Kreiselwiderstand beim Drehen

HAllo,

angenommen ich hätte ein Schwungrad, das so gelagert ist wie das Vorderrad eines FAhrads, es also nur um zwei Achsen drehbar ist und ich nun am „Lenker“ drehe. Merke ich dann einen Widerstand oder wird alles am Gelenk aufgefangen, so dass ich keinen Unterschied zu einem nicht-drehenden Schwungrad spüre?

Gruß
Oliver

Hallo Oliver,
die Kraft wird am Gelenk aufgefangen. Zumindest hatte ich diesen Eindruck, als ich vor ein paar Jahren viel mit Schwungraedern experimentierte. Warum das so ist laesst sich nicht so leicht erklaeren - ich kann es jedenfalls nicht :wink:
Das Thema Kreisel hatten wir hier schon oefter, vielleicht findest Du ja im Archiv die Erklaerung; schau z.B. mal unter dem Titel „Rotationssinnharmonie“

Gruss, Marcus

Hallo
Die Kraft wird im Lager als Drehmoment aufgenommen . Nur , wenn sich der Kreisel sehr schnell dreht , fängt er an , Schwierigkeiten zu machen , sich überhaupt mit seiner Achse zu bewegen .
MfG(Mit freundlichen Grüßen)

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Matthias,

Die Kraft wird im Lager als Drehmoment aufgenommen . Nur ,
wenn sich der Kreisel sehr schnell dreht , fängt er an ,
Schwierigkeiten zu machen , sich überhaupt mit seiner Achse zu
bewegen .

Das bezweifel ich. Auch ein sehr schnell rotierender Kreisel wird theoretisch bei der beschriebenen Aufhaengung keine Schwierigkeiten machen, sich um die „Lenkerachse“ zu drehen. Praktisch sieht die Sache natuerlich anders aus, da ab einer bestimmten Masse und einer bestimmten Rotationsgeschwindigkeit kein Lager und keine Gabel mehr die enormen Kraefte aufnehmen kann.
Gruss, Marcus

Doch , ist aber so .
Ein sehr schneller Kreisel weigert sich praktisch , sich überhaupt mit der Achse im Winkel zu drehen . Natürlich ist alles relativ , so das man einen Kreisel wie auch immer bewegen kann , aber eine Winkelbewegung , welche zum Beispiel durch einen Impuls verursacht wurde , wird bei ausreichend hoher Drehzahl quasi abgewürgt , bis auf Null gestoppt .
Das ist auch der Grund , warum schnelle Kreisel , wie zum Beispiel Kreiselkompasse , sich nach der Erddrehung orientieren , und ihre Achse paralell zur Erddrehung ausrichten , ohne weiterhin zu präzessieren , oder was auch immer .
MfG

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Matthias,

Doch , ist aber so .
Ein sehr schneller Kreisel weigert sich praktisch , sich
überhaupt mit der Achse im Winkel zu drehen . Natürlich ist
alles relativ , so das man einen Kreisel wie auch immer
bewegen kann , aber eine Winkelbewegung , welche zum Beispiel
durch einen Impuls verursacht wurde , wird bei ausreichend
hoher Drehzahl quasi abgewürgt , bis auf Null gestoppt .

Nein, so einfach ist das nicht. Das Drehmoment, das die Kreiselachse ausübt, wenn man versucht sie zu kippen steht immer senkrecht zur Kippdrehachse. Wenn also ein reibungsfreies Lager diese senkrechte Drehmomentkomponente aufnimmt, läßt sich die Kreiselachse ohne Kraftaufwand drehen, unabhängig von der Drehzahl des Kreisels. Vorrausgesetzt, das Lager hält diesen u.U. enormen Kräften stand.

Das ist auch der Grund , warum schnelle Kreisel , wie zum
Beispiel Kreiselkompasse , sich nach der Erddrehung
orientieren , und ihre Achse paralell zur Erddrehung
ausrichten , ohne weiterhin zu präzessieren , oder was auch
immer .

Das hat mit diesem Beispiel nichts zu tun. Der Kreiselkompass setzt einen zusätzlichen Freiheitsgrad der Kreiselachse vorraus, der es ihm ermöglicht, seine Kreiselachse parallel zur Drehachse des Gesamtsystems (Erde) auszurichten.
In diesem Beispiel stehen Kreiselachse und Achsdrehung immer genau senkrecht aufeinander.

Jörg

Hallo Oliver,

ich kann da nur auf die Versuchsbeschreibung des Doppelkreisels (Teil 2) verweisen.
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
Genau wie hier ist auch der Doppelkreisel in eine zur Rotationsrichtung senkrechten Drehrichtung gelagert und er fällt einfach um, weil in Kipprichtung keine Kraft wirkt.

angenommen ich hätte ein Schwungrad, das so gelagert ist wie
das Vorderrad eines FAhrads, es also nur um zwei Achsen
drehbar ist und ich nun am „Lenker“ drehe. Merke ich dann
einen Widerstand oder wird alles am Gelenk aufgefangen, so
dass ich keinen Unterschied zu einem nicht-drehenden
Schwungrad spüre?

Du merkst also (theoretisch) keinen Unterschied

Jörg

Das Drehmoment, das die
Kreiselachse ausübt, wenn man versucht sie zu kippen steht
immer senkrecht zur Kippdrehachse. Wenn also ein
reibungsfreies Lager diese senkrechte Drehmomentkomponente
aufnimmt, läßt sich die Kreiselachse ohne Kraftaufwand drehen,
unabhängig von der Drehzahl des Kreisels. Vorrausgesetzt, das
Lager hält diesen u.U. enormen Kräften stand.

Ich muß widersprechen , zwar ist das im allgemeinen so richtig , wie Du es formulierst , aber wenn sich ein Kreisel sehr schnell dreht , wird auch die Kraft unter den beschriebenen Umständen immer größer , ganz gleich , wie gut gelagert und so weiter .
Oder ganz einfach formuliert , wenn der Kreisel eine sehr schnelle Drehung hat , will er überhaupt nichts mehr machen .
Keine Präzession , er versucht jede Bewegung im Achsenwinkel zu stoppen . Natürlich ist dies kein absoluter Wert , sondern eine zunehmende Kraft bei zunehmenden hohen Drehzahlen .
Gleichwohl bleibt die Reaktion des Kreisels erhalten , also dieses Ausweichen um 90 Grad usw … , aber es entsteht ein zunehmender Widerstand gegen jede Bewegung .
Das kann man am besten daran erkennen , das die sogenannte Präzession mit zunehmender Drehzahl verschwindet .
Die Präzession betrachte ich als eine kontinuierliche Weiterleitung dieser 90 Grad Reaktion . Und eben diese Reaktion wird mit zunehmender Drehzahl unterdrückt . Dieses Verhalten heißt Achsensteifheit .
Ansonsten müßte ich tatsächlich noch mal das Physikbuch ( DTV-Taschenbuch-Lexikon ) herausholen , und für euch vorlesen .
MfG (Mit freundlichen Grüßen )
Matthias

Hallo Jörg,

Das ist auch der Grund , warum schnelle Kreisel , wie zum
Beispiel Kreiselkompasse , sich nach der Erddrehung
orientieren , und ihre Achse paralell zur Erddrehung
ausrichten , ohne weiterhin zu präzessieren , oder was auch
immer .

Das hat mit diesem Beispiel nichts zu tun. Der Kreiselkompass
setzt einen zusätzlichen Freiheitsgrad der Kreiselachse
vorraus, der es ihm ermöglicht, seine Kreiselachse parallel
zur Drehachse des Gesamtsystems (Erde) auszurichten.
In diesem Beispiel stehen Kreiselachse und Achsdrehung immer
genau senkrecht aufeinander.

Ist das wirklich so, dass sich solch ein Kreisel nach der Erddrehung ausrichtet? Klappt das auch auf einem Schiff oder in einem Flugzeug, das sich ja selbst bewegt?

Wie lange dauert es, bis sich solch ein Kreisel nach der Erddrehung ausgerichtet hat?

Ich kenne aus der Fliegerei nur den sogenannten Kurskreisel, das hat aber nichts mit der Erddrehung zu tun. Hier wird nur die Richtungsstabilität des Kreisels ausgenutzt, dieser wird vor Beginn des Fluges mit dem Magnetkompass abgeglichen und weist dann den Steuerkurs wesentlich präziser und ohne Vor- oder Nachdrehen aus. Ab und zu muss er neu abgeglichen werden.

Grüße
Sebastian

Hallo Matthias,

Das Drehmoment, das die
Kreiselachse ausübt, wenn man versucht sie zu kippen steht
immer senkrecht zur Kippdrehachse. Wenn also ein
reibungsfreies Lager diese senkrechte Drehmomentkomponente
aufnimmt, läßt sich die Kreiselachse ohne Kraftaufwand drehen,
unabhängig von der Drehzahl des Kreisels. Vorrausgesetzt, das
Lager hält diesen u.U. enormen Kräften stand.

Ich muß widersprechen ,

ich auch :smile:

zwar ist das im allgemeinen so richtig
, wie Du es formulierst ,

nein, das war nicht allgemein sondern bezog sich speziell auf die Situation in der Fragestellung.

aber wenn sich ein Kreisel sehr
schnell dreht , wird auch die Kraft unter den beschriebenen
Umständen immer größer , ganz gleich , wie gut gelagert und so
weiter .

Das ist klar

Oder ganz einfach formuliert , wenn der Kreisel eine sehr
schnelle Drehung hat , will er überhaupt nichts mehr machen .

egal ob er will oder nicht, … er muß ! Es es handelt sich schließlich um eine erzwungene Bewegung

Keine Präzession , er versucht jede Bewegung im Achsenwinkel
zu stoppen .

Nein, ein auf der Spitze schräg stehender Kreisel präzessiert immer unter dem Einfluss der Schwerkraft, egal wie schnell er rotiert. Die Präzessionsbewegung verlangsamt sich nur mit zunehmender Drehzahl.

Natürlich ist dies kein absoluter Wert , sondern
eine zunehmende Kraft bei zunehmenden hohen Drehzahlen .
Gleichwohl bleibt die Reaktion des Kreisels erhalten , also
dieses Ausweichen um 90 Grad usw … , aber es entsteht ein
zunehmender Widerstand gegen jede Bewegung .

eben nicht, da das resultierende Drehmoment senkrecht auf Kippdrehung steht. Wollte sich der Kreisel einer Kippbewegung direkt widersetzen, müßte er auch ein Drehmoment gegen die Kipprichtung erzeugen. Das kann er aber nicht.

Das kann man am besten daran erkennen , das die sogenannte
Präzession mit zunehmender Drehzahl verschwindet .

Wie gesagt, die Präzession verschwindet nicht sondern verlangsamt sich nur.

Die Präzession betrachte ich als eine kontinuierliche
Weiterleitung dieser 90 Grad Reaktion . Und eben diese
Reaktion wird mit zunehmender Drehzahl unterdrückt . Dieses
Verhalten heißt Achsensteifheit .

Der Begriff Achsensteifheit scheint mir in der Physik aber nicht so gängig zu sein.

Ansonsten müßte ich tatsächlich noch mal das Physikbuch (
DTV-Taschenbuch-Lexikon ) herausholen , und für euch vorlesen

ich bezweifle mal, daß der dieser Fall in einem „normalen“ Physikbuch überhaupt beschrieben ist.

Jörg

Hallo Sebastian,

Ist das wirklich so, dass sich solch ein Kreisel nach der
Erddrehung ausrichtet?

Ja, vorrausgesetzt, die Kreiselachse liegt waagerecht und ist auf einer senkrechten Achse drehbar reibungsarm gelagert. Am optimalsten funktioniert das in Äquatornähe.

Klappt das auch auf einem Schiff oder
in einem Flugzeug, das sich ja selbst bewegt?

Bei einem großen Schiff bei ruhiger See ist das weniger problematisch, da es nur seine Position ändert oder sich um die senkrechte Achse dreht. Die Positionsänderung ist für den Kreisel irrelevant und die Drehung um die senkrechte Achse kann er kompensieren, da er ja in diese Richtung drehbar gelagert ist.
Beim Flugzeug ist das schwieriger, weil es sich auch um waagerechte Achsen drehen kann.

Wie lange dauert es, bis sich solch ein Kreisel nach der
Erddrehung ausgerichtet hat?

Aus meiner BW-Zeit kann ich mich noch dunkel erinnern, daß das Einnorden der Kreiselkompässe unserer Radaranlagen ca. 20 min gedauert hat. Das schwankt aber stark, je nach Bauart.

Ich kenne aus der Fliegerei nur den sogenannten Kurskreisel,
das hat aber nichts mit der Erddrehung zu tun. Hier wird nur
die Richtungsstabilität des Kreisels ausgenutzt, dieser wird
vor Beginn des Fluges mit dem Magnetkompass abgeglichen und
weist dann den Steuerkurs wesentlich präziser und ohne Vor-
oder Nachdrehen aus. Ab und zu muss er neu abgeglichen werden.

Das nennt man dann Trägheitsnavigation

Jörg

Doppelkreisel (off-topic)
Hallo Joerg,

ich kann da nur auf die Versuchsbeschreibung des
Doppelkreisels (Teil 2) verweisen.
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
Genau wie hier ist auch der Doppelkreisel in eine zur
Rotationsrichtung senkrechten Drehrichtung gelagert und er
fällt einfach um, weil in Kipprichtung keine Kraft wirkt.

Nach Deinem Dialog mit MrStupid wollte ich es genau wissen und machte mir die Muehe einen Doppelkreisel zu bauen. Das Versuchsergebnis wird Dich nicht wundern - er fiel um; Hat mich auch nicht gewundert, aber es war mir wichtig das zu sehen.

Gruss, Mercus

Hallo Jörg
Ich weiß nicht genau , was Du willst , aber ich wollte nur den Widerstand des Kreisels beschreiben , den er mit zunehmender Drehzahl jeden Kippbewegungen und Präzessionen entgegengesetzt .
Ich zitiere aus DTV-Taschenbuch-Lexikon :
„Der Öffnungswinkel des Präzessionskreises ist um so kleiner , je schneller der Kreisel rotiert : Achsensteifheit des Kreisels .“
Hierbei halte ich das Ausweichen in diese 90 Grad für dasselbe wie eine Präzession .
Es kommt mir gar nicht auf Haarspaltereien an , aber ich bin der Meinung , der Kreisel in der Fahrradgabel macht mit hohen Drehzahlen zunehmend Widerstand , wenn man am „Lenker“ dreht .
MfG

Kopfball - Kreisel
Hallo Jörg

ich kann da nur auf die Versuchsbeschreibung des
Doppelkreisels (Teil 2) verweisen.
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
Genau wie hier ist auch der Doppelkreisel in eine zur
Rotationsrichtung senkrechten Drehrichtung gelagert und er
fällt einfach um, weil in Kipprichtung keine Kraft wirkt.

Ja, ok so weit alles klar.
Jetzt heißt es aber laut Physik: M=dL/dt
Also muss doch beim Drehen des Fahrradlenkers das anfangs senkrechte Drehmoment irgendwie in die Horizontale gelenkt werden. Kann man sich das vielleicht so vorstellen:

Drehen am Lenker (senkrechtes Drehmoment)
=> die Radachse versucht nach oben auszuweichen, geht aber nicht, weil sich das Rad nicht nach oben drehen kann
=> es wirkt eine Kraft von unten auf das Lager, gleichzeitig wirkt aber auch eine Kraft oben auf die Kreiselachse (actio=reactio)
=> diese Kraft wirkt als Drehmoment, diesmal horizontal
=> die Kreiselachse weicht seitlich aus, was diesmal geht

Sodass man sagen kann, dass durch das Lager das Drehmoment umgelegt wird?

Nochwas. Was hälst du denn davon:
http://www.kopfball-online.de/experimente/exp011216_…

Angeblich bleibt der Koffer auf der Kante stehen! Das kann doch eigentlich nicht stimmen, weil der Kippbewegung keine Kraft entgegenwirkt, oder?

Gruß & Danke für alle Antworten
Oliver

Hallo Oliver,

Ja, ok so weit alles klar.
Jetzt heißt es aber laut Physik: M=dL/dt
Also muss doch beim Drehen des Fahrradlenkers das anfangs
senkrechte Drehmoment irgendwie in die Horizontale gelenkt
werden. Kann man sich das vielleicht so vorstellen:

Drehen am Lenker (senkrechtes Drehmoment)
=> die Radachse versucht nach oben auszuweichen, geht aber
nicht, weil sich das Rad nicht nach oben drehen kann
=> es wirkt eine Kraft von unten auf das Lager,
gleichzeitig wirkt aber auch eine Kraft oben auf die
Kreiselachse (actio=reactio)
=> diese Kraft wirkt als Drehmoment, diesmal horizontal
=> die Kreiselachse weicht seitlich aus, was diesmal geht

Sodass man sagen kann, dass durch das Lager das Drehmoment
umgelegt wird?

Du meinst also:
Das Drehmoment auf den Lenker bewirkt ein dazu senkrechtes Moment im Lager, das wiederum den Lenker in die Richtung bewegt, in die ich ihn ursprünglich bewegen wollte, sodaß ich für diese Bewegung praktisch keine Kraft brauche ?
Ich denke, so kann man es sich vorstellen

Nochwas. Was hälst du denn davon:
http://www.kopfball-online.de/experimente/exp011216_…

Angeblich bleibt der Koffer auf der Kante stehen! Das kann
doch eigentlich nicht stimmen, weil der Kippbewegung keine
Kraft entgegenwirkt, oder?

Ich habe die Sendung auch gesehen. Leider habe ich es nicht aufgezeichnet und ein Video scheint beim WDR auch nicht vorhanden zu sein. Hier wären die Details interessant, an die ich mich auch nicht mehr erinnern kann.
Wenn der Koffer auf der Kante steht und kippt, würde er ein Drehmoment auf den Boden ausüben. Je nach Ausrichtung der Kreiselachse um die senkrechte oder um eine waagerechte Achse. Im Normalfall wird es in beide Richtungen eine Komponente geben. Wenn der Drehimpuls so gering ist, daß die Kofferkante Bodenkontakt hält und das Drehmoment vollständig übertragen werden kann, wird der Koffer einfach umfallen.
Bei größeren Drehimpulsen wird die Übertragung des Drehmomentes auf den Boden nicht mehr funktionieren. Der Koffer wird im Kreis rutschen und/oder auf einer Seite leicht abheben, sodaß er, auf einer Ecke stehend, präzessiert.
Dennoch halte ich es für möglich, den Versuch so durchzuführen, daß der Koffer scheinbar stabil auf der Kante steht. Wenn die Kreiselachse im Koffer waagerecht liegt, müßte sie senkrecht drehbar gelagert sein. Dadurch wird die direkte Übertragung des Drehmomentes auf den Boden verhindert. Durch die Überlagerung der Pendelbewegungen um die senkrechte Achse und um die Kofferkante könnte der Kreisel ungehindert präzessieren. Bei genügend hohem Drehimpuls wäre das kaum noch sichtbar.
Das wäre sicher ein interessantes Experiment und Ich fürchte, ich werde nicht eher ruhen, bis ich es mal selbst ausprobiert habe :smile:

Jörg

Hallo Matthias,

Ich weiß nicht genau , was Du willst ,

Ich wollte Dich nur auf einen Irrtum aufmerksam machen.

aber ich wollte nur den
Widerstand des Kreisels beschreiben , den er mit zunehmender
Drehzahl jeden Kippbewegungen und Präzessionen entgegengesetzt.

Genau diese Aussage meine ich. So formuliert ist sie falsch. Der Kreisel kann der Kippbewegung der Achse nicht entgegenwirken und das wirkt sich nun mal ganz wesentlich auf das Lenkmoment an der Lenkergabel aus.

Ich zitiere aus DTV-Taschenbuch-Lexikon :
„Der Öffnungswinkel des Präzessionskreises ist um so kleiner ,
je schneller der Kreisel rotiert : Achsensteifheit des
Kreisels .“

Was soll denn der Öffnungswinkel des Präzessionskreises sein ? Ist da womöglich der Winkel des Kegels gemeint, auf dem die Achse präzessiert ?
Dann halte ich diese Aussage aber für ein Gerücht. Wie jeder leicht nachprüfen kann, hängt der Öffnungswinkel des Kegels nur davon ab, wie schräg oder gerade ich den Kreisel auf den Boden stelle. Mit der Drehzahl hat das nichts zu tun. Auf jeden Fall bringt uns dieses Zitat aber kein Stück weiter.

Hierbei halte ich das Ausweichen in diese 90 Grad für dasselbe
wie eine Präzession .

Das ist aber nicht das Gleiche.
Die Präzession ist die Bewegung, die sich unmittelbar aus dem Ausweichverhalten der Kreiselachse ergibt, wenn der Kreisel z.B. unter dem Einfluss der Schwerkraft auf eine Spitze gestellt wird.

Es kommt mir gar nicht auf Haarspaltereien an ,

Mir auch nicht, aber da dies das Brett Mathe/Physik ist, müssen wir schon versuchen, uns möglichst präzise auszudrücken, damit einer versteht, was der andere meint.

aber ich bin
der Meinung , der Kreisel in der Fahrradgabel macht mit hohen
Drehzahlen zunehmend Widerstand , wenn man am „Lenker“ dreht .

Da bin ich anderer Meinung. Nur Meinungen sind hier nicht sehr überzeugend. Meine theoretischen Überlegungen und die Experimente sagen etwas anderes. Hast Du es schonmal ausprobiert ? Wenn ja wie ?

Jörg

Hallo

Ich zitiere aus DTV-Taschenbuch-Lexikon :
„Der Öffnungswinkel des Präzessionskreises ist um so kleiner ,
je schneller der Kreisel rotiert : Achsensteifheit des
Kreisels .“

Was soll denn der Öffnungswinkel des Präzessionskreises sein ?
Ist da womöglich der Winkel des Kegels gemeint, auf dem die
Achse präzessiert ?
Dann halte ich diese Aussage aber für ein Gerücht. Wie jeder
leicht nachprüfen kann, hängt der Öffnungswinkel des Kegels
nur davon ab, wie schräg oder gerade ich den Kreisel auf den
Boden stelle. Mit der Drehzahl hat das nichts zu tun. Auf
jeden Fall bringt uns dieses Zitat aber kein Stück weiter.

Doch , das bringt es . Ich bin ein Gläubiger von lexikalischen Physikbüchern .
Außerdem technisch interessiert . Ich weiß , das es den Kreiselkompass gibt , und dieser hat die Eigenschaft , seine Rotationsachse mit der Erdrotation paralell zu stellen , und zwar mit einer bestimmten Kraft , versucht er sein Ziel zu erreichen . Dabei wirkt er Versuchen entgegen , seine Paralellität zu verlieren , nichts mit kraftloser Verstellung am Lager .

Nur Meinungen sind hier nicht sehr
überzeugend. Meine theoretischen Überlegungen und die
Experimente sagen etwas anderes. Hast Du es schonmal
ausprobiert ? Wenn ja wie ?

Jörg

Nun ja , ich habe keine Lust mir einfach so einen Kreisel zu bauen , aber manches glaub ich auch so . Wenn irgendwelche Experimente etwas anderes besagen , so handelt es sich mit Sicherheit um andere getestete Eigenschaften oder um ein faules Experiment .
MfG
Matthias

Hallo nochmal,

Dann halte ich diese Aussage aber für ein Gerücht. Wie jeder
leicht nachprüfen kann, hängt der Öffnungswinkel des Kegels
nur davon ab, wie schräg oder gerade ich den Kreisel auf den
Boden stelle. Mit der Drehzahl hat das nichts zu tun. Auf
jeden Fall bringt uns dieses Zitat aber kein Stück weiter.

Doch , das bringt es .

Was soll ein Zitat bringen, das sich nicht auf unser Problem anwenden läßt und dazu offensichtlich auch noch falsch ist ?

Ich bin ein Gläubiger von lexikalischen
Physikbüchern .

und wenn in Deiner „Physikbibel“ stünde, daß die Erde eine Scheibe oder eine Hohlkugel ist, würde das Deinen Glauben an die absolute Wahrheit des geschriebenen Wortes auch nicht erschüttern ?

Außerdem technisch interessiert .

Das finde ich durchaus lobenswert.

Ich weiß , das es den
Kreiselkompass gibt , und dieser hat die Eigenschaft , seine
Rotationsachse mit der Erdrotation paralell zu stellen , und
zwar mit einer bestimmten Kraft , versucht er sein Ziel zu
erreichen .

Die Kraft ist aber sehr schwach, deshalb dauert es auch eine ganze Weile, bis sich die Achse ausrichtet. Außerdem muß die Anordnung sehr reibungsarm gelagert sein, damit sich der Kreisel überhaupt ausrichtet…

Dabei wirkt er Versuchen entgegen , seine
Paralellität zu verlieren , nichts mit kraftloser Verstellung
am Lager .

Irrtum, der Kreisel läßt sich ohne nennenswerte Gegenkraft um die senkrechte Achse drehen. Ohne die Erdrotation gäbe es überhaupt keine Gegenkraft, genau wie beim Fahrradlenker. Um das Beispiel Kreiselkompass auf den Fahrradlenker anzuwenden, mußt Du mit dem Fahrrad Saltos in der Luft drehen. Dann würdes Du tatsächlich eine Kraft spüren, die versucht, die Radachse parallel zur Saltoachse auszurichten.

Nur Meinungen sind hier nicht sehr
überzeugend. Meine theoretischen Überlegungen und die
Experimente sagen etwas anderes. Hast Du es schonmal
ausprobiert ? Wenn ja wie ?

Nun ja , ich habe keine Lust mir einfach so einen Kreisel zu
bauen , aber manches glaub ich auch so .

Und wem glaubst Du, wenn in verschiedenen Büchern unterschiedliche Erklärungen stehen ?

Wenn irgendwelche
Experimente etwas anderes besagen , so handelt es sich mit
Sicherheit um andere getestete Eigenschaften oder um ein
faules Experiment .

… getreu dem Motto, daß nicht sein kann was nicht sein darf.
Im Zweifelsfall ist also immer etwas am Experiment falsch.

kopfschüttellnd Jörg

Mein letzter Beitrag
Ätzend

Die Kraft ist aber sehr schwach, deshalb dauert es auch eine
ganze Weile, bis sich die Achse ausrichtet. Außerdem muß die
Anordnung sehr reibungsarm gelagert sein, damit sich der
Kreisel überhaupt ausrichtet…

Mal von Deinen bekannten rhetorischen Floskeln (wie von der falschen Partei oder Missionar) , die Erde dreht sich immerhin nur einmal pro 24 Stunden . Das ist wohl ein Mitgrund für die geringe Kraft .
MfG

Achsensteifheit
Hallo!

Also, wenn ich mir die Sache mit dem Kreisel so ansehe, muss ich schon sagen, dass die Faustregel, dass ein Kreisel wegen seiner Rotation eine steife Achse hat, so ungenau ist, dass sie eigentlich schon wieder falsch ist und deshalb auch zu vielen Missverständnissen führt! (siehe Fahrrad)

Vielmehr ist es doch so, dass Kreisel wegen des Vektorcharakters von Drehmoment und -impuls so ausweicht wie man es intuitiv einfach nicht erwartet. Das sieht dann zwar so aus, als wäre die Kreiselachse steif, wenn man aber die das seitliche Ausweichen irgendwie durch eine Lagerung verhindert, dann wird das Drehmoment durch das Lager ungelenkt und der Kreisel bewegt sich dann wie jeder andere nicht-rotierende Körper … nichts zu sehen von „Achsensteifheit“. Wers nicht glaubt kann ja mal versuchen Fahrrad zu fahren ohne den Lenker zubewegen. (Aber nicht ohne Sturzhelm!)

Wollte das nur nochmal abschließend sagen
Gruß
Oliver