Hallo Glueckspils
von Robert Koch !!!..
Kryptosporidiose
Aktualisierte Fassung vom November 2004; Erstveröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin
34/2004.
RKI-Ratgeber für Ärzte
Herausgeber: Robert Koch-Institut, 2004
Die Herausgabe dieser Reihe durch das Robert Koch-Institut (RKI) erfolgt auf der
Grundlage des § 4 Infektionsschutzgesetz (IfSG). Praktisch bedeutsame Angaben zu
wichtigen Infektionskrankheiten sollen aktuell und konzentriert der Orientierung
dienen. Die Beiträge werden in Zusammenarbeit mit den Nationalen
Referenzzentren, Konsiliarlaboratorien sowie weiteren Experten erarbeitet. Die
Erstpublikation erfolgt im Epidemiologischen Bulletin und die Publikation von
Aktualisierungen im Internet (http://www.rki.de). Eine Aktualisierung erfolgt nach den
Erfordernissen, aktualisierte Fassungen ersetzen die älteren. Kryptosporidiose
Erreger
Vorkommen
Reservoir
Infektionsweg
Inkubationszeit
Dauer der Ansteckungsfähigkeit
Klinische Symptomatik
Diagnostik
Therapie
Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen
o 1. Präventive Maßnahmen
o 2. Maßnahmen für Patienten und Kontaktpersonen
o 3. Maßnahmen bei Ausbrüchen
Meldepflicht
Falldefinition für Gesundheitsämter
o Weitergehende Meldepflicht
Spezialdiagnostik und Beratung
Ausgewählte Informationsquellen Erreger
Erreger der Kryptosporidiose ist Cryptosporidium parvum (Protozoa, Sporozoa), ein
obligat intrazellulärer Erreger, der den Kokzidien zugeordnet wird. Von den vier
bekannten Spezies führen zwei (C. muris und C. parvum) zu Erkrankungen bei
Säugetieren. Cryptosporidium sp. wurde im Jahr 1976 erstmals als humanpathogen
beschrieben. Die Erreger der Kryptosporidiose bilden Oozysten, welche die infektiöse
Form darstellen und eine Größe von etwa 4 x 20 μm besitzen. Die in ihnen liegenden
Sporozoiten, die die Infektion hervorrufen (s. Infektionsweg), sind mit etwa 5 μm sehr
klein.
Durch das gehäufte Auftreten bei AIDS-Patienten und die verbesserte Diagnostik
wurden Kryptosporidien als Auslöser von Infektionen des Intestinaltraktes auch bei
immunkompetenten Personen erkannt.
Vorkommen
Kryptosporidien sind weltweit verbreitet.
Verschiedene Studien haben in Industriestaaten bei gesunden Individuen in bis zu
0,2 % der Fälle Kryptosporidien im Stuhl nachgewiesen und bei etwa 2 % der
Patienten mit Durchfällen. Bei HIV-infizierten Personen mit Durchfällen wurden in 14
% bis 24 % Kryptosporidien nachgewiesen, bei asymptomatischen HIV-Infizierten in
bis zu 5 %. In Entwicklungsländern liegt die Prävalenz der Kryptosporidien sehr viel
höher, sie kann in bestimmten ländlichen Gegenden über 9 % liegen. Die
Seroprävalenz beträgt in den USA 17 % bis 32 %, in Entwicklungsländern 5 0% bis
über 90 %. Kinder im Alter von 6 bis 24 Monaten erkranken besonders häufig.
Bei einem Ausbruch durch infiziertes Trinkwasser in Milwaukee im Jahr 1993
erkrankten 400.000 Menschen.
In Deutschland besteht seit Einführung des IfSG im Jahr 2001 eine Meldepflicht. So
wurden 1.481 Kryptosporidiosen im Jahr 2001, 817 Erkrankungsfälle im Jahr 2002
und 885 Erkrankungsfälle im Jahr 2003 übermittelt.
Reservoir
Kryptosporidien wurden bei mehr als 40 Wirbeltierarten festgestellt, das Reservoir
stellen insbesondere Rinder, Pferde, Ziegen und Schafe, aber auch Hunde, Katzen
und Vögel dar.
Infektionsweg
Sporozoiten enthaltende Oozysten werden vom infizierten Wirt fäkal ausgeschieden.
Die Infektion erfolgt überwiegend durch die Aufnahme von kontaminiertem Wasser
(z.B. Trinkwasser, Eiswürfel, Badewasser). Aber auch fäkal-orale Schmierinfektionen
von Mensch zu Mensch, Tier zu Mensch oder Infektionen durch kontaminierte Nahrung (z.B. mit Oozysten kontaminiertes Fleisch) sind möglich. Die ID50, die
Infektionsdosis, bei der 50 % der Exponierten infiziert werden, liegt bei 10–1.000
Oozysten.
Nach der Aufnahme von Oozysten kommt es im Dünndarm zur Freisetzung der
Sporozoiten. Sie adhärieren an die Oberfläche der Microvilli der Darmepithelzellen,
drängen diese Villi auseinander und induzieren die Bildung einer parasitophoren
Vakuole direkt unterhalb der Wirtszellmembran. Diese Lage wird als intrazellulär,
aber extrazytoplasmatisch bezeichnet. Im weiteren Verlauf der Infektion werden
mehrere Merozoiten gebildet, die nach Ruptur der Vakuole wieder in die
Darmepithelzellen eindringen und so einen ungeschlechtlichen Zyklus bilden. In
einem geschlechtlichen Zyklus gehen aus Merozoiten Mikro- und Makrogameten
hervor, die durch Verschmelzung eine Oozyste bilden. Es entstehen zwei Arten von
Oozysten: dickwandige (etwa 80 %), deren Wandung aus drei Membran- und zwei
Chitinschichten besteht, und dünnwandige (etwa 20 %), die nur von einer Membran
umgeben sind.
Zwischen 5 bis 21 Tage nach Infektion beginnt die Ausscheidung der Oozysten im
Stuhl. Dickwandige Oozysten werden mit dem Kot ausgeschieden; sie sind sehr
widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse und Chemikalien, im feuchten Milieu
können sie über Monate, in Einzelfällen bis zu 2 Jahre infektiös bleiben.
Dünnwandige Oozysten können bereits im Darm rupturieren, Sporozoiten freisetzen
und insbesondere bei Abwehrgeschwächten Autoinfektionen bewirken.
Inkubationszeit
Sie beträgt 1 bis 12 Tage, in der Regel 7 bis 10 Tage.
Dauer der Ansteckungsfähigkeit
Mit Ausscheidung von Oozysten im Stuhl besteht Ansteckungsfähigkeit. Sie können
noch etliche Wochen nach Rückgang der Symptome im Stuhl ausgeschieden
werden.
Klinische Symptomatik
Das klinische Bild variiert von asymptomatischen Infektionen bis zu erheblichen
wässrigen Durchfällen, die teilweise mit großen Flüssigkeitsverlusten einhergehen
können und manchmal in Verbindung mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Fieber
und/oder Gewichtsverlust auftreten.
Beim immunkompetenten Menschen verschwinden die Symptome nach 1 bis 2
Wochen, während der Durchfall bei Säuglingen und immunsupprimierten Patienten –
insbesondere bei AIDS-Patienten – chronisch werden kann. Dieser persistierende
Durchfall führt zu massiven Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten, Gewichtsabnahme
und Malabsorption. Die Schwere und Dauer der Erkrankung hängt vom Grad der
Immunschwäche ab, sie kann im Extremfall zum Tode führen. – Durch die mögliche intraintestinale Autoinfektion wird die chronische Infektion bei immundefizienten
Patienten unterhalten.
Extraintestinale Manifestationen kommen vor allem bei AIDS-Patienten vor. Am
häufigsten erfolgt eine Beteiligung des Gallengangsystems, die an einem Anstieg der
Cholestase-anzeigenden Parameter (Gamma-GT, AP) erkennbar ist und bis zur
sklerosierenden Cholezystitis führen kann. Seltener sind Pankreatitis, Appendizitis,
Otitis und ein Befall der Lunge mit respiratorischen Symptomen.
Diagnostik
Methode der Wahl ist der mikroskopische Nachweis von Oozysten im Stuhl nach
einer modifizierten Ziehl-Neelsen-Färbung. Es existieren aber auch
Immunfluoreszenztests und ELISA-Kits zum Nachweis von Antigen im Stuhl.
Da die Ausscheidung der Oozysten intermittierend sein kann, sollten drei
verschiedene Proben untersucht werden, bevor die Erkrankung ausgeschlossen
werden kann. Weiterhin kann die Diagnose histologisch aus endoskopisch
gewonnenen Gewebeproben gestellt werden. Differenzialdiagnostisch müssen die
(größeren und unsporulierten) Zysten von Cyclospora cayetanensis ausgeschlossen
werden.
Therapie
Es gibt bisher keine spezifische Therapie, die die Parasiten zuverlässig eradiziert.
Die Therapie erfolgt daher im Allgemeinen symptomatisch durch Ersatz von
Flüssigkeit und Elektrolyten. Bei AIDS-Patienten kann vor allem die Verbesserung
der Immunabwehr durch die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) die
Erkrankung positiv beeinflussen. Nitazoxanid (Breitspektrum-Antibiotikum mit
antiparasitärer Wirkung, das bisher nur in den USA für die Therapie von
Kryptosporidiosen bei Kindern im Alter von 1 bis 11 Jahren zugelassen ist) führt zur
klinischen Besserung. Zusätzlich erwies sich die Gabe von Paromomycin in einigen
Studien als partiell effektiv.
Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen
- Präventive Maßnahmen
Oozysten sind widerstandsfähig gegenüber allen Desinfektionsmitteln, auch gegen
Chlor. Durch Erhitzen auf über 60 °C für mindestens 30 Minuten werden sie jedoch
sicher abgetötet.
Gefährdete Personen, z.B. HIV-Infizierte, sollten über die Ansteckungswege
aufgeklärt sein: Vorsicht ist angeraten bei Kontakt mit infizierten Menschen und
Tieren, Trinken bzw. Verschlucken von kontaminiertem Leitungswasser oder Wasser
aus Seen, Flüssen, Swimmingpools. Möglicherweise kontaminiertes Trinkwasser
muss abgekocht werden. Weitere Möglichkeiten zur Vermeidung einer Ansteckung sind eine gute sanitäre
Hygiene (regelmäßiges Händewaschen nach Toilettenbenutzung, Kontakt mit
Windeln sowie Abwasser, Gartenerde und Haustieren, ebenso vor der
Nahrungszubereitung und dem Essen). Bei Aufnahme von neuen Haustieren (s.
Reservoir), insbesondere Welpen, sollte ggf. eine tierärztliche Untersuchung auf
Kryptosporidien durchgeführt werden.
- Maßnahmen für Patienten und Kontaktpersonen
Ausscheider von Kryptosporidien-Oozysten sind eine Quelle für fäkal-orale
Ansteckung. Sie sind auf eine effektive Händehygiene hinzuweisen und müssen
Schwimmbäder strikt meiden. Bei stationärer Unterbringung sollte eine eigene
Toilette gewährleistet sein. Infizierte sollen nicht gemeinsam mit immunsupprimierten
Patienten untergebracht werden.
Nach § 34 Abs. 1 IfSG dürfen Kinder unter 6 Jahren, die an einer infektiösen
Gastroenteritis erkrankt oder dessen verdächtig sind, Gemeinschaftseinrichtungen
nicht besuchen.
Personen, die an einer infektiösen Gastroenteritis erkrankt sind oder bei denen der
Verdacht auf eine Erkrankung besteht, dürfen gemäß § 42 IfSG nicht in
Lebensmittelbetrieben tätig sein. Diese Personen dürfen gemäß § 42 IfSG beim
Herstellen, Behandeln oder Inverkehrbringen bestimmter Lebensmittel (s.
nachfolgende Aufstellung) nicht tätig sein, wenn sie mit dem Lebensmittel in
Berührung kommen. Das gilt auch für Beschäftigte in Küchen von Gaststätten und
sonstigen Einrichtungen mit oder zur Gemeinschaftsverpflegung.
Lebensmittel gemäß § 42 Abs. 1 IfSG sind:
Fleisch, Geflügelfleisch und Erzeugnisse daraus
Milch und Erzeugnisse auf Milchbasis
Fische, Krebse oder Weichtiere und Erzeugnisse daraus
Eiprodukte
Säuglings- und Kleinkindernahrung
Speiseeis und Speiseeishalberzeugnisse
Backwaren mit nicht durchgebackener oder durcherhitzter Füllung oder
Auflage
Feinkost-, Rohkost- und Kartoffelsalate, Marinaden, Mayonnaisen, andere
emulgierte Soßen, Nahrungshefen
- Maßnahmen bei Ausbrüchen
Die Maßnahmen entsprechen denen, die allgemein bei Gastroenteritisausbrüchen
erforderlich sind. So ist eine unverzügliche labordiagnostische Klärung zur
Absicherung der Diagnose erforderlich. Weiterhin müssen Infektionsquellen und
mögliche Übertragungsfaktoren ermittelt werden, um baldmöglichst effiziente
Maßnahmen zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung einzuleiten. Dazu ist das
zuständige Gesundheitsamt unverzüglich zu informieren. Meldepflicht
Dem Gesundheitsamt wird gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 10 IfSG der direkte oder indirekte
Nachweis von Cryptosporidium parvum, soweit er auf eine akute Infektion hinweist,
namentlich gemeldet. Darüber hinaus stellt das Gesundheitsamt gemäß § 25 Abs. 1
IfSG ggf. eigene Ermittlungen an.
Falldefinition für Gesundheitsämter
Die vom RKI für Kryptosporidiose verfasste Falldefinition für Gesundheitsämter kann
im Internet eingesehen werden.
Den Gesundheitsämtern liegen die Falldefinitionen des RKI als Broschüre vor. Diese
kann durch Einsendung eines mit 2,20 Euro frankierten und rückadressierten DinA4-
Umschlags an folgende Adresse kostenfrei bestellt werden: Robert Koch-Institut, Abt.
für Infektionsepidemiologie, Fachgebiet Surveillance, Seestr. 10, 13353 Berlin,
Stichwort „Falldefinitionen“.
Weitergehende Meldepflicht
Dem Gesundheitsamt wird gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2 IfSG ggf. auch der Verdacht auf
und die Erkrankung an einer akuten infektiösen Gastroenteritis ohne
labordiagnostischen Nachweis und ohne epidemiologische Bestätigung gemeldet.
Spezialdiagnostik und Beratung
Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Str. 74
20359 Hamburg
Leitung: Herr Prof. Dr. B. Fleischer
Tel.: 040 . 4 28 18–401, Fax: 040 . 4 28 18–400
E-Mail: [email protected]
Ich hoffe das die Krankheit bald vorbei ist ,die Symptome sollen nach 2 Wochen meißt verschwinden.
Bitte bleiben Sie weiter mit dem Arzt in Kontakt wegen der
Elektrolyten Aufnahme!Die gibt es als Pulver oder besser beim Arzt als Infusion.
Mehr kann ich von hier aus nicht für Sie tun…Ich hoffe trotzdem ein klein wenig weitergeholfen zu haben.
Alle liebe und Gute Besserung!
wünscht Rübe aus Celle.
Vielen dank! Ich bin nur sehr verwirrt, klar wasche ich mir
nach dem Klo die Hände, aber gehen die Erreger dann wirklich
weg? Weil sie doch bis 60 Grad resistent sind und auch gegen
Chlor!