Kriminelle vergiften Europa

und hier wird über Mehmet gestritten, als ob er die Republik gefährdet.

Interessiert es eigentlich niemanden, daß diese wohl zu recht „kriminell“ genannte Futtermittelmafia augenscheinlich wissentlich Abfall aus der Chemieindustrie, um die entsorgungskosten zu sparen, als hochwertige Futtermittel verkauft?

Ich finde, daß alle Beteiligten an solchen Skandalen, nach rechtskräftiger Feststellung der persönlichen Beteiligung, alle firmen zugemacht werden, die mit Lebensmittel zu tun haben, ein Berufsverbot und Beteiligungsverbot auch über Strohmänner im Lebensmittel- und futtermittelbereich erteilt wird, alles Geschäfts- und Privatvermögen eingezogen wird, und dieses zur Wiedergutmachung an die Geschädigten und Opfer herangezoben wird.

gruss
winkel

Hallo,

mag sein, daß Sanktionen abschreckend wirken, obwohl ich da bereits das erste Fragezeichen sehe.

Es ist schon der pure Irrwitz, was für jedes Kilo Billigfleisch, das der durchschnittlich übergewichtige Europäer gedankenlos in sich hinein stopft, an Futtermitteln aufgewendet werden muß. Irrwitz ist auch, daß dieses Futter dann durch halb Europa gekarrt wird. Nicht genug des Irrwitzes: Der Schweinemäster mästet nur Schweine. Die bekommt er vom Ferkel-Aufzuchtbetrieb. Das Futter produzieren diese Betriebe i. d. R. nicht selbst. Vielmehr ist die Landwirtschaft weit verbreitet in industrialisierter Weise arbeitsteilig organisiert, ohne in der Lage zu sein, wie die Industrie an jeder Nahtstelle qualitätssichernde Maßnahmen einzubauen. Die eigentlich selbstverständliche Rückverfolgbarkeit des Fetzens Fleisch bis zu einem bestimmten Betrieb nützt wenig, wenn das Futter von sonstwo her kommt. Deshalb halte ich die vorhandenen spezialisierten Strukturen der Landwirtschaft für qualitätsfeindlich. Letztlich kann der Aufzuchtbetrieb nur wissen, was verfüttert wird, wenn der Betrieb auch das Futter selbst produziert.

Gruß
Wolfgang

Angebot und Nachfrage?
Hallo Winkel!

und hier wird über Mehmet gestritten, als ob er die Republik
gefährdet.

Ja, das liess mich auch „a weng“ ungläubig schauen. Es fällt mir nichts mehr dazu ein, was so vielen zu Mehmet einfällt.

Interessiert es eigentlich niemanden, daß diese wohl zu recht
„kriminell“ genannte Futtermittelmafia augenscheinlich
wissentlich Abfall aus der Chemieindustrie, um die
entsorgungskosten zu sparen, als hochwertige Futtermittel
verkauft?

Empört hat mich hierbei, dass auch in diesem Fall in irgendeinem Interview schon wieder die Schuld den Verbrauchern zugeschoben wurde, weil diese möglichst billige Lebensmittel wollen.
   Zu früherer Zeit lernte ich einmal, dass die
ach-so-tolle Marktwirtschaft eigentlich auf Angebot und Nachfrage beruht. Wenn also beispielsweise eine grosse Nachfrage nach Fleisch existiert, gibt es für den Produzent/Verkäufer zwei Möglichkeiten: er belässt es bei seiner bisherigen Produktion und erhöht aufgrund des knappen Angebots und der Nachfrage den Preis, oder er erhöht die Produktion und damit das Angebot, um beim gleichen Preis zu bleiben. Wenn ein Angebot knapp und der Preis hoch ist, kann der Verbraucher entscheiden, ob der das Produkt kaufen will oder nicht.
   Der Verbraucher kann zwar noch so sehr ein Produkt nachfragen, aber die Entscheidung liegt beim Hersteller, ob er die Produktion oder den Preis erhöht. Trotzdem wird dem Verbraucher die Schuld zugewiesen.

Ich habe nicht BWL studiert, und vielleicht wird mich jemand eines Besseren belehren, aber bis dahin halte ich die Schuld des Verbrauchers für ein Scheinargument. Vielmehr geht es den Herstellern darum - teilweise ohne jegliche Skrupel -, möglichst preiswert zu produzieren und dabei auch Gesetze zu hintergehen, wenn es sein muss.

Marco

Hallo Marco,

   Der Verbraucher kann zwar noch so sehr ein Produkt
nachfragen, aber die Entscheidung liegt beim Hersteller, ob er
die Produktion oder den Preis erhöht. Trotzdem wird dem
Verbraucher die Schuld zugewiesen.

das Problem liegt darin, daß der Verbraucher komischerweise gerade bei Lebensmitteln davon ausgeht, daß alle Produkte unabhängig vom Preis die gleiche Qualität aufweisen. Während man z.B. bei Kfz bereit ist, (vermutete) Qualität teuer zu bezahlen, wird offensichtlich bei Lebensmitteln rein nach dem Preis vorgegangen. Der Gedanke, daß ein ganzes Hähnchen für 2 Euro offensichtlich nicht aus Freilandhaltung stammen und sich vorwiegend von Körnern höchster Güte ernährt haben kann, scheint dem deutschen Verbraucher nicht zu kommen.

Diese Tatsache bleibt natürlich auch den Produzenten nicht verborgen und so suchen diese nach noch günstigeren Produktionsmöglichkeiten, um das Produkt zu noch günstigeren Preisen in die Läden zu bekommen und somit mehr zu verkaufen. Nicht zuletzt dadurch ist zu erklären, wie es dazu kommen konnte, daß Pflanzenfresser mit den Überresten ihrer Verwandten gefüttert werden.

Das soeben entdeckte Verfahren, medizinische Abfälle zu verfüttern und so die teuren Entsorgungskosten zu sparen, ist letztlich nur die Konsequenz des Trends. Bleibt nur abzuwarten, wann die ersten menschlichen Opfer von Lebensmittelverseuchung wieder an Tiere verfüttert werden. Statt einer Urne kann man sich dann ein engeschweißtes Schweinekotelett auf den Kamin stellen.

Früher holte man sich seinen Sonntagsbraten vom Metzger, der im Zweifel noch ein Freund der Familie war. Da war man bereit, einen Tageslohn ins Essen zu investieren. Durch den im Verhältnis zur Preisentwicklung höheren Anstieg der Löhne kam es mit der Zeit dazu, daß man sich öfter Fleisch leisten konnte, was ja nun auch eine Art von Statussymbol war. Die Landwirtschaft konnte die gestiegene Nachfrage nicht mehr durch Erweiterung der herkömmlichen Produktionsmethoden befriedigen und so kam es dann zur Massentierhaltung (ansonsten wäre Deutschland ein dem Morgenthau-Plan entsprechendes Agrarland). Und so kauft man (auch teiweise aufgrund eines Mangels an Alternativen) sich sein zersäbeltes Stück Vieh im Supermarkt und hat keinen Bezug mehr zum Tier oder gar dessen Lebens- und Ernährungweise. Sozusagen eine Abstraktion der Nahrungsaufnahme. Übrigens bekam ich witzigerweise neulich beim Metzger tatsächlich tiefgefrorenes und eingeschweißtes Lammfleisch aus Neuseeland.

Ich habe nicht BWL studiert, und vielleicht wird mich jemand
eines Besseren belehren, aber bis dahin halte ich die Schuld
des Verbrauchers für ein Scheinargument. Vielmehr geht es den
Herstellern darum - teilweise ohne jegliche Skrupel -,
möglichst preiswert zu produzieren und dabei auch Gesetze zu
hintergehen, wenn es sein muss.

Sagen wir es mal so: Am Fehlverhalten der Produzenten gibt es nichts zu deuteln. Der Konsument aber hat es in der Hand, ob er den Schrott überhaupt kauft und damit die Existenz der Massentierhaltung mit ihren absurden Auswüchsen fördert. Auch wenn es an der Praktikabilität scheitern würde: Wenn die Konsumenten äquivalent zum Hummer im Restaurant das Steak am lebenden Tier aussuchen, den Zerlegungsprozeß beobachten und die entsprechenden Kosten bereitwillig tragen würden, wäre es schnell aus mit der verbrecherischen Fleischindustrie.

Und so bleibt es jedem weiterhin selbst überlassen, ob er das Schweineschnitzel für 8,99 Euro je Kg kauft, oder das argentinische Rinderfilet für 50 Euro je Kg. Ich für meinen Teil halte mich an letztere Variante. Das kann sich natürlich nicht jeder leisten, nur muß man sich dann fragen, ob es wirklich das tägliche Recyclingfleisch sein muß oder ob man nicht wie früher das essen kann, was der Mensch nachgewiesenermaßen durchaus auch verträgt: Gemüse, Obst und andere Feldfrüchte. Gesünder in jeder Hinsicht wäre das allemal.

Gruß
Christian

P.S.
Wenn alles, das heute mit Erdbeergeschmack versehen ist, auch aus echten Erdbeeren hergestellt würde, müßte wohl halb Europa aus Erdbeerfeldern bestehen. Dies ist offensichtlich nicht so. Tatsächlich wird das meiste Erdbeeraroma mittels eines chemischen Verfahrens aus den Sägespänen eines Baumes hergestellt. Da es sich dabei um ein natürliches Produkt handelt, erfolgt auch die Produktauszeichnung entsprechend: Natürliche Aromastoffe.

Hallo Christian,

erst einmal danke für Deine lange Ausführung! Was Deine Argumente über das Verbraucherverhalten gegenüber des preiswerten Fleischs anbetrifft, kann ich Dir nur schwer widersprechen.
   Ein kleines Aber kommt trotzdem von mir: Der Verbraucher müsste eben wissen, was er kauft; wie Du schreibst, hat er ja „keinen Bezug mehr zum Tier oder gar dessen Lebens- und Ernährungweise.“ Es ist für mich vergleichbar mit anderen Teilen der Politik. Informationen werden ausgeblendet und umdefiniert, und es mögen sich nur wenige die Mühe machen, sich zu diesem Thema näher zu informieren, wie sie es auch in anderen Politikbereichen nicht tun. Leider zu verständlich, die geschafft von der Arbeit kommen und und nicht selbst noch ausführlich nach Informationen suchen wollen.
   Aber dafür haben wir ja die Arbeitsteiligung. Jeder kümmert sich um einen bestimmten Bereich; der eine stellt dies her, der andere das, der eine ist für dies verantwortlich, der andere für das. Man gibt die Verantwortung an jene ab, die es vermeintlich besser können. Ein Hausbauer muss auch erwarten können, dass der Maurer die Steine richtig zusammengefügt hat, damit nicht alles beim ersten Türzuschlagen zusammenfällt. Somit ist zu erwarten, dass die Politik, unbeeinflust vom Lobbyismus, die richtigen Gesetze macht und Produzenten eine gescheite Kontrolle widerfährt. Wenn man sich nicht darauf verlassen kann, dass die abgegebene Verantwortung auch wirklich verantwortungsvoll eingesetzt wird, weshalb man sich selbst ständig informieren muss, wäre dieses System ad absurdum geführt. Dann allerdings haben die Verantwortlichen nichts auf ihren Posten nichts zu suchen!
   Wenn Du schreibst, der Konsument „hätte es in der Hand, ob er den Schrott überhaupt kauft und damit die Existenz der Massentierhaltung mit ihren absurden Auswüchsen fördert“, dann muss er wissen, dass das auch tatsächlich Schrott ist, was er kauft. Die nur gelegentlichen Berichte über die Massentierhaltung erwecken in mir als naiven Zuschauer den Eindruck, es handele sich um Einzelfälle und Auswüchse eines ansonsten funktionierenden Systems. (Es ist natürlich nicht so.) Aber es wäre doch fatal, wenn ausgerechnet der schlecht bis weniger gut informierte Verbraucher Sanktionen ausüben soll. Er soll sich damit auch gegen die Massentierhaltung wenden, obwohl es doch einfach wäre, würde man dies schlichtweg verbieten würde. Stattdessen gibt man die Verantwortung an Verbraucher weiter: du willst das essen, also sanktioniere, wenn du es nicht willst. (Das ist trügerisch, denn wir wissen doch, dass wir als geeinte Masse einer Bevölkerung zwar die Macht hätten, aber nie wirklich geeint sind. Ansonsten hätten wir wahrscheinlich schon längst die „Nasen“ an der Spitze unseres Landes abgekanzelt. Nur weil theoretisch die Möglichkeit besteht, wird sie nicht unbedingt zur Praxis.)
   Ein Beispiel, wie man desinformiert wird, zeigte sich für mich selbst beim Eierkauf. Ich wollte keine ovalen Dinger aus der Massentierhaltung, also beachtete ich die preiswerten nicht und griff stattdessen zu der teureren Verpackung, auf der angedeutet eine Wiese mit freilaufenden Hühnern gezeichnet worden und „Eier aus Bodenhaltung“ zu lesen war. Erst später erfuhr ich, dass diese Eier ebenfalls aus der Massenhaltung stammen und die Verpackungsbezeichung in Ordnung wäre, weil ja auch diese Käfighühner auf dem Boden leben. Das ist doch absurd!

Du hast noch einen anderen Punkt angeschnitten, den ich ebenfalls sehr interessant finde: Aromastoffe. Ich kann Dir dazu zumindest sagen, dass die ganzen Welternten von Erdbeeren und Vanilleschoten nicht genügen würden, um die Nachfrage auch nur zu einem Bruchteil zu befriedigen. Ich habe leider das entsprechende Buch im Keller verstaut, sonst könnte ich es Dir genauer sagen.
   Abgesehen davon sind Aromastoffe als zweifelhaft anzusehen, denn wie wir wissen, müssen sie auf den Verpackungen nur als „Aroma“ oder auch mal als „natürliche Aromastoffe“ deklariert werden. Letzteres deshalb, weil auch der (australische) Baum, aus dem die Sägespäne gewonnen werden, natürlichen Ursprungs. Wenn es danach geht, ist doch letzten Endes alles natürlich, denn wo soll es sonst herkommen? Im Gegensatz zu den sonstigen Zutaten müssen die Aromen nicht ausführlich bezeichnet werden, obwohl nicht einmal gesichert ist, wie sie sich in unserem Körper auswirken! Aus diesem Grund konnte ich nur den Kopf schütteln, als seinerzeit wegen BSE Fischer ging und Künast kam und ein Verbraucherschutz-Ministerium etabliert wurde. Das geschah nur, weil sich alle Augen darauf richteten, aber es ist wohl kaum zu erwarten, dass Weiterführendes geschieht.
   Ich habe mich vor einiger Zeit mal „aus Spass“ vor verschiedene Abteilungen des Supermarkts gestellt und bei den Lebensmitteln geschaut, wo Aromen drin sind. So wollte ich an der Kühltheke ein paar (eingeschweisste) Salami- oder Schinkenscheiben für leckere Sandwiches aus Feldsalat, Käse und Mayonnaise mitnehmen, aber es war mir nicht möglich, auch nur eine einzige Verpackung zu finden, auf der nicht als letztes „Aroma“ zu lesen war. Bei Würstchen im Glas stand ebenfalls „Aroma“, oder häufiger „Rauch“ bzw. „Raucharoma“. Das „Schönste“ an der Sache ist, zumindest laut besagtem Buch, dass es einem beim Metzger oder Bäcker nicht einmal unbedingt besser ergeht, denn die müssen erst gar nicht alles deklarieren, was sie einarbeiten (bzw. teilweise eingearbeitet erhalten, weil sie beispielsweise halbfertige Zusammenstellungen geliefert bekommen). Man kann ja mal versuchen, im Wurst- oder Bäckerladen zu erfahren, was in den Produkten drin ist. Wahrscheinlich wissen viele es selbst nicht mehr genau.

Marco