputtlachen war das leider nicht. Schon eher traurig.
Hallo Saemann,
grundsätzlich ist es Dein Problem, was für Verträge Du abschließt. In Deutschland herrscht Vertragsfreiheit, dass heißt, dass Verträge beliebig geschlossen werden können. Allerdings gibt es da gewisse Grenzen. Wie Du schon ganz richtig sagst, gibt es Wucher. Schaut man sich die Paragraphen dazu an sieht man folgendes:
"BGB § 138 Sittenwidriges Rechtsgeschäft; Wucher
(1) Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig.
(2) Nichtig ist insbesondere ein Rechtsgeschäft, durch das jemand unter Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen oder der erheblichen Willensschwäche eines anderen sich oder einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zu der Leistung stehen."
Wie fast alle Gesetze ziemlich pauschal. Die Frage, wie ist gerade in DEINEM Fall zu verfahren ist, kann Dir Z.B. ein Kommentar des BGB beantworten. Hier musst Du unter dem jeweiligen Paragraphen nachgucken. Da steht dann, wie der Paragraph gemeint ist und es werden Beispiele angegeben, bzw. Urteile genannt. Außerdem wird auf auf juristische Zeitschriften verwiesen, von denen es mehrere Hundert Stück gibt.
Diese Dinger findest Du in juristischen Biliotheken (meist auch Seminare genannt). Eine juristische Bibliothek ist immer in einer Stadt, wo der Studiengang Rechtswissenschaft an einer Universität angeboten wird.
Natürlich kannst Du auch Kommentare in Buchläden finden, allerdings kann man sich diese immer sehr schlecht kopieren dort.
Also das wäre die erste Möglichkeit, wie Du Dir selber Klarheit über das Thema verschaffen könntest.
Wenn Du etwas genaueres gefunden hast, dann kannst Du Dich eventuell an die Bank wenden und denen das mal vortragen. Wichtig dabei ist aber immer, dass Du gute Argumente hast, bzw. richtige Paragraphen zitierst und dass es am besten auch schon Rechtssprechung in ähnlichen Fällen gegeben hat.
Die andere Möglichkeit ist, zu einem Anwalt zu gehen. Da ist es das Problem, dass die Dir meistens sagen, Ihr könntet was unternehmen und die ganze Sache oftmals positiver beurteilen, als sie wirklich ist. Rechtsanwälte werden in Deutschland nicht nach Erfolgsqoute bezahlt, sondern meistens nach Streitwert. Denen kann es egal sein, ob Du Erfolg hast oder nicht, verdienen tuen sie an Dir immer.
Jetzt meine persönliche Einschätzung zu Deinem Fall:
Ich würde mir mal ganz genau den Vertrag durchlesen, den Du mit der BANK (!) geschlossen hast. Du wirst ihn natürlich im Geschäft abgeschlossen haben, aber Vertragspartner ist juristisch gesehen die Bank. Meistens ist es bei Laptops so, dass immer auch eine Versicherung abgeschlossen werdem muss, damit die Bank die ganze Sache finanziert. Das ist auch rechtens. Ich denke das 11 € im Monat nicht zuviel sind. (Der Zinssatz ist zwar hoch, aber meiner Meinung nach kein Wucher - welcher Prozentsatz Wucher ist, siehe in den Kommentaren). Die Laptopversicherung vergleichen kannst Du das bei Verbraucherberatungsstellen, Stiftung Warentest (FINANZTEST), bei Versicherungen auf deren Homepages. Meiner Ansicht nach liegt das Problem woanders:
Du hast Dich darauf eingelassen, dass die Bank das Ding nur finanziert, wenn Du eine Versicherung abschließt, bzw. die automatisch mit abgeschlossen wird. Im Vertrag müsste das eigentlich drinstehen! Der Betrag müsste auch dabeistehen, denn die können keine willkürlchen Beträge einziehen, dass wäre Abzockerei und meiner Anschicht nach auch sittenwidrig! (Dann könnest Du was unternehmen) auch mit Aussicht auf Erfolg.
Problematisch ist weiterhin, dass Du den Laptop (nur) mit 54 € monatlich tilgst. In dieser Kostellation, würde es noch sehr lange dauern, bis Du die letze Rate bezahlt hast (kann man genau ausrechnen). Versuch lieber, denen anzubieten, dass Du monatlich mehr tilgen möchtest! Dann hast Du das Ding schneller abbezahlt und sparst die Monate, die es schneller gegangen ist, Zinsen und Versicherung!
Wenn Du zum Rechtsanwalt gehst, immer bedenken, dass der auch kostet und und ob es wirklich eine Aussicht auf Erfolg hat (also vor Gericht) wage ich in Deinem Fall zu bezweifeln. Der würde dann auch versuchen, außergerichtlich einen Vergleich anzustreben. Allerdings ist es mit einem Anwalt in so einer Angelegenheit meistens einfacher! Musst Du Dir überlegen, ob Dir das die ganze Sache Wert ist, ob es sich lohnt!
Und nächstes Mal genau das Kleingedruckte lesen, bevor Du so ein Vertrag abschließt!
Mit freundlichen Grüßen
Dagobert Duck
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Hallo,
das ist echt tragisch. Allerdings ist die Schuld ( vermutlich ) nicht beim Kreditgeber zu suchen, sondern beim anderen Vertragspartner…
Bereits beim Abschluss des Kreditvertrages hätte Dir das Licht aufgehen können, dass Dein neues Notebook bei dieser Laufzeit hoffnungslos veraltet bzw. vermutlich aufgrund altersschwacher Akkus o.ä. schon längst nicht einsatzbereit sein dürfte und Du aber noch trotzdem dann noch immer viele, viele Jahre die Abträge entrichten wirst.
Vermutlich ging´s Dir wie vielen anderen, denen eine Finanzierung sehr komfortabel erscheint und auch sehr einfach gemacht wird und die im Hinblick auf das nunmehr endlich in Reichweite liegende neue Notebook, Auto oder wasweissich die Laufzeit aufs Unendliche strecken um die Abträge möglichst gering zu halten…
Mein Rat:
Lies Dir den Kreditvertrag ganz genau durch. Wenn möglich, wende Dich an die Bank und biete an, den Kredit vorzeitig abzulösen. Die Vorfälligkeitsentschädigung mag im ersten Moment schmerzen aber die Versicherung von EUR 11/Monat bist du dann schon mal wenigstens los.
Vielleicht kommt im Anschluß eine neue und günstigere Finanzierung über Deine Hausbank in Betracht.
Alles wird gut, vorausgesetzt, Du kommst aus diesem Vertrag heraus.
Björn
sicher werdet ihr euch jetzt alle tot lachen, wie naiv ich
gewesen bin, aber vielleicht habt ihr auch einen Tip für mich.
Ich mußte vor ein paar Monaten einen Notebook kaufen, bin hin
zu einem bekannten Discounthändler, habe dort erklärt, daß ich
kein Geld habe, aber trotzdem einen Computer brauche. War
alles kein Problem, nach einer halben Stunde bin ich mit dem
Gerät in der Hand nach Hause gefahren.
Die Finanzierung wurde über eine Bank abgewickelt, die genauso
unbekannt ist wie der Händler bekannt. Der Name der Bank hört
sich anatolisch an.
Jetzt kommen die monatlichen Kontoauszüge ins Haus, und wenn
ich mir das genauer angucke, zahle ich für 1800 Euro jeden
Monat ein Rate von 54 Euro. Der monatliche Zinssatz beträgt
stolze 1,16 %, aber dazu kommen noch *jeden Monat* 11.92
Versicherungsprämie.
Ich zahle also über 30 EU Zinsen und Versicherung, aber nur
gut 20 EU Abtrag. Einmal versichern hätte ich ja noch
verstanden, aber jeden Monat? Da kann ich ja zahlen bis ich
alt und grau werde.
Kann ich da irgendwas machen? Gibt es Gesetze, die einen vor
solcher Abzocke schützen? Ist Wucher nicht eigentlich
verboten?
Danke
Lud