Ist die geschichte der menschheit tatsächlich eine geschichte von krieg und gewalt? Überwiegen nicht die friedenszeiten in der geschichte bei weitem?
Gruß von Jens
Ist die geschichte der menschheit tatsächlich eine geschichte von krieg und gewalt? Überwiegen nicht die friedenszeiten in der geschichte bei weitem?
Gruß von Jens
Ist die geschichte der menschheit tatsächlich eine geschichte
von krieg und gewalt? Überwiegen nicht die friedenszeiten in
der geschichte bei weitem?
Lieber Jens
Ich kann dir folgende Erhebung anbieten, weiß aber letztlich nicht um seine Richtigkeit.
Nach einer Berechnung des Historikers Babel aus Genf aus dem Jahre 1960 erlitt die Menschheit in den letzten 5600 Jahren ihrer Geschichte 14513 große und kleine Kriege, nur 292 jahre blieben ohne Krieg. Jeder vierte Mensch, der in diesem Zeitraum geboren wurde, verlor in diesen Kriegen sein Leben. In den letzten 2610 Jahren wurde 1656mal versucht, durch Rüsten den Frieden zu bewahren. In 1640 Fällen führte dies zum Krieg; in den restlichen 16 Fällen war der totale Zusammenbruch und wirtschaftlicher Ruin die Folge.
Scheint zumindest ein starkes Indiz dafür zu sein, dass so vieles früher nicht besser war.
Viele Grüße
Voltaire
Hi Jens,
ich finde das ist eine sehr interessante Frage und die Antwort recht schwierig.
Ist die geschichte der menschheit tatsächlich eine geschichte
von krieg und gewalt?
Das weiß ich nicht. aber was mir eindeutig scheint ist, daß Krieg und Gewalt immer „impulsgebend“ waren. Damit meine ich, daß ohne Kriege, Revolutionen, Attentate waren wir heutzutage noch lange nicht vor der Französischen Revolution oder wir Frauen hätten kaum Rechte, oder es würden noch Leibeigene bzw Sklaven geben, usw…
Überwiegen nicht die friedenszeiten in
der geschichte bei weitem?
Ich glaube eigentlich nicht. Aber es kommt auch sehr darauf an auf welchen Stück Erde Du dich beziehst. Es gibt, wenn ich mich so ausdrücken darf, die eher „kampfumworbene“ Gebiete, zB wo es Erdöl gibt oder sehr wirtschaftlich rentabel zu sein scheint (im jungeren Zeiten) und weniger „interessante“ zB. wo Wüsten sind oder in den Polen, jenseits von den Camps die verschiedenen Ländern angenommen haben. Europa zB ist und war immer (bis auf ein paar Ausnahmen) sehr, sehr umkämpft und seit langem Schauplatz von vielen Kriegen.
Schöne Grüße,
Helena
Nach einer Berechnung des Historikers Babel aus Genf aus dem
Jahre 1960 erlitt die Menschheit in den letzten 5600 Jahren
ihrer Geschichte 14513 große und kleine Kriege, nur 292 jahre
blieben ohne Krieg. Jeder vierte Mensch, der in diesem
Zeitraum geboren wurde, verlor in diesen Kriegen sein Leben.
Das mit den 292 von 5600 jahren täuscht aber, würde ich sagen. Sicher ist fast immer in irgendeinem land auf der erde krieg, aber in 150 anderen ländern ist frieden. Babel hat als friedensjahre offenbar nur die gezählt, in denen nirgendwo krieg war.
Man müsste stattdessen berechnen, wie groß die wahrscheinlichkeit ist, dass ein mensch in seinem leben (oder in einem jahr seines lebens) einen krieg erlebt.
Die zweite angabe geht eher in diese richtung. Wenn das stimmt (was ich allerdings bezweifle - zumindest wenn man die vielen menschen mit einbezieht, die seit 1960 geboren wurden), dann müsste man davon ausgehen, dass etwa die hälfte aller menschen einen krieg erlebt hat (denn es kommt ja nicht jeder um, der einen krieg erlebt). Dann bleibt aber immer noch offen, ob die, sagen wir, zwei kriegsjahre, die ein mensch erlebt hat, die 60 friedensjahre, die er auch erlebt hat, aufwiegen.
Scheint zumindest ein starkes Indiz dafür zu sein, dass so
vieles früher nicht besser war.
Gerade heute scheint es mir aber anders zu sein. Denn, wie gesagt: Wenn in vier ländern krieg ist, dann ist in 150 anderen kein krieg. Dass uns die nachrichten immer nur die länder präsentieren, die gerade krieg haben, verzerrt die realität.
Gruß von tonikal
Europa zB ist und war
immer (bis auf ein paar Ausnahmen) sehr, sehr umkämpft und
seit langem Schauplatz von vielen Kriegen.
Schaun wer mal: Für Deutschland, das bekanntlich in der mitte Europas liegt, habe ich das mal überschlagen. Von den 200 jahren der deutschen geschichte 1790-1990 waren 153 friedensjahre und - großzügig gerechnet - 47 kriegsjahre*. Also selbst in dieser umkämpften region überwogen die friedensjahre.
Gruß von tonikal
*nämlich 1792-1815, 1848-49, 1864, 1866, 1870-71, 1914-23, 1939-45
das meinst du doch aber hoffentlich nicht ernst, oder?! Was ist mit der Zeit davor, als einerseits das Heilige Römische Reich deutscher Nationen beinahe ständig mit anderen großen Staaten im Klinsch lag und andererseits innerhalb dieses Territoriums die vielen deutschen Kleinstaaten sich gegenseitig das Leben schwer gemacht haben??? Ich würde keines der Jahre 980 - 1780 in der Mitte Europas als ein ausgeprägtes und alleumfassendes Friedensjahr bezeichnen wollen.
Hinzu kommt, dass man zu den wohlstandsmindernden Einflüssen von Kriegen die lange Vorbereitungszeit (Aufrüstung, Steuern, Abgaben etc.) sowie die noch viel länger andauernde Nachkriegszeit zählen muss, in der es häufig zu Armut, Hunger und Revolten kam. Paradebeispiel 30-jähriger Krieg. Je nach Staat und Historiker brauchten die beteiligten Länder Zentraleuropas zwischen 25 und 100 (!!!) Jahre bis zur vollständigen Wiederherstellung des Status quo ante! Es ist nicht von Fortschritt die rede!!
Fazit: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Wer wirklich postuliert, wir lebten 200 friedliche Jahre, hat was an der Klatsche, ganz ehrlich!
the_digger
Fazit: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht
hast.
Ein saublöder spruch. Er wurde übrigens wahrscheinlich von Goebbels erfunden, um ihn Churchill in den mund zu legen. Wo dieser spruch gilt, ist ernsthafte geschichtsforschung unmöglich.
Wer wirklich postuliert, wir lebten 200 friedliche
Jahre, hat was an der Klatsche, ganz ehrlich!
In der tat! Deshalb habe ich gesagt, von den 200 jahren waren 153 friedensjahre, also jahre, in denen in Deutschland kein krieg geherrscht hat.
Verstehe ich deine ausführungen richtig: Du glaubst, dass in den jahren 980 bis 1780 die mehrheit der Deutschen in der mehrzahl dieser jahre in einen krieg verwickelt war? (Wobei ich darauf hinweise, dass in Oldenburg und Ostpreußen kein krieg war, wenn Bayern und die Pfalz gerade krieg hatten.)
Ich plädiere bei dieser betrachtung dafür, nachkriegsjahre, in denen man noch unter kriegsfolgen gelitten hat, nicht als kriegsjahre zu zählen. Deutschland hat nach 1945 auch noch mindestens zehn jahre gebraucht, um sich einigermaßen von den kriegsfolgen zu erholen. Trotzdem zählen diese jahre im bewusstsein der menschen eindeutig als friedensjahre, also als jahre ohne krieg. Die hierbei entscheidenden unterschiede dürften sein: Man verlor in dieser zeit keine angehörigen durch kriegshandlungen, und man arbeitete überwiegend konstruktiv und nicht überwiegend destruktiv wie 1939-45.
Gruß von tonikal
Lieber tonikal
Du schriebst
Babel hat als Friedensjahre offenbar nur die gezählt, in denen nirgendwo Krieg war.
und ganz sicher stimmt das auch. Allerdings habe ich u. a. mittels dieser Statistik 1982 erfogreich den Kriegsdienst verweigert. Daher konnte ich sie mit einem guten Gefühl weitergeben.
Dass uns die Nachrichten immer nur die Länder präsentieren, die gerade Krieg haben, verzerrt die Realität.
Auch hier stimme ich dir zu.
Viele Grüße
Voltaire