Hallo!
Zum glorreichen Kampf gegen den offensichtlichen Antisemitismus der FDP oder Teile der FDP oder einiger ihrer Mitglieder darf sich die deutsche Medienlandschaft gratulieren. Sie hat vollkommen objektiv und ohne jede Einschränkung im Sinne der Demokratie gekämpft.
Hier einige Beispiele:
- Der des Antisemitismus verdächtige Karsli wird in die FDP-Fraktion im nordrheinwestfälischen Landtag als Gast aufgenommen, nachdem er aus der Grünen-Fraktion ausgetreten ist. Dies wird von Herrn Friedman, Vizepräsident des Zentralrates des Juden, kritisiert. Diese Kritik führt jedoch nicht zum Ausschluß von Herrn Karsli. Daraufhin fordert Herr Friedman von der FDP die Absetzung von Herrn Möllemann, Fraktionsvorsitzenden der FDP im nordrhein-westfälischen Landtag. Die FDP weist diese Forderung empört und als unangemessen zurück. Als Reaktion auf diese Forderung von Herrn Friedman äußert Herr Möllemann die Befürchtung, daß das Auftreten von Sharon und Friedman dem Antisemitismus in letzter Zeit mehr Zulauf verschafft haben.
In Presserückblicken wird dieser Ablauf ohne die Forderung von Herrn Friedman geschildert. Warum?
- Nach der geäußerten Befürchtung von Herrn Möllemann äußern Repräsentanten der Juden in Deutschland, Möllemann habe Friedman vorgeworfen, dieser verursache den Antisemitismus. Frau Knobloch, Vizepräsidentin des Zentralrates der Juden, urteilt, Möllemann habe sich als Antisemit und Volksverhetzer geoutet. Herr Friedman wirft Herrn Möllemann vor, er bediene antisemitische Ressentiments, mache damit Wahlkampf. In der Sendung „Sabine Christiansen“ vom 02.06.02 sagt Friedman: „Es gibt nur 2 Möglichkeiten: Entweder Möllemann ist ein Antisemit oder er nutzt antisemitische Ressentiments, dann ist er schlimmer als ein Antisemit.“
In der Sendung „Maischberger“ beklagt Frau Maischberger, daß sie kein Zitat von Herrn Friedman finde, in dem Herr Möllemann als Antisemit bezeichnet werde. Das ist richtig: Herr Friedman urteilte ja bei Christiansen über Herrn Möllemann, daß dieser entweder ein Antisemit oder schlimmer als ein so Antisemit sei. Nach Herrn Friedmans Auffassung ist Herr Möllemann also mindestens so schlimm wie ein Antisemit. Wieso findet Frau Maischberger dieses Zitat von Herrn Friedman nicht?
- Der Zentralrat der Juden fordert eine Entschuldigung von Herrn Möllemann. In der Sendung „Sabine Christiansen“ sagt Herr Friedman, daß es gar nicht mehr um die Entschuldigung ginge. Nach der Entschuldigung von Herrn Möllemann zeigt sich Herr Friedman erfreut und äußert, daß alle Bedingungen nun erfüllt seien.
Von diesen Sinneswandlungen Herrn Friedmans erfährt der Unbeteiligte nur, wenn er die betreffenden Sendungen selbst gesehen hat. Über die Inkonsistenzen der Forderungen wird nicht berichtet. Warum? Weisen diese Inkonsistenzen nicht auf etwas Bestimmtes hin?
- Eine Nachrichtenmoderatorin von n-tv kommentiert den Antisemitismus-Streit so, daß dies der FDP auf jeden Fall geschadet habe. Unmittelbar anschließend wird Herr Schöppner von emnid befragt, inwieweit der Antisemitismus-Streit der FDP geschadet habe. Herr Schöppner sagt: Der Streit habe der FDP seiner Meinung nach nicht geschadet. 66% der Bevölkerung teilen nach emnid-Umfragen die Meinung Möllemanns inhaltlich, 85% hielten die FDP für eine demokratische Partei.
Auf diese Widersprüche innerhalb von 5 Minuten Sendezeit wird nicht eingegangen. Warum?
- In der ZDF-Sendung „Eser und Gäste-spezial“ bringt Herr Eser ein Zitat, nachdem Möllemann die Selbstmordattentate von Palästinensern rechtfertigt. Als Herr Westerwelle, Parteivorsitzender der FDP, sagt, daß Möllemann dies nicht gesagt habe („Nein, hat er nicht.“), fällt ihm Herr Eser ins Wort, indem er „ja, ja, ja…“ sagt.
Die angebliche Äußerung von Möllemann wurde von Herrn Westerwelle bereits mehrere Wochen vor dem Interview mit Herrn Eser und vor der als antisemitisch bezeichneten Äußerung von Möllemann in der Sendung „Berlin Mitte“ von allen unwidersprochen richtig gestellt. Wieso räumt Herr Eser seinen Fehler nicht ein?
- In der Sendung „Berlin Mitte“ vom 06.06.02 äußert die Bundesjustizministerin Däubler-Gmelin, daß daß sie Herrn Gerhardt, Fraktionsvorsitzenden der FDP im Bundestag, glaube, daß dieser keine rechtspopulistischen und antisemitischen Methoden einsetze. Kurz darauf - als Herr Gerhardt wiederholt unterstreicht, daß Rechtspopulismus und Antisemitismus auch nicht als Methode im Wahlkampf benutzt werden - wirft Frau Däubler-Gmelin Herrn Gerhardt vor: „Doch Sie machen es. Sie machen es.“ Nachdem wiederum eine kurze Zeit um ist, erklärt Frau Däubler-Gmelin, daß sie Herrn Gerhardt glaube, daß er keine rechtspopulistischen und anitsemitischen Methoden einsetze.
Frau Illner läßt dies als Moderatorin unkommentiert stehen. Warum?
- Herr Friedman lobt in besagter Sendung „Berlin Mitte“ die Haltung der Grünen zum Antisemitismus-Streit, weil diese als erste in Person von Frau Roth, Parteivorsitzende der Grünen, eine Anzeige gegen Herrn Möllemann wegen dessen antisemitischer Äußerungen in Erwägung gezogen haben.
Warum hat die grüne Partei es nicht schon erwägt, als Herr Karsli, der mehrere als antisemitisch bezeichnete Aussagen gemacht hat, 7 Jahre lang in der grünen Fraktion im nordrheinwestfälischen Landtag war?
- Herr Friedman fragt in der gleichen Sendung, wie lange die FDP noch einen stellvertretenden Vorsitzenden Möllemann dulden könne.
Wieso fällt niemandem auf, daß dies die gleiche Forderung ist, die Herr Friedman schon erhoben hat, bevor Herr Möllemann seine als antisemitisch bezeichnete Äußerung machte? Sagte Herr Friedman nicht, daß alle Forderungen erfüllt seien?
Ich bin wirklich froh, daß wir einen so kritischen und objektiven Journalismus in Deutschland haben, der sachlich die verschiedenen Positionen analysiert, auf Inkonsistenzen hinweist und Wahlkampftaktiken als solche entlarvt. Es geht niemals um Personen, es werden nie Platitüden benutzt, nie wird von Journalisten oberflächlich diskutiert. Die veröffentliche Meinung entspricht immer der öffentlichen.
Ganz abgesehen von den Ausfällen, die sich Herr Karsli in der Tat geleistet hat, ganz abgesehen von der unsensiblen Äußerung von Herrn Möllemann und von seiner politisch und menschlich unklugen Entschuldigung mit Einschränkungen, zeigen mir die vorgetragenen Beispiele, daß es nicht um Antisemitismus ging, sondern um einen Machtkampf zwischen 2 Personen, in die nach und nach immer mehr Gruppen eingestiegen sind. Zum Schluß unterlag der eine, der jetzt der Paria der veröffentlichen Meinung ist.
Oliver