Hallo Menschen,
gerade gelesen:
Irak-Entführer waren offenbar Kriminelle
LOL, wußte gar nicht, daß Entführung auch legal sein kann…
(http://de.news.yahoo.com/03052006/3/irak-entfuehrer-…)
Dennoch nicht ganz unernste Anschlußfrage:
Der Artikel beginnt so:
Die Entführung (…) hatte mit großer Wahrscheinlichkeit keinen politischen Hintergrund.
Eine politische Motivation allein macht doch aus einem Verbrechen nicht plötzlich etwas Gutes oder zumindest Tolerables? (Tyrannenmord mal ausgenommen, und selbst da spricht man eben von „Mord“.)
Oder sind das Adkektiv „kriminell“ und das Substantiv „Krimineller“ nicht deckungsgleich?
Bezeichnet das Wort „Krimineller“ tatsächlich nur Berufskriminelle, die keine „edle“ Gesinnung haben?
Ich finde jedenfalls eine solche sprachliche Bagatellisierung von Schwerverbrechen kriminell.
Bin gespannt auf Antworten…
Lisa
huhu,
weiss nicht, ob ich deine frage richtig verstehe, aber
wenn du etwas gestohlen hast, bist du fuer den moment ein krimineller und du bist/handelst fuer den moment kriminell, egal, ob du das beruflich machst oder nur einmal.
meine ich…
mfg:smile:
rene
Hallo Lisa,
die Schlagzeile „Irak-Entführer waren offenbar Kriminelle“ klingt doch viel dynamischer als wenn geschieben stände: „Die Irak-Entführung hatte offenbar keinen politischen Hintergrund.“ Wie dröge!
Außerdem ist die Aussage in ersterem Fall korrekt, die 2. Version ist dagegen eine Mutmaßung. Eine Bagatellisierung kann ich nicht erkennen.
mit den Begrifflichkeiten kriminell und Krimineller verhält es sich m.E. wie mit den Begriffen fleißig und Fleißiger. Es ist auf Handler und Handlung bezogen. Auch ein Fleißiger wird mal ruhen (müssen) und nicht gleich als faul gelten. Und ein Krimineller wird ab und zu etwas tun, was nicht strafbar ist.
Grüße 
von Mara
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Hallo!
Irak-Entführer waren offenbar Kriminelle
LOL, wußte gar nicht, daß Entführung auch legal sein kann…
Dazu passt: Vor ein paar Jahren sind (ich glaube:smile: vier Soldaten in einem Schießstand der Bundeswehr erschossen worden. Im Radio kam dann die Meldung: „Wie aus Bundeswehrkreisen verlautete, wurde offenbar gegen Vorschriften verstoßen.“
So tragisch das Ereignis war, so lächerlich war die Meldung: Kann man einen Menschen erschießen, ohne gegen Vorschriften zu verstoßen?
Ich glaube, solche Meldungen entstehen, wenn Redakteuere gedankenlos Dinge streichen, die sie für Füllwörter halten, aber in Wirklichkeit Sinn transportieren.
Ich kenne die Meldung, die Du hier zitierst, nämlich mit einem kleinen aber feinen Unterschied:
„Irak-Entführer waren offenbar gewöhnliche Kriminelle“
In meinem Beispiel könnte die Originalversion vor der Kürzung so geheißen haben: „Wie aus Bundeswehrkreisen verlautete, war die Unfallursache offenbar ein Verstoß gegen Sicherheitsvorschriften.“
Michael
Bezeichnet das Wort „Krimineller“ tatsächlich nur
Berufskriminelle, die keine „edle“ Gesinnung haben?
Ich finde jedenfalls eine solche sprachliche Bagatellisierung
von Schwerverbrechen kriminell.
Hallo,
„kriminell“ ist jemand, der eine Straftat begeht, ob „beruflich“ oder sonstwie spielt eigentlich kaum eine Rolle („Berufsverbrecher“ wie aus dem Krimi gibt es in der Realität kaum). „Straftat“ ist hier das, was das Strafrecht im engeren Sinne umfasst, also Mord, Körperverletzung, Diebstahl, Betrug usw., nicht aber Falschparken oder irgendwelche Ordnungswidrigkeiten.
Die „Gesinnung“ ist dabei - bis auf ganz wenige Ausnahmen - völlig egal (und bevor Einwände kommen: der strafrechtliche „Vorsatz“ hat mit „Gesinnung“ nichts zu tun).
Es kommt aber sehr wohl darauf an, wo man handelt: so kann politisches Handeln im einen Land legitim sein, im anderen ist man wegen der gleichen Handlung kriminell. Auf diesen Aspekt kann der von dir angeführte Artikel anspielen. Unterschiede in der Rechtsauffassung liegen übrigens näher als man denkt. Wenn man z.B. in Deutschland am Selbstmord einer anderen Person mitwirkt, begeht man (in aller Regel) keine Straftat, weil das deutsche Strafgesetzbuch kein derartiges Delikt kennt, und man ist nicht kriminell. Wirkt man in Österreich am Selbstmord eines anderen mit, begeht man ein Verbrechen (§ 78 österr. Strafgesetzbuch) und ist kriminell.
Grüße, Peter
Dazu passt: Vor ein paar Jahren sind (ich glaube:smile: vier
Soldaten in einem Schießstand der Bundeswehr erschossen
worden. Im Radio kam dann die Meldung: „Wie aus
Bundeswehrkreisen verlautete, wurde offenbar gegen
Vorschriften verstoßen.“
So tragisch das Ereignis war, so lächerlich war die Meldung:
Kann man einen Menschen erschießen, ohne gegen Vorschriften zu
verstoßen?
Ja, denn es können auch die Erschossenen selbst gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen haben.
In meinem Beispiel könnte die Originalversion vor der Kürzung
so geheißen haben: „Wie aus Bundeswehrkreisen verlautete, war
die Unfallursache offenbar ein Verstoß gegen
Sicherheitsvorschriften.“
Das sagt nicht mehr aus als die erste Fassung, denn was soll der Verstoß gegen die Vorschriften anderes gewesen sein als die Ursache?
Grüße
Ostlandreiter
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Eine politische Motivation allein macht doch aus einem
Verbrechen nicht plötzlich etwas Gutes oder zumindest
Tolerables?
Lisa,
Nach deutschem Sprach- und Moralgebrauch gibt es mehrere Kategorien von Tätern :
- Kriminelle
- Politische
- Missverstandene
- Fehlgeleitete
- Verrückte
- Sexuell Motivierte
- Kulturell Entschuldigte
- Gutmenschen
- …
Wie bei der Werbung besteht das Spiel darin, zunächst die emotionale Lufthoheit zu erringen, um den Täter entweder zu verdammen oder zu entschuldigen.
Verstanden ?
mfg
Klaus
Hi Michael 
Ich glaube, solche Meldungen entstehen, wenn Redakteuere
gedankenlos Dinge streichen, die sie für Füllwörter halten,
aber in Wirklichkeit Sinn transportieren.
Ich kenne die Meldung, die Du hier zitierst, nämlich mit einem
kleinen aber feinen Unterschied:
„Irak-Entführer waren offenbar gewöhnliche Kriminelle“
Das ist ja interessant, ich glaube auch, sicher ist es so gelaufen. Dann hab ich ja fast schon Verständnis dafür…
Gut, daß du das gefunden hast!
LG
Lisa
Hi Mara 
Außerdem ist die Aussage in ersterem Fall korrekt
Na ja, als Tautologie…
Eine Bagatellisierung kann ich nicht erkennen.
Ich finde, die Überschrift, so wie sie dasteht, sagt aus: „Eine politisch motivierte Entführung ist ja verständlich, die Leute haben schließlich ein ideelles Ziel. So aber sind es bloß Verbrecher.“ Dadurch wird indirekt eben eine politisch motivierte Entführung irgendwie gerechtfertigt und damit IMHO bagatellisiert.
Ich meine, man muß eben auch eine klare Trennlinie ziehen z.B. zwischen dem friedlichen Teil der APO und der gewalttätigen RAF in den Siebziger Jahren. Selbst wenn die entführten Personen vielleicht mit den Nazis kollaboriert hatten, gibt das niemandem das Recht, sie zu entführen oder gar zu ermorden. Das wäre im besten Fall Lynchjustiz, und die ist eben in meinen Augen ganz einfach kriminell.
mit den Begrifflichkeiten kriminell und Krimineller verhält es
sich m.E. wie mit den Begriffen fleißig und Fleißiger.
Das ist eine gute Analogie, hätte mir bei etwas längerem Nachdenken auch selbst kommen können… 
Und wie Michael oben sagt, haben wir es ja wohl mit einer nachträglichen Verkürzung zu tun.
LG
Lisa