Krieg und Frieden - Kritik am Film berechtigt?

Hallo MitleserInnen,

ich lese mehr gesellschaftskritische Bücher als Romane. (Zugegeben, das lässt sich manchmal nicht trennen.) Gestern sah ich mir den alten Monumentalstreifen „Krieg und Frieden“ mit Audrey Hepburn und Henry Fonda an. Mir missfiel daran, dass die Story wieder einmal über die obere Gesellschaftsschicht lief. Man könnte aufgrund dieser ganzen Historienfilme vermuten, es gab seinerzeit nur Könige, Grafen, Fürsten etc. - nur kein stark unterdrücktes Volk. Man möge hierzu besonders einmal Bernt Engelmanns „Wir Untertanen“ (und zweiter Band: „Einig gegen Recht und Freiheit“) lesen; ein Anti-Geschichtsbuch, das die wirkliche Vergangenheit aufzeigt. Nämlich aus der Sicht der gesamten Bevölkerung, und nicht der oberen zwei Prozent, die sich in den üblichen Geschichtsbüchern findet.
   Wie sieht das nun eigentlich mit Tolstois Roman „Krieg und Frieden“ aus: Stimmt diese „Vorlage“ mit dem Film überein?

Marco

Hallo M.M.,

ja, im Prinzip stimmt es überein. Im Buch geht es um einige adeligen Familien udn wie sie den Krieg bzw. die Kriege erleben. Du darfst nicht vergessen, dass Tolstoj selbst aus einer alten adeligen Familie stammte und ein Schrifsteller kann am besten von dem schreiben, was er selbst kennt.
Ich habe den Film zwar gesehen, aber vor sehr langen Zeit, so dass ich mich nicht genau erinnern kann. Vom Buch kann ich allerdings sagen, dass die Schicksale dieser noblen und zum Teil wohlhabender Familien Russlands trotz gute gesellschaftliche Stellung sehr tragisch sein können und es teilweise auch sind.

Grüße
Camilla

P.S.: Übrigens: es lohnt sich, das Buch zu lesen - man muss aber viel Zeit mitbringen.

Hallo Camilla,

danke für Deine Zeilen. Natürlich können auch diese Schicksale tragischer Natur sein. Mich stört eben, dass es sich stets um die „Reichen und Schönen“ dreht - als ob das die Welt wäre.

Marco

Hallo Marco,

ich verstehe, was du meinst. Aber wie gesagt, das war die Welt von Tolstoj… er gehörte dazu.

Ciao
Camilla

Hi, Marco,
der Roman kennt u.a. einen netten Platon Karataew als eine Gegenüberstellung versus den Adeligen, so ziemlich wichtige Figur im Roman.
Noch mehr würden dir seine Novellen „Nach dem Balle“ und „Der Leinwandmesser“ gefallen, wenn du schon die Literatur so betrachten möchtest :smile:

Gruß

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Hallo Peet!

Noch mehr würden dir seine Novellen „Nach dem Balle“ und „Der
Leinwandmesser“ gefallen, wenn du schon die Literatur so
betrachten möchtest :smile:

Danke für Deine Info zu diesen Novellen. Gibt es sie als Film? ;o) (Kleiner, doppeldeutiger Scherz.)

Marco

Hallo, Marco,
du hast schon Recht mit deiner Ironie gegenüber der Hollywood-Kinofabrik.

Trotzdem: es gab einen ziemlich düsteren russischen Film zu der Novelle „Nach dem Balle“ und eine wundervolle Leningrader Theaterinszenierung nach der Novelle „Der Leinwandmesser“. Nie wieder habe ich einen Schauspieler gesehen (sein Name ist Lebedew), der einen leidenden (und überhaupt einen) Pferd so beeindruckend nachgemacht hätte. Diese Inszenierung reiste um die Welt.

Viele Grüße

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