Kriminelle Gewinne?

Guten Abend!

Ein Unternehmer bietet ein Produkt/eine Dienstleistung an und bedient sich dabei Zulieferern, die einen erheblichen Anteil an der Produktion haben. Der Unternehmer kontrolliert die zugelieferten Teile, bessert ggfs nach und leistet die Gewährleistung. Der Zulieferer im Ausland arbeitet sehr preisgünstig, so daß der hiesige Unternehmer große Gewinne erwirtschaftet. Er könnte sein Produkt billiger anbieten, hält aber lieber das landesübliche Preisniveau und nimmt den Gewinn mit. Daß ein großer Teil der Produktion im Ausland stattfindet, stört die Kunden nicht. Einerseits wissen sie nichts davon, andererseits sind die Produkte in Ordnung und der Lieferant hat nie behauptet, ausschließlich im Inland zu produzieren.

Wenn ich es richtig sehe, wurde bis hierher kein Straftatbestand erfüllt. Weshalb aber ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ein Unternehmen, das sich chinesischer Zulieferer bediente? An welcher Stelle wurde ein Straftatbestand erfüllt, sofern die Produkte einwandfrei waren?

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

Dein unermüdlicher Einsatz für das freie Unternehmertum ist bemerkenswert. Aber ich kann Hilfe und Unterstützung jederzeit gut gebrauchen.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet, wenn ich es richtig verstehe, auf Betrug. Genaueres dazu ist u.a. auch hier zu lesen:
http://www.wdr.de/themen/gesundheit/gesundheitswesen…

Ob’s stimmt, werden wir hoffentlich in der Zukunft erfahren. Ob die Krankenversicherten „ihr“ Geld jemals wiedersehen, wenn es stimmt, ist eine andere Frage.

Gruss,
Andreas

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet, wenn ich es richtig
verstehe, auf Betrug. Genaueres dazu ist u.a. auch hier zu
lesen:
http://www.wdr.de/themen/gesundheit/gesundheitswesen…

Hallo Andreas,

der Artikel bringt inhaltlich nur bereits Bekanntes. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Betrug liegt NICHT vor! Gut zu verdienen und geschickt einzukaufen, ist kein Betrug.

Wurde hinsichtlich Material und Verarbeitung des Zahnersatzes nach hiesigen Standards vorgegangen, liegt überhaupt kein Grund für Beanstandungen vor. Ich wünsche den Beschuldigten einen tüchtigen Advokaten, der der Staatsanwaltschaft die Vorwürfe um die beamteten Ohren haut. Hier wächst nämlich, was seit Jahrzehnten gesät wurde: Der versicherte Patient wird von allen Dingen der Abrechnung systematisch fern gehalten. Es fehlt u. a. die Kostentransparenz. In diesem Fall liegt nach meiner Einschätzung nur Übereifrigkeit eines etwas blöden Staatsanwalts vor, aber kein Betrug. Wer sich darüber aufregt, hat nicht begriffen, was Markt ist.

Tatsächlich gibt es mit Sicherheit millionenfachen Abrechnungsbetrug in diesem System, wo der Patient keinerlei Aufstellung und keinerlei Einblick in die abgerechneten Positionen und deren Kosten erhält. Der Doc kann aufschreiben, was immer er für richtig hält. Er sollte sich nur nicht dabei erwischen lassen, in diesem Quartal einen Zahn zu behandeln, den er im vorigen Quartal angeblich gezogen hatte. Aber auch das ist schon passiert.

Mein Posting war eigentlich nicht als Statement für freies Unternehmertum gedacht. Aber fasse es getrost dennoch so auf. Im deutschen Gesundheitswesen fehlt es genau am Unternehmertum. Dazu gehört nämlich, daß der Kunde nicht im Unklaren über Leistung, Zulieferer und Preise gelassen wird. Dazu gehört, daß der Unternehmer nicht nach Gutdünken mit vorgeschriebenen Preisen abrechnet. Es gehört noch mehr dazu, insbesondere eine über allem stehende Qualitätssicherung, die nicht von Kunstfehlern fabuliert, sondern fachgerechte Arbeit sorgsam von Pfusch und Organisationsdefiziten unterscheidet. Zur Qualitätssicherung gehört als zentrales Element u. a. die Rückverfolgbarkeit der Herkunft aller verarbeiteten Materialien. Das alles gibts im deutschen Gesundsheitswesen nicht einmal in bescheidensten Ansätzen und gleichzeitig explodieren die Kosten. Die zuständige Ministerin ist ohne Plan und ruft deshalb eine Kommission zusammen. Auf die so einfache und nahe liegende Idee, die Kosten jedes Handschlags transparent zu machen, will offensichtlich keiner kommen. Nicht einmal eigenes Nachdenken wäre in der Ministerialbürokratie nötig. Man muß nur auf in der Industrie und in anderen Versicherungszweigen üblichen Verfahren sehen und alles wird gut.

Im vorliegenden Fall hoffe ich, daß man der Arbeit chinesischer Lohnfertiger keinen Pfusch nachweisen kann. Spätestens dann steht die Staatsanwaltschaft bis auf die Knochen blamiert da.

Gruß
Wolfgang

Hallo, Wolfgang und Andreas,
ob der Dentalfirma und den Zahnärzten strafrechtliches Fehlverhalten vorzuwerfen ist, mag ich nicht beurteilen.
Sehr wohl allerdings verurteile ich die moralische Haltung, die hinter der Handlungsweise sichtbar wird.
Bei der Misere in der das gesamte Krankenkassenwesen steckt, das ja von der Versichertengemeinschaft getragen wird, kann ich es absolut nicht gutheißen, dass sich einige wenige auf Kosten der Allgemeinheit den zweiten Porsche in die Garage stellen müssen. Hier wird dieses Verhalten geradezu unanständig.
Es ist ein Ding, günstig einzukaufen und teuer zu verkaufen, eine andere Sache ist es jedoch die Versicherten derart über den Löffel zu balbieren.
Grüße
Eckard.

(bitte diesen thread in irgendein politik dings schieben)

Hi eckardt,

Sehr wohl allerdings verurteile ich die moralische Haltung,
die hinter der Handlungsweise sichtbar wird.

was ist moralisch schlecht geld zu verdienen ???
irgendetwas besser - billiger -einzukaufen und mangels kostentransparenz - teuer zu verkaufen

Bei der Misere in der das gesamte Krankenkassenwesen steckt,
das ja von der Versichertengemeinschaft getragen wird, kann
ich es absolut nicht gutheißen, dass sich einige wenige auf
Kosten der Allgemeinheit den zweiten Porsche in die Garage
stellen müssen. Hier wird dieses Verhalten geradezu
unanständig.

wenn es der vater staat mit seinem händchenhaltendenken müssen für die versicherten so will bzw. geradezu fördert,
ich bekomme von meinen ärtzen rechnung da steht drauf wann sie was gemacht haben - ich kann schon mal sachlich richtig prüpfen, das reiche ich bei meiner kasse ein, und die prüft ob die vorgegebenen sätze etc. richtig abgerechnet wurden - dann bezahl ich, und alle sind zufrieden,
nur bei den gestzl. ist das nicht so, da kontrolliert ein sachbearbeiter ob der versicherte beim artz war und schreibt dem artzt vor was der versicherte für ne krankheit hat bzw. was er zur genesung für heilmethoten braucht,

irgendwie ein bisschen schräg - oder???

Es ist ein Ding, günstig einzukaufen und teuer zu verkaufen,
eine andere Sache ist es jedoch die Versicherten derart über
den Löffel zu balbieren.

wer wird denn hier über den löffel balbiert, doch das scheiss system, weil der lieferant, der arzt und der kranke haben was davon, das system wurde nur da gepackt wo es krankt …

sorry ich bin erst 34, aber so um die jahre 84-89 wurde in der DDR, wo ich nach wie vor lebe, über ganau dieses problem diskutiert — WER soll den ganzen sozialstaat bezahlen !!! — das gesundheitssystem, die versteckten plingler und plöngler in den volkseigen betrieben die eigentlich gar keine arbeit hatte etc.
und das ende vom lied war … na ja wird sich nie mehr wiederholen, …

… weil keiner den mut hat, verdreckte amigostrukturen aufzubrechen, weil die lobby und die gewerkschaften und wer weiss ich ihre büros gleich neben den abgeordneten unterhalten und die sich ja irgendwie finazieren müssen …

ich wünsche mir nur, das die ganze scheise jetzt richtig krachen geht, weil jeder kaststrophe bringt neue blumen,
nur leider wird auch dieser wunsch nicht erfüllung gehen, es wird wieder irgendein dummes gemäre veranstaltet nur um an irgendeiner wahl wieder …

mich kotzt dieses system an, zu honeckers zeiten war das nicht so verlogen wie jetzt, alle sabbern von den arbeitslosen, und der wirtschaft, alle trampeln auf denen rum, die mit ihren ideen mehrwert schaffen (können) und die die arbeitslos sind in lohn und brot bringen können …

ich brauch keine kostenlosen/ billigen arbeitskräfte, ich brauch keine vergünstigungen oder mikrokredite oder sonderabschreibungen, ich brauche luft zum atmen dann kann ich mich entwicklen und gedein (das ist übrigens die meinung von 99,99 % der mittelständischen unternehmer hier in der region)

und um wieder auf das ursprungsposting zu kommen, jetzt hat mal jemand einen dreh gefunden nach all den abgaben und steuern mal richtig geld zu verdienen da ist er gleich kriminell … mei ist eine gesellschaft wo geld verdienen vor den staatsanwalt führt,

aber falls es dazu kein gesetz gibt wird halt jetzt wieder ne sinnlose verodnung erlassen …

uwe

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Sehr wohl allerdings verurteile ich die moralische Haltung…

Hallo Eckard,

die moralische Seite ist eine ganz andere Baustelle. Wir dürfen uns bei einem derart verrotteten System, in dem Qualitätssicherung (mit u. a. Rückverfolgbarkeit des Materialflusses) und Kostentransparenz offenkundig absichtlich nicht vorkommen, nicht wundern, wenn die Schwächen des Systems weidlich ausgenutzt werden.

Das Schlimme ist dabei nach meiner Ansicht, daß ständig am Gesundheitssystem herumgeändert wird, aber um die entscheidenden Punkte wird ein großer Bogen gemacht.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

vermischt Du hier Wunschdenken und Realität?

Der vielbeschworenen Forderung nach mehr Kostentransparenz im Gesundheitssystems und mehr Eigenverantwortung der Versicherten schliesse ich mich ja gerne an. Kein Kunststück übrigens, wenn man noch einigermassen rüstig dabei ist und sich selbst - klammheimlich, versteht sich - zu den Besserverdienenden zählen kann. Wenigstens derzeit noch. - Also: Unsere Wünsche sind identisch!

Die Realität sieht hingegen anders aus. Ohne dass ich die Verhältnisse auch nur annähernd genau kenne oder beurteilen kann, muss ich heute davon ausgehen, dass es juristisch verbindliche Verträge zwischen Zahnärzten, Herstellern/Lieferanten und Krankenkassen gibt, die Leistung und Abrechung einigermassen detailliert beschreiben. Ist dann in dem von mir zitierten Artikel die Rede von „frisierten“ Rechnungen, gehe ich davon aus, dass der Betrugsvorwurf gerechtfertigt sein könnte, egal wie verbeamtet der Staatsanwalt auch sein mag.

Wenn meine Brücke links oben von Globudent gegenüber meiner Krankenkasse als „made in Germany“ deklariert und zu Preisen „made in Germany“ abgerechnet wurde, und die Kasse und ich dafür mit dem jeweiligen Anteil für „Quality made in Germany“ bezahlt haben, dann will ich als Kunde auch Qualität „made in Germany“ eingebaut bekommen!

Dies ist völlig unabhängig davon, ob chinesiche Qualität genau so gut oder sogar besser ist als deutsche. In diesem Zusammenhang könnte es gar besser sein für den Patienten. Trotzdem ändert sich an der juristischen Bewertung nichts: Es ist Betrug.

Ich wünsche Dir ein Wochenende ohne Zahnschmerzen. Eckard auch.

Gruss,
Andreas

Hallo Wolfgang,

also so einfach, wie Du die Geschichte darstellst, ist sie beileibe nicht.
Beim Zahnersatz wird eben nicht das Endprodukt abgerechnet und verkauft, sondern jede einzelne Leistung. Hier wurde offensichtlich mit großer krimineller Energie vorgegangen. Es wurden Laborleistungen auf europäischen Preisniveau abgerechnet, die Gelder nach Honkong überwiesen, von dort wieder bar abgeholt und bar an die beteiligten Zahnärzte verteilt. Was das mit freiem Unternehmertum zu tun hat, mußt Du mir mal erklären…

Ich werde mich hüten die Sache strafrechtlich zu bewerten, aber von grundlosem Verfolgungswahn eines Staatsanwalts kann hier wirklich keine Rede sein.

Gruß Stefan

Äh… Moment mal
Hallo!

Ich bin auf diesem Gebiet keinesfalls Experte, aber als ganz normaler Zeitungsleser habe ich den Sachverhalt so verstanden:
Ein Zahnarzt darf per Gesetz Laborkosten lediglich durchreichen. Schlägt er heimlich etwas drauf, ist das ein klarer Fall von Betrug. Und wenn Globudent diese Betrugsmasche bei bei Ihren Kunden anregt, den betrügerischen Handlungen Vorschub leistet (Stichwort Komforttarif), ja sie sogar im großen Stil organisiert, dann ist das - völlig unabhängig von der Qualität der Gebisse - eine schwere und m.E. auch ziemlich widerliche Straftat. (Geht zu Lasten von uns allen.)

Ansonsten spricht natürlich nichts dagegen, wenn Zahnersatz in der erforderlichen Qualität zu einem nierdrigeren Preis im Ausland eingekauft wird.

Korrigiert mich, wenn ich etwas falsch dargestellt habe.

Gruß, M