Hallo,
Wir haben bei w-w-w ja mindestens 2 literarische Übersetzerinnen,
Jau, und hier ist eine davon… ;o)
Ich muss allerdings gestehen, dass ich hauptsächlich im Bereich Fantasy und Science Fiction übersetze, und da sind die tiefsinnigen literarischen Anspielungen tendenziell eher dünn gesät.
Dafür stellt sich hier eher das Problem der Namen, die gerne bedeutungsschwanger daher kommen. Ich persönlich ziehe es vor, dafür eine deutsche Entsprechung zu finden, die dem Leser das Verständnis erleichtert*; hierbei sind allerdings Übersetzer nicht immer ganz frei in der Entscheidung, zumal viele Fantasy-Romane in Reihen oder vielbändig daher kommen, so dass leider häufig in die deutsche Übersetzung einfach die englischen Namen und Bezeichnungen übernommen werden müssen.
Richtig ‚schwierig‘ sind imho auch nicht unbedingt Anspielungen, zumal wenn sie sich auf Elemente der zeitgenössischen Populärkultur beziehen, sondern vielmehr feststehende Begriffe und Redewendungen, die es nicht zwingendermaßen in ähnlicher Form in der Zielsprache gibt und die sich mitunter direkt auf die gerade geschilderte Handlung beziehen.** In solchen Fällen muss die Übersetzung natürlich von der eigentlichen Wort- oder Satzbedeutung abweichen, um den Text in sich logisch und letztendlich überhaupt les- und verstehbar zu gestalten.
Häufig ist es auch notwendig, von einer eher wörtlichen Übertragung abzuweichen, um das unterschiedliche Sprachniveau verschiedener Personen deutlich zu machen, sei es nun, dass selbige eher nachlässige Umgangssprache oder starken Dialekt sprechen, sei es, dass das Ganze eher verschwurbelt daherkommt (dies ist leider im Bereich Fantasy öfter der Fall).
Wie frei oder textnah ein Übersetzer denn nun übersetzt, ist letztendlich immer seine eigene Entscheidung (ich persönlich neige eher zu letzterem und versuche, den Stil des Autoren einzufangen, aber es ist auch nicht ungewöhnlich, sehr frei und mit unverkennbarem eigenen Stil zu formulieren); er muss seine Entscheidung nur gut und begründet vertreten können.
Ob etwas per Fussnote erläutert wird oder nicht, ist wie so vieles der Mode unterworfen - derzeit wird dies eher vermieden.
Beste Grüße
=^…^=
Katze
PS: Nicht die bestmöglichen, aber auf die Schnelle gefundenen Beispiele:
*“Ass,” Ms. Harrows said.
“Beg pardon?” Greg said.
“ASS, the Association of Summer Sunbathers
„Arsch,“ sagte Ms Harrows.
„Wie bitte?“ fragte Greg.
„ArSCH, die ‚Arbeitsgemeinschaft Sommerurlaub in Club-Hotels’
**She waved her “Shakespeare is Satan’s Spokesman” sign languidly at me. (…) Delilah was out in the hall, on her knees next to her picket sign, crossing out the word “man” in “Spokesman”. “The Feminists for a Fair Language are here,” she said disgustedly. “They’ve got a court order.” She wrote “person” above the crossed-out “man”.
Sie winkte mir lässig mit ihrem ‚Shakespeare ist der Gefolgsmann Satans’-Schild zu. (…) . Delilah war draußen im Flur und kniete neben ihrem Protestschild. Sie strich gerade das Wort ‚Mann’ in ‚Gefolgsmann’ durch. „Die ‚FeministInnen für eine gerechte Sprache’ sind gerade hier,“ sagte sie angewidert. „Sie haben eine gerichtliche Verfügung.“ Sie schrieb ‚Person’ über das durchgestrichene ‚Mann’.