Kühlschiff? - Bierbrauen 14 Jh

Liebes Forum,

weiss nicht genau, ob ich in diesem Brett mit der Frage richtig bin - oder mich lieber an die Chemiker/Biologen/Bierfreunde wenden muss:
Hatte eine mittelalterliche Brauerei Anfang des 14 Jh. schon ein „Kühlschiff“? Und wenn nicht, wie wurde dann „gekühlt“?
Bin für jeden Tipp dankbar.

Beste Grüße,
marlowe.

Hallo !

Man schnitt im Winter auf den Seen Eisstücke und lagerte sie, bis weit in den Sommer, in Kühlkellern. Das war überhaupt kein Problem.
Das wird heute noch sehr viel gemacht.

mfgConrad

Man schnitt im Winter auf den Seen Eisstücke und lagerte sie,
bis weit in den Sommer, in Kühlkellern. Das war überhaupt kein
Problem.

Hallo Conrad,
danke für die fixe Antwort. Ein Kühlschiff ist jedoch kein „Kühlraum“. Es ist eine große, sehr flache Wanne, in der das „Roh-Bier“ abkühlen muss.
Frage ist also: Gabs das in der Form auch schon im MA?

Beste Grüße,
marlowe

Hallo marlowe,

ein ganz klares: „Kommt darauf an“!

Man darf das Bierbrauen von heute nicht mit dem brauen im 14 Jhdt vergleichen!
Selbst mit und nach Einführung des Reinheitsgebotes im 15 Jhdt. war das, was man da teilweise vorgesetzt bekam nur schwerlich Bier zu nennen.

Aber der Reihe nach:

Zuallererst muß man sich mal ansehen, wer Bier gebruat hat. Eigentlich jedes Wirtshaus und jede Buschenschenke für sich. Das war Frauensache.
Folglich war der Ausstoß nicht so hoch, als das sich hier extra Anlagen überhaupt rentiert hätten. Man braute mit den vorhandenen Geräten.

Etwas anderes war es wohl in den Klöstern. Hier gab es m.W. Tröge/Bottiche/Mollen, in denen der Sud gekühlt wurde. Ich denke nicht/kann es mir nicht vorstellen, dass im 14 Jhdt. schon jemand so viel Geld für Kühlschiffe aus Metall ausgegeben hat. Das Material war zu kostbar.
Es gab in Klöstern, bzw auf Holzstichen davon große rel. flache Behältnisse. nur entzieht es sich meiner Kenntnis ob diese ausschließlich als Kühlschiff dienten. Ich denke jedoch nicht.

Erst mit der Institutionalisierung des Brauens (Gemeindebrauhaus/gewerbliche, durchgehende Herstellung) waren extra Anlagen rentabel.

Somit halte ich es für ausgeschlossen, dass im 14 Jhdt schon Kühlschiffe in der bekannten Form existierten.

Diese doch recht beschränkten hygienischen Verhältnisse spiegelten sich auch in der kurzen Haltbarkeit des Bieres wieder.

Bedenke auch: Bier wurde dann gebraut, wenn man das Getreide nicht anderweitig verwenden konnte. Brot ging vor Bier - gerade im 14 Jhdt.
Man machte das Getreide durch die „andere Form“ genießbar. Und zur Haltbarkeit verwendete man im 14 Jhdt noch selten Hopfen… Eher Rinde, Schachtelhalme, Kräuterausüge und andere, mitunter sehr seltsame Dinge.

Bier war zum schnellen Verbrauch bestimmt…

Grüße

Midir

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Rehallo,

Selbst mit und nach Einführung des Reinheitsgebotes im 15
Jhdt. war das, was man da teilweise vorgesetzt bekam nur
schwerlich Bier zu nennen.

ARGL!!! Reinheitsgebot von 1516!!! 16 Jhdt!!! nicht 15!

Grüße

Midir

Liebes Forum,

weiss nicht genau, ob ich in diesem Brett mit der Frage
richtig bin - oder mich lieber an die
Chemiker/Biologen/Bierfreunde wenden muss:
Hatte eine mittelalterliche Brauerei Anfang des 14 Jh. schon
ein „Kühlschiff“? Und wenn nicht, wie wurde dann „gekühlt“?
Bin für jeden Tipp dankbar.

Hallo Marlow,
damit Bier länger haltbar ist und wenigstens in der Umgebung vertrieben werden konnte, wurde es stärker gebraut, d.h. mit höherem Alkoholgehalt, damit wurde es auch haltbarer - sogenannte Exportbier. Nebeneffekt war, dass vor Ort das Bier mit Wasser wieder auf übliche Trinkstärke verdünnt werden konnte. Ob sich dadurch Kühlschiffe erübrigten weiß ich nicht.

Wolfgang D.

Hallo Marlow,
damit Bier länger haltbar ist und wenigstens in der Umgebung
vertrieben werden konnte, wurde es stärker gebraut, d.h. mit
höherem Alkoholgehalt, damit wurde es auch haltbarer -
sogenannte Exportbier. Nebeneffekt war, dass vor Ort das Bier
mit Wasser wieder auf übliche Trinkstärke verdünnt werden
konnte. Ob sich dadurch Kühlschiffe erübrigten weiß ich nicht.

Ich habe nicht die riesen Ahnung vom Bierbrauen, aber das Kühlschiff braucht man, soweit ich das nachlesen konnte, um das Bier während der Produktion herunterzukühlen. Warum das an der Stelle so wichtig ist, weiß ich leider nicht. Das hat so wie ich das verstanden habe, nichts mit Haltbarmachung oder Kühlung während des Transportes zu tun. Der Kühleffekt funktioniert hier darüber, daß das Bier auf eine große Oberfläche gebracht wird und sich so schneller abkühlt. Da daß aber offenbar auch ein ‚offenes Tor‘ für Krankheitserreger ist, wird das heute so nicht mehr gemacht.

Tach,

das Kühlschiff wurde benötigt, um den gekochten Sud herunterzukühlen. Hefe ist nicht sehr temperaturtolerant…
Erst durch Erfindung der Kühlmaschine konnten plattenkühler eingesetzt werden.

Exportbier gab es im MA nicht!
Das, was alos Bier zu bezeichnen wäre ist eher ein dünner, schwach alkoholischer Sud aus Getreide sowie vielen, teils abenteuerlichen Ingredientien.
Lediglich in den Klästern gab es zur damaligen Zeit so was wie eine Bierkultur.
In den großen und reichen Klöstern wurden meist 3 Arten von Bier gebraut:

  1. Das Dünnbier oder Armenbier (Aus Roggen, HAfer… teils auch der 2 Aufguß aus der Bierproduktione) Verwendung als Pilgerbier oder Armenbier
  2. Das Gerstenbier für Mönche, normale Gäste
  3. das Weizenbier für den Abt und hohe kirchliche und weltliche BEsucher und Würdenträger.

Nochmals: Bier wurde nicht transportiert (wie auch bei dem schlechten Wegenetz) sondern zum baldigen Verbrauch vor Ort produziert…

Mahlzeit

Midir

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Lieber MiDir,
lieber Wolfgang
lieber Lorgan,

herzlichen Dank für die fundierte Hilfe. Die Antworten haben mir sehr geholfen.

beste Grüße,
marlowe.