Kropf

Hallo,
viele haben bestimmt schon gehört „ist so unnötig wie ein Kropf“
Ich bin mir derzeitig noch sicher, dass es da um das Organ bei Vögeln geht. /t/zum-beitrag-in-neuigkeiten/5937642/87
Nun wurde ich in einer E-Mail auf folgendes hingewiesen: „Der Kropf aus dem Sprichwort ist vermutlich eine Struma, also eine vergrößerte Schilddrüse und die braucht echt niemand.“
Nun gibt es zwei Meinungen und die Bitte um Hilfe an die Experten.
Grüße
Ulf

Hallo, Ulf,

Ich bin mir derzeitig noch sicher, dass es da um das Organ bei
Vögeln geht.
/t/zum-beitrag-in-neuigkeiten/5937642/87
Nun wurde ich in einer E-Mail auf folgendes hingewiesen: „Der
Kropf aus dem Sprichwort ist vermutlich eine Struma, also eine
vergrößerte Schilddrüse und die braucht echt niemand.“

da der Kropf bei Vögeln - im Gegensatz zu der krankhaften Schilddrüsenvergrößerung beim Menschen - ja keineswegs überflüssig ist, wäre das doch ein sinnloser Vergleich.

Auch L. Röhrich bezieht sich im Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten auf die Struma:

„… Es war also stets auch die Vorstellung von etw. Hinderlichem damit verbunden, wie es auch aus dem rdal. unnötig (überflüssig) wie ein Kropf hervorgeht.“

Oder verstehst Du die Redensart so, dass sie etwas bezeichnet, was nötig/wichtig/unabdingbar ist?

Gruß
Kreszenz

Hallo Kreszenz,
ich habe die Redensart tatsächlich bisher so verstanden, dass beim Schlachten eines Vogels ein Organ sichtbar wird, dass scheinbar nur als Durchgang dient.
Der Kropf (Vögel) sollte meines bisherigen Erachtens auch eher zum Sprachgebrauch beigetragen haben, dass es ein geflügeltes Wort wird. (Unsere Vorfahren hatten eher mit Hühnern als mit Struma zu tun.)
Da ich ornithologisch angehaucht bin, war meine Sichtweise eingeschränkt. Aber sich von falschen Vorstellungen zu trennen, ist für mich nicht schmerzhaft.
Danke für deine Antwort
Grüße
Ulf

Hallo, Ulf,

Der Kropf (Vögel) sollte meines bisherigen Erachtens auch eher
zum Sprachgebrauch beigetragen haben, dass es ein geflügeltes
Wort wird. (Unsere Vorfahren hatten eher mit Hühnern als mit
Struma zu tun.)

der Kropf als auswuchs: am halse des menschen war (ebenso wie der Vormagen) schon im Alt- und Mittelhochdeutschen bekannt: http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…
http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…

Gruß
Kreszenz

Hallo!

(Unsere Vorfahren hatten eher mit Hühnern als mit
Struma zu tun.)

Mitnichten - nicht umsonst heißt es in einem weit verbreiteten bairischen Witz (hier die Allgäuer Version):

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Ein Allgäuer Bub fährt mit seiner Mutter nach Ulm in die große Stadt.
Er kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus: „Muddr, luag ao dia Leid a. Die hend ja gar koine Krepf* am Hals!“ Darauf die Mutter: „Bua, dank ao onserem Herrgott, daß Du älle Gliadr hosch!“

Der sichtbare Kropf (als Folge von Jodmangel) war im Voralpenraum sogar sehr weit verbreitet. Gelegentlich trifft man noch alte Bäuerinnen mit stattlichen, mehr faustgroßen Kröpfen.

Man kann also davon ausgehen, daß die Redensart nichts mit dem Kropf von Vögeln zu tun hat.

Gruß,
Max

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PS:
Ein schönes Bild eines stattlichen Kropfes und eine weitere Kropf-Anekdote:

http://www.blogwiese.ch/archives/572

M.