H wie Hola.
ich fürchte Du hast es noch nicht ganz richtig verstanden, den
Rechner benutze ich, damit ich nicht manuell alles zu Papier
bringen muss und die frei werdende Zeit nutzen kann, meinem
Sohn über die Schulter zu gucken oder die nächst Aufgabe
rauszusuchen.
Schon klar. Ich handhabe das nicht anders (fürs Studium). Doch sieh es von der anderen Seite: Wenn jetzt ein Rechenfehler mitdrin ist, hat es durchaus *erheblichen* didaktischen Wert, diesen Fehler *korrekt* mitzuschleppen (Folgefehler). Zum Schluß schaut man dann: Stimmts oder nicht? Stimmt es nicht, setzt der wahre Lerneffekt ein: Fehlersuche.
Deshalb sollte man auch nicht ein paar Tage vorher anfangen, wenn man nicht gerade ein überbordendes Talent für die Mathematik hat. Es muß sich einfach das logische Denken einschleifen.
Die meisten Schüler sind heute bei den einfachsten Zusammenhängen hilflos, weil sie ihre *praktische* Intelligenz in solchen Sachen verloren haben. Dummerweise ist die Mathematik zutiefst logisch (Gödel sei verziehen) und man muß den Blick schärfen für „Kann das stimmen? Wo könnte der Fehler liegen?“.
Dann setzt nämlich die Kette ein, die jeder Schüler beherrschen sollte und immer weniger Exemplare dieser Klientel beherrschen. Zum Beispiel erstmal zu schauen, ob man überhaupt die richtigen Zahlen abgeschrieben hat. Hat man irgendwo einen Schreibfehler? Stimmen prinzipiell die Vorzeichen? Sind alles Äquivalenzumformungen? Et cetera.
Das sind alles Dinge, die überblickt man in Sekunden OHNE ein Gramm gerechnet zu haben - und das geht vielen ab.
In der Prüfung kann das aber Gold wert sein, denn da hat der junge Mann auch keinen Rechner, oder keinen Papa, der dann sagt „Stimmt nicht“. Das muß er von alleine versuchen einzuschätzen.
Üben heißt Fehler begehen. Wenn er einmal bspw. bei einem linearen Gleichungssystem einen echten Schnitzer eingebaut hat und sich dann 30 Minuten lang mühsam quält, um den Fehler zufinden, ist das Lerneffekt pur, denn dann wird er diesen Schnitzer nie wieder tun - oder er weiß wenigstens sofort, wo er hinschauen kann.
Du opferst mit diesen (für Schulzwecke) teuflischen Rechner damit das mathematische Grundverständnis der Bequemlichkeit.
Jein, natürlich musst Du auch mal jemand ins Leere laufen
lassen, aber doch nicht unmittelbar vor der Abi-Prüfung, da
muss Sicherheit gegeben werden!
Anders herum wird ein Schuh draus. Wenn er so knapp davor anfängt, den Hintern überhaupt hochzubekommen, soll er ruhig baden gehen. Ernsthaft, ist auch nicht böse gemeint, aber gewisse Lektionen prägen sich wahrscheinlich heutzutage nur noch auf die harte Tour ein.
Du läßt Dich schon wieder viel zu sehr benutzen; ich würde dem Junior vielleicht etwas über die Schulter schauen, ansonsten soll er alleine zusehen in dem Alter, wie er fertig wird damit. Würde er mich aber rechtzeitig fragen, würde ich alle Register in Sachen Nachhilfe ziehen. Doch sowas ist alleine seine Entscheidung, und wenn er die harte Tour braucht, soll er sie auch bekommen. Wer nicht hören kann, muß fühlen…
S. oben, er muss es lösen, ich nicht!
Dann soll er es auch mit der Hand lösen und VON HAND die Probe durchziehen. Das dauert nun keine drei Stunden und ist alles andere als ein Zeitfresser. Also bitte.
…Rechenschieber…
Nein, mit dem hatte ich nie zu tun. Ich kann aber extrem schnell mit mehreren Sorten des Abakus rechnen - das haben wir zur DDR-Zeiten in der Grundschule noch so nebenbei 'mal gemacht; und ab und zu damit hantieren, hält fit.
Du kannst mit diesen Hilfmitteln doch viel anspruchsvollere
Aufgaben stellen, die früher unmöglich waren, weil es nicht
berechenbar war, wegen des Zeitaufwanden!
Das ist prinzipiell richtig und falsch.
Die Frage ist - haben die Schüler überhaupt den Unterschied zwischen exakter Darstellung und Rechnerdarstellung begriffen? Können Schüler Anzeigeergebnisse reflektieren?
Die Antwort dieser Tage: mehr und mehr NICHT.
Wir mußten in der 7. Klasse durch eine größere schriftliche Rechnung zeigen, daß WURZEL(50) exakter ist, als 7, … [12 Stellen], indem wir die Taschenrechnerzahl mit sich selbt multiplizierten.
Das kann man heute kaum noch machen im Unterricht, weil die Schüler entweder kaum noch fit im Kopf sind (Kopfrechnen als Voraussetzung für schriftliches Rechnen), dann das schriftliche Rechnen auch nicht mehr vernünftig beherrschen oder EWIG UND DREI TAGE dafür benötigen, so daß es den Rahmen einer Schulstunde sprengen würde.
Bei 6 * 5 = 11 wird gnadenlos die 11 als Ergebnis unterstrichen, und und und.
Fakt ist auch: Im Studium gilt an einer Mehrzahl der Unis Rechnerverbot in den Zwischenklausuren und Teilweise auch in den Prüfungsklausuren.
Und DORT sind die Ausdrücke WESENTLICH komplizierter, als alles das, was man jedem Leistungskursler um die Ohren wirft. Man treibt es nur geschickt, denn die Lösungen sind meist (verhältnismäßig) „runde“ Ergebnisse. Was will er dort dann tun? Rumjammern, daß er seinen gottverdammten Rechenknecht nicht nutzen darf, oder gleich mit dem Fuß auf den Boden stampfen und heulen?
Was ich schon an Wahnsinnsintegralen knüppeln mußte und wir leben alle noch. Also bitte: Wenn der Lehrer so strohdoof ist und die Ergebnisse ziemlich schief auslegt, ist das kein Problem des Matheunterrichts an sich. Zumal schiefe Ergebnisse eigentlich Blödsinn sind, denn der Lehrer muß sowas korrigieren und die meisten Lehrer, die ich kenne, stehen auf dem Standpunkt, daß es möglichst rund sein sollte, damit es sich auch mit vertretbarem Aufwand bearbeiten läßt.
Zieh es manuell die Tippeltappeltour durch, denn wie es so
schön ironisch heißt „Auch Routine will gelernt sein.“.
S. o., nicht unmittelbar vor der Prüfung!
Siehe „harte Tour“ - dann ist es doch sowieso zu spät.
PS. Ich war heute in einer Schule da wird der Nachfolger des
TI-92 ab Kl. 7 eingesetzt!
Der Nachfolger? Du sprichst aber nicht vom Voyage 200, oder???
Mich wundert nichts mehr in Sachen „Verblödung der Jugend“, wenn ich sowas höre…
MfG