Kriminellisiert - Gibt es diese Wort, und wie wird es geschrieben?

Hallo zusammen,

ich schreibe gerade an einem Brief, in dem ich das Wort - kriminell - aus der Aktivform ins Passiv strecken will. Es liest sich aber schrecklich und sieht auch nicht viel anders aus.
Wie wird jemand, durch außen, auf die Stufe eines Kriminellen gestellt, quasi: Kriminelllisiert oder kriminellisiert?

Grüße und danke für die Hilfe
Fred

Hallo Fred,
kriminalisieren
Grüße
Ulf

Servus,

kriminell

ist kein Verb, verfügt also nicht über Aktiv- oder Passivformen.

Man kann aus dem Adjektiv/Adverb kriminell ein transitives Verb „kriminalisieren“ ableiten. Gleichviel, ob dieses Verb einen besonderen Sinn hat oder nicht, es wird benutzt. Es dürfte relativ jung sein, ich tippe auf die Zeit ca. 1975 - 1985, wo auch so grässliche Ungetüme wie „auseinanderdividieren“ entstanden und glücklicherweise bald wieder verschwunden sind.

Wie auch immer, ein Beispiel wäre z.B.:

„Durch ständige Wiederholung unisono versuchen die gleichgeschalteten Medien, dieses Vorgehen zu kriminalisieren.“

Andersrum gewickelt:

„Dieses Vorgehen wird durch ständige Wiederholung unisono in den gleichgeschalteten Medien kriminalisiert.“

Ist es das, was Du suchst?

Schöne Grüße

MM

kriminalisieren
Laut Duden 24. Auflage:

kriminalisieren -> als kriminell hinstellen

Grüße
Christian

Servus,

kriminell

ist kein Verb, verfügt also nicht über Aktiv- oder
Passivformen.

Servus zurück,

ich weiß, dass es kein Verb ist, ich habe nur nicht gewusst, wie ich das umschreiben soll.
In meinem Wörterbuch Aldi neuste Auflage :smile: steht unter „kriminal“ das Strafrecht, eine Strafverfahren, eine Straftat oder einen Straftäter betreffend.
Und unter „kriminell“ straffällig, verbrecherisch;

Und in dem Brief geht es darum, dass in einem Betrieb zurückgebliebenen Mitarbeiter wie die entlassenen Verbrecher behandelt werden, quasi: verbrecherisch.

danke aber, ich glaube ich werde es nehmen und mir mal das Dudenwort ergoogeln.
Grüße Fred

Hallo Fred,
kriminalisieren
Grüße
Ulf

Danke, ich lasse jetzt die Anführungszeichen „kriminellisieren“ weg und schreibe knallhart und ohne Umschweife kriminalisieren. (.)

Ihr habt mir alle sehr geholfen, ich weiß jetzt, dass es sich um ein Adjektiv/Adverb handelt :wink: was man nicht alles so vergisst, wenn man sich nicht bzw. nicht mehr damit beschäftigt.

pfiad eich

Fred

Servus,

Und in dem Brief geht es darum, dass in einem Betrieb
zurückgebliebenen Mitarbeiter wie die entlassenen Verbrecher
behandelt werden

Ich glaube, dass die Schwierigkeit hier nicht am Wort und seiner Konstruktion selber liegt, sondern dass dieses Wort in diesem Zusammenhang sich deswegen seltsam liest, weil es inhaltlich nicht genau passt. Im Zusammenhang „Betrieb“ wäre „kriminalisieren“ etwa, wenn der frischgebackene Juniorchef ein Fehlverhalten, das zum Gewohnheitsrecht geworden ist, z.B. das ausführliche Freitagsfrühstück einschließlich Verdauungsschnaps, das früher in kleinen und mittleren Industriebetrieben üblich war, systematisch disziplinarisch verfolgte. Also eine Tat, die nicht strafbar ist - oder nicht als strafbar erachtet wird - in die Nähe von strafbaren Taten rückt oder als solche behandelt. Freilich ginge „kriminalisieren“ auch da schon am Kern vorbei, weil es sich halt nicht um Strafrecht handelt.

Ohne den größeren Zusammenhang zu kennen: Das bloße Verbleiben in einem Betrieb ist keine Tat im eigentlichen Sinn, kann also nicht kriminalisiert werden.

Das Behandeln „wie einen Verbrecher“ wegen irgendeiner besonderen Tat oder Eigenschaft, die ständig betont wird, wäre vielleicht eher etwas wie „stigmatisieren“ - wobei das auch bloß am Rand vorbeistreift, es hängt von der konkreten Situation ab, ob das passt oder nicht.

Oder warum eigentlich nicht ganz konkret, so wie Du oben formuliert hast? Konkrete Formulierungen haben immer Vorfahrt, und sie ergeben in der Regel den besseren Stil, auch wenn man mehr Silben dafür brauchen sollte. Man kann einen Text leicht mit wenigen Schuss versenken, wenn man darin einzelne Begriffe verwendet, die den Inhalt fast treffen, aber knapp dran vorbei gehen - besonders wenn es sich um Fremd- oder Lehnworte handelt, oder wie im vorliegenden Fall um solche, die danach klingen.

Schöne Grüße

MM

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. Im Zusammenhang „Betrieb“ wäre

„kriminalisieren“ etwa, wenn der frischgebackene Juniorchef
ein Fehlverhalten, das zum Gewohnheitsrecht geworden ist, z.B.
das ausführliche Freitagsfrühstück einschließlich
Verdauungsschnaps, das früher in kleinen und mittleren
Industriebetrieben üblich war, systematisch disziplinarisch
verfolgte. . Freilich ginge
„kriminalisieren“ auch da schon am Kern vorbei, weil es sich
halt nicht um Strafrecht handelt.

Ohne den größeren Zusammenhang zu kennen: Das bloße Verbleiben
in einem Betrieb ist keine Tat im eigentlichen Sinn, kann also
nicht kriminalisiert werden.

Nun ja, es geht in der Tat um Straftaten, die zum Entfernen von mehreren Mitarbeitern führten, und da die Dienstaufsicht jahrzehntelang geschlafen hat, versucht sie es derzeit um so angestrengter, der übergeordneten Dienstaufsicht zu beweisen, dass man bis dato unwissend war. Quasi ich bin von Kriminellen umgeben! Und die jagt man mit Kameras, stellt ihnen heimlich lauernd aus Büschen nach usw. Also nehme ich das Wort, welches der Duden als - wie Kriminelle behandeln - auswirft.

Danke der Mühen
Grüße