Kritische Frage zu Homöopathie bei Kleinkindern

Hallo !

Ich traue mich ja fast schon nicht, hier Fragen zur HP zu stellen, da ich u.a. den Globuli-Fred gelesen habe.

ICH glaube auch nicht an diesen Hokus-Pokus und die Wirksamkeit von homöopathischen Zuckerklümpchen, und will nur mal das, was mich heute bewegt hat, kundtun:

Es geht um meinen Sohn, 16 Monate alt. Ich habe absolute Schlafprobleme seit Monaten. Sobald er abends ins Bett gelegt wird, fängt er sofort an, wie am Spieß zu schreien. Tagsüber ist er total lieb, ausgeglichen und fröhlich, aber sobald es abend wird, erwacht der Teufel in ihm.

In sein eigenes Bett lässt er sich überhaupt nicht legen, egal ob das im Kinderzimmer oder in meinem Schlafzimmer steht. Er schläft nur in meinem Bett, an meiner Seite.

Die Aussage vom Kinderarzt: Gesundheitlich ist alles in Ordnung, das wäre normal, einfach mal zwei oder drei Tage schreien lassen, und der Spuk ist vorbei.
Das möchte ich aber weder meinem Kind noch den Nachbarn zumuten. Deswegen wollte ich mir heute eine zweite Meinung einholen, bei einer Hausärztin (Dr. med.), die aber auch naturheilkundliche und alternative Behandlungen anbietet. Das war mir wichtig, denn zu einem reinen Heilpraktiker, der sich sein Wissen in einem Fernstudium angeeignet hat,hätte ich kein Vertrauen…

Nun ja - heute da gewesen - die Ärztin hat sich auch fast eine Stunde Zeit genommen, und alles mögliche gefragt und in ihren PC getippt, und danach wurde ich (bzw. mein Sohn) mit einem Rezept für Zuckerkügelchen, einmal Chamomilla D12 (gegen Schmerzen beim Zahnen) und einmal Sulfur D12 (gegen die Schlafprobleme) weggeschickt. Nächster Termin in 2 Monaten, bei Fragen/Problemen einfach anrufen.

Tolles Ergebnis, was für mich nichts anderes heißt als - gib dem Jungen 2 mal am Tag einen TL Zucker, und alles wird gut.

Denn allein der Glaube an die Wirkung, bzw. der Placebo-Effekt dürfte bei einem 16 Monate alten Kind wohl kaum wirken oder?

Auf der anderen Seite wundert es mich aber, dass immer mehr Krankenkassen, so auch meine BKK, die Kosten dafür übernehmen. Ich musste nichts bezahlen oder zuzahlen, die Ärztin rechnet direkt mit der gesetzlichen Krankenkasse ab. Aber die zahlen doch eigentlich nur, wenn eine Wirksamkeit über lange Zeit erwiesen ist, oder?

Bitte klärt mich ein wenig auf.

Liebe Grüße

Ups, ganz vergessen:

Er schläft zwar ein in meinem Bett an meiner Seite, wird trotzdem aber 3-8 mal pro Nacht wach. Er merkt sogar, wenn ich nur mal auf Toilette muss, und dahin muss ich ihn auch mitnehmen, da er ansonsten das ganze Haus aufweckt mit seiner Schreierei… :frowning:

Hallo,

ich hatte mit unserem Sohn das gleiche Problem, wir haben es allerdings ohne Medikamente oder Globuli gelöst, sondern nach und nach mit viel Geduld ein „ritual“ eingeführt. Aber das ist ja ein anderes Thema.

ich wollte hierzu etwas schreiben:

Denn allein der Glaube an die Wirkung, bzw. der Placebo-Effekt dürfte bei einem 16 Monate alten Kind wohl kaum wirken oder?

Das kann man so nicht sagen. Es gibt diesen Effekt sogar bei Tieren.
Bei Kindern ist es ja so, dass die die Gefühle der Eltern sehr gut mit bekommen. Du wirst mit Sicherheit innerlich bereits auch schon auf dieses abendliche Theater reagieren. So könnt ihr euch beide ja auch hochschaukeln (unter Umständen).
Deshalb gibt es den Effekt auch bei den Kindern.

  1. sie merken, dass die Mutter ruhiger wird, da sie Vertrauen in das Medikament hat. Sie hat jetzt ein Medikament, ist nicht mehr so verkrampft, vertraut in diese Maßnahme… und gibt das an das Kind weiter.
  2. oft gibt es auch (ich weiß jetzt den Fachbegriff nicht…) eine Art: wenn man sich kümmert, macht man es besser -Effekt. Und auch den gibt es bei Kindern. Also zum Beispiel: man klebt ein Pflaster auf einen Pickel und schon ist alles besser.

das ist jetzt sehr laienhaft ausgedrückt. Ich denke, die Experten hier werden dir passende Artikel dazu auch noch verlinken.

Nur: der Placebo-Effekt ist ja nichts negatives, wenn er hilft.
Und das ist - denke ich - auch der Grund dafür, warum manche Krankenkassen die Kosten übernehmen.

Ich wünsche euch viel ERfolg,
Gruß

Hi,

ich möchte da einen kritischen Einwurf wagen: Welche Lehre soll dein Kind denn aus der Vorgehensweise ziehen, wenn du ihm gleich bei nächtlichem Geschrei Pillchen/Globuli oder sonst etwas einwirfst? Statt Aufmerksamkeit und Zuwendung, die es durch sein Verhalten provoziert, gibt es Tabletten.
So lassen sich manifeste Abhängigkeiten schaffen, ohne dass du es darauf angelegt hättest.

Habt ihr denn zu-Bett-geh-Rituale wie Vorlesen und Zudecken? Wird er schonend darauf vorbereitet, dass jetzt Abend ist, er runterkommen sollte, dass du dich für die Nacht von ihm verabschiedest, aber deutlich machst, dass ihr euch morgen früh auf jeden Fall wiederseht?
Über dieses Theme gibt es in Erziehungsratgebern massenhaft Themen.

Wenn alles andere scheitert: Da organisch alles in Ordnung ist und du es nicht übers Herz bringst, ihn mal eine Weile rumbrüllen zu lassen, könntest du in dieser Sache einen Kinderpsychologen kontaktieren.

Grüße
Liete

Hallo,
zum Thema Placebos kann man viel lesen und einiges wurde
dazu schon gesagt.
Auch in Postings weiter unten wird da thematisiert.

Das Positive an der Sache ist, dass du mit der Ärztin
jemanden gefunden hast, der dir ne h zuhört. Das an sich
ist schon mal positiv. Sonst wird ja sonst der Schulmedizin
oft vorgeworfen, sie nehme sich keine Zeit für das Gespräch. .

Offen bleiben die Beweggründe für die Verschreibung von
Homöpatika. Kann sein, die Frau will nur den Placeboeffekt
nutzen und verstärken (auch sie selbst als Ärztin kann
so was schon bewirken) oder sie glaubt ehrlich an den
Schmus. Schaden tut es jedenfalls erst mal nicht.

Er schläft zwar ein in meinem Bett an meiner Seite,

Jahrtausende war der ständige Kontakt mit der Mutter
für Babys die natürlich Form der Fürsorge. Bei Naturvölkern
ist es auch heute noch vielfach die Norm, dass Mutter
ihr Kind ganztägig am Körper mit sich führt.
Ist also an sich nicht die schlechteste Lösung.
Zur positisven Entwicklung des sehr wichtigen
Urvertrauens trägt das sicher gut bei.
http://de.wikipedia.org/wiki/Urvertrauen
http://www.trotzalter.de/html/urvertrauen.html

Neugeborene alleine in einem leeren Raum in ein Bett
legen und dort viele h am Tag in Ruhe lassen ist quasi
keine „artgerechte Haltung“.

wird trotzdem aber 3-8 mal pro Nacht wach.

Dass das Kind so empfindlich reagiert, wo es Tagsüber doch
„so lieb ist“, hängt evtl. zusammen.

Wer sich Tagsüber nur ausschläft, ist Nachts nicht so müde :smile:
Auch Kleinkinder müssen sich schon irgend wie „ausarbeiten“.
Manche machen es ausschließlich mit brüllen.

Evtl. bringt es etwas, das Kind tagsüber und zum Abend hin
mehr zu belasten, also nicht nur ruhen zu lassen.
Auch das Hinausschieben der letzten Mahlzeit bringt
evtl. eine Entlastung. Mit vollem Bauch schläft man gut.
Gruß Uwi

ich möchte da einen kritischen Einwurf wagen: Welche Lehre
soll dein Kind denn aus der Vorgehensweise ziehen, wenn du ihm
gleich bei nächtlichem Geschrei Pillchen/Globuli oder sonst
etwas einwirfst? Statt Aufmerksamkeit und Zuwendung, die es
durch sein Verhalten provoziert, gibt es Tabletten.
So lassen sich manifeste Abhängigkeiten schaffen, ohne dass du
es darauf angelegt hättest.

Ich darf zustimmend noch anhängen: welche Lehre soll ein schreiendes /weinendes, 16-Monate altes Kind ziehen, das zuvörderst wegen der Nachbarn ruhig zu bekommen ist?!

Habt ihr denn zu-Bett-geh-Rituale wie Vorlesen und Zudecken?

Zu dem und zum Rest ebenfalls Zustimmung.

Hi!

Ich hatte, bevor ich Mutter wurde, auch keine Erfahrung mit Globuli. Mit ca. 1,5 Jahren bekam mein Sohn einen leichten Ausschlag, aber einen Hautarzt-Termin bekam ich erst in ca. 2 Wochen (war auch nicht so schlimm, aber er fing eben an, sich an diesen Stellen zu kratzen). Da dachte ich, ich probiere in dieser Wartezeit einfach mal Globuli, weil eine Freundin davon überzeugt war.

Ich hab mich etwas eingelesen und mich dann auch für Sulfur entschieden und einfach mal probiert - ohne eigentlich daran zu glauben.

Das Ergebnis:
Der Ausschlag wurde wesentlich besser,
mein Kind roch anders, ebenso der Stuhlgang,
während er vorher die Bettdecke gerne weggestrampelt hat und sich sogar im Bettchen gedreht hat, schlief er jetzt ruhiger und länger

Placebo bei meinem Kind kann ich ausschließen und auch bei mir war der „Leidensdruck“ nicht groß - nur die Neugier.

Viele Grüße und viel Erfolg
Karin

Moin,

Erziehungstips hast du ja schon bekommen, da bin ich auich wenig berufen.
Du denkst schon ganz richtig bezüglich er Homöopathie.
Aber eines muß ich anmerken: An der Homöopathie ist NICHTS einleuchtend, gar nichts.
Um auf deren Konstrukt hereinzufallen muß man sämtliche Gesetze von Ursache und Wirkung, Massenwikung und Energieerhaltung über Bord werfen.
Wenn man dann auch noch den rest logischen Denkens unterdrückt könnte es klappen.
Homöopathie ist (wie die meisten esoterischen Konstrukte) in sich und für sich allein schlüssig - aber eben nur, wenn man die gesamte Realität ausblendet und sie quasi als Blase im leeren Raum hängen läßt. Überdies benötigt sie in gerüttelt Maß an „verarscht-werden-wollen“, was sie ebenfalls mit en Astrologie-Feinstoffwelten-höhereDimensionen-Schwätzern aus dem Trallaland der Pippi-Langstrumpf-Physik gemeinsam hat.

Nun ja - heute da gewesen - die Ärztin hat sich auch fast eine
Stunde Zeit genommen, und alles mögliche gefragt und in ihren
PC getippt, und danach wurde ich (bzw. mein Sohn) mit einem
Rezept für Zuckerkügelchen, einmal Chamomilla D12 (gegen
Schmerzen beim Zahnen) und einmal Sulfur D12 (gegen die
Schlafprobleme) weggeschickt.

Daß sie sich Zeit genommen hat ist positiv, die Verschreibung schlicht Schwachsinn:
D12 = Ein Tropfen Ursubstanz auf das Volumen eines olympischen Schwimmbeckes - davon kannst du nehmen soviel du willst.
http://de.wikipedia.org/wiki/Hom%C3%B6opathie#Kritik…

Tolles Ergebnis, was für mich nichts anderes heißt als - gib
dem Jungen 2 mal am Tag einen TL Zucker, und alles wird gut.

Jepp, der täte es genauso gut.

Denn allein der Glaube an die Wirkung, bzw. der Placebo-Effekt
dürfte bei einem 16 Monate alten Kind wohl kaum wirken oder?

Doch, das geht.
Zumindest bis das Kind in der Mittelstufe Stöchiometrie lernt.

Auf der anderen Seite wundert es mich aber, dass immer mehr
Krankenkassen, so auch meine BKK, die Kosten dafür übernehmen.

Tja, das liegt daran, daß auf solch Unfug gerne auch die new age Esoteriker aus der Yuppiefraktion hereinfallen, ich vermute mal aus LAngeweile und Übersättigung. Die verdienen gut un sind willkommenen Beitragszahler.
Und deswegen werden die Beiträge aller anderen Mitglieder ungefragt für Hokuspokus verschwendet.
Guckst du hier:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-71558786.html
und hier:
http://www.geophys.uni-stuttgart.de/erdstrahlen/Wism…

Gruß
RF

Placebo bei meinem Kind kann ich ausschließen und auch bei mir
war der „Leidensdruck“ nicht groß - nur die Neugier.

Hallo Karin,

den Placeboeffekt solltest Du nicht ausschließen - nicht mal bei Tieren. Dazu gibt es eine sehr interessante Arbeit von einer Tierärztin:

http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache…

Schöne Grüße

PW

2 „Gefällt mir“

Hi,

Placebo bei meinem Kind kann ich ausschließen und auch bei mir
war der „Leidensdruck“ nicht groß - nur die Neugier.

darauf BERUHT der Placeboeffekt …

Gruß
Cess

4 „Gefällt mir“

Hi,

lass das mit den Globuli! Entweder hat sein Schlafverhalten eine organische Ursache - dann muss die schulmedizinisch behandelt werden. Oder sie hat eine andere Ursache, beispielsweise fehlendes Abendritual, Albträume etc., dann nutzen aber auch Globuli nichts, genauso wie da Medikamente nicht helfen würden.

Ich kann dir Remo H. Largos „Babyjahre“ ans Herz legen, der Mann hat Ahnung von Kindern, ihrem Verhalten und unserem Verhalten ihnen gegenüber und gibt in meinen Augen wirklich wertvolle Tipps.

Ansonsten: Wie schläft dein Sohn denn mittags? Wie lange macht er Mittagsschlaf, ist es da einfacher, ihn hinzulegen bzw. dass er alleine schläft? Geht er vllt. zu früh / zu spät abends ins Bett? Hat er Zeit, vorher runterzukommen oder gehört er zu den Kindern, die besser nochmal richtig aufdrehen, um sich auszupowern? Was isst / trinkt er vorm Schlafengehen? Wie ist das Klima im Zimmer, in dem er schläft? Trägt er einen Schlafsack oder hat er eine Decke (war bei uns sehr relevant)? Hat er Kuscheltiere, Schnuller, Nachtlicht?

Gruß
Cess

Servus,

als ich noch niedergelassener Zahnarzt war, praktizierte in meiner Nachbarschaft eine sympathische, handfeste Osteopathin, die gelegentlich mit ihren Mitteln an Kiefergelenken tätig war, die eigentlich „meinen“ Patienten gehörten. Diese Frau machte alles andere, als einen esoterischen Eindruck. In einem Gespräch erfuhr ich von ihr, dass sie an einer Dokumentation zut ostepathischen Therapie von ‚Crybabies‘ arbeitet. Sie berichtete von sehr guten Erfolgen.

Das ist eine Weile her, aber aufgrund Deiner Anfrage habe ich mich auf Google-Suchen zum Thema gemacht. Man findet tatsächlich eine überwältigende Menge chiropraktischer und osteopathischer Behandlungsansätze, aber solide Evidenz habe ich nicht gefunden. selbst die Zuckerkügelchen sind dann IMHO weniger bedenklich, als wenn jemand am Atlasgelenk eines Babys manipuliert, ohne beweisen zu können, dass so etwas hilft und nicht schadet.

Bei der Durchsicht der Fundstellen bin ich aber doch auf ein paar IMO lesenswerte gestoßen, die ich hier anfüge. Eine Empfehlung scheint mir daraus auf jeden Fall hervorzugehen: Globuli und zwei Monate ‚Beobachtungszeit‘ sind es wohl nicht, aber die Suche nach einem Schlaflabor und der Sach- und Fachkenntis der dort Tätigen wäre bestimmt ein guter Schritt.

Alles Gute

Kai Müller
Mit freundlichen Grüßen

http://www.parentingscience.com/infant-sleep-problem…
http://www.bmj.com/content/339/bmj.b2766.full
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S08…
http://www.springerlink.com/content/gnx045kx5u531057/

Hallo,

hast du ihm jetzt die Globuli gegeben?

Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Grüße
miamei

Hallo,

ja, bis jetzt habe ich sie ihm gegeben.

Erfahrung: Bis jetzt, noch nichts positives… Er ist jetzt abends NOCH schlechter zum Einschlafen zu bewegen. Bisher ist er um 19:30 mit mir ins Bett, habe noch kurz gestillt, 10 min. später war er eingeschlafen. Jetzt turnt er noch locker 30min nach dem Stillen rum, und ist überhaupt nicht müde…

Hi,

ich möchte da einen kritischen Einwurf wagen: Welche Lehre
soll dein Kind denn aus der Vorgehensweise ziehen, wenn du ihm
gleich bei nächtlichem Geschrei Pillchen/Globuli oder sonst
etwas einwirfst?

Das halte ich grundsätzlich an den Globuli für fragwürdig, auch wenn sie „harmlos“ sind.

Z.B. Arnica bei Verletzungen: Wie oft schlägt sich ein Kind die Knie auf oder stößt sich den Kopf.

Wenn man jedes Mal was einschmeißt ist der Weg zum Tablettenvernichter sicher nicht weit.

Gruß
wildpferd