… das macht dein kmu doch sicher genauso: möglichst
lukrative aufträge mit dem geringstmöglichen aufwand ausführen
…
Hallo!
So auf den Punkt gebracht beschreibst Du einen Abzocker. Du beschreibst aber kein auf dauerhaften Bestand angelegtes Geschäft.
Ein Kunde kauft eine Ware oder nimmt eine Dienstleistung in Anspruch, weil er einen Nutzen haben will. Der Anbieter will für seinen Lebensunterhalt Geld verdienen. Beide Geschäftspartner ziehen also ihren Nutzen aus dem Geschäft. Nur dann taugt ein Geschäft etwas. Nur wer den beiderseitigen Nutzen im Blickfeld behält, wird auf längere Sicht erfolgreich Geschäfte machen können.
Der Arbeitnehmer bietet seine Arbeitskraft an. Vom Verkaufserlös will er leben. Der Arbeitgeber hat Arbeit zu erledigen, braucht dafür den Mitarbeiter und bezahlt seine Arbeitskraft. Das ist das Geschäft zum beiderseitigen Nutzen. Damit alles geregelt und verläßlich abläuft, gibts Arbeitsverträge. Darin sind u. a. Kündigungsmodalitäten geregelt. Schließlich kann keiner davon ausgehen, jemanden zum lebenslangen Geschäft zu zwingen. Die Vertragspartner können also kündigen. Bis dahin hat jeder seine Pflichten zu erfüllen. Aber nicht darüber hinaus.
Die Sache mit den Abfindungen ist ein Auswuchs. Da soll ohne Gegenleistung bezahlt werden, was ich für einen Bruch in der Systematik dauerhaft funktionierenden Geschäfts halte. Das Geschäft wird einseitig, der beiderseitige Vorteil entfällt. Damit nimmt man einem Geschäftspartner die Lust, solche Geschäfte zukünftig wieder einzugehen. Auf gut deutsch: Der Arbeitgeber wird sehr vorsichtig mit Neueinstellungen sein.
Etliche Leute, die früher Mitarbeiter beschäftigten, haben längst beschlossen, man möge sich zukünftig einen anderen Dummen suchen. Es reicht nicht, oft genug nur deshalb bezahlen zu müssen, weil der Monat zu Ende ist. Abfindungsforderungen verlangen die Zahlung ohne jeden Grund. Lieber vergibt man Aufträge an andere Selbständige. Darin liegt nach meiner Einschätzung die Zukunft: Viel mehr Menschen müssen selbständig tätig werden. Dann gibt es nur noch Geld aufgrund erbrachter Leistung - ein sehr gesundes Prinzip. Diese Leistung zu kaufen ist etwas teurer als die Leistung vom eigenen Angestellten. Dafür muß aber auch nur für erfolgreiche Arbeit bezahlt werden. Man muß nichts bezahlen, weil Weihnachten ist. Man muß niemanden dafür bezahlen, daß er seinen Bauch in die Sonne hält, auch nicht dafür, daß jemand weshalb auch immer im Bett liegt und man bezahlt nicht für anderer Leute Rente.
Die verbreitete Versorgungsmentalität führt dazu, daß immer mehr Inhaber von KMUs Aufgaben ausgliedern. Man bedient sich lieber Leuten, die nur Geld für erbrachte Leistung erhalten. Das stößt zwar auf Grenzen, aber es gibt Fälle, in denen ein Kleinbetrieb mit ehemals 10 bis 20 Mitarbeitern auf Null heruntergefahren wurde, der Inhaber arbeitet alleine und erledigt nur noch die Dinge, die den Kern des Know-hows ausmachen. Alles andere machen Zulieferer. Am Ende kommt für den Inhaber keineswegs weniger heraus als zuvor mit dem Haufen sorgenmachender Leute.
Mir sind mehrere solcher Beispiele bekannt. Dabei wurden auch Keimzellen für weitere selbständige Existenzen gelegt, aber insgesamt werden weniger Menschen beschäftigt. Ein paar selbständige Leistungsträger, die knackig zu tun haben, bleiben übrig.
Wenn ich einige Fragen in den Brettern Recht und Jobs sehe, nehme ich an, daß immer mehr Selbständigen die Lust auf Mitarbeiter vergehen wird: „Habe ich Anspruch auf Sonderurlaub für die goldene Hochzeit meiner Schwiegereltern?“ oder „Der Chef will mir das private Surfen im Internet in der Arbeitszeit verbieten. Darf der das?“ Hinzu kommen nicht zuletzt irrwitzig hohe Sozialabgaben für die Absicherung der Mitarbeiter und fertig ist ein wesentlicher Bestandteil des Rezepts für Massenarbeitslosigkeit.
Gruß
Wolfgang