Kucken vs. schauen

Liebe Deutsch-Freak,

Als Österreicher kenne ich den Unterschied zwischen „Kucken“ und „schauen“ nicht. (Bei uns ist das Wort „kucken“ unbekannt; es gibt nur „gucken“, das „durch eine kleine Öffnung, zB durch ein Schlüsselloch schauen“ bedeutet.)

Sind die beiden Worte prinzipiell synonym, oder gibt es einen kleinen Bedeutungsunterschied?

Es gibt auch noch andere deutsche Worte, die wir in Österreich nicht verstehen, wie zB „doll“ (im Gegensatz zu „toll“). Aus dem Bedeutungszusammenhang glaube ich zu erkennen, dass es „fest, stark, jäh“ heißt, bin mir aber nicht sicher. Bitte klärt einen armen Ösi auf!

LG
Pierre

Hallo,

weder doll noch kucken gibt es im Hochdeutschen. Beides sind umgangssprachliche Begriffe.

Kucken heißt nichts anderes als schauen, doll kann toll bedeuten, aber auch „das ist ja seltsam/überraschend/interessant“.

Gruß,
Christian

Hallo,

doll kann toll

bedeuten, aber auch „das ist ja
seltsam/überraschend/interessant“.

das glaub ich nicht ganz! Ich hab mal einen Fim gesehen, wo ein Kind am Kinderspielplatz ziemlich temperamentvoll die Schaukel benutzt hat. Die Mutter hat dann gesagt: „Nicht so doll!“
Das kann man doch nicht mit „nicht so seltsam“ übersetzen, sondern mit „nicht so stark/schnell/jäh/feste…:“

LG
Pi

Gruß,
Christian

kucken vs. schauen
hallo Pierre,

die beiden von Dir erwähnten Wörter sind - leider - wieder mal Begriffe, mit denen die Preißn glauben, die deutschsprechende Welt beglücken und überfluten zu müssen. Auch in Bayern kennt man (d.h. die Einheimischen) nur die Wörter, die Du in Ö. benutzt.

servus
ED
der sich weigert, jetzt auch noch den Preißn-Jodler anzustimmen

PS: bei uns heißt es ja auch: schaung ma amoi - dann seng ma scho

Hallo,

doll kann toll

bedeuten, aber auch „das ist ja
seltsam/überraschend/interessant“.

das glaub ich nicht ganz! Ich hab mal einen Fim gesehen, wo
ein Kind am Kinderspielplatz ziemlich temperamentvoll die
Schaukel benutzt hat. Die Mutter hat dann gesagt: „Nicht so
doll!“
Das kann man doch nicht mit „nicht so seltsam“ übersetzen,
sondern mit „nicht so stark/schnell/jäh/feste…:“

nicht so toll!..nicht so stark, im sinne von verrueckt…wie ein kaputter…schaukele nicht wie ein wahnsinniger.

nicht so doll!nicht so dolle! gibt’s eischndlisch nisch.

doll
Hi,

doll kann toll

bedeuten, aber auch „das ist ja
seltsam/überraschend/interessant“.

ja, auch.

Doll wird in meiner Umgebung aber auch als eine Art „viel“ oder „sehr“ verwendet (sehr oft in Verwendung mit „ganz“).

„Ich hab mich nicht so doll gefreut.“
„Ich hab ganz doll Angst.“
„Ich friere immer ganz doll.“
„Ich find dich ganz doll toll.“ (haha - SCHLECHT… :smile:
„Das bereitet mir wirklich dolle Probleme.“
„Das tut doll weh.“
usw.

In anderen Regionen benutzt man dafür eher das Wort „arg“.

Wenn man allerdings behauptet:
„Das find ich nicht so doll“ - dann meint man eigentlich das Wort „toll“, spricht es bloß etwas unwirsch aus, quasi als Beleg dafür, wie ätzend man das Etwas tatsächlich findet.

Das kann man doch nicht mit „nicht so seltsam“ übersetzen,
sondern mit „nicht so stark/schnell/jäh/feste…:“

Ist dann auch so gemeint.

Liebe Grüße
Jdutih

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Halllo,

Sind die beiden Worte prinzipiell synonym, oder gibt es einen
kleinen Bedeutungsunterschied?

kucken = umgangssprachliche Schreibweise von „gucken“, bedeutet „schauen“.

Es gibt auch noch andere deutsche Worte, die wir in Österreich
nicht verstehen, wie zB „doll“ (im Gegensatz zu „toll“). Aus
dem Bedeutungszusammenhang glaube ich zu erkennen, dass es
„fest, stark, jäh“ heißt, bin mir aber nicht sicher. Bitte
klärt einen armen Ösi auf!

doll = umgangssprachliche Schreibweise von „toll“, demnach hat es auch die entsprechend vielschichtigen Bedeutungen, nämlich „fest, stark, sehr“, aber auch „hochwertig, verrückt, aufregend“.

Gruß,

Myriam

kleine Korrektur

„Das bereitet mir wirklich dolle Probleme.“

Beim Durchlesen habe ich nochmal bemerkt, dass man diesen Satz so doch nicht sagen würde. „doll“ wird in dem angegebenen Sinne nur als Adverb benutzt, man könnte aber sagen „es bereitet mir doll Probleme“, dann bezieht es sich auf „bereitet“ und nicht auf „Probleme“.

Wie auch immer, schön klingt es in keinem Fall, aber das hat der Ausdruck „doll“ schließlich auch an sich.

Grüße

Judith

Hi,

doll kann toll

bedeuten, aber auch „das ist ja
seltsam/überraschend/interessant“.

ja, auch.

Doll wird in meiner Umgebung aber auch als eine Art „viel“
oder „sehr“ verwendet (sehr oft in Verwendung mit „ganz“).

„Ich hab mich nicht so doll gefreut.“
„Ich hab ganz doll Angst.“
„Ich friere immer ganz doll.“
„Ich find dich ganz doll toll.“ (haha - SCHLECHT… :smile:
„Das bereitet mir wirklich dolle Probleme.“
„Das tut doll weh.“
usw.

ja, in meiner auch.

genau wie middernachd
guggen
gaum[kaum]
audo
mobed
usw.

aber wie ich gerade fuendig geworden bin…

das wort gibt’s dadsaechlich…

bei canoo.net und auch bei dwds…

ich bin fazsinierd…:wink:

das glaub ich nicht ganz! Ich hab mal einen Fim gesehen, wo
ein Kind am Kinderspielplatz ziemlich temperamentvoll die
Schaukel benutzt hat. Die Mutter hat dann gesagt: „Nicht so
doll!“
Das kann man doch nicht mit „nicht so seltsam“ übersetzen,
sondern mit „nicht so stark/schnell/jäh/feste…:“

Hm, ich schrieb doch, daß doll auch toll bedeuten kann. Nun müßte man sich nur noch auf die möglichen Bedeutungen des Wortes toll einigen.

Gruß,
Christian

hallo pierre,

kucken ist die mehr im norden deutschlands gebräuchliche form von gucken, da hat nichts mit umgangssprache zu tun.
davon abgeleitet das berlinische/plattdeutsche „kieken“. oder umgekehrt.
was 2004 renee meinte, daß kucken aus der sat1-show „was guckst du?“ stammt (archiv), ist ein irrtum.
der zwiebelfisch schreibt:
http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,317…

strubbel
g:open_mouth:)

Wo wir grade bei der Aussprache sind:
Was hältst Du davon?

„Der vordere Zukteil keht nach Klaochao, der hindere nach Zwiggao.“

Merke: aus k mach g, aus g mach k.

tschao
judith

Toll, (Adj).
Hallo, Christian,
dass haben die Grimms bereits für uns getan:
„des oder wie des verstandes und bewusztseins beraubt und darnach sich geberdend, benehmend, unsinnig, wahnsinnig, tobsüchtig (s. tollhaus), wütend, rasend, unbändig, ausgelassen, leidenschaftlich, zornig, heftig, thöricht, närrisch, unvernünftig, verrückt, stumpfsinnig, wirre, dumm, wunderlich u. dergl. je nach dem zusammenhange“

Gruß
Eckard

"Der vordere Zukteil keht nach Klaochao, …

aber so geschwuelstig spricht doch keiner…oder etwa doch???wo denn???

"Der vordere Zukteil keht nach Klaochao, …

aber so geschwuelstig spricht doch keiner…

nu glar!

oder etwa
doch???wo denn???

na im zuuk!

Judith

Nachfrage
Hallo,

als „Fischkopf“ habe ich bewußt erst nach der „Rechtschreibreform“ die Schreibweise „kucken“ wahrgenommen. Ich dachte es ist eine Folge derselben, hm.
Ich kenne nur „gucken“, ist die andere Variante wirklich gebräuchlich???

Gruß Volker

Hi,

"Der vordere Zukteil keht nach Klaochao, …

aber so geschwuelstig spricht doch keiner…oder etwa
doch???wo denn???

nu aber - in Zwiggau!

Gruß Ralf

nu aber - in Zwiggau!

Servus Ralf,
nicht ‚in Zwiggau‘ sondern ‚ei Zwigge‘

Kai

Hallo Pierre,
und noch einmal, weil es Spaß macht, habe ich mich bei dem berühmten, sehr vermißten und auch gar nicht mehr lange gesperrten Experten um Erkenntnis bemüht, der mir folgende Antwort schrieb:

gucken

schwaches Verb, Standardwortschatz, stilistisch gelegentlich unter Einfluß des entsprechenden ndd. kieken kucken geschrieben (15. Jh.)Stammwort.

Erst seit dem Mittelhochdeutschen belegt, aber wohl älter; mhd. gucken-berglin „verstecken spielen“.

Herkunft unklar.

Wenn das Wort alt ist, kann es als g. *gugg- zu ig. *gheugh- „verstecken“ gehören, vgl. ai. gUhati „verbirgt, verhüllt, versteckt“, lit. guzti „zudecken“, lit. gUzinEti „mit kleinen Schritten in gebückter Haltung gehen, Blindekuh spielen usw.“.

Die Bedeutung wäre dann „aus einem Versteck herausspähen“, was zu den deutschen Bedeutungen recht gut paßt.

Kluge, Etymologisches Wörterbuch

GUCKEN, vb., sehen, schauen. das wort drückt in der schriftsprache meist nur den vorgang des sehens aus. die anspannung des aufmerksam blickenden auges, sein ausdruck und seine richtung wird durch gucken besonders hervorgehoben. daher die häufige anwendung des verbums um neugierde, aufmerksamkeit, aufdringlichkeit des blickes zu betonen oder das sehen durch eine mehr oder weniger enge öffnung zu bezeichnen. ‚wegen dieser neugierigen aufmerksamkeit auf gegenstände, … wie auch wegen der gröszeren annäherung zu dem gegenstande, … ist es nicht höflich, anstatt sehen gucken zu sagen‘

Grimm, Deutsche Wörterbuch

Weder Kluge noch Grimm bewerten „gucken“ als umgangssprachlich, sondern rechnen es zum Standardwortschatz.

LG
MrsSippi